{"id":1297,"date":"2012-11-18T22:27:25","date_gmt":"2012-11-18T21:27:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.darkover-con.de\/?page_id=1297"},"modified":"2019-04-22T15:11:48","modified_gmt":"2019-04-22T14:11:48","slug":"berichte-november-2010","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.darkover-con.de\/?page_id=1297","title":{"rendered":"2010 &#8211; Herbst"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plotausschreibung<\/h3>\n\n\n\n<p>Leider ist die Plotausschreibung verschollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Yarid Ruyven lud als Herr von High Chapel zu einer Jagd bei sich ein. <\/p>\n\n\n<h3><span style=\"color: #993300;\">Oktober Con 2010 - Berichte<br>\n<\/span><\/h3>\n<p>Hier findet ihr die Berichte der Cons, die die im Forum gepostet wurden.<\/p>\n<p><a href=\"#von\">Von H\u00e4usern und T\u00f6chtern<\/a><br>\n<a href=\"#bri\">Briefe und Gedanken von Elaine Alton-Ardais<\/a><br>\n<a href=\"#aus\">Ausz\u00fcge aus dem Tagebuch von Fionn di Asturien<\/a><br>\n<a href=\"#ein\">Ein Kater der Auszog um Einzuziehen<\/a><br>\n<a href=\"#per\">Perspektivenwandel<\/a><br>\n<a href=\"#und\">Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Rabbithorn\u2026<\/a><\/p>\n<h3><a name=\"von\"><\/a>Von H\u00e4usern und T\u00f6chtern<\/h3>\n<p>Aus meinen Gedanken...<\/p>\n<p>Es war ein gro\u00dfer Spa\u00df, diese Luftwagenfahrt. Aufregend und anstrengend, aber vor allem ein lustiges Abenteuer. Wer h\u00e4tte gedacht, dass Menschen fliegen k\u00f6nnen und dass es sich so toll anf\u00fchlen w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p>Vor allem aber hat es mich abgelenkt.<br>\nZu viele N\u00e4chte hatte ich mir seit dem Eintreffen der Einladung gr\u00fcbelnd und von Erinnerungen \u00fcberw\u00e4ltigt um die Ohren geschlagen. Es stand sofort f\u00fcr mich fest, dass ich ihr folgen w\u00fcrde. Und der traurige Umstand, der Melissandra dazu brachte, mich zu begleiten, sorgte daf\u00fcr, dass ich tats\u00e4chlich auch die Erlaubnis erhielt.<\/p>\n<p>Meine Gef\u00fchle schlugen Purzelbaum. Ich freute mich nat\u00fcrlich darauf, mein Zuhause wieder zu sehen, in den R\u00e4umen herumzuspazieren und als inzwischen dem Haus entwachsene und in die Welt hinausgegangene Frau liebevoll \u00fcber die vertrauten Dinge zu streichen. Vor meinem geistigen Auge sah ich jedes Zimmer, das ich geputzt, jedes M\u00f6belst\u00fcck, das ich gewienert und jeden Gegenstand, den ich poliert hatte. Ich sah die Farbe an den W\u00e4nden, die sich windende Treppe, wusste genau, welche Stufe knarrt, und kannte den Blick aus jedem Fenster. Mein Herz quoll \u00fcber vor Sehnsucht und Vorfreude.<br>\nAndererseits war da auch Angst. Sehr viel war an diesem Ort geschehen, Gutes \u2013 aber auch Schlechtes. Ich hatte mich dort selbst verloren, und ich hatte viele vertraute Menschen verloren. Und vor allem war es der Ort, an dem mein geliebter Herr und Vater gestorben war. Lange noch hatte ich seinen Sch\u00e4del mit mir herumgetragen, bis man mich gezwungen hatte, auch diesen zu begraben.<\/p>\n<p>Das war kurz vor meiner pl\u00f6tzlichen Abreise gewesen.<\/p>\n<p>Die Ereignisse vor knapp zwei Jahren\u2026<\/p>\n<hr>\n<p>Das Haus von Dom Yannis Alton war fr\u00fcher ein gl\u00fcckliches Haus. G\u00e4ste kamen, Musik spielte, es fanden Jagden und tiefernste Diskussionsrunden statt. Haus und Hof florierten. Ich selbst war dort hinein geboren worden. Schon von Kindesbeinen an machte ich mich als kleine Magd n\u00fctzlich, und im Laufe der Zeit eignete ich mir mehr und mehr F\u00e4higkeiten an und wurde die erste Hausdienerin des Anwesens.<\/p>\n<p>Dann klopfte eines Tages ein Barde an unsere T\u00fcr. Er suchte eine Stelle, und Dom Yannis stellte ihn ein.<br>\nMit diesem Tag, mit Yarids Erscheinen, brach das Ungl\u00fcck \u00fcber High Chapel herein. Innerhalb weniger Wochen wurden wir krank. Nach und nach verstarben die Mitglieder des Haushalts, bis nur noch mein geliebter Dom Yannis, der Coridom Jamie, die Magd Mairie und ich \u00fcbriggeblieben waren. Am Leben, ja. Aber nicht gesund. Mairie, noch nie die allerhellste, war nun auf dem niedlichen geistigen Niveau einer Siebenj\u00e4hrigen. Jamie verlor sein Interesse an der Haushaltsf\u00fchrung zunehmend und verfiel dem Alkohol. Dom Yannis ging es immer schlechter. Und ich selbst zerfiel in Einzelteile, wie man mir sp\u00e4ter erkl\u00e4rte. Ich nannte mich Grisilda, Magda und \u00c1ine, wobei Magda mit Mairie geistig kaum mithalten konnte, \u00c1ine alles anflirtete, was nicht schnell genug fliehen konnte, und Grisilda auf strenge und unnachgiebige Art das Haus zusammenhielt. Auf sie war Verlass, wenn es um Sauberkeit und Ordnung und das Versorgen der anderen Bewohner ging. Aber Mitmenschlichkeit konnte man von ihr nicht erwarten. Der einzige, dem ihre (und Magdas und \u00c1ines) uneingeschr\u00e4nkte Sorge und Liebe galt, war Dom Yannis.<br>\nDoch dieser kam kaum mehr aus seinem Zimmer. Und st\u00e4ndig war Yarid bei ihm, um sich um ihn zu \u201ek\u00fcmmern\u201c. Oder hielt er ihn dort fest? Ich kann es nicht sagen. Grisilda, Magda und \u00c1ine nutzten die Zeiten, in denen Yarid schlief oder \u2013 wie so oft \u2013 in seiner eigenen entsetzlich traurigen Welt lebte, seine Harfe im Arm. Doch Dom Yannis war fast nie bei Bewusstsein. Ich hatte kaum mehr die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Und dann war er tot.<br>\nIch wollte es lange nicht wahrhaben, es zerriss mir das Herz. Es schien, als w\u00e4re mehr als nur mein Herr gestorben.<\/p>\n<p>Yarid stand nun dem Haushalt vor. Und er erkl\u00e4rte uns, Dom Yannis habe ihn adoptiert und als Erben eingesetzt. Nun, wenn dem so war, w\u00fcrden wir ihm gehorchen m\u00fcssen. Aber mit rechten Dingen war das nicht zugegangen. Da waren wir uns einig. Der Dom Yannis aus alten Zeiten, Herr seines Geistes und seines K\u00f6rpers, h\u00e4tte niemals einen dahergelaufenen Barden als Erben eingesetzt!<\/p>\n<p>Und dann waren auf einmal diese vielen Menschen gekommen. Die Ereignisse hatten sich \u00fcberschlagen. Die unheimliche dunkle Macht, die die ganze Zeit seit Yarids Ankunft sp\u00fcrbar gewesen war, war sichtbar geworden. Unsere Besucher gerieten in Angst und Schrecken. Jamie wurde mit einem Dolch ermordet, das h\u00fcbsche wei\u00dfe M\u00e4dchen Kierestella wurde von den dunklen Gestalten geraubt\u2026<br>\nDoch dann konnte das B\u00f6se schlie\u00dflich vertrieben werden. Man heilte mich, teilte mir mit, dass ich die Tochter Dom Yannis\u2019 sei und von der Familie anerkannt werde, und schickte mich umgehend in einen Turm, wo ich ausgebildet werden sollte\u2026<br>\nAber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>Ich verscheuchte die alten Erinnerungen, stieg mit klopfendem Herzen aus dem Luftwagen und eilte auf das Haus zu. Alles war so vertraut, ich bekam vor R\u00fchrung kaum Luft. Mein Zuhause! Das Haus meines Vaters!<br>\nDoch dann blieb mein Herz pl\u00f6tzlich stehen: Yarid hatte Ver\u00e4nderungen vorgenommen! Der wundersch\u00f6ne Bogen des Eingangstores war entfernt und eine eckige T\u00fcr eingesetzt worden! Und im Eingang stand eine grinsende Gestalt, die erkl\u00e4rte, sie w\u00fcrde uns ja gern empfangen, wenn sie Herr des Hauses w\u00e4re, aber das sei sie nicht, und das Personal leider eher langsam\u2026<\/p>\n<p>Alle Luft entwich aus meinen Lungen, ich kr\u00fcmmte mich. Wer war das? Und wie kam er dazu, das Haus und die hier lebenden Menschen so zu verspotten?! Wer waren diese Menschen \u00fcberhaupt und was hatte Yarid mit dem Haus gemacht?! Und warum?!<\/p>\n<p>Ich konnte das Haus nicht betreten, solange diese merkw\u00fcrdige Person dort stand. Doch schlie\u00dflich wurden wir vom neuen Coridom hereingef\u00fchrt. Ich dachte kurz an Jamie, aber er war es nicht. Melissandra blieb an meiner Seite, und Julianna h\u00fcpfte aufgeregt hin und her. Sie freute sich wohl sehr auf ihre Familie. Au\u00dferdem schien sie furchtbar neugierig auf Yarid zu sein, warum, wei\u00df ich allerdings nicht. Ich ging die alte Treppe hinauf zum Saal, und wieder traf mich der Schlag. Auch hier war alles ver\u00e4ndert worden. Kein einziges der alten Sammlerst\u00fccke, die meinem geliebten Herrn und Vater so viel bedeutet hatten, stand mehr an seinem Platz. Alles wirkte modern und \u2013 ohne Seele.<br>\nYarid brauchte einen Moment, um uns zu bemerken, so sehr war er in ein Gespr\u00e4ch vertieft. Dann kam er auf uns zu, in ungew\u00f6hnlich guter Stimmung, ja nahezu aufgekratzt. Ich brachte kaum ein Wort heraus. Und anstatt ihn freundlich zu begr\u00fc\u00dfen \u2013 als ehemaligen Barden im Dienste meines Herrn und Vater, als meinen ehemaligen Herrn, als Adoptivbruder oder als jetzigen Hausherrn \u2013, brachte ich nur ein gekr\u00e4chztes \u201eWarum?\u201c \u00fcber die Lippen. \u201eWarum hast du alles ver\u00e4ndert? Hat dich dein Gewissen so sehr geplagt, dass du die Erinnerungen an den wahren Hausherrn ausl\u00f6schen musstest?\u201c Yarid verzog nur kurz erstaunt das Gesicht und erwiderte eifrig, er halte doch die Erinnerung an Yannis hoch und in Ehren \u2013 wie man an dem aufgeh\u00e4ngten Bild sehen k\u00f6nne.<br>\nL\u00e4cherlich. Aber ich bemerkte soeben die anderen anwesenden G\u00e4ste und biss mir auf die Zunge. Nicht der geeignete Zeitpunkt f\u00fcr eine \u201eFamilien\u201cfehde.<\/p>\n<p>Ich hatte mich so auf das Wiedersehen mit meinem Zuhause gefreut, hatte mich so sehr danach gesehnt. Doch hier war alles fremd. Ver\u00e4ndert. Es tat unglaublich weh. Ich nahm Platz, konnte aber nichts von den angebotenen Erfrischungen herunterbringen. Ich beobachtete Yarid in seiner Rolle als Hausherr. Und ich verstand nicht, in was f\u00fcr eine l\u00e4cherliche Kom\u00f6die ich da geraten war. Yarid wusste kaum, wie er sich benehmen sollte, wirkte unsicher und versuchte, dies mit \u00fcbertriebener Leutseligkeit zu \u00fcberspielen. Ein Lord! Ein unertr\u00e4glicher Gedanke!<br>\nDann entdeckte ich Fionn unter den Anwesenden. Er schien gerade hereingekommen zu sein. Ich st\u00fcrzte auf ihn zu, freute mich so, ihn zu sehen! Er war schlie\u00dflich vor knapp zwei Jahren dabei, er w\u00fcrde verstehen, was mir durch den Kopf ging. Und als er mich fragte, wie es mir so ergangen sei, str\u00f6mten die Worte nur so aus mir heraus. Ich schilderte ihm meine Not, die ich mit Yarid als Hausherrn hatte. Sah denn niemand, wie er sich dieses Erbe erschlichen hatte? Fragte denn niemand, wieso mit seinem Erscheinen ein ganzes Haus pl\u00f6tzlich verfiel? Sah denn niemand, wie das Erbe von Dom Yannis hier zu einer Schmierenkom\u00f6die verkam? Fionn gab sein Bestes, meinem Wortschwall standzuhalten. Am Ende vermied er es jedoch, mir seine Unterst\u00fctzung zuzusichern. Er verwies mich auf meine Familie.<\/p>\n<p>Meine Familie!<br>\nAls Alton-Nedestra hatte ich nat\u00fcrlich eine Familie.<br>\nAllerdings waren nur entfernte Verwandte da, die ich noch nie gesehen hatte. Andererseits waren es die Geschwister von Lord Alton. Vielleicht w\u00fcrden sie meinem Anliegen Geh\u00f6r schenken. Zuerst begr\u00fc\u00dfte ich Elaine Alton-Ardais, eine Dame mit sehr viel Stil und offensichtlich sehr konservativen Ansichten. Am liebsten w\u00e4re ich gleich wieder in den Knicks der ehemaligen Dienerin verfallen, aber Melissandras und Juliannas Gegenwart erinnerte mich noch rechtzeitig an meinen neuen Stand. Die Begr\u00fc\u00dfung fiel freundlich, wenn auch nicht gerade famili\u00e4r aus. Aber all das war mir eigentlich egal. Mein Kopf war voller anderer Gedanken. Und es hielt mich auch nicht lange auf meinem Stuhl, ich bat Domna Elaine um ein Gespr\u00e4ch. Au\u00dferdem fragte ich Melissandra, ob sie mich begleiten w\u00fcrde. Ich wollte jemanden an meiner Seite haben, der mich st\u00fctzen oder bremsen k\u00f6nnte, wenn meine Gef\u00fchle mit mir durchgehen sollten. Ich wusste nicht, ob ich ein solches Gespr\u00e4ch allein durchstehen w\u00fcrde. Zu unsicher war ich mir noch in meiner Position, zu unsicher hinsichtlich der Regeln, zu vage m\u00f6glicherweise mein Unmut \u00fcber Yarids Hausherrengetue.<br>\nDomna Elaine h\u00f6rte sich mein Anliegen an und blieb die ganze Zeit freundlich distanziert. Schlie\u00dflich gab sie mir zu verstehen, dass sie sich als Frau \u00fcber derartige Dinge nicht den Kopf zerbrechen k\u00f6nne und ich mich doch bitte an kundigere Menschen, allen voran ihren Bruder, Dom Ramon Alton y Syrtis, wenden solle.<br>\nNun, das war nicht die Unterst\u00fctzung, die ich mir gew\u00fcnscht hatte. Ich konnte noch einigerma\u00dfen nachvollziehen, dass sie sich in keinerlei politische Entscheidungen einmischen mochte. Dass sie aber noch nicht einmal irritiert \u00fcber den neuen Hausherrn schien, fand ich erstaunlich. Ja, geradezu befremdlich. War es ihr egal, was mit dem Haus ihres Verwandten passierte? Glaubte sie denn, dass sie Dom Yannis\u2019 Andenken ehrte, indem sie diese unter mehr als fragw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden zustande gekommene Adoption anerkannte? Ich verstand diesen verqueren Familiensinn nicht.<br>\nImmerhin konnte ich aber Domna Elaine dazu \u00fcberreden, dass sie mich ihrem Bruder vorstellte und ein Gespr\u00e4ch mit ihm arrangierte.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich schnappte ich immer mal ein paar Gespr\u00e4chsfetzen anderer G\u00e4ste auf, die inzwischen zahlreich eingetroffen waren. So freute man sich, dass das Haus \u201eendlich wieder sauber\u201c war. Yarid h\u00e4tte seinen Haushalt endlich im Griff, so dass Staub und Schmutz der Vergangenheit angeh\u00f6rten! Ich sch\u00e4umte vor Wut. Das Haus von Dom Yannis Alton war immer ein sauberes und ordentliches gewesen. Und erst als mit Yarids Ankunft Tod und Krankheit um sich gegriffen hatten, war es zunehmend schwerer geworden, die anfallende Arbeit zu bew\u00e4ltigen. Grisilda hatte so sehr ihr Bestes gegeben. Aber wie h\u00e4tte sie allein das komplette Anwesen in Schuss halten k\u00f6nnen?! Ich wollte die feinen Damen und Herren gern mal sehen, wie sie in \u00e4hnlicher Situation dagestanden h\u00e4tten! Und ohne Yarid w\u00e4re das Gut wohl nie so heruntergekommen. Ihm jetzt Lob daf\u00fcr zu zollen, dass er es p\u00fcnktlich zur Feier gerade so wieder hinbekommen hatte, war mehr als zynisch. Und wenn man genau hinschaute, sah man auch recht schnell, dass ein Gro\u00dfteil des Personals erst vor kurzem eingestellt worden war und noch kaum wusste, wo oben und unten ist. Vom betrunkenen Wachpersonal ganz zu schweigen\u2026<\/p>\n<p>Aber dann ergab sich die Gelegenheit, Dom Ramon zu sprechen. Er h\u00f6rte sich mein Anliegen an \u2013 ebenfalls eher zur\u00fcckhaltend, manchmal fast am\u00fcsiert. Er stellte mein Erinnerungsverm\u00f6gen und meine Motivation in Frage. Er wollte wissen, ob ich etwa das Haus f\u00fcr mich selbst haben wollte. Ich \u00fcberlegte kurz und sagte dann, dass es in meine H\u00e4nde vermutlich eher geh\u00f6rte als in die des Barden, aber dass es mir vor allem darum ginge, die Ehre und das Ansehen von Dom Yannis Alton nicht ins L\u00e4cherliche gezogen zu sehen. Eine Weitergabe des Anwesens an einen wahren Alton schien mir das Mindeste zu sein. Abgesehen davon besa\u00df ich aber auch einen Brief, in dem vom Hause Dom Yannis\u2019 meiner Mutter versichert wurde, dass ich in dem Anwesen immer eine sichere Zuflucht h\u00e4tte. Nur \u2013 wie sollte das aussehen? Yarid und ich geschwisterlich unter einem Dach? Also, wenn sich etwas nicht ziemt, dann wohl eine solche L\u00f6sung!<br>\nDom Ramon interessierte sich f\u00fcr den alten Brief kaum. M\u00f6glicherweise gelten solche Versprechen in seinem Hause nicht viel. Er erkl\u00e4rte mir abschlie\u00dfend, dass er genau aus diesem Grund \u2013 der Kl\u00e4rung der Erbanspr\u00fcche und der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Eigentums \u2013 nach High Chapel gekommen war, und dass ich ruhig alles ihm \u00fcberlassen k\u00f6nne.<br>\nDie Distanziertheit und Unverbindlichkeit des Gespr\u00e4chs zeigte mir, dass mein Anliegen auch hier auf taube Ohren stie\u00df. Es war wohl bequemer, alles so zu lassen, wie es war. Den Mantel des Schweigens dar\u00fcber zu legen und die quengelnde Nedestra zu ignorieren. Mehrfach konnte ich meine Tr\u00e4nen kaum zur\u00fcckhalten, obwohl ich wusste, dass sie meinen Gespr\u00e4chspartner eher absto\u00dfen als \u00fcberzeugen w\u00fcrden. Zu sehr lag mir die Geschichte meines Heims am Herzen.<\/p>\n<p>Doch dann geschahen Dinge, die alle Anwesenden und auch mich vollkommen in Beschlag nahmen. Schreckliche Dinge, die die Erinnerungen an die Ereignisse vor knapp zwei Jahren schlagartig wieder lebendig werden lie\u00dfen. Ich \u00fcberlasse anderen die Details, zu wenig hab ich selbst davon verstanden. Wir schwebten in gro\u00dfer Gefahr, wieder durch dunkle M\u00e4chte ausgel\u00f6st, wieder war Yarid irgendwie darin verwickelt. Ich tat mein Bestes, n\u00fctzlich zu sein. Lange war unser Schicksal ungewiss, und nat\u00fcrlich verschwendete ich kaum einen Gedanken mehr an meine privaten Anliegen.<br>\nYarid bot mir allerdings zwischenzeitlich an, ich k\u00f6nne ihn doch pro forma heiraten, und wir w\u00fcrden gemeinsam das Haus bewohnen. Er w\u00fcrde in seinem Leben nicht mehr ernsthaft heiraten und schon gar keine Nachkommen zeugen wollen, ich h\u00e4tte da freie Hand\u2026<br>\nIch gebe zu, ich war eine Zeitlang in Versuchung. Aber wie gesagt, die Ereignisse lie\u00dfen keine ernsthaften \u00dcberlegungen zu.<br>\nStatt dessen arbeitete ich schlie\u00dflich in einem gro\u00dfen Kreis mit, da brauchte ich all meine Konzentration. Es ging darum, die b\u00f6se Macht in eine Matrixfalle zu locken. Das war anspruchsvolle Kreisarbeit, f\u00fcr die ich mich kaum ausreichend ausgebildet f\u00fchlte. Aber wir brauchten jeden von uns. Dennoch h\u00e4tte ich es trotz allen Bem\u00fchens beinahe nicht durchgestanden! Und wie stolz war ich, als wir es geschafft hatten! Die Bedrohung war beseitigt \u2013 und ich hatte mitgeholfen! Zum ersten Mal hatte ich das Gef\u00fchl, dieses Laran tats\u00e4chlich nutzbringend einsetzen zu k\u00f6nnen! Melissandra als meine Ausbilderin begl\u00fcckw\u00fcnschte mich, und wir lagen uns erleichtert in den Armen.<\/p>\n<p>Und da reifte mein Entschluss.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde Abschied nehmen von meinem Zuhause. Keine faulen Kompromisse und keine falschen Eheversprechen. Ich w\u00fcrde die schmerzlichen Erinnerungen aus meinem Ged\u00e4chtnis bannen und von nun an im Turm all meine Kraft einsetzen und meine Ausbildung weitaus zielstrebiger als bisher vorantreiben. Ich wusste jetzt, wo ich hingeh\u00f6rte. Und in Melissandras Augen sah ich Freude und Zustimmung. Meine Familie war mein Turm.<\/p>\n<p>Und damit w\u00fcrde es nicht nur ein endg\u00fcltiger Abschied vom Haus meines Vaters werden, sondern auch von einer Familie namens Alton. Diese war inzwischen mit Pl\u00e4nen besch\u00e4ftigt, Yarid in die Familie einzuheiraten und damit seinen Besitzanspruch zu legitimieren. Die G\u00f6tter m\u00f6gen seiner Zuk\u00fcnftigen beistehen, denn mit seiner Alayra wird sie nicht konkurrieren k\u00f6nnen. Im eigenen Haus auf Lebzeiten nur zweite Geige. Und wie sie zu den verlangten Kindern kommen soll, angesichts von Yarids \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfertem Abstinenz-Gel\u00fcbde (das er an dieser Stelle wohlweislich nicht noch einmal wiederholte), das ist wohl ihrer Phantasie und Moral \u00fcberlassen\u2026 Au\u00dferdem sollte Yarid schnell noch ein bisschen Benimmschule durch Domna Elaine erhalten. Damit machte man nun endg\u00fcltig den Bock zum G\u00e4rtner. Nur Schein, kein Sein. Offensichtlich hatte mich mein erster Eindruck nicht getrogen: Hier fand eine Schmierenkom\u00f6die statt, zu deren Ensemble ich jedoch nicht mehr geh\u00f6ren wollte. Und eine Familie, die eine ihrer T\u00f6chter so sehr im Stich lie\u00df, brauchte mich nicht. So wenig wie ich sie. Ich w\u00fcrde von nun an gesellschaftliche Anl\u00e4sse meiden, auf diese Weise w\u00fcrde ich schnell wieder in Vergessenheit geraten. Und ich w\u00fcrde im Turm zu Hali ein neues Zuhause, eine Familie und einen Lebenssinn haben.<\/p>\n<p>Ich bat also Dom Ramon um die Erlaubnis, wieder nach Hali reisen und meine Ausbildung abschlie\u00dfen zu d\u00fcrfen. Er gew\u00e4hrte sie mir, vermutlich ebenfalls froh, mich so billig wieder los zu sein.<\/p>\n<p>Ich ging ein letztes Mal durch die R\u00e4ume, suchte nach Vertrautem, fand es hier und da. Ich nahm Vaters Bild von der Wand, nahm einige pers\u00f6nliche Dinge aus meiner ehemaligen Kammer und schaute noch ein letztes Mal nach den von Yarid beiseite ger\u00e4umten Sammlerst\u00fccken.<\/p>\n<p>Die letzten Minuten verbrachte ich an Vaters Grab.<\/p>\n<p>Dann bestieg ich erneut mit Melissandra und Julianna den Luftwagen, um auf eine Weise zu reisen, die Menschen fliegen und gleichzeitig ihre Sorgen vergessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>... Und jetzt raus aus meinen Gedanken!... *Barrieren hochzieh*<\/p>\n<h3><a name=\"bri\"><\/a>Briefe und Gedanken von Elaine Alton-Ardais<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend am Samstag Morgen der Kriegsrat im Erdgescho\u00df beriet, schrieb Elaine unter gro\u00dfer M\u00fche einen Brief an ihren Gemahl, der auf Ardais weilte. Zwar bot sich ihre Begleiterin an den Brief zu schreiben, doch war sie der Meinung, dass Coryn weit besser ohne ausf\u00fchrliche Worte ihre Sorgen versteht, wenn sie sich selbst die M\u00fche des Schreibens macht.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.darkover-con.de\/wordpress\/bilder\/Elaine1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"700\"><\/p>\n<p>Nach einem ereignisreichen Tag schrieb Elaine am sp\u00e4ten Abend einen weiteren Brief an ihren Gemahl.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.darkover-con.de\/wordpress\/bilder\/Elaine2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"700\"><br>\n\u00dcbersetzung<\/p>\n<p>1.Brief<\/p>\n<p>Mein lieber Coryn<br>\nGestern sind hier auf High Chapel seltsame Dinge geschehen, die mich sehr \u00e4ngstigend und verwirren. Gestern verstarben hier Dom Corran di Asturien und Yarid.<br>\nMein Bruder Ramon hat festgestellt das Dom Corran versuchte jemanden mit Laran abzuwehren, denn er wurde mit der Matrix in seiner Hand und durchgebissenen Lippen gefunden. Vielleicht kannst du daraus etwas schlie\u00dfen. Kurz zuvor hatte ich noch mit ihm zusammen gesessen.<br>\nDen Tod von Yarid habe ich nicht miterlebt, den ich war bei Domna Aliciane, um ihr in ihrem Schmerz beizustehen.<br>\nUnd dann waren wir pl\u00f6tzlich wieder in der Halle und Yarid begr\u00fc\u00dfte uns als seine G\u00e4ste, wie einige Stunden zuvor. Lebend! Und auch Dom Corran sa\u00df an seinem Platz, frohgemut und bester Gesundheit.<br>\nEs war erschreckend, da ich doch noch kurz zuvor mit Aliciane an seinem Leichnahm gewacht hatte. Octavian und Irmelin Hastur hielten das ganze f\u00fcr ein Schauspiel und applaudierten.<br>\nWir alle konnten uns daran erinnern, was geschehen war, nur Dom Corran und Yarid nicht. Das alles macht mir Angst, Coryn, denn ich verstehe es nicht. Und einige der G\u00e4ste erz\u00e4hlten wieder und wieder von den Ereignissen auf High Chapel vor einiger Zeit von denen Errol Finn berichtete.<br>\nIch w\u00fcrde am liebsten zu dir reisen oder dich bitten so schnell wie m\u00f6glich zu mir nach Armida zu kommen, wohin ich abreisen m\u00f6chte. Aber wo ich diese Zeilen schreibe, wei\u00df ich nicht, bo das richtit gist, einfach fortzugehen. Sollte ich nicht bleiben um dieses R\u00e4tsel zu l\u00f6sen?<br>\nIch w\u00fcnschte du w\u00e4rest hier, mein Liebster. Ich brauche dich. Deine St\u00e4rke und deinen Rat. Ich komme ir so dumm und hilflos vor.<\/p>\n<p>Bleibe nicht zu lange auf Ardais.<\/p>\n<p>In Liebe<\/p>\n<p>Deine Elaine<\/p>\n<p>----------------------------------------<\/p>\n<p>2. Brief<\/p>\n<p>Mein lieber Coryn,<br>\nDie Dinge waren aufw\u00fchlend an diesem Tag. Ich w\u00fcnschte sehr das du hier gewesen w\u00e4rest, den das R\u00e4tsel von High Chapell war mehr dein Metier denn meins. Ich werde dir davon berichten wenn wir uns wieder sehen. Aber ich kann dir sagen, dass alle wohlauf und am Leben sind.<br>\nRamon hat Yarids Anspruch auf High Chapell best\u00e4tigt mit der Bedingung das er eine Alton zu ehelichen. Mir ist die Aufgabe zugefallen ihm die Braus auszuw\u00e4hlen. Zu dem hat Ramon mich darum gebeten es zu \u00fcbernehmen ihn in den Formen der Etikette zu unterweisen. Auch wenn Ramon es als Bitte formulierte, konnte ich es nicht abschlagen. Du wei\u00dft wie ich \u00fcber Yarid denke und ich halte es f\u00fcr meine Pflicht ihm zu helfen.<br>\nHigh Chapell ist nun wied ein ruhiger Ort versicherte man mir. Ich werde bleiben, bis du von Ardais zur\u00fcck kehrst und mich und die Kinder hier abholst.<br>\nPrek\u00e4re wird die Situation mit Yarid jedoch vielleicht in Thendara, da er die Hastur br\u00fcskierte. Und weshalb ich ihn nach Ramons Weisung unter meine Fittiche genommen habe. Er wird den Namen Alton tragen und eine Tochter dieses Hauses heiraten. Es ist mir wichtig das aller Familienehre nicht durch alte Vers\u00e4umnisse gesch\u00e4digt wird.<\/p>\n<p>Mache dir keine Sorgen um mich. Ich habe mich von Gefahren und Aufregungen fern gehalten.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob es meinen Bruder vor den Kopf sto\u00dfen wird, wenn du bei Giley Yarid ansprichst und alte Vers\u00e4umnisse anderer nachgeholt werden.<\/p>\n<p>In Liebe<\/p>\n<p>Deine Elaine<\/p>\n<p><strong>Elaines Gedanken<\/strong><\/p>\n<p><em>Elaine sa\u00df in den R\u00e4umen, die Yarid ihr zur Verf\u00fcgung gestellt hatte. Die G\u00e4ste waren abgereist und die Kinder weilten noch auf Armida. Es war eine seltene Ruhe die Elaine dazu brachte, \u00fcber die Dinge die in den letzten Tagen geschehen waren nachzudenken. Sie musste sie in ihrem Kopf ordnen sonst w\u00fcrde sie dass alles gar nicht mehr zusammen bekommen, wenn sie es Coryn erz\u00e4hlen wollte. Und er w\u00fcrde sicherlich sehr neugierig \u00fcber ihre Erz\u00e4hlung sein, was hier geschehen war. Er w\u00fcrde ihr zuh\u00f6ren, nicken und viel mehr von dem verstehen was er h\u00f6rte als sie von dem verstand was sie sagte.<br>\nSollte sie die Dinge aufschreiben? Sie w\u00fcrde niemals mit einem solchen Bericht fertig werden und keiner konnte ihn lesen. Zudem w\u00fcrde sie die Tinte niemals wieder von ihren Fingern bekommen. Trotzdem war das Aufschreiben keine so schlechte Idee.<br>\nCatriona holte Papier, Tinte und Feder und wartete darauf, was ihre Lady ihr diktieren w\u00fcrde.<br>\nElaine l\u00e4chelte. Wo sollte sie beginnen. Sollte sie mit \u201eEs war einmal\u201c beginnen? Aber das hier war kein M\u00e4rchen, sondern mehr eine Schauergeschichte. Zumindest in Elaines Augen.<br>\nLangsam begann sie zu diktieren.<\/em><\/p>\n<p>Catriona und ich reisten gemeinsam mit meinem Bruder Mikhail Caldir und seiner Frau Deionora von Armida nach High Chapel. Ich hatte auch auf Ramons Begleitung gehofft, doch er wurde Aufgehalten und traf erst nach uns ein.<br>\nIch kann mich nicht mehr recht entsinnen, doch wir waren mit bei den ersten G\u00e4sten, die eintrafen. Yarid begr\u00fc\u00dfte uns sehr freundlich und ich \u00fcbernahm es ihm Mikhail und Deionora sowie Catriona vorzustellen. Sein Benehmen war hervorragend und die Dienstboten aufmerksam, dass sie schon auf einen Blick hin zu uns eilten ohne das jemand ein Wort sagen musste. Mochten andere sich sp\u00e4ter \u00fcber die Wachleute mokiert haben, \u00fcber die Dienstboten kann ich kein schlechtes Wort verlauten lassen.<br>\nUnd schon beginnt es zu verwischen und ich w\u00fcsste nicht zu sagen, wer als n\u00e4chstes eintraf. War es Varzil Storn von Callarma oder waren es die Abgesandten des Turmes von Hali? Mit wem traf eigentlich Catrionas Bruder ein oder kam er allein? Ich glaube Colin Storn von High Kinnally kam alleine in die Halle. Es war so viel um uns herum, dass ich gar nicht mitbekam, dass die beiden sich begr\u00fc\u00dften.<br>\nOh \u2026 jetzt finde ich wieder den Faden. Aine Alton, von der ich die Leute auf Armida habe reden h\u00f6ren und von der auch mein Bruder Errol Finn erz\u00e4hlt hatte, kam zu mir, um mich unter vier Augen zu sprechen. Da es sich nach ihren Worten wohl um Angelegenheiten der Altons ging, nahm ich Catriona mit in die Runde, damit sie mir als Zeugin dienen konnte. \u00c4hnlich dachte wohl auch Aine, denn sie behielt ihre Ausbilderin aus Hali an ihrer Seite. Vielleicht war es aber auch nur geistiger Beistand f\u00fcr ihre Angelegenheit.<br>\nAine war besorgt, dass Yarids Anspruch auf das Gut High Chapell nicht angezweifelt wurde. Und obwohl sie sich im Turm wohl f\u00fchlte war ihr jetzt, da sie zur\u00fcck gekehrt war, danach als nat\u00fcrliche Tochter von Yannis Alton f\u00fcr ihr Erbe \u2026 zu k\u00e4mpfen oder es zu fordern? Oder zumindest gro\u00dfe Bedenken zu \u00e4u\u00dfern.<br>\nW\u00fcrde ich nichts \u00fcber Yarid wissen, so w\u00fcrde ich ihr sicher zustimmen, dass es nicht rechtens w\u00e4re, dass ein Barde die G\u00fcter und den Namen eines Comyn erbt. Kein Wort in diese Richtung kam jedoch \u00fcber meine Lippen und meine Barrieren blieben wohl verschlossen, wie es sich f\u00fcr eine solche Gesellschaft geh\u00f6rte.<br>\nEs tat mir leid \u00c0ine sagen zu m\u00fcssen, dass sie nur eine Tochter sei und zudem eine Nedestra. Daher w\u00fcrde sie keine Anspr\u00fcche besitzen. Was soll ich ihr Hoffnungen machen auf Dinge, die ihr nicht zustehen? Nur die Aillards stellen sich gegen die gegebene Ordnung. Sie hatte sich mehr von mir erhofft, dass wei\u00df ich. Doch war es mir nicht m\u00f6glich und ich verwies sie darauf, dass sie diese Angelegenheit vielleicht mit meinem Bruder Ramon besprechen sollte \u2013 der gerade in ein intensives Gespr\u00e4ch mit Yarid vertieft war. Ich bin nur eine Frau und habe keine Entscheidungsgewalt in solchen Sachen. Und kann auch nicht wissen, welche Absprachen in der Vergangenheit getroffen worden waren.<br>\nUm mich wohl doch noch zu einem guten Wort bei Ramon zu bewegen und mich zu \u00fcberzeugen, das Yarid nicht w\u00fcrdig war, begannen sie von jenen Ereignissen zu erz\u00e4hlen oder mehr anzudeuten, in die Yarid hier auf High Chapel verstrickt war. Ich kannte es von meinem Bruder und es hatte mich damals beunruhigt und ge\u00e4ngstigt. Es nun genutzt zu sehen, um Yarid zu diskreditieren gefiel mir nicht wirklich, auch wenn ich mich ruhig zeigte. Zu meiner Erleichterung beharrten sie nicht all zu lange bei diesem Thema, dass mit mysteri\u00f6s vorwurfsvollen Stimmen angesprochen wurde. Hatte Yarid nicht genug gelitten, dass man ihm kein Gl\u00fcck zugestehen wollte, h\u00e4tte ich gerne gefragt? War es in dieser Runde wo Julianna Ardais fallen lies, dass er ein Verwandter war? Ich \u00fcberging es und niemand schien es bemerkt zu haben. Ist es feige zu nennen, wenn ich mein Verhalten als Vorsicht bezeichne?<br>\nEs war glaube ich Julianna selbst die ungewohlt ganz andere Dinge zum Thema unserer kleinen Damenrunde machte. Ich bemerkte ihren freien Nacken und wollte sie r\u00fcgen, ob dieser Freiz\u00fcgigkeit. Sie meinte, sie w\u00e4re im Turm seid sie vierzehn sei und \u2026 ich kann ihren Wortlaut nicht wirklich wieder geben. Doch schien er zu implizieren, dass diese Art der Kleidung im Turm gang und g\u00e4be w\u00e4ren. Sicherlich meinte sie es nicht so, wie ich es verstanden habe und sie wollte mir mit ihren weiteren Worten auch nicht sagen, dass Mutter und Erzieherin ihre keine Regeln des Anstandes beigebracht h\u00e4tten. W\u00e4hrend dieses Gespr\u00e4ches drehte sie mir den R\u00fccken zu und ich war einer Ohnmacht nahe und ich sah die Ehre des Hauses Ardais dahin schwinden. Es war nicht nur ihr Nacken der Unbedeckt war sondern gar hier halber R\u00fccken schien unbedeckt zu sein. Ihre Ausbilderin schien sich dieses Faux-pas nicht bewusst gewesen zu sein, denn alle wirkten verwirrt ob meines entsetzten Blickes und meines hektischen F\u00e4chers. Erst dann legte ihr Melissandra Acosta einen Schal um, der die Bl\u00f6\u00dfe bedeckte.<\/p>\n<p>War es da als die Hasturs die Halle betraten? Octavian und Irmelin Hastur von Hastur. Die Gewohnheit aus den Thendara \u00fcbernahm die Z\u00fcgel und ich erhob mich, um den Respekt vor Hastur zu bezeugen. Catriona musste ich glaube ich anstupsen. Octavian entlie\u00df uns auf seine so eigene Art, die mich immer wieder schmunzeln l\u00e4sst. Selbst ohne Schwert w\u00e4re Octavian niemals unbewaffnet. Irmelin trug einen Traum von einem Kleid. Oh \u2026 ein Gedanke ging mir durch den Kopf. \u201eIch w\u00fcrde t\u00f6ten f\u00fcr solch ein Kleid!\u201c Es ist nicht \u00fcbertrieben; was Kleider betrifft bin ich durchaus solcher Gedanken f\u00e4hig, auch wenn ich sie niemals ausf\u00fchren w\u00fcrde.<br>\nNicht bald danach gesellte sich Irmelin sogar zu uns in der Gesellschaft von Aliciane Aldaran-di Asturien. Hatte ich sie zuvor schon begr\u00fc\u00dft? War ich nicht sogar kurz an den Tisch der di Asturiens getreten, um sie zu begr\u00fc\u00dfen. Schlie\u00dflich war sie eine Verwandte und ich kannte ihren Gatten fl\u00fcchtig. Ja, ich glaube ich bin vorher an ihrem Tisch gewesen. Ich begr\u00fc\u00dfte Aliciane mit der Umarmung von Verwandten, fragte nach dem Wohlbefinden und Dom Corran nach dem Befinden seines Sohnes. Es war mir nicht bewusst und es war keine Absicht und es f\u00e4llt mir erst beim Schreiben auf, dass ich seinen Friedensmann eher fl\u00fcchtig begr\u00fc\u00dfte und mit keinem Wort nach seiner Gemahlin und seinem Schwiegervater fragte. Mochte ich ihr vor ihrer Heirat mit Fionn di Asturien gut zugesprochen haben und ihr versucht begreiflich zu machen, dass eine politische Heirat nun einmal zu den Pflichten einer Comyn-Tochter geh\u00f6rt, so wird es wohl immer in meinem Hinterkopf bleiben, dass sie und ihr Vater Leid \u00fcber meine Familie und mein Land gebracht haben. Da war es leicht mit Dom Corran zu Scherzen, dass \u00fcber manche Missverst\u00e4ndnisse einfach nicht mehr gesprochen werden sollten. Keiner sprach es aus, doch sein Blick war deutlich, dass seine Worte \u00fcber meine Suppe von damals ihm peinlich waren. So konnte ich l\u00e4cheln und diesem Mann mit Respekt und Freundschaft begegnen. Kurz waren nur diese kleinen Aufmerksamkeiten und schon lange vorbei als Irmelin und Aliciane zu uns kamen.<br>\nIch brachte meine Bewunderung f\u00fcr Irmelins Kleid vor und ob es auch von Mestru Duvic stammte. Es h\u00e4tte mich gewundert wenn es dies w\u00e4re und h\u00e4tte mich schwer gekr\u00e4nkt, h\u00e4tte er mich nicht auch ein solches geschneidert. Stattdessen war es von Mestra Renata, die einst seine Sch\u00fclerin gewesen war. So waren wir schnell in ein Gespr\u00e4ch vertieft das uns alsbald zur Oper f\u00fchrte. So sehr waren wir vertieft, das Domna Aliciane sich fast unbemerkt entfernen konnte.<br>\nF\u00fcnf Mal schon hatte Irmelin \u201eEtwas mit einem Hund\u201c gesehen und ebenso \u201eDie Entf\u00fchrung aus dem Serail von Carthon\u201c. Jedoch hatte sie noch nicht das neueste St\u00fcck sehen k\u00f6nnen, wobei die \u201eZauberrhyll\u201c eines der besten St\u00fccke ist, die ich je gesehen habe. Die Arie der Avarra ist unglaublich.<\/p>\n<p>Wir Frauen blieben in einer Lustigen Runde in der mein Bruder Mikhail zuerst der leidtragende war und danach Catrionas Bruder Colin. Deionora hatte Spa\u00df daran ihren soldatischen Mann damit aufzuziehen, dass er dringend f\u00fcr Thendara eine neue Garderobe br\u00e4uchte. Wir alle schw\u00e4rmten ihm von Schnallenschuhen und Kniebundhosen mit Seidenstr\u00fcmpfen vor. Und sehr, sehr schnell fiel unter kichern \u201eMagenta ist das neue Schwarz\u201c und Colin war das neue Opfer f\u00fcr die Nachahmung der modischen Eskapaden von Hayden Elhalyn. Panik stand in Colins Blick und es war g\u00f6ttlich seinen Blick mit den best\u00e4ndigen Bewegungen des F\u00e4chers zu verwirren.<br>\nMein Bruder Mikhail hatte sich glaube ich bereits aus unserer Runde entfernt und sie als Gefahr seiner M\u00e4nnlichkeit eingestuft als Colin uns entrissen wurde. Ich m\u00f6chte nicht sagen, dass er die Flucht ergriff. Ich schmunzle dar\u00fcber. Es aht soclh einen Spa\u00df gemacht. Sie nehmen all unsere Worte von Magenta und T\u00fcrkis ernst.<br>\nIch schmei\u00dfe die Begebenheiten alle durcheinander, aber mit Colin Storn ist mir in Erinnerung geblieben, dass er mit Julianna hinunter in den Hof gehen wollte, um frische Luft zu schnappen. Nach ihrem Ausrutscher bat Julianna mich sogar um Erlaubnis. Colin scheint mir ein ehrenhafter, junger Mann zu sein, der es nicht vermied Frau und Kind zu erw\u00e4hnen. Dennoch hielt ich es keineswegs f\u00fcr angebracht, dass Julianna mit ihm alleine hinaus ging. Dies ist nicht Thendara, aber einen solch unbedacht, freiem R\u00fccken und Nacken muss ich mit Vorsicht behandeln. Catriona w\u00fcrde sich zudem sicherlich freuen, bei dieser Gelegenheit mit ihrem Bruder plaudern zu k\u00f6nnen und ich schickte sie mit den beiden hinunter.<br>\nIch glaube, Domna Irmelin und Deionora wurde nun von den Arbeiterinnen aus Hali \u00fcber die fr\u00fcheren Ereignisse auf High Chapel berichtet. Ich zog mich zur\u00fcck mit der Begr\u00fcndung, dass mir diese Geschichte zu unheimlich und aufregend sei.<br>\nIch bin mir nicht mehr sicher, ob ich noch mit anderen sprach. Zumindest stellte ich \u00c0ine Ramon vor als ich ihn endlich begr\u00fc\u00dfen konnte, und trug ihr Anliegen knapp vor, um die beiden dann alleine diesem Thema zu \u00fcberlassen. Ganz in der Hoffnung, das Ramon die Dinge so sah wie ich. Fl\u00fcchtig sprach ich mit Varzil Storn, seltsamerweise fehlten mir die Worte und ich wollte ihn nicht mit Mode und Theater langweilen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gelangte ich wieder an den Tisch der di Asturien, der bis auf Yarid und Dom Corran verwaist war. Und Dom Corran entschuldigte sich, kaum das ich Platz genommen hatte.<br>\nSo war ich mit Yarid allein. Etwas befangen waren wir beide wohl. Trotzdem fielen mir die Worte leicht, die ihm Anboten, die F\u00f6rmlichkeiten der Anrede zwischen uns fallen zu lassen. Es machte es leichter.<br>\nEr glaubte sich mit einer sp\u00f6ttischen Bemerkung blamiert zu haben, doch ich versicherte ihm, dass es nicht schlimm sei und das Missverst\u00e4ndnis wohl auf beiden Seiten gelegen h\u00e4tte. Und so leise wie unsere Worte gesprochen worden waren, konnten sie uns beide ohne jedwede Beleidigung erheitern. Ich hoffte, dass es Yarid etwas von seiner Spannung nahm. Die Nervosit\u00e4t, denke ich, machte Yarid \u00fcbervorsichtig und der krampfhafte Versuch alles richtig machen zu wollen, lie\u00df ihn in \u2026 ungute Situationen gelangen, die er eigentlich zu vermeiden gedachte.<br>\nGerne h\u00e4tte ich mich mit Yarid noch mehr unterhalten, doch er wurde in anderen Angelegenheiten, denen er sich nicht entziehen konnte, ben\u00f6tigt.<br>\nDom Oktavian lud mich an seinen Tisch ein und bot mir ein Getr\u00e4nk an. Es wirkte gr\u00fcnlich und sollte glaube ich Met sein. Ehe ich jedoch davon kosten konnte und ein Gespr\u00e4ch \u00fcberhaupt richtig in Gang kam, trat jemand zu mir und teilte mir mit, das Dom Fionn mich zu sprechen w\u00fcnsche. M\u00f6gen die G\u00f6tter mir verzeihen, ich wei\u00df nicht mehr wer es war. Ob es der Coridom war oder gar der andere Friedensmann von Dom Corran.<br>\nWie makaber wirkt es im nachhinein, das ich mich mit einem entschuldigenden L\u00e4cheln erhob und mit Dom Octavian scherzte, dass ich ihn nun so schnell verlasse, wie ich zuvor verlassen wurde. Ich kam an Catriona vorbei als ich zu Dom Fionn irgendwo au\u00dferhalb der Halle gef\u00fchrt wurde. Sie blickte fragend und besorgt und wollte mich begleiten. Sicherlich w\u00e4re es schicklicher gewesen, doch die Bitte hatte dringend und pers\u00f6nlich geklungen trotz der kurzen, wenigen Worten. Also t\u00e4tschelte ich nur Catrionas Wange, l\u00e4chelte fr\u00f6hlich und sagte ihr, es sei alles in bester Ordnung. Sie solle sich keine Sorgen machen. Ganz wie meine Mutter es mich gelernt hatte, stets die Kontenance zu behalten, auch wenn man ahnt, dass vielleicht etwas unangenehmes hinter der T\u00fcr wartet. Die Gesellschaft sollte durch derartiges nicht gest\u00f6rt werden.<br>\nWas mich dann erwartete war mit nichten eine sorgenfreie und erfreuliche Situation, wie ich vorgab entgegen zu treten.<\/p>\n<p>Dom Corran di Asturien von GreenScarp war tot!<br>\nEs war ein Schock als ich in den Raum trat und ihn dort auf dem Boden ausgestreckt vorfand. Jemand sagte mir er sei tot. Ich zweifelte nicht daran, Blut befleckte sein Gesicht als sei es ihm aus dem Mund gelaufen.<br>\nSeltsamerweise empfand ich keine Angst ob des Toten vor mir.<br>\nUnglaube war wohl das, was in mir vorherrschte. Unglaube, das dieser Mann, dem ich mit Respekt begegnete, obwohl er im Krieg gegen uns gestanden hatte, tot sein sollte. Ein Mann, der f\u00fcr seinen Ruf als Krieger geachtet wurde und dessen Name f\u00fcr viele gleichbedeutend war mit Ehre und Loyalit\u00e4t. Den Coryn als Verb\u00fcndeten f\u00fcr den Erhalt des Friedens hatte gewinnen wollen statt als Gegner in einem Krieg. Er sollte einfach so tot sein?<br>\nUnd es war Hilflosigkeit, ob seiner vor Schmerz \u00fcber ihn gebeugten Frau. Dom Fionn, der nach mir verlangt hatte, sa\u00df an der anderen Seite seines Lords. Ich stammelte meine Fragen, was den geschehen sei und erhielt mit einer fast abwesend wirkenden Stimme die Antwort, das man ihn hier tot gefunden habe. Die Matrix in seiner Hand, die Lippen durchgebissen. Es musste der Schock sein. Schock in uns allen. Ich stellte noch weitere dumme, sinnlose Fragen, derer sich niemand die M\u00fche machte zu beantworten und die nur dazu f\u00fchrten, das Domna Aliciane in verst\u00e4ndliche Hysterie verfiel.<br>\nIch tat, wozu man mich offenkundig geholt hatte. Ich leistete Beistand und Trost. Nicht durch viele Worte, einfach durch meine Anwesenheit. Ich zog Domna Aliciane nicht von ihrem Mann fort, trotzdem versuchte ich sie zu st\u00fctzen und in den Arm zu nehmen.<br>\nJedes Wort w\u00e4re sinnlos. Ich w\u00fcrde nicht wollen, dass mir jemand sagte, dass ich stark sein m\u00fcsse und das alles gut werden w\u00fcrde, wenn Coryn dort liegen w\u00fcrde. Ich hatte solche Worte nicht h\u00f6ren wollen, als man mir meinen ersten Mann tot aus dem Krieg gegen Ardais zur\u00fcck brachte. Ich blieb, hielt Domna Alicianes Hand und hielt die neugierigen Gaffer von ihr fern und die tobende Domna Aliciane von ihnen. Als Ramon Dom Corrans Leichnahm untersuchte st\u00fctzte ich sie. Ich h\u00f6rte seine Worte kaum, die er danach sagte.<br>\nEs war jeder von uns beiden egal das wir auf dem Boden sa\u00dfen. Es war egal, das Domna Aliciane an dem Bett kniete und die Hand ihres Gatten nicht los lie\u00df.<br>\nEs verwischt wieder, weshalb und wann Yarid zu uns kam und einen weiteren Beobachter, der Aliciane in ihrer Trauer st\u00f6rte, mit m\u00f6glichst h\u00f6flichen Worten heraus komplimentierte. Es verwischt, wer was in dem Raum, in dem Dom Corran gestorben war untersuchte und heraus fand.<br>\nIch schloss uns beide mit Dom Corran f\u00f6rmlich ein, damit sie alleine sein konnte, ganz f\u00fcr sich in ihrer Trauer um den geliebten Ehemann.<br>\nUnd ich blieb aus Sorge und Anteilnahme. Aus gro\u00dfer Sorge, was sie tun w\u00fcrde, wenn ich den Raum verlie\u00dfe, so gro\u00df erschien mir ihr Schmerz.<\/p>\n<p>Dann packte mich Verwirrung, kurz war mir schwindelig \u2026 und ich sa\u00df dort an der T\u00fcr an der Halle mit Domna Aliciane. Dort wo wir zuvor irgendwann mit Domna Irmelin gestanden hatten. Ich blinzelte irritiert, denn Yarid stand dort in der Halle und begann seine Begr\u00fc\u00dfungsrede erneut zu halten. War nicht bis zu mir gedrungen, dass er zusammen gebrochen war? Und gar ebenfalls tot. Mein Blick wanderte und mein Arm auf Domna Alicianes Schulter verkrampfte sich. Dort, an dem Platz wo er auch gesessen hatte als Yarid uns vor einigen Stunden begr\u00fc\u00dft hatte, sa\u00df Domna Alicianes Gemahl. Dom Corran wirkte entspannt, sogar fr\u00f6hlich \u2026 und \u00e4u\u00dferst lebendig.<br>\nEs wirkte wie eine d\u00e4monische Posse, wie er da sa\u00df und lachte, wie Yarid dort stand und seine G\u00e4ste begr\u00fc\u00dfte. Und nicht nur mir schien es makaber vorzukommen. W\u00e4hrend Domna Aliciane zu ihrem lebenden Gemahl eilte folgte ich ihr. Und auf den Gesichtern aller konnte ich den Unglauben und die Verwirrung sehen. Die einzigen, die nicht Verst\u00f6rt zu sein schienen, waren die Hasturs mitsamt Dom Octavians Friedensmann. Sie klatschten Applaus als hielten sie dies wirklich f\u00fcr eine Posse. H\u00e4tte ich nicht die K\u00e4lte von Dom Corrans Haut gesp\u00fcrt und w\u00e4re bei jemand g\u00e4nzlich anderem zu Gast\u2026 vielleicht h\u00e4tte ich auch gedacht, das man sich viel M\u00fche f\u00fcr die Unterhaltung der G\u00e4ste gemacht h\u00e4tte.<br>\nDomna Aliciane hielt es keineswegs f\u00fcr eine Posse. Sie klammerte sich an ihren Mann und hielt wieder seine Hand, die nicht mehr kalt und tot war.<br>\nDoch er war verwirrt. Seinem Gesichtsausdruck nach hielt er seine Frau f\u00fcr \u00fcbersentimental. Und nur wenige Worte von ihm und uns zeigten, dass er sich nicht erinnern konnte wie wir anderen. Auch Yarid fehlte offenbar jegliche Erinnerung was zwischen dieser Begr\u00fc\u00dfung und der ersten geschehen war. F\u00fcr sie beide war es immer noch die erste. Er hielt uns alle f\u00fcr verr\u00fcckt und eilte hinaus.<\/p>\n<p>Blieb ich mit Domna Aliciane zur\u00fcck? Gab ihr Beistand bei diesem traumatischen Erlebnis und der Zur\u00fcckweisung durch ihren Mann. Ich glaube, sie eilte ihm nach w\u00e4hrend ich Cationa suchte. Diese Ereignisse waren so aufw\u00fchlend, das ich wahre L\u00fccken in meinem Ged\u00e4chtnis habe. Br\u00fcchst\u00fcckhaft erinnere ich mich im Hof gewesen zu sein, den Gespr\u00e4chen gelauscht zu haben, die sich dar\u00fcber unterhielten, wer dies getan haben k\u00f6nnte. Den am Stand der Monde konnten wir sehen, dass Zeit vergangen war, was Dom Corran und Yarid als Beweis unserer Worte ansehen mussten, so schwer es ihnen zu verstehen fiel. Verstehen \u2026 keiner von uns verstand etwas. Ich am aller wenigsten.<br>\nEines verstand ich aber, dass es sicherlich nicht Dom Octavian und Domna Irmelin gewesen waren, nur weil sie geklatscht hatten. Die Bedenken gegen sie bei den anderen, die dort sprachen waren gro\u00df gegen sie. Aber kannte einer von ihnen die beiden? Nein. Sie hielten sie f\u00fcr arrogant und affektiert. Dachten sie so auch von mir, wenn ich nicht in ihrer Gegenwart war? Es schmerzte mich \u2026 aber es machte mich auch unruhig. Verstand ich die Dinge falsch? War ich nach so langen Jahren in Thendara immer noch so naiv um auf gespielte Freundlichkeit herein zu fallen? Nie hatte ich Dom Octavians Freundlichkeit f\u00fcr geheuchelt gehalten.<br>\nIch sprach zu niemandem ein Wort als ich wieder hinauf in die Halle ging, die kaum noch mit G\u00e4sten gef\u00fcllt war. Die Hasturs mit ihrem Friedensmann sa\u00dfen alleine an ihrem Tisch. Ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden gesellte ich mich zu ihnen. Ich hatte einen guten Grund, schlie\u00dflich stand mein Glas mit seltsamen gr\u00fcnen Met immer noch dort. Sollte es, doch es war inzwischen leer. Der gr\u00fcne Met war geleert, doch ich erhielt von Dom Alastair etwas anderes. Ich erinnere mich nur an s\u00fc\u00dfe, klebrige Lippen bei diesem Getr\u00e4nk.<br>\nIch blieb ruhig und zur\u00fcckhaltend, noch immer halb in der Ersch\u00fctterung der Ereignisse gefangen. Ich h\u00f6rte ihnen zu. Und erlangte Erleichterung und Best\u00e4tigung f\u00fcr mich.<br>\nNach den Worten, die sie \u00e4u\u00dferten, nach den Gedanken, denen sie nachgingen hatten sie kein bisschen mit all dem zu tun. Sie waren genauso ratlos wie alle anderen. Es fiel kein abf\u00e4lliges Wort. Trotzdem hielt ich Dom Octavians Friedensmann f\u00fcr einige Augenblicke im Blick. Wenn eine Familie Gr\u00fcnde h\u00e4tte Dom Corran di Asturien zu t\u00f6ten, dann war es die seine. Castamier liegt \u2026 lange Zeit mit Asturias in Fehde. Aber nur deshalb einen Mann beschuldigen?<br>\nWann ich mich von den Hasturs wieder verabschiedete und was noch geschah an jenem Abend\u2026. Ich wei\u00df es nicht mehr. Meinen Bruder Mikhail und Deionora hatte ich vollkommen aus dem Blick verloren.<br>\nDie Nacht war lang fortgeschritten als Catriona und ich uns f\u00fcr die Nacht zur\u00fcck zogen. Was sollten wir schon tun? Ich hegte die Hoffnung, dass \u00fcber Nacht alles gut werden w\u00fcrde. Trotzdem waren wir beide \u00e4ngstlich und froh \u00fcber die vertraute Anwesenheit des anderen.<\/p>\n<p>In der Dunkelheit unserer Kammer hatte ich mich die ganze Nacht gef\u00fcrchtet. Aus Sorge Catriona aus dem Schlaf zu wecken, der sicherlich unruhig genug war, hatte ich die Tr\u00e4nen der Furcht nicht zugelassen. Als wir aufstanden, war mein Entschluss gefasst.<br>\nWir w\u00fcrden abreisen! Ich verschwendete in meiner Furcht keinen Gedanken an Yarid. Ich wollte nur fort! Ich wollte nach Hause, meine Kinder bei mir in Sicherheit wissen und meinen Mann an meiner Seite haben. Ich wollte bei ihm sein so schnell es nur ging. Und all die seltsamen Dinge der letzten Nacht vergessen.<br>\nSo trug ich zwar wie die Hasturs meine Jagdkleidung, noch nicht, damit der Ritt nach Armida schnell und sicher von Statten gehen konnte.<br>\nW\u00e4hrend die anderen berieten, setzte ich mich in die Halle und schrieb einen Brief an Coryn. Ich schrieb selbst so gut es ging nieder, was mich \u00e4ngstigte. Allein diese Tatsache w\u00fcrde ihm mehr \u00fcber meine Verfassung sagen als alle Worte. Catriona bot sich an, das Schreiben zu \u00fcbernehmen als sie beobachtete, wie sehr ich mich qu\u00e4lte. Ich schlug es aus.<br>\nDer Versuch mich kurz zu fassen scheiterte und Zweifel stiegen in mir auf, ob ich wirklich abreisen sollte.<br>\nHatte ich nicht zu meiner Mutter gesagt, dass ich mich Yarid verpflichtet f\u00fchlte? War es dann nicht auch meine Pflicht zu bleiben und die R\u00e4tsel der letzten Nacht zu l\u00f6sen? Mich gegen die Angst zu stellen? Wie viel Angst musste Yarid in den letzten Jahren, ja vielleicht Zeit seines Lebens erlitten haben? Hatte ich das Recht davon zu laufen?<br>\nIch war nicht so dumm zu glauben, ich k\u00f6nnte ein solches R\u00e4tsel l\u00f6sen. Aber \u2026 vielleicht sah ich Dinge anders als die anderen, vielleicht fiel mir etwas auf.<br>\nUnd ganz, ganz leise fl\u00fcsterte eine Stimme, das die Geschichte so, viel zu kurz w\u00e4re, um sie erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viel ist mir \u2013 wie zur Strafe \u2013 nicht mehr im Ged\u00e4chtnis geblieben. So wenige Tage auch nur vergangen sind seitdem, br\u00f6ckelt doch schon die Erinnerung und verblasst.<br>\nCatriona gab mir etwas von ihrer Wolle, um die Briefrolle zusammen zu binden. Ich lie\u00df ihn unverschlossen, so pers\u00f6nlich er auch war. Als wir hinunter gingen, ich die Rolle in meiner Hand, musste ich schmunzeln. Yarid hatte mir einen Botenvogel angeboten. Es w\u00fcrde ein Adler sein m\u00fcssen, der diesen Brief nach Ardais bringen k\u00f6nnte.<br>\nKaum das wir in den sonnigen Hof getreten waren, kam Catrionas Bruder zu uns. Sein Blick war voller Sorge und er bot sich an uns von hier fort zu bringen. Er sprach sogar von Ardais. Ich beruhigte ihn, das Armida reichen w\u00fcrde. Was mich mehr beunruhigte war, dass es klang, als wollte er seine Schwester heim nach High Kinnally bringen. Was glaube ich weder Catriona noch ich wollten.<br>\nColin wirkte entschlossen und zuverl\u00e4ssig, seine Besorgnis war ehrlich und trotz seiner Jugend vertraute ich ihm, was meine Sicherheit anbelangte. Meine Br\u00fcder, keine Frage, w\u00fcrden bleiben m\u00fcssen, um alles zu kl\u00e4ren. Ich wankte wieder, was meinen Entschluss zu bleiben anging, als ich Colin den Brief anvertraute und er versprach, seinen schnellsten Reiter damit loszuschicken. Und das er ihn den Boten auswendig lernen lassen w\u00fcrde, falls ihm die Rolle gestohlen werden w\u00fcrde. Ich wurde ganz rot, ob der Pers\u00f6nlichkeit des Briefes, doch konnte ich ihm dieses Angebot, dass er nur der Sicherheit halber machte, nicht ausschlagen.<\/p>\n<p>Zeit verging und meine n\u00e4chste feste Erinnerung ist wieder, dass wir erneut im Hof standen. Es wurde viel geredet, ich denke, auch diskutiert \u00fcber Dinge die geschehen und entdeckt worden waren. Und Colin, der zuvor noch so voller H\u00f6flichkeit und F\u00fcrsorge gewesen war, gebahrte sich wie ein ungezogenes Kind. Mochte er die Wahrheit der Gedanken vieler Anwesender aussprechen, in der Art wie er es tat, machte er seiner Familie keiner Ehre. Sein Onkel sah das wohl \u00e4hnlich und versuchte ihn mit Worten zur Fasson zu bringen. Vergebens. Er lief nur umher und p\u00f6belte, wie es wohl nur ungepflegte Betrunkene tun.<br>\nIch konnte nicht weiter zusehen, wie er Catriona mehr und mehr vor Scham im Boden versinken lie\u00df. Er stand ihm Hof, und man hatte ihn umringt, doch keiner schien nach Dom Varzil den Mut zu haben, ihn in seinen Reden zu stoppen. Also sammelte ich meinen Mut und trat vor ihn. Ich gemahnte ihn, sich an seine Manieren zu erinnern. Er sagte mir nur, mit dieser unfl\u00e4tlichen Art, dass er doch nur die Wahrheit spreche, zu der jeder andere zu feige sei. Was diese Wahrheit, die er aussprach, eigentlich war \u2026 ich wei\u00df es nicht mehr. Ich k\u00f6nnte den Wortlaut nicht wiedergeben. Ich gemahnte ihn weiter, er w\u00fcrde die Ehre seiner Familie nur sch\u00e4digen und er solle sich m\u00e4\u00dfigen. Doch das tat er nicht. Er brachte mich in Rage, denn er beleidigte nicht nur sich selbst mit seinem Verhalten, sondern auch seine Schwester, die mir lieb und teuer ist. Es klang abstrus dies einem Mann von achtzehn Jahren mit Frau und Kind zu sagen, doch er benahm sich wie ein Kind. Und ich schlug ihm vor, er solle sich doch zur\u00fcck ziehen bis er im Stande war, wieder klar zu denken. Er reizte mich so sehr, dass ich nahe dran war, ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Doch ich wahrte meine Fassung und tat ihm die Schmach nicht an, von einer Frau geschlagen zu werden.<br>\nW\u00fctend stampfte er davon, versuchte sich mit Dom Corran anzulegen. Es gab ein Gerangel und ich sah, wie ein Schwertknauf sich erhob, nieder fuhr und Colin zusammen brach. Auch die R\u00fcckseite eines Schwertes kann eine klug eingesetzte Waffe sein. Es war noch mehr Gerangel und Unruhe, bei der mir Dom Fionn Colins Schwert in die Hand dr\u00fcckte mit der Weisung, es aus seiner Reichweite zu bringen. Ich tat, wie mir gehei\u00dfen, doch war ich zu unruhig, um mich g\u00e4nzlich zur\u00fcck zu ziehen. Das Schwert mit gespreizten Fingern in der Hand eilte ich die Treppe zur Halle hinauf und beobachtete von dort aus sicherer Entfernung, was unten geschah. Sie brachten Colin hinein. Er war wieder wach, rief voller Wut und verlangte nach seinem Schwert. Ich versteckte es so gut es ging hinter mir, doch er blickte nicht einmal die Treppe hinauf, um mich zu bemerken.<br>\nMein Herz jagte wie wild von der Aufregung. Es pochte und pochte in meiner Brust und verlangte nach Ruhe, obwohl ich mich nach M\u00f6glichkeit am Rand von allem gehalten hatte. So sehr in der m\u00f6glichen Aufmerksamkeit zu stehen \u2026 und was, wenn Colin sich vollkommen vergessen h\u00e4tte, w\u00e4hrend ich ihn zurecht wies und den Worten nahe war, die ihm kurz darauf jemand anderes sagte? \u201eWenn Ihr euch nicht zu benehmen wisst, dann schicken wir euch \u2026 ins Bett!\u201c H\u00e4tte er die Hand gegen mich erhoben?<br>\nDas Schwert musste weit fort von Colin gebracht werden. Immer noch sehr vorsichtig trug ich es fort und versteckte es in meinen R\u00e4umen. Dort w\u00fcrde sicherlich niemand ein Schwert vermuten. Trotz des noch fr\u00fchen Tages war ich viel zu ersch\u00f6pft und aufgew\u00fchlt und brauchte Ruhe.<\/p>\n<p>Wie lange ich geruht habe, kann ich nicht sagen, doch einiges war geschehen, was ich mir von Domna Irmelin erz\u00e4hlen lie\u00df. Ich versuchte all diese Dinger zu ordnen und einen Sinn zu finden. Es war schwer. Es brauchte, bis das ich die gr\u00f6bsten Dinge begriff. Ich lauschte wieder den Diskussionen dar\u00fcber, wer alles mit in einen Kreis gehen sollte, um in der Oberwelt nach jener Pr\u00e4senz zu suchen, die man gesp\u00fcrt hatte. Mein Kopf begann zu arbeiten und ich erinnerte mich an Dinge aus meiner kurzen Zeit in Arilinn und was Coryn bei Gelegenheit erz\u00e4hlt hatte. Vorsichtig hob ich den Finger, um meinen Beitrag zu leisten.<br>\n\u201eIch \u2026 erinnere mich, dass mein Mann sagte, dass man nur drei Personen br\u00e4uchte, um in die Oberwelt zu gehen\u201c, brachte ich unsicher hervor und war verwirrt, das man mir zuzuh\u00f6ren schien. \u201eJenen er geht, einen, der ihn \u00fcberwacht und einen, der ihm als Anker dient.\u201c<br>\nJetzt erinnere ich mich auch wieder, dass man mich am Morgen gefragt h\u00e4tte, wie gut mein Laran sei und meine Ausbildung, den sie w\u00fcrden wohl jeden Telepathen mit einer Ausbildung in einem Kreis ben\u00f6tigen.<br>\nJa, ich erinnere mich wieder daran. Und wie sehr ich Ruhe bewahren musste. Ich wollte nicht hysterisch werden, weil man vielleicht von mir verlangen w\u00fcrde, mein Laran zu benutzen oder gar meine Gabe anzuwenden. Allein schon der Gedanke l\u00e4sst die Angst in mir aufsteigen. Mich in Gedanken mit Cationa oder Coryn oder anderen eng vertrauten Menschen zu unterhalten, ist eine Sache. Und die meistere ich recht gut. Alles andere \u2026 Fr\u00fcher war ich unsicher. In den letzten Jahren bin ich nicht nur unsicher, sondern gar panisch. Aber kein Wort davon, was sie da von mir zu verlangen mochten, kam \u00fcber meine Lippen. Statt dessen l\u00e4chelte ich und gab die Unf\u00e4higkeit, die man mir im Turm von Arilinn attestiert hatte, zu.<br>\n\u201eVor sechszehn Jahren erhielt ich meine Grundausbildung von 40 Tagen im Turm von Arilinn. Man gab mir nicht den Rang eines \u00dcberwachers, wie ihn eigentlich jeder erlangt, als ich den Turm verlie\u00df. Sie sagten es nicht, aber ich wusste das sie es dachten: \u201aGeh, heirate und bekomme Kinder - und betrete nie wieder einen Turm!\u2019 Es w\u00e4re unklug, mich in einen Kreis nehmen zu wollen. Es sei den ihr wollt durch Fingerschnippen irritiert werden.\u201c<br>\nVor einer Leronis zu stehen, die zudem eine Nedestra meiner Familie ist, und dies zu gestehen ist nicht leicht. Und ich habe sicherlich nicht voller Stolz das Kinn gereckt bei diesen Worten. Aber danach hat mich niemand mehr gefragt, ob ich mich an einem Kreis beteilige. Wor\u00fcber ich sehr dankbar war.<\/p>\n<p>Da war ein Kind gewesen. Ein Kind der K\u00f6chin, das Dom Fionn interessierte und festzustellen versuchte, wer der Vater war. Er z\u00e4hlte die Finger des Kindes. Eins, zwei, drei, vier, f\u00fcnf\u2026 sechs. Sechs Finger. Er nannte Aillard. Ich dachte Ardais und suchte nach Yarid. Es gab irgendwelche Unruhe doch es gelang mir ganz kurz mit Yarid zu sprechen und mir Sicherheit zu verschaffen.<br>\n\u201eYarid, das Kind hat sechs Finger. Wie so oft bei den Ardais.\u201c<br>\nSein Blick blieb nur kurz auf mir ruhen und das reichte mir eigentlich schon.<br>\n\u201eDas ist nicht m\u00f6glich. Sie kam schon schwanger hier her.\u201c Von Greenscarp, wie ich irgendwann h\u00f6rte. Daher Dom Fionns Interesse. Ich war mehr als nur erleichtert.<br>\nDoch alles unn\u00f6tige Sorgen. Der Vater des Kindes stammte weder aus Aillard, noch aus Ardais. Sondern vom Sch\u00f6nen Volk.<br>\nAmelie, die K\u00f6chin, sprach es in meiner Gegenwart nicht selbst aus, doch Leronis Melissandras Fragen waren dorthin gerichtet, als sie die K\u00f6chin wegen des Kindes, des Vaters und des Steines, den dieser Amelie geschenkt hatte befragte. Ich erbat mir, das Kind halten zu d\u00fcrfen. Es war so lieblich, klein und zart. Mein Herz wurde mir schwer und schmerzte mich, dass so lange schon keine eigenen Kinder mehr in meinen Armen gelegen hatten. Es fiel schwer, das Kind der Mutter wieder zur\u00fcck zu geben, doch ich musste, ehe mich der Kummer \u00fcberfiel.<\/p>\n<p>Nach etwas frischer Luft stieg ich hinauf in die Halle, wo man anscheinend wirklich meinen Worten folgte und nur in einer sehr kleinen Gruppe in die Oberwelt ging. Auch wenn sie zu viert statt lediglich zu dritt waren. Doch hatte ich nicht mitbekommen, was besprochen und entschieden worden war, dass sie dies Taten.<br>\nEs war Melissandra Acosta, die das Wagnis einging, nach der Pr\u00e4senz des B\u00f6sen in der Oberwelt zu suchen. Ich halte sie f\u00fcr diese Tat f\u00fcr \u00fcberaus tapfer. Man kann mir noch so oft sagen, dass in T\u00fcrmen f\u00fcr Mann und Frau in ihrer Arbeit kein Unterschied besteht au\u00dfer bei der des Bewahrers. Ich kenne meine Schw\u00e4chen, die ein Mann nicht haben w\u00fcrde. Ich sah Amando Ridenow als \u00dcberwacher in dem kleinen Kreis, ich glaube Julianna unterst\u00fctzte ihre Mentorin, beim vierten in der Runde bin ich mir \u00fcberhaupt nicht mehr sicher, wer es war. Ich kann mich auch in allem au\u00dfer Melisandra irren.<br>\nAls Melisandra aus der Oberwelt in ihren K\u00f6rper zur\u00fcck kehrte lauschten wir aufmerksam ihrem Bericht. Sie sprach von einem Mann in dunklem Mantel, ausgemergelt und kr\u00e4nklich wirkend. Auch sprach sie von einer Frau, die dort gefangen war. Ich hatte genug geh\u00f6rt und auch von meinem Bruder Errol Finn erz\u00e4hlt bekommen, um zu begreifen, dass es jene Geliebte Yarids war, die in der Matrix an seiner Harfe gelebt hatte. Zumindest hatte ich das so verstanden.<br>\nEs gab ein geistiges Abbild einer Matrix oben in der Oberwelt, die sich hier befand und die f\u00fcr die Ver\u00e4nderungen in Colin verantwortlich war. Sie beherrschte angeblich ihren Tr\u00e4ge oder jene, die sie ber\u00fchrten. Ramon sollte in der Zeit, in der ich geruht hatte, auch unter ihrem Bann gestanden haben. Es war \u00e4u\u00dferst verwirrend all diese Dinge zu verbinden und Klarheit zu gewinnen. Zumindest war diese Matrix ein Tor, ein Weg, wie diese Pr\u00e4senz der B\u00f6sartigkeit Macht in unserer Welt erlangen konnte. So folgerte man in der folgenden Beratung. Es wurde viel besprochen, dem ich im Sinn nicht folgen konnte und das mir inzwischen schon wieder g\u00e4nzlich entfallen ist.<br>\nDie Musik schien ein Schl\u00fcssel zu sein. Die Pr\u00e4senz schien sich auf Yarids Harfe mit dem Matrixstein zu konzentrieren und sie zu benutzen. Man schmiedete einen Planen, die Pr\u00e4senz zu \u00fcberlisten, die so dringlich wohl einen K\u00f6rper beherrschen und \u00fcbernehmen wollte, um so Macht in unserer k\u00f6rperlichen Welt zu erhalten. Eine Aussage, die Melisandra aus der Oberwelt mitbrachte, beunruhigte mich. \u201eEr will sie!\u201c habe Melisandra erfahren. Die meisten bezogen es auf Al\u00e2yra, Yarids Chieri-Geliebte. Doch ich zog andere Schl\u00fcsse f\u00fcr mich selbst aus allem geh\u00f6rten. \u201eSie\u201c war keine Person, \u201eSie\u201c das waren wir, die Comyn. Den nach allem, was ich geh\u00f6rt hatte, befiel die Matrix, die das Wesen nutzte nur Comyn, nur Laran-begabte. Es suchte jene, die starkes Laran hatten. Dom Corran hatte sich ihm derart wiedersetzt, das er den Tod fand, vermutete ich. Colin Storn? Ich kenne sein Potential nicht, aber es wird wohl nicht unerheblich sein. Mein Bruder Ramon mit seiner Gabe und seiner Ausbildung.<br>\nNur sehr kurz fiel die \u00dcberlegung zur Beseitigung des Problems. \u201eZerst\u00f6rt die Matrix\u201c Das war auch mein Gedanke, einfach und klar. F\u00fcr mich klang es, als sei diese Wesenheit auch in der Matrix. Zerst\u00f6rt sie und ihr zerst\u00f6rt sie, denn sie kann ohne seine Matrix nicht leben. So wie auch jeder Comyn mit einer Matrix stirbt, wenn jemand Fremdes au\u00dfer einem Bewahrer sie ber\u00fchrt oder sie sogar zerst\u00f6rt wird. Daf\u00fcr brauche ich nicht die Ausbildung eines Bewahrers, um dies zu wissen. Das lehren uns bereits die M\u00e4rchen, welche uns unsere Ammen am Kinderbett erz\u00e4hlen.<br>\nAber diese Idee wurde gar nicht erst fortgef\u00fchrt. Und ich kam mir kaltherzig vor, das sich mit meiner \u00dcberlegung jegliche M\u00f6glichkeit verschloss Al\u00e2yra aus der Gefangenschaft der Oberwelt zu befreien. Und es w\u00fcrde andere Wege und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr das Wesen geben in unsere k\u00f6rperliche Welt zu gelangen und die Macht zu erhalten, die es wollte.<br>\nAlso plante man es zu \u00fcberlisten. Mit der Musik, die es so anzog. Und dem Starken Laran, das es so sehr zu sch\u00e4tzen und zu ben\u00f6tigen schien. Der Plan war eine Abfolge von aneinander gereihten \u201eWenn \u2026 dann\u201c, wie Domna Irmelin treffend feststellte. Es waren alles \u00dcberlegungen, von denen niemand den Beweis liefern konnte, dass es auch so funktionieren w\u00fcrde. Und sie wollten dies alles hier in diesem Haus tun, nicht in der sicheren Umgebung eines Turms und einer abgeschirmten Matrixkammer.<br>\nIch schmunzele, w\u00e4hrend ich dies gerade diktiere und mir bewu\u00dft wird, wie viel ich doch von meinen 40 Tagen im Turm vor 16 Jahren behalten habe. Oder wie viel von kleinen Gespr\u00e4chen \u00fcber Turmarbeit mit Coryn mir im Ged\u00e4chtnis bleibt, bei denen ich oft nur Zuh\u00f6rerin war.<\/p>\n<p>Obwohl Dom Octavian nicht anwesend war, \u00fcberlegte man, das er als Hastur mit der Gabe seiner Familie die gr\u00f6\u00dfte Verlockung f\u00fcr das Wesen sei, mit dem man es zu \u00fcberrumpeln gedachte. Zudem ist er ein begabter Lautenspieler. Dom Corran h\u00e4tte sich sicherlich angeboten, doch hielt man es f\u00fcr zu gef\u00e4hrlich, ob seines Larans, von dem nur gemunkelt wird ohne das jemand wirklich etwas dar\u00fcber wei\u00df. Ich h\u00e4tte Ramon f\u00fcr die bessere Wahl gehalten. Er ist diszipliniert, besitzt starkes Laran und spielt ebenfalls gut die Laute. Doch war man sich seiner unsicher, da er bereits \u201abesessen\u2018 gewesen war.<br>\nDomna Irmelin war \u2013 f\u00fcr mich verst\u00e4ndlicher Weise \u2013 nicht erfreut dar\u00fcber, das so \u00fcber ihren Gemahl und \u00fcber einen Hastur bestimmt wurde, der nicht einmal anwesend war. Die anderen mochten sie f\u00fcr arrogant halten, f\u00fcr eine egoistische Hastur, aber ich wiederum fragte mich, ob einer der anderen auch nur f\u00fcr einen Moment dar\u00fcber nachdachte, wie es ihr ergehen musste? War einer von ihnen seiner eigenen Familie, seinem Gemahl, seiner Gemahlin, Kindern nicht so eng verbunden, dass er sich um seine Sicherheit sorgte?<br>\nW\u00fcrden sie an ihrer Stelle einfach die \u00dcberlegung abnicken und gut hei\u00dfen, dass man den geliebten Gemahl einem m\u00f6glichen Tod oder schlimmerem aussetzte? Irmelins Worte mochten harrsch wirken, doch h\u00e4tte ich \u00e4hnlich gehandelt, w\u00fcrde man wollen, das ich meinen Gemahl derartigem aussetze. Domna Irmelin hat jedoch mehr st\u00e4rke als ich. Sie sprach offen und klar, wo ich vielleicht nur in Tr\u00e4nen der Angst und Verzweiflung ausgebrochen w\u00e4re.<br>\nDer Plan wurde geschmiedet, wie man das Wesen \u00fcberlisten und einfangen und Al\u00e2yra nach M\u00f6glichkeit retten konnte. Sollte der Weg fehl schlagen, und das Wesen nicht in die Laute von Dom Octavian gebannt werden k\u00f6nnen und in Yarid fahren, w\u00fcrde Dom Fionn Yarids Leben ein Ende setzten. Damals dachte ich, es sei, damit das Wesen in Yarid kein Unheil anrichten konnte. Heute glaube ich zu wissen, dass dies geschehen sollte, um eine \u201eR\u00fcckstellung der Zeit\u201c wie wir sie nach Dom Corrans und Yarids Tod erlebt hatten erneut herbei zu f\u00fchren und es uns so zu erm\u00f6glichen, erneut gegen das Wesen anzugehen. Denn starb Yarid, nutzte Al\u00e2yra ihre Macht und St\u00e4rke als Chieri in der Oberwelt, die Zeit zu ver\u00e4ndern. Wie ihr das gelang, wird wohl f\u00fcr alle Zeit ein R\u00e4tsel ihres Volkes bleiben.<br>\nDomna Irmelin erkl\u00e4rte sich ablehnend bereit, ihren Gemahl auf unseren Plan anzusprechen.<\/p>\n<p>Ehe es aber weitere Aufregungen und Anstrengungen gab, hatte das kluge Personal ein k\u00f6stliches Mahl bereitet, das es nicht zu verschm\u00e4hen galt. Es st\u00e4rkte einen jeden von uns und gab uns die M\u00f6glichkeit Gedanken und Gem\u00fcter zu ordnen und zu beruhigen. Oft ist es klug zur\u00fcck zu treten und Dinge von der ferne zu betrachten. Andere Blicke zeigen andere Wege und Ansichten.<br>\nNach dem Mahl setzte sich Domna Irmelin mit ihre Gatten zusammen. Ihm wurde vorgetragen, was der Plan war und wie Domna Irmelin gab er auf seine ganz eigene Art zu bedenken, dass der Plan gespickt war mit \u201eWenn\u2019s\u201c. Ein Elhalyn h\u00e4tte sicherlich \u00fcber die vielen M\u00f6glichkeiten, die sich aus diesen ganzen \u201eWenn\u201c ergeben, den Verstand verloren. Seine Skepsis war \u00e4u\u00dferst verst\u00e4ndlich. Und auch der leichte Spot in seiner Stimme als er f\u00fcr Nachz\u00fcgler in diesem Gespr\u00e4ch genau dieselbe Frage noch einmal beantworten sollte, die er uns gerade erst dargelegt hatte. Er lie\u00df uns mit seinen Worten wissen, dass das Risiko f\u00fcr ihn \u00e4u\u00dferst hoch war und er gro\u00dfe Bedenken \u00fcber den Erfolg des Plans hatte. Letztlich sprach Yarid die f\u00f6rmliche Bitte aus, das er bei diesem Vorhaben behilflich sein w\u00fcrde und diese \u00e4u\u00dferst wichtige Position einnehmen w\u00fcrde. Sicherlich war das nicht exakt Yarids Worte. Aber sie entsprechen dem Sinn, das Dom Octavians Verhalten und Worte auch nach dieser Bitte verlangten.<br>\nIch hielt die Situation nicht f\u00fcr angespannt. Dom Octavian hatte trotz seiner Bedenken neugierig und abenteuerlustig gewirkt, was Domna Irmelins Unmut erkl\u00e4rte. Doch als Dom Octavian auf Yarids Bitte antwortete hatte ich das Gef\u00fchl die Luft sei zum zerrei\u00dfen gespannt.<br>\nWas genau sagte er? Ich kann es nicht wirklich wieder geben.<br>\n\u201eWenn ich dies tue, dann m\u00f6chte ich wissen, dass meine Frau und meine Kinder versorgt sind\u201c, waren in etwa seine Worte. Ich glaube ein jeder von uns hat seine Worte so verstanden, wie sie auch Yarid verstanden haben musste. Das er finanzielle Zuwendungen von uns f\u00fcr seine Frau und seine Kinder verlangte. Dass er seine Hilfe verkaufte. Das er sie nicht geben w\u00fcrde, wenn das Angebot nicht hoch genug war. Worte, die nicht gesprochen wurden, doch die man aus seinen Worten und seinem Tonfall heraus verstand.<br>\nEin jeder von uns hielt wohl die Luft an \u2013 und dann platzte es aus Yarid heraus, dass er die Matrix auch gut auf Hastur-Land abladen k\u00f6nne und sie sich dort ihre Opfer suchen k\u00f6nne. Sicherlich keine klugen und diplomatischen Worte, eigentlich ein Faux-Pas so etwas zu einem Hastur zu sagen \u2026 aber\u2026. Wie nur soll ich es umsichtig formulieren. Yarids Zorn war verst\u00e4ndlich, doch h\u00e4tte er sich wohl z\u00fcgeln m\u00fcssen. Die Worte und der Ton h\u00e4tten ein anderer sein m\u00fcssen, um Dom Octavian zu verdeutlichen, dass er selbst unerh\u00f6rtes verlangte. Sollte er als Hastur, als Bruder des K\u00f6nigs und zweiter in der Thronfolge der Hastur von Hastur nicht ausreichend versorgt sein, ging es mir durch den Kopf.<br>\nNach Yarids Worten war die Spannung in der Luft greifbar. Und Verwirrung herrschte. Ehe Domna Irmelin die Bedeutung der Worte ihres Gattens f\u00fcr uns deutete. \u201eVersorgt mit Freunden, die ihr zur Seite stehen, wenn er nicht mehr ist.\u201c<br>\nIch kam mir so dumm vor, als Domna Irmelin dies mit tapferer Stimme sagte. Sie w\u00fcrde alles verlieren, was sie liebte, wenn der Plan scheiterte. Sie w\u00fcrde alleine mit den Kindern in der Welt stehen. In Thendara.<br>\nEs war keine \u00dcberlegung f\u00fcr mich, ihr zu best\u00e4tigen, das ich ihr als Freund beistehen w\u00fcrde. Ich kam mir schlecht vor, dies nicht aus Dom Octavians Worten verstanden zu haben. Aber ich glaube, das ging in der Unruhe unter, die entstand.<br>\nDom Octavian erkl\u00e4rte sich bereit, seinen Platz in dem geschmiedeten Plan einzunehmen. Domna Irmelin wirkte elend. Aber auch mit einem gewissen Zorn, wie ich fand. War es Zorn auf uns, die wir ihren Gatten dazu gedr\u00e4ngt hatten? Oder auf ihren Gatten, das er dieses Wagnis einging? Vielleicht war es beides.<br>\nIch wollte sie tr\u00f6sten und ihr beistehen, doch ich merkte schnell, dass sie mit ihrem Gemahl alleine sein wollte. Zu pers\u00f6nlich waren diese Augenblicke, die vielleicht die letzten mit ihm sein mochten.<\/p>\n<p>Ehe der Kreis begann bat man mich erneut \u2013 dieses Mal war es nicht \u00c1ine \u2013 mich ihm anzuschlie\u00dfen. Ebenso fragte man Catriona. Wir beide lehnten es ab, da unsere Ausbildung zu ungen\u00fcgend w\u00e4re und wir dem Kreis mehr schaden als n\u00fctzen w\u00fcrden. Doch sonst war fast jeder Comyn teil dieses Kreises. Dom Corran blieb wie Catriona und ich au\u00dferhalb und nahm keinerlei Funktion ein. Sie nahmen selbst die Begleiterin von Dom Varzil Storn von Callarma in den Kreis, die meines Wissens keinerlei Ausbildung genossen hatte. Domna Irmelin sah ebenfalls davon ab, Teil des Kreises zu werden, da ihre Gem\u00fctsverfassung aus Sorge um ihren Mann ebenfalls dem Kreis nur schaden konnte. Doch man ben\u00f6tigte sie und ich habe gro\u00dfen Respekt vor ihr, dass sie all ihre Angst und Sorge meisterte, um in diesem Kreis zu dienen. Doch ist ihr K\u00f6nnen und ihr Talent auch gr\u00f6\u00dfer als das meine. Aber war sie es, die sich zwischen meinen Bruder Ramon und ihren Gemahl schaltete, um ihre Gaben im Kreis harmonieren zu lassen? Auch wenn Dom Octavian nicht wirklich Teil des Kreises war, so wie es Yarid nicht war. Aber sicher bin ich mir nicht. Dieser Kreis \u00fcbersteigt all mein Denken im Bereich der Laranarbeit.<br>\nDom Octavians geschworener Bruder Alastair Castamir nahm hinter Dom Octavian Aufstellung, um ihn zu sch\u00fctzen und zu bewahren und auch um die Saiten der Laute zu durchschneiden, wenn das Wesen darin gefangen war, wie es der Plan war.<br>\nDom Fionn wiederum bezog Position hinter Yarid, dass Messer in seiner Hand und halb an Yarids Kehle, glaube ich. Damisela Leandra und Domna Aliciane dienten dem Kreis als \u00dcberwacher.<br>\nWir anderen, die nicht Teil davon waren, konnten jetzt nur noch abwarten, hoffen und die G\u00f6tter um ihre Gunst und Unterst\u00fctzung bitten. Catriona und ich hielten uns an den H\u00e4nden und bangten und fieberten. Wir hielten unsere Gedanken so gut es ging verschlossen um mit ihnen den Kreis nicht zu st\u00f6ren. Der erste Versuch, einen Kreis zu bilden scheiterte, doch dann fiel er nicht wieder auseinander.<br>\nEwig kam es mir vor, bis ich das rei\u00dfen von Saiten h\u00f6rte, der Kreis sich mit Keuchen aufl\u00f6ste, Hektik entstand und die Laute in Isolierseide eingeschlagen wurde. Yarid begann zu lachen und umklammerte seine Harfe. Es brauchte kein Wort gesprochen zu werden, um mir zu sagen, dass der Kreis Erfolg gehabt hatte.<br>\nCatriona und ich eilten umher, um N\u00fcsse und S\u00fc\u00dfes zu reichen, damit man sich nach dem Kreis st\u00e4rken konnte. Einige waren ersch\u00f6pft und auch verwirrt. Von Coryn wei\u00df ich, dass es \u00e4u\u00dferst schwer ist, einen Kreis aus unbekannten Personen zu formen und zu halten. F\u00fcr einen sicheren, effektiven Kreis braucht es Zeit und den Aufbau von Vertrauen. Was dieser Kreis geleistet hatte, ganz ohne den Schutz einer Matrixkammer, war bemerkenswert.<br>\nYarid war aufgew\u00fchlt vor Freude, das Al\u00e2yra wieder bei ihm in Sicherheit war und keine Gefangene mehr in der Oberwelt. Es war viel Trubel, doch gelang es mir ihn kurz in den Arm zu nehmen und ihm zu zufl\u00fcstern, das ich mich f\u00fcr ihn freue. Er hat dieses Gl\u00fcck verdient, auch wenn kaum jemand sonst das glaubt \u2013 oder ahnt.<br>\nWar es gleich nach diesem Kreis oder nach einer kurzen Erholung, das Ramon oben in der Halle f\u00fcr seinen Lord sprach? Lord Esteban Alton von Armida erkannte die Adoption Yarids durch Yannis Alton von High Chapel an und best\u00e4tigte ihn als seinen Erben. Unter der Bedingung, dass er eine Tochter aus dem Hause Alton ehelichte.<br>\nDie Blicke kreuzten sich und der logischste Gedanke w\u00e4re es, wenn Yarid Onkel Yannis anerkannte Nedestra \u00c1ine heiratet. Es w\u00fcrde ihr auch den Wunsch erf\u00fcllen, f\u00fcr ihr Heim zu sorgen, in dem sie aufgewachsen ist. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob dies der Weg war, den sie f\u00fcr sich sieht. Yarid gab zu bedenken, nein, er sprach offen, dass mit diesen Ereignissen hier, doch sicher auch jeder Frau, die er ehelichte, klar w\u00e4re, dass es eine \u2026 komplizierte Dreiecksbeziehung mit Al\u00e2yra sein w\u00fcrde. Doch er formulierte es geschickt, finde ich, dass es etwas \u00fcberaus positives sein w\u00fcrde und er jeder k\u00f6rperlichen Ehefrau an seiner Seite mit gro\u00dfem Respekt begegnen w\u00fcrde. Soll die Ehefrau zufrieden oder entt\u00e4uscht sein, dass die Geliebte ihres Gatten nur eine Harfe ist? Sie wird ihr die offizielle Stellung an der Seite ihres Gatten sicherlich nicht streitig machen.<br>\nZumindest war Yarid mit den Bedingungen einverstanden. Und anstatt Ramon noch der Braut zu fragen, die der Lord vielleicht bevorzugen w\u00fcrde, packte er \u201eTante Elaine\u201c unter den Arm, um mit mir zu besprechen, welche Braut in Frage k\u00e4me. Doch seltsamerweise wurden wir wieder und wieder unterbrochen. F\u00fcr mich stand au\u00dfer Frage, das eine Hochzeit bald geschehen muss. Und ich halte \u00c1ine immer noch f\u00fcr eine gute Wahl. Niemand zog Estebans T\u00f6chter in Betracht, denn dies w\u00e4re vielleicht wirklich etwas vermessen. Statt dessen zog ich Mikhails und Deionoras Tochter Felicia in Betracht. Was Deionora missfiel, genau wie Domna Aliciane sich vehement dagegen wehrte und ihre Ablehnung kund tat, ihre Tochter Maellen \u00fcberhaupt im Dienste der Familie Alton zu verheiraten. Das sprach sie nicht aus, doch ihr Blick war der einer Mutter, die mir die Augen auskratzen w\u00fcrde, wenn ich auch nur weiter spr\u00e4che.<br>\nDeionoras Ablehnung legte sich etwas, als sie Bedingungen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Ehe von Felicia mit Yarid nannte. Nicht ohne mir zuvor unter die Nase zu reiben, ich k\u00f6nne Alisa doch mit ihm verheiraten. Was sollte ich darauf anderes antworten, als ich ihr bereits bei unserer Anreise gesagt hatte, dass Alisa doch erst zw\u00f6lf Jahre sei. Deionora h\u00e4lt das anscheinend f\u00fcr alt genug, ein M\u00e4dchen zu verheiraten. Mag es in der Familie der Leyniers so gehalten werden, meine T\u00f6chter werde ich erst mit 15 in eine Ehe geben. Nun, was war Deionoras Bedingung? Das Alisa ihren Sohn Raffael heiratet. Ich str\u00e4ube mich so vehement dagegen, wie sich Domna Aliciane gegen eine Heirat ihrer Tochter in die Familie ihres Vaters str\u00e4ubt. Es macht mich vorsichtig und misstrauisch, das Deionora so sehr darauf pocht und mich zu beschwatzen versucht. Ist sie gar darauf aus, sich selbst und ihrem Sohn Alisas gro\u00dfe Mitgift zu sichern? Will sie mit Alisa Raffaels Anspruch als m\u00f6glicher Erbe von Alton best\u00e4rken, wenn Esteban keinen Sohn bekommt? Es hat mich misstrauisch gegen meine Schw\u00e4gerin gemacht, dass sie meine Tochter schon so jung verheiraten will und ihre eigene Tochter nicht unter die Haube bringt.<br>\nDa es nicht gen\u00fcgend Ruhe gab, verschoben Yarid und ich die Auswahl von m\u00f6glichen Kandidatinnen ohne dass wir es absprachen.<\/p>\n<p>Es war ein langer und anstrengender Tag gewesen. Das R\u00e4tsel war, so gut es m\u00f6glich war gel\u00f6st und die Gefahr gebannt. Yarid w\u00fcrde dieses Gut behalten und einen Namen erhalten, auch wenn es nicht der seines leiblichen Vaters war. Auch wenn ich nichts aktiv zu dem allem beigetragen hatte, war ich euphorisch und zufrieden. Mein Wunsch, das Yarid dieses Gut behielt war erf\u00fcllt. Oder zumindest so gut wie. Die Angst vom Morgen war jetzt, in der Dunkelheit der Nacht, vergangen. Alles war \u00fcberstanden.<br>\nDachte ich.<br>\nDoch irrte ich mich darin.<br>\nYarids im Affekt zu Dom Octavian gesprochene Worte blieben nicht g\u00e4nzlich ohne Folge. Die Hasturs verlangten nach einer offiziellen und ehrlich vorgebrachten Entschuldigung bei Ramon. Ramon, die Hasturs und Yarid unterhielten sich dar\u00fcber ohne, das ich es ganz bemerkte und nur ein paar Schritte entfernt in ein anderes Gespr\u00e4ch vertieft war als Ramon sich zu sich rief.<br>\nDinge wie dieser Faux-Pas oder auch so mancher andere, den Yarid sich geleistet hatte, sollten sich nicht mehr wiederholen und der Familie Alton, der Yarid nun angeh\u00f6ren w\u00fcrde, Schande bereiten. Er w\u00fcrde lernen m\u00fcssen, sich unter den Comyn zu bewegen und zu benehmen. Ob ich diese Aufgabe nicht \u00fcbernehmen w\u00fcrde, fragte er mich.<br>\nEr fragte mich, aber ich bin trotz meiner Verheiratung nach Ardais immer noch genug eine Alton um zu wissen, wann es eine Bitte ist, die man nicht abschl\u00e4gt. Ich sprach die von mir erwarteten Worte, dass es mir eine Ehre sei, Yarid in die Umgangsformen einzuweisen. Und ich tue es auch gerne, denn ich mochte Yarid und auch der Familie keine Unannehmlichkeiten bereiten. Doch kurz darauf begann ich schon zu \u00fcberlegen, ob es nicht zu Problemen f\u00fchren w\u00fcrde? Ich schob es fort von mir, auf sp\u00e4ter, wenn ich daheim war.<br>\nDenn Dom Octavian verlangte seine Entschuldigung von Yarid. Hoch offiziell und vor Zeugen. Yarid nahm es mit viel W\u00fcrde hin, vor ihm das Knie zu beugen und die Worte der Entschuldigung auszusprechen. Es zeugt in meinen Augen von viel St\u00e4rke, dies zu tun. Manch ein anderer in der Runde h\u00e4tte sich vermutlich eher das Leben genommen statt vor einem Hastur zu puckeln. Doch Yarid hat nicht den Stand, diese Wahl zu haben \u2013 oder diese M\u00f6glichkeit zu sehen.<br>\nDie Art, wie Dom Octavian die Entschuldigung annahm \u2013 mit vorgestreckter Hand, als wolle er, das man ihm einen heiligen Ring k\u00fcsse oder den Handkuss, den Yarid ihm dann gab \u2013 zeigte mir ein Bild auf einen Dom Octavian, der mir neu war. So neu wie jener, der die fordernde Bitte nach k\u00e4uflicher Unterst\u00fctzung verlangte. Es verwirrt mich, kenne ich ihn doch nur als einen mir freundlichen Menschen.<br>\nDanach \u2026 danach zog man sich bald zur\u00fcck und versuchte bei geistigen Getr\u00e4nken Entspannung von all der Aufregung zu finden.<\/p>\n<p>Und ich bin nicht nach Armida mit meinen Br\u00fcdern und Deionora zur\u00fcck gekehrt. Stattdessen verweile ich hier. Mir obliegt es, Yarid zu unterweisen, wie sich ein Comyn zu benehmen hat. Probleme aus dieser Pflicht, die ich aus Loyalit\u00e4t f\u00fcr die Familie aus der ich stamme angenommen habe, entstehen, werden zu l\u00f6sen sein, wenn sie auftreten.<\/p>\n<p>M\u00f6gen die G\u00f6tter gn\u00e4dig auf unser Tun blicken.<br>\nUnd auch du, mein lieber Gemahl.<\/p>\n<p>Ende<\/p>\n<h3><a name=\"aus\"><\/a>Ausz\u00fcge aus dem Tagebuch von Fionn di Asturien<\/h3>\n<p>Heute kam Botschaft von Yarid aus High Chapel.<br>\nDas ist keine Notiz, sondern wirklich eher eine \u00dcberschrift, denn seit am Vormittag der Brief eintraf besch\u00e4ftigt er jeden Kopf auf GreenScarp.<\/p>\n<p>Unter den Soldaten ist die Stimmung leicht beschwingt, denn der eine oder andere macht sich Hoffnung darauf, zur Eskorte ausgew\u00e4hlt zu werden und so der Eint\u00f6nigkeit der t\u00e4glichen Wachschichten zu entkommen. Die Auswirkungen sind wie immer, die losen Soldaten Zungen halten sich erstaunlich zur\u00fcck und die Nachl\u00e4ssigkeit in den Pflichten haben um ein gutes Ma\u00df abgenommen. Hauptmann Erald nimmt dies mit befriedigter Miene hin und witzelte mit Rhodri dar\u00fcber, das man viel h\u00e4ufiger derartige Einladungen erhalten sollte... und ob dieser nicht einfach ab und an behaupten k\u00f6nne, es gebe eine solche. Es w\u00fcrde das Aufrechterhalten der Disziplin so viel einfacher machen. Recht hat er.<\/p>\n<p>Allerdings sollten wir dann auf Einladungen hoffen, die unsere K\u00f6chin nicht gleich als einen Affront ansieht. Anilda n\u00e4mlich erinnert High Chapel nur an den Verrat, den eines der K\u00fcchenm\u00e4gde vor etwa zwei Jahren an ihr begangen hatte. Amelie, deren Familie schon seit Generationen den GreenScarps verpflichtet ist und bislang treu diente, hatte sich, als wir damals Mairi mit heim gebracht hatten, entschlossen. Anildas Fuchtel zu entkommen und auf ein anderes Pferd zu setzen. Soweit die Ger\u00fcchte es besagen, hat sie in High Chapel Stellung gefunden und versucht nun ihrerseits eine zweite Anilda zu werden. Derweil ist es in den K\u00fcchen und Hinterstuben GreenScarps ruhig geworden und das Essen heute Abend war nicht so bek\u00f6mmlich wie wir es gewohnt sind.<\/p>\n<p>(Fionn blickt aus den Seiten seines Tagebuches auf, nimmt sich einen kleinen Fetzen Pergament und notiert darauf in seiner \u00fcblichen krakeligen Handschrift: Anilda \u2013 gut zureden und beruhigen. Dann schiebt er sich die Kerze etwas n\u00e4her an sein B\u00fcchlein und konzentriert sich wieder auf sauberere und ordentliche Buchstaben.)<\/p>\n<p>High Chapel \u2013 Yarid Ruyven, jetzt wohl Yarid Alton. Nicht von Geburtsrecht an, sondern aufgrund der Adoption durch Janis Alton... Ich bezweifle, dass, sollten wir uns wiedersehen, der neue Name ihn so sehr ver\u00e4ndert hat.<br>\nEs d\u00fcrfte jetzt zwei oder drei Jahre her sein, dass wir uns zum letzten Mal sahen. Es war auf High Chapel und reiner Zufall... oder die Kraft der dunklen M\u00e4chte, die uns dorthin getrieben hatten... Scheinbar ist es den G\u00f6ttern nie m\u00f6glich gewesen uns einfach so zusammen zu f\u00fchren. Immer war es unter unguten Umst\u00e4nden und mit Leid verbunden.<br>\nDas Leid seiner Verbannung aus Asturien... das Leid an dem Kyju und Ayanu sich so erg\u00f6tzten...<\/p>\n<p>(Die Schrift beginnt zu zittern und Fionn setzt die Feder ab, seine linke Hand schmerzt, er reibt sie, hebt den Kopf und starrt in die Nacht hinaus... Kyrrdis, Liriel und Mormalor geben genug Licht um den Hof mit einem Schattentanz zu f\u00fcllen. Fionn sieht einen Soldaten die Runde \u00fcber die Mauer drehen. Die Furcht, die die Gedanken bringen, dr\u00e4ngen sich zur\u00fcck. Dies ist GreenScarp, ruhig und sicher. Das war einmal anders, damals f\u00fcllten Furcht und Sorgen diesen Ort und doch ist es zu einem sicheren Ort geworden...)<\/p>\n<p>Corran ist nicht erfreut \u00fcber diese Einladung. Kaum war sie verlesen, verschlossen sich seine Z\u00fcge, er grummelte etwas halblaut in sich hinein und f\u00fcr den Rest des Tages g\u00f6nnte er sich keinen ruhigen Augenblick und lie\u00df mir keinen Gelegenheit mit ihm zu sprechen.<br>\nJetzt ist er oben bei Aliciane...<br>\nEr geht mir aus dem Weg.<\/p>\n<p>Er hat es mir wohl \u00fcbel genommen, dass ich mich \u00fcber die Botschaft freute. Es war unbedacht von mir, ich mag Yarid, und Corran kann in mir lesen wie in einem offenen Buch. Corran wusste sofort, das die Neugier mich lockt, das ich wissen will, wie es Yarid geht... wie es um seine Al\u00e2yra steht... ob er einen Weg gefunden hat mit sich und seinem Leben zurecht zu kommen.<\/p>\n<p>Diese Gedanken sind nie ganz verschwunden, sie waren immer da und diese Einladung ebnet mir einen Weg. Sie ist eine Gelegenheit... und es lockt mich, ungeachtet dessen, dass ich auch nicht vergessen habe, was bei unserer letzten Begegnung geschehen ist. Corran wird es Naivit\u00e4t nennen, aber f\u00fcr mich hat es auch etwas mit Pflichterf\u00fcllung zu tun. Damals lie\u00dfen wir Yarid allein...<\/p>\n<p>Ich will wissen, ob es ihm gut geht oder ob ich noch etwas f\u00fcr ihn tun kann. Seine Hilfe hat meine Familie gerettet, hat Corran und mich gerettet. Mir erschiene es undankbar aus einfacher Angst vor Erinnerungen diese Einladung abzulehnen. Ich werde morgen mit Corran dar\u00fcber sprechen, ob es ihm nun gef\u00e4llt oder nicht... ich hoffe ich kann ihn dazu bewegen einzulenken.<\/p>\n<p>Als ich am Morgen erwachte um Corran zu stellen und ihn darum zu bitten mich allein die Einladung annehmen zu lassen, war er schon lange fort. Er hatte Rhodri aus dem Bett geschmissen und sich mit ihm nach Lanister begeben. Vorbereitungen f\u00fcr den Herbstmarkt, mit diesen Worten hatte er seinen Aufbruch vor Aliciane begr\u00fcndet. Es stand nichts dergleichen an...<br>\nBedr\u00fcckte Stimmung beim Fr\u00fchst\u00fcck, dass ich nun zwangsl\u00e4ufig allein mit den Frauen und Kindern einnahm. Fianna hielt sich zur\u00fcck, aber dunkle Schatten lagen unter Alicianes Augen... w\u00e4hrend Rakhaila ihre eigenen Pl\u00e4ne machte und sich schon auf der Jagd sah. Maellen, angestachelt von Rakhailas Munterkeit, wollte ebenso unbedingt mit auf die Jagd, zu Alicianes absolutem Missfallen.<br>\nAn manchen Tagen denke ich, dass die Sorge um ihre Tochter \u00fcbertrieben ist, aber diesmal stimmte ich ihr zu. Maellen sollte soweit es ging, zu ihrer eigenen Sicherheit niemals Altonschen Boden betreten. Wir k\u00f6nnen froh sein, da\u00df Alton, die Familie ihres Vaters, bislang keine Anspr\u00fcche auf das M\u00e4dchen anmeldet.<br>\nEhe die Situation g\u00e4nzlich aus den Fugen geriet, nahm ich meine Frau beiseite. Es passte ihr nicht, wie so oft, sie hat einen Sch\u00e4del aus aldaranschem Granit, aber sie ist immer noch nur ein M\u00e4dchen. Ich schlug ihr vor sich zur\u00fcckzuhalten, bis ich und Corran entschieden hatten was zu tun sei.<br>\nSie schrie mich an... Szenen mit denen sich dieses Buch hier, Seite um Seite f\u00fcllt. Immer und immer wieder. Die gemeinsame Sorge um Laertes bleibt das einzige was uns wirklich verbindet, sie selbst bleibt mir fern... Ich habe viele Anl\u00e4ufe gemacht, aber sie schafft es, mich immer wieder von sich zu sto\u00dfen. Ich w\u00fcnschte es g\u00e4be einen Zugang, aber ich finde ihn nicht und eine dicke Metallkugel h\u00e4ngt an meinem Catenas-Band und bindet mich.<br>\nIm Grunde kann ich froh dar\u00fcber sein, da\u00df bislang nichts von ihren Affairen an die Ohren der Welt gelangt ist. So gut es geht, werden Schutzm\u00e4ntel \u00fcber das gebreitet, was hinter den T\u00fcren der Zimmer geschieht... Wie gut, das wir alle so ge\u00fcbt darin sind, Geheimnisse f\u00fcr uns zu behalten.<br>\nIch habe Joric Aldaran versprochen mich zu k\u00fcmmern und ich tue es, soweit sie es zu l\u00e4sst... doch manchmal w\u00fcnschte ich, die Kette, die uns aneinander bindet w\u00fcrde abfallen.<br>\nWieder ein Moment, der mich hoffen l\u00e4\u00dft alleine der Einladung folgen zu d\u00fcrfen. Es w\u00e4re auch ein Moment der Ruhe f\u00fcr die durch meine Frau gemarterten Nerven. Heute begreife ich, was Rascard so oft fort und in die Betten andere Frauen getrieben hat, deutlich besser... auch wenn die Dinge zwischen ihm und Loret heute besser zu stehen scheinen.<br>\nF\u00fcr heute zumindest sehe ich keine Hoffnung, dass sich dies zwischen Rakhaila und mir auch einmal bessern wird.<br>\nImmer wenn sie mich ansieht k\u00f6nnte sie auch gleich durch mich durchgucken. Dann ist es oft, als w\u00e4re ich nicht der, der ich bin, sondern noch immer der Schafhirte, der Ombedrin... und ihr Kerkermeister.<br>\nDabei sollte sie es eigentlich besser wissen, diese manchmal so verzogene, sture kleine G\u00f6re...<\/p>\n<p>(Die Worte verschwimmen in ihren Krakeln und sind kaum noch leserlich...)<\/p>\n<p>Gut das ich gestern abgebrochen habe, wenn ich meine letzten Worte nachlese, dann kann ich mich dieser heute nur noch sch\u00e4men. Rakhaila hat es nicht leicht und mir sollte bewusst sein, dass ich es ihr auch nicht einfacher mache.<br>\nSie muss mich nicht lieben, dass w\u00e4re zuviel verlangt... und wenn ich diesen Seiten meinen Zorn anvertraue, dann muss ich diesen auch eine Entschuldigung anvertrauen.<br>\nZumal dieser Ausbruch vielleicht damit zu erkl\u00e4ren ist, das Corran mich so im Regen hat stehen lassen. Er war den ganzen Tag fort und zog sich auch nach dem Abendessen gleich wieder mit Aliciane zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Doch jetzt, zwei Tage nach der Ankunft der Einladung durch Yarid, hat sich das Problem scheinbar von alleine gel\u00f6st.<br>\nCorran will die Einladung annehmen und Aliciane m\u00f6chte ihn begleiten.<br>\nDas verwundert mich schon sehr, aber Corran sah nicht so aus, als w\u00fcrde es an dieser Entscheidung noch irgendetwas zu r\u00fctteln geben. Ich werde mit ihnen gehen, wie immer und Fianna hat darauf bestanden, da\u00df auch Rhodri uns begleitet.<br>\nIch vermute sie denkt an unsere Sicherheit, denn was beim letzten Mal auf High Chapel geschah, soll sich auf keinen Fall wiederholen. Ich denke es wird zu verhindern sein, die damalige Erfahrung muss ich nicht wiederholen und so schnell wird mich auch nichts mehr in den Selbstmord treiben.<br>\nJa, ich liebe Corran. Er ist ein Teil meines Herzens und ohne ihn bin ich nur ein halber Mann, wenn denn \u00fcberhaupt. Aber ich wei\u00df auch, dass ich die Frauen und Kinder nicht allein lassen kann... selbst wenn unser K\u00f6nig, mein Onkel, sie nicht ohne Schutz lie\u00dfe, so glaube ich doch fest daran, dass ich mich besser um sie k\u00fcmmern w\u00fcrde. Ebenso wie um GreenScarp, das es zu bewahren gilt bis Liam (Joric) alt genug ist, es von seinem Vater zu erben... und was w\u00fcrde aus Aldaran werden, wenn Rakhaila und Laertes nicht mehr gesch\u00fctzt werden? Was aus Stella, die nur mich hat?<br>\nIch habe einmal, aus Dummheit und Verzweiflung in eigener Verantwortung an der Pforte des Todes gekratzt, aber ein zweites Mal wird dies nicht geschehen. Das haben mich die Tage auf High Chapel gelehrt und vor allem die warmen Worte Elenors von Ridenow.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Tage bis zur Abreise werden mit einigen Vorbereitungen gef\u00fcllt sein... ich wei\u00df nicht wie oft ich mich da noch meinem Tagebuch widmen kann. Also sei nicht b\u00f6se, wenn ich dich ein wenig vernachl\u00e4ssige.<\/p>\n<p>Morgen werden wir abreisen. In den letzten Tagen kamen dem einen oder anderen immer wieder kurze Momente des Zweifels, aber nichts, was den Entschluss wieder R\u00fcckg\u00e4ngig gemacht h\u00e4tte. Auf meinen Botenvogel gen Asturias an den Hof, kam heute, gerade rechtzeitig noch Antwort. Aus K\u00f6nigin Arielles Mund, wie ich es schon beim versenden vermutet hatte. Sie ist ein wenig pikiert das der K\u00f6nig selbst keine Einladung erhielt... aber bereitwillig berichtete sie von allen Neuigkeiten, die sie \u00fcber Alton hatten. Es war nichts dabei, das gegen eine sichere Anreise sprach, es gibt nur Ger\u00fcchte, das einige illustre G\u00e4ste vermutet werden... trotzdem, oder gerade deshalb, konnte sie es sich nat\u00fcrlich nicht verkneifen, als letztes hinzu zusetzen, wir sollen ihnen keinen Schande machen.<br>\nWie immer werden wir uns nat\u00fcrlich darum bem\u00fchen...<br>\nGestern waren wir auf Corrans Gest\u00fct um ein Gastgeschenk f\u00fcr Yarid auszuw\u00e4hlen. Es wurde eine h\u00fcbsche, ein wenig hei\u00dfbl\u00fctige aber kr\u00e4ftige Stute. Kindra und Beron geht es gut und der Junge freut sich und Stella ist gesund und munter.<br>\nWenn wir wiederkommen, werde ich Stella in die Burg mitnehmen. Es wird Rakhaila nicht gefallen, aber es kann vielleicht nicht schaden, meiner Frau unter die Nase zu reiben, dass ich durchaus in der Lage bin Kinder zu zeugen.<br>\nEigentlich bin ich ja ein netter Mensch, aber mein Leben mit Corran hat mich durchaus gelehrt, dass es manchmal nicht schaden kann in die Trickkiste zu greifen. Vielleicht ist es an der Zeit zur\u00fcck zu bei\u00dfen. Das Rakhaila zur\u00fcckbleiben muss, hat seine Gr\u00fcnde. Zeit ihr dieses mal wieder ins Ged\u00e4chtnis zu rufen.<br>\nAber das muss warten bis wir wieder daheim sind.<br>\nJetzt wartet High Chapel auf uns und ich hoffe es wird eine ruhige Reise und eine erfolgreiche Jagd ohne irgendwelche Zwischenf\u00e4lle... warum sollte Yarids Gut nicht ein Ort sein, an dem die Schrecken ebenso verschwinden k\u00f6nnen, wie hier auf GreenScarp?<\/p>\n<p>(Fionn streut Sand \u00fcber die letzte Seite, wartet einen Moment, sch\u00fcttelt ihn dann hinunter, verschlie\u00dft das Tagebuch mit einem Siegel und steckt es dann zu seinem Gep\u00e4ck)<\/p>\n<p><strong>Beginn des Plots:<\/strong><\/p>\n<p>Es f\u00e4llt mir schwer nichts an meinem Bericht an mich selbst zu \u00fcberst\u00fcrzen, denn die Ereignisse haben sich nat\u00fcrlich doch \u00fcberschlagen. Aber diese Seiten sind nicht nur daf\u00fcr da mich auszuheulen. Vor allem sollen sie meine Gedanken kl\u00e4ren und mir helfen in dem Wust eigener Gef\u00fchle nicht zu versinken... deshalb sitze ich jetzt hier, die Angst zwar im Nacken, aber vielleicht hilft es mir, die Gedanken soweit zu kl\u00e4ren das ich einen Weg finden werde, der uns aus diesem Chaos herausf\u00fchrt. Au\u00dferdem verk\u00fcrzt es mir die schlaflose Nacht, w\u00e4hrend ich an Corrans und Alicianes T\u00fcr wache.<\/p>\n<p>Nun gut, was also hat mich genau hier hergebracht?<\/p>\n<p>Die Nacht war schon eingebrochen, als wir High Chapel erreichten. Aus der Ferne wirkte es unver\u00e4ndert aber diesmal wollten wir wirklich hierher und wurden nicht von einem Zauber hergelockt. Ausserdem war das Haus hell erleuchtet und wir h\u00f6rten Stimmen, als wir die Pferde dem Stallmeister \u00fcbergaben und vom Coridom freundlichst empfangen wurden.<br>\nKein gespenstisch wirkendes Spalier aus Hausangestellten, kein nerv\u00f6ser und fiebrig aussehender Hausherr... zwei Punkte, die mir das Herz gleich etwas leichter machten. Der Coridom f\u00fchrte uns in unsere Kammer, Corran entlie\u00df ihn freundlich. Wir waren hier keine Fremden und der Weg in den Saal war uns gel\u00e4ufig. Das Kuriosit\u00e4tenkabinett, das uns bei unserem ersten Besuch hier direkt ins Auge gestochen hatte, gab es nicht mehr. Yarid schien aufger\u00e4umt zu haben. Auch das beruhigte mich.<br>\nWir legten die Schwerter und M\u00e4ntel ab, von nun an galt es Etikette zu waren und sich an den Gastfrieden zu halten. Corran brummte nur etwas von \u201eAndere L\u00e4nder, andere Sitten\u201c, beschwerte sich aber nicht weiter. Arielle wird stolz sein, wenn sie davon erf\u00e4hrt...<br>\nMich zumindest erleichterte es, nicht mit der Waffe am Leib zwischen den Damen wandeln zu m\u00fcssen. Wer wie ich, nicht von Kinderbeinen an, daran gew\u00f6hnt ist, wird es vermutlich nie schaffen, sich mit dem Schwert an der Seite zu bewegen, als w\u00e4re es ein weiterer K\u00f6rperteil und ich wei\u00df, bei so mancher Gelegenheit habe ich mit der Waffe unn\u00f6tig Menschen den Weg verstellt oder Damen die R\u00f6cke zerdr\u00fcckt. Ohne bewegte es sich leichter... und weniger auff\u00e4llig.<br>\nNoch einmal kurz durchgeschnauft und dann begaben wir vier uns in den Saal. Aliciane an der Seite Corrans, ich vorne weg, Rhodri in ihrem Schatten. Wir waren sicherlich alle neugierig, wer dort im Saal bereits wartete... wobei ich vor allem endlich einen Blick auf Yarid erhaschen wollte.<br>\nKurz vor dem Saal fiel es Corran dann pl\u00f6tzlich und f\u00fcr mich sehr verwirrend ein, sich zu beschweren.<br>\nEr w\u00e4re lieber daheim geblieben, so vermeldete er pl\u00f6tzlich.<br>\nWorauf ich etwas erbost erwiderte, dass es jetzt f\u00fcr solche Zweifel zu sp\u00e4t w\u00e4re, er habe die Wahl gehabt. Er habe sich entschieden und k\u00f6nne jetzt nicht mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Etwas das ich jetzt bereue, aber zu diesem Zeitpunkt kam es mir nicht in den Sinn Corrans Worten mehr Gehalt beizumessen. Er reagierte trotzig, wann immer er sich nicht wohl in seiner Haut f\u00fchlt. Und da er Diplomatie verabscheut, rechnete ich mit genau solchen Worten. Er wollte sich dr\u00fccken, so dachte ich.<\/p>\n<p>Also weiter in den Saal hinein und ein erster Blick \u00fcber die Anwesenden, auf der Suche nach Yarid, der gerade einige G\u00e4ste begr\u00fc\u00dfte, die mir aber nicht bekannt waren.<br>\nWie immer l\u00e4sst sich Corran schlecht \u00fcbersehen und kaum hatte Yarid ihn bemerkt st\u00fcrzte er auch schon auf uns zu...<br>\nEr begr\u00fc\u00dfte uns freundlich, der Etikette entsprechend und stolperte nur kurz, ob unseres Gastgeschenkes, welches er sich wohl am liebsten sogleich angesehen h\u00e4tte. Seit seiner Zeit als Barde auf GreenScarp, hatte er sehns\u00fcchtige Blicke auf die Tiere geworfen. Ich sagte ihm, das f\u00fcr einen Besuch ihm Stall auch morgen noch Zeit seie... Er nickte, und wies uns einen Tisch an prominenter Stelle zu. Eine Magd, wie ich anf\u00e4nglich annahm, reichte uns einen Begr\u00fc\u00dfungstrunk, und wir wollten uns setzen. Ich f\u00fchlte mich besser, jetzt, wo ich Yarid bei guter Gesundheit fand... doch kam ich selbst gar nicht dazu, dieses Gef\u00fchl zu genie\u00dfen, weil ich sogleich von einer jungen Frau, aufgehalten wurde.<\/p>\n<p>Es handelte sich um \u00c0ine, welche ich schon bei unserem ersten Besuch auf High Chapel kennen lernen durfte. Damals litt sie an etwas was man in den T\u00fcrmen eine Multiple Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung nennt. Ihr Geist hatte sich aufgrund eines sehr traumatischen Ereignisses in mehrere Personen geteilt, die jede f\u00fcr sich, versuchten das Leben zu meistern.<br>\nHeute war sie nicht mehr verr\u00fcckt, wie man es wohl langl\u00e4ufig bezeichnen w\u00fcrde. Wir hatten ihr geholfen sich und ihren Geist wieder zusammen zu schlie\u00dfen. Jetzt weilte sie eigentlich in Hali wo ihr Laran ausgebildet wurde und trug ihren Familiennamen Alton.<br>\nSie zeigte sich besorgt, weil sie Janis Altons Tochter war und nun scheinbar doch Yarid das Haus erben sollte...<br>\nSie wollte es f\u00fcr sich haben und bat mich ihren Anspruch zu unterst\u00fctzen.<br>\nDas versetzte mich in eine Zwickm\u00fchle. \u00c0ines Anspr\u00fcche waren als Nedestra genauso stark wie die von Yarid. Mein Bezug auf Yarid aber st\u00e4rker als der zu \u00c0ine...<br>\nVorerst entsprach ich ihrer anderen Bitte und informierte ihre Gef\u00e4hrtinnen aus dem Turm von Hali \u00fcber die Geschehnisse von damals auf High Chapel. Melissandra Acosta und Julianna Ardais lauschten, stellten hier und da weitere Fragen und bekundeten ihre Entschlossenheit einen Weg zu finden Kiristella Hastur, die sich damals f\u00fcr alle \u00fcbrigen geopfert hatte und bei den finsteren Pr\u00e4senzen in der Oberwelt geblieben war, zur\u00fcck zuholen.<br>\nIch bewundere ihren Mut, ich selbst w\u00fcrde so einen Versuch nicht mehr wagen. Zweimal war ich bereits daran beteiligt, zweimal endete es fast mit dem Tod. Kiristellas Tapferkeit ist unbestritten und ich verdanke ihr die H\u00e4lfte meiner Seele... aber ich kann und darf mich nicht mehr daran beteiligen. Zuviel steht auf dem Spiel, weit mehr als nur mein Leben. Vielleicht war ein Turm wie Hali in der Lage dieses Problem zu l\u00f6sen.<br>\nWas \u00c0ines Anspr\u00fcche auf High Chapel anging, so ermutigte ich sie sich an ihre Familie zu wenden... denn diese Angelegenheit war nichts was in Asturiens Hand lag... und schon gar nicht in denen von Fionn dem Nedestro... dem Sohn eines Verr\u00e4ters... der selbst ohne Land war und auch keinen Anspruch darauf erhob.<\/p>\n<p>So verabschiedete ich mich erst einmal von den Damen und lie\u00df mich nun doch endlich am Tisch neben Corran, Aliciane und Rhodri nieder... und endlich, meine Kehle war furchtbar trocken, bekam ich auch etwas zu trinken.<br>\nSchneller als ich gedacht hatte, erh\u00e4rtete sich der Verdacht, das es hier in den n\u00e4chsten Tagen um Yarids Stand und dieses Gut gehen w\u00fcrde und ich war entschlossen, Yarid wo es ging, dabei zu unterst\u00fctzen. Nach allem was ich bislang zu sehen bekommen hatte machte er seine Sache nicht schlecht... das Gut machte einen besseren Eindruck als bei unserem letzten Besuch, ebenso wie der Barde selbst.<\/p>\n<p>Es ist noch immer finster drau\u00dfen, und der Bericht wird lang und auswalzend. Aber ich suche immer noch nach den Details und versuche deswegen auch nichts an das ich mich noch erinnere zu vergessen. Allerdings ist es unglaublich schwierig sich jeden Moment zu vergegenw\u00e4rtigen... auch wenn er gerade erst vor\u00fcber ist. So viele Menschen sind f\u00fcr jeden Telepathen eine Zumutung...<\/p>\n<p>Bei solchen Gesellschaften habe ich immer ein wenig das Gef\u00fchl zwischen den St\u00fchlen zu sitzen. W\u00e4hrend ich selbst unendlich bem\u00fcht bin mich nicht in den Stricken der Etikette zu verheddern und<br>\n\u00fcber die unz\u00e4hligen ungeschriebenen Konventionen zwischen denen sich die Comyn bewegen zu stolpern hat jeder mein Mitgef\u00fchl dem es geschieht, weil er sich einfach am falschen Ort befindet.<br>\nRhodri zum Beispiel rang mit sich selbst an diesem Abend wohl am meisten. Was immer er tat, es wirkte verkrampft und angespannt. Seine Furcht vor einem falschen Tritt war sp\u00fcrbar und hier und da vertrat er sich... oder erschreckte die anwesenden Damen, weil er ein Bier in alter Soldatenmanier eigenh\u00e4ndig und laut \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Aliciane hingegen f\u00fchrt auf GreenScarp ein burschikoses, sehr einfaches Leben, aber das wackelnde Parkett der Diplomatie ist ihr von Kindesbeinen an vertraut und um ehrlich zu sein, oft bl\u00fcht sie auf, wenn sie solchen Herausforderungen entgegensieht. Sie hielt sich gut, und ich bemerkte keinen Hauch von Misstrauen in ihr... obwohl sie sicherlich mit ihren Gef\u00fchlen gegen\u00fcber den anwesenden Alton rang.<\/p>\n<p>Wir alle, sahen uns pl\u00f6tzlich einer weiteren solchen Herausforderung gegen\u00fcber als unverkennbar ein Hastur von Hastur samt seiner Gemahlin den Raum betrat. Das war \u00fcberraschend hoher Besuch f\u00fcr die einfache Tafel eines einfachen kleinen Familiengutes...<br>\nUnd Hastur war ein Problem.<br>\nHastur ist f\u00fcr Asturias immer ein Problem gewesen und wird immer eines sein...<br>\nZum ersten Mal schlug mein Herz vor Furcht etwas h\u00f6her.<br>\nKeine Ehrfurcht, nein, da werde ich niemanden t\u00e4uschen. Hastur hat keine Ehrfurcht verdient... aber es gab da diese spr\u00f6den Bande die unser Haus mit dem ihren verbanden. Bande die Asturias aus politischen Gr\u00fcnden akzeptieren musste, aber verabscheute. Denn Hastur war f\u00fcr meine Familie immer dadurch bekannt, das wenn sie den kleinen Finger bekommt nicht nachl\u00e4\u00dft, bis sie auch die ganze Hand bekam. Zur Zeit war GreenScarp f\u00fcr den Herrn von Carcosa der Finger... die ganze Hand war das K\u00f6nigreich und dieses str\u00e4ubt sich schon seit Jahrhunderten gegen eine \u00dcbernahme durch den \u00fcberm\u00e4chtigen Rivalen.<\/p>\n<p>Herr des Lichts, selbst auf dem Papier gehen die Nerven mit mir durch... ich muss mich zusammennehmen und konzentrieren. Doch das f\u00e4llt so schwer, vor-allem, da sich best\u00e4tigte was mich sogleich durch eine \u00c4hnlichkeit in den Gesichtsz\u00fcgen beschlich. Wenn es auch ein Hastur von Hastur und nicht von Carcosa war, so hatte er doch ebenso wie der alte Jerome einen Speichellecker aus Castamir an seiner Seite.<br>\nDoch zun\u00e4chst waren die Hasturs noch von Yarids Begr\u00fc\u00dfung in Beschlag genommen und ich arrangierte mich mit der Situation. Einst, kurz bevor ich nach GreenScarp gegegangen war um sein Soldat zu werden, hatte sich Corran in seiner Not an K\u00f6nig Valdrin Hastur von Hastur gewandt und dieser hatte ihn mit Soldaten ausgeholfen... Ich hoffte nicht, dass diese kurze und sehr problematische Episode heute noch einmal Erw\u00e4hnung finden w\u00fcrde...<\/p>\n<p>Bei ihrem Eintreten hatten wir uns von den F\u00fc\u00dfen erhoben... Aliciane blieb, wie es sich geh\u00f6rte sitzen... und Hastur lie\u00df sich Zeit bis wir uns wieder setzen durften.<br>\nSolche Sitten sind mir aus Asturias vertraut, aber Caleb w\u00fcrde uns nie unn\u00f6tig lang stehen lassen.... und nie erwarten das auch die Frauen sich erhoben. Schlie\u00dflich nahmen auch die G\u00e4ste aus Thendara endlich Platz und unterbrochene Gespr\u00e4che wurden wieder aufgenommen.<\/p>\n<p>Unsere Reisegruppe blieb abwartend und ruhig sitzen...<br>\nGelegenheit sich den \u00fcbrigen Anwesenden auch mal soweit zu widmen. Ob der Bedrohung, der wir uns sp\u00e4ter entgegensahen, kann jedes Detail entscheidend werden. Und sollte dieser Besuch auf High Chapel ungl\u00fccklicher enden als der erste vor zwei Jahren, so bleibt dieses Buch als Zeuge zur\u00fcck...<\/p>\n<p>Neben dem Hasturs, die ich pers\u00f6nlich nicht kannte, auch wenn seine Stiefel Oktavien deutlich als einen Bruder Valdrins zu erkennen gaben, sa\u00df eine gr\u00f6\u00dfere Gemeinschaft der Familie Alton, unter ihnen eine Frau, die ich kurz kennengelernt hatte.<br>\nElaine Alton-Ardais, von der ich viel geh\u00f6rt hatte, noch bevor wir uns begegneten. Sie ist, was man in Thendara eine feste Gr\u00f6\u00dfe nennt... und manchen Erz\u00e4hler habe ich schon von ihrer Hochzeit berichten h\u00f6ren. Als sie, noch w\u00e4hrend des Krieges zwischen Alton und Ardais, einem der Falken die Hand gab...<br>\nVon ihrem Mann, Coryn Ardais, ehedem Regent f\u00fcr Lord Giley Ardais, habe ich pers\u00f6nlich keine so hohe Meinung, nicht mehr, nach dem Tage auf dem Markt in Lanister, als Yarid wegen einer von ihm geschmiedeten Intrige aus Asturien verbannt wurde.<br>\nK\u00f6nig Caleb bezeichnet dies zwar mitlerweile als seinen einzigen Fehlgriff, aber in finsteren Momenten, wenn mir Rakhaila wiedermal Steine in den Weg legt oder mich die Furcht beschleicht eines Tages als Regent \u00fcber Aldaran herrschen zu m\u00fcssen.... dann denke ich mir, w\u00e4re ihr Mann ein wenig kl\u00fcger gewesen, w\u00fcrde es all diese Probleme gar nicht geben.<br>\nZum Gl\u00fcck war er nicht anwesend, sondern nur seine Frau, der ich an all dem keine Schuld geben kann... selbst wenn sie damals, als der Frieden auch zwischen Aldaran und Hastur mit den Catenas aushalf, die mich heute an Rakhaila fesseln. Sie tat es aus \u00e4hnlich guten Gr\u00fcnden, aus denen ich Rakhaila die Hand gab...<\/p>\n<p>Domna Elaine war es auch, die an unseren Tisch trat und die Bekanntschaft erneuerte...<br>\n(oder aber es war etwas sp\u00e4ter, aber sie war auf jedenfall da). Ich versuchte sie nicht zu beunruhigen und mir doch genug von ihrem neuartigen und sehr modernen Gewand einzupr\u00e4gen um mir sp\u00e4ter bei Arielle ein paar nette Worte daf\u00fcr abzuholen. Loret werde ich davon aber nichts erz\u00e4hlen...<\/p>\n<p>Yarid hatte ein langes Gespr\u00e4ch mit einem der Herren Alton hinter sich, als er abermals zu uns trat. Einen Moment lang unterhielten wir uns nur, dann berichtete er uns von Amelie...<br>\n\u2026 dem einstigen K\u00fcchenm\u00e4dchen GreenScarps, der Nemesis Anildas, die, so wie es aus Yarids Mund klang nun die Nemesis Rhodris zu werden hoffte.<\/p>\n<p>Amelie hatte kurz nach ihrer Ankunft auf High Chapel ein Kind geboren und behaupte nun, dass Rhodri der Vater war. Ich konnte es nicht glauben und entnahm blankes Entsetzen aus Rhodris Blick, als dieses Ger\u00fccht nun an unsere Ohren drang. Er bestritt sofort und mit einiger Kraft... und um seines Lebens willen hoffte ich auch, dass sich dieser Verdacht nicht best\u00e4tigte.<br>\nCorran w\u00fcrde ihn sonst doch noch umbringen, etwas das wir dereinst unter viel Kraftaufwand verhindert hatten.<br>\nJeder von uns wusste, dass er vor der Ehe mit Fianna kein Kind von Traurigkeit gewesen war, aber seit der ungeh\u00f6rigen und aus der Not heraus geborenen Hochzeit mit Corrans Schwester hatte er sich meines Wissens nach nirgendwo mehr die Finger verbrannt.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher w\u00e4re Corran ihm schon wegen weit weniger an den Hals gegangen, aber wie ich nun sehen konnte, hatte sich dies \u00fcber die Jahre hinweg deutlich ver\u00e4ndert. Corran erhob sich sofort um Amelie zu befragen... kein b\u00f6ses Wort gegen Rhodri drang aus seinem Mund.<br>\nIch hatte allerdings meine Zweifel ob Amelie ihm die Wahrheit sagen w\u00fcrde, und nicht nur kuschte, weil ein w\u00fctender Corran so furchtbar einsch\u00fcchternd war. Derweil beschlossen Aliciane und Rhodri ebenfalls noch einmal nachzuhorchen...<br>\nDoch da kam Corran schon zur\u00fcck und lie\u00df verlauten die jetzige K\u00f6chin w\u00fcrde nichts dergleichen behaupten.<br>\nUm nicht zu viele Ohren an unseren neuen Sorgen teilhaben zu lassen, vertagten wir das Thema.<br>\nAuch wenn ich mir selbst vornahm, bei der n\u00e4chsten Gelegenheit noch einmal nachzuhaken. Mochte sein und Rhodri war unschuldig, aber das galt sicherlich nicht f\u00fcr die \u00fcbrigen Soldaten GreenScarps.... und ich habe es ganz gerne, wenn sich ein Vater um seine Brut auch k\u00fcmmert, und sei es nur, in dem ein Teil seines Soldes in die Hand der Mutter kam.<\/p>\n<p>Was danach folgte war und ist, auch wenn es weit schlimmer kommen sollte, immer noch eine nicht zu verachtende Folter meiner Nerven gewesen.<br>\nDer Hastur, leider gleich an unserem Nachbartisch untergekommen, langweilte sich wohl und mokierte sich mehrmals recht laut dar\u00fcber noch nicht vorgestellt worden zu sein. Yarid holte dies nat\u00fcrlich sofort nach, auch wenn ich nicht wirklich daran glaubte, das der Hastur dieser Unterst\u00fctzung bed\u00fcrfte. Es waren einige Familien da, und auch wenn ich einige Gesichter vermisste, so war es doch ein leichtes die Familien zuzuordnen.<br>\nAlton, Hastur, Storn Seitenzweige, wie ich annehmen muss, da weder Gavin noch Edric anwesend waren von ihnen kannte ich bisher nur Leandra, die damals ebenso wir wir schon einmal auf High Chapel gewesen war. Ardais wurde vertreten durch Domna Elaine und die junge Julianna aus Hali... dazu ein Mann aus Ridenow, zumindest trug er die Farben der Familie aus Serrais, Melissandra Acosta.<\/p>\n<p>Um sich halbwegs zurecht zu finden braucht es keine Vorstellungsrunde, aber der Hastur bekam was Hastur verlangte... nur um sich, kaum war dies beendet, von seinem Tisch zu erheben.<br>\nBekanntschaften auffrischen...<br>\nWarum er sich allerdings gerade uns aussuchte und Corrans Geduld auf die Probe stellte wei\u00df ich nicht genau. Vielleicht war er ja hier, um f\u00fcr \u00c4rger zu sorgen, aus dem sein Bruder, der unbedingt k\u00f6niglicher als andere K\u00f6nige sein wollte, nutzen schlagen konnte.<br>\nOktavien und Irmelin nahmen Platz und er\u00f6ffneten das Wortduell... dem ich nicht weniger Hilflos ausgeliefert war als Corran. Ein dicker Klo\u00df sa\u00df mir ihm Hals...<br>\nEs brauchte nicht lang und ich wusste, er wollte uns provozieren. Wie gut, da\u00df ich gleich an Corrans Seite einen Platz gefunden hatte.<br>\nAlles begann damit, dass Oktavien verlauten lie\u00df, nicht oft ins Hinterland zu geraten<br>\nHinterland...<br>\nIch kann mir dieses Wort nur immer wieder und wieder auf der Zunge zergehen lassen. Sicherlich, High Chapel ist ein kleines Gut, kleiner noch als GreenScarp, aber es liegt auf Altongrund und eine Dom\u00e4ne ist kein Hinterland... nur nicht unbedingt so aufgeblasen und gro\u00dfkotzig wie Thendara.<br>\nWas mir aus diplomatischer Tuerei nicht gestattet war w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs, und ich bin nicht so ge\u00fcbt, wie Aliciane... hier kann ich dem freien Lauf lassen.<br>\n\u00dcber die Lippen dieses Mannes kam nicht ein normales Wort, jeder Satz war gespickt mit Arroganz, jedes Wort nur darauf aus, sein Gegen\u00fcber auf ein Nadelkissen zu setzen... dieser Mann lachte so gek\u00fcnstelt, wie ich es zuvor nur von einem Laffen aus Thendara geh\u00f6rt hatte. Er war durch und durch ein Intrigant...<\/p>\n<p>Und noch w\u00e4hrend er sich meine Nackenhaare aufstellten ging GreenScarp gemeinsam auf Verteidigungskurs. Allen voran Aliciane, die sich Spitzen aufgrund ihrer Herkunft sicherlich nicht bieten lie\u00df und auch nicht einfach still und brav dabei zusah, wie Corran vorgef\u00fchrt wurde.<br>\nWiedereinmal zeigten sich die Qualit\u00e4ten Alicianes, die mit \u00e4hnlich spitzer Zunge zur\u00fcckscho\u00df... und w\u00e4hrend sich diese Spiel erm\u00fcdend lange fortsetzte, niemals klein beigab. Sie sch\u00e4mte sich nicht, sie geriet nicht in Verlegenheit, sie stand stolz zudem was sie war....<\/p>\n<p>Nichts blieb unerw\u00e4hnt. Nicht fragen nach ihrem Bruder, des Lords von Aldaran, nicht nach meiner Gemahlin und ein einziges Mal schaffte ich es selbst zur\u00fcck zuschie\u00dfen. Es war Domna Irmelin, die auf die Oper in Thendara zu sprechen kam...<br>\nHa, erwischt...<br>\nBei solcher Art von Konversation verdampft mit der Zeit mein Gehirn... zu sehr muss ich an meinen Barrieren klammern um mir nicht die Abscheu anmerken zu lassen...<br>\nAber die Oper ist ein Lieblingskind von Corran und niemanden in den Dom\u00e4nen und K\u00f6nigreichen kann es entgangen sein, das der ber\u00fchmteste Librettoschreiber der Oper ein Harryl ist... ein Mann, dessen Familie die treuesten Vassallen Asturiens sind...<\/p>\n<p>Also schlug ich mit dem Namen Robay Harryls, dem Dichter, zur\u00fcck...<\/p>\n<p>Kurz darauf aber erl\u00f6ste ich Rhodri, der am ehesten in Gefahr schien die Contenance zu verlieren. Gemeinsam gingen wir um Getr\u00e4nke zu holen, Bier um genau zu sein, ja, Domna Hastur, Bier... keinen Wein, selbst f\u00fcr Aliciane nicht!<br>\nDerweil Aliciane und Irmelin Hastur sich den anderen Damen anzuschlie\u00dfen gedachten.<br>\nWir z\u00f6gerten diese Pause ein wenig hinaus und schafften uns ein wenig Luft... mit deftigen Worten... aber Rhodri brauchte diese Pause so sehr wie ich. Besser er lie\u00df es hier heraus, als vor den Ohren unserer Feinde.<br>\nZudem war es mir ein Anliegen ihn vor der Falschheit der Person Oktavien zu warnen. Rhodri wusste genau, der Tanz auf hei\u00dfen Kohlen hatte begonnen und nun war auch er gewarnt. F\u00fcr den Rest der Zeit war es wichtig den Hastur im Auge zu behalten.<br>\nUns schien es beiden so, als f\u00fchre er etwas im Schilde... zumindest mehr als einen Tannenbaum.<\/p>\n<p>Wir genossen es noch einen Moment l\u00e4nger die frische Luft, derweil schien auch die junge Damisela, die an Domna Elaines Seite geh\u00f6rte f\u00fcr einen Moment frische Luft schnappen zu m\u00fcssen.<br>\nKurz darauf entglitten ihr ein paar Worte die mir die R\u00f6te in den Nacken trieben. Sie tat es unabsichtlich, wie ich annehmen muss, denn ihr Bruder n\u00e4herte sich gerade.<br>\nSie fand mich entz\u00fcckend... mich, den ombredin, dem es nicht gelang seine Frau zufrieden zu stellen...<br>\nEs musste an den Kleidern liegen, die neu waren und mit der letzten Botschaft aus Asturias eingetroffen waren. Mama hatte Stoffe gew\u00e4hlt, die mir gefielen, auch wenn der Schnitt nat\u00fcrlich, wie immer, nicht unbedingt der praktischste war. In einem Anfall von: Ich muss f\u00fcr Asturias und Aldaran etwas hermachen, wenn ich Probleme vermeiden will - hatte ich sie gew\u00e4hlt... und ich wusste um die Konsequenzen. Warum aber mussten sie immer so jung und unschuldig sein?<\/p>\n<p>Colin Storn aber blieb angenehm entspannt. Trotz seiner jungen Jahre \u00fcberging er jede Art von Peinlichkeit machte mich mit seiner Schwester bekannt und lie\u00df mir so die Gelegenheit mein Catenas-Band zu zeigen und der jungen Dame nicht all zu viel Hoffnungen zu machen.<br>\nIch hoffe meine Wangen waren nicht mehr knallrot, als ich mich nach dem Verbleib von Edric und Gavin erkundigte... doch die Storns von Kigh Kinally konnten nicht viel von ihnen berichten.<br>\nAls ich mich kurz darauf von ihnen trennte und wieder zur\u00fcckkehrte, nahm ich mir vor Dom Colin, sollte sich die Gelegenheit bieten f\u00fcr sein bedachtes Handeln und die Vermeidung eines peinlichen Aufruhrs zu belohnen. Dieser Augenblick sollte schneller kommen, als ich es dachte.<\/p>\n<p>Als wir zur\u00fcckkehrten war einstweilen von Hastur keine Spur mehr an unserem Tisch zu finden. Sehr erleichtert nahem wir wieder Platz, nachdem Rhodri es sich nicht nehmen lie\u00df und die zus\u00e4tzlichen St\u00fchle, die wir f\u00fcr den Hastur hergeschafft hatten, wieder an ihren urspr\u00fcnglichen Platz zu r\u00e4umen, und g\u00f6nnten uns ein paar Schlucke Bier... und Corran begann leise wieder zu n\u00f6rgeln er h\u00e4tte zu Hause bleiben sollen.<br>\nDiesmal seufzte ich nur. Er hatte ja recht. Er war talentiert mit dem Schwert, zu Pferde, er war ein begabter J\u00e4ger, aber alles andere was mit einer Jagdgesellschaft unter Comyn zusammenhing war nicht seine Materie... das Duell mit Hastur hatte ihn mehr Kraft gekostet als der Tagesritt hierher.<br>\nUm ihm ein wenig seines Stolzes zur\u00fcck zu geben, nickte ich zu Aliciane und den \u00fcbrigen Damen hin\u00fcber... und wie gewollt zauberte der Anblick seiner Frau ein L\u00e4cheln zur\u00fcck auf Corrans Gesicht. Dieses wurde zu einem grinsen, als er den jungen Storn zwischen den Damen sah.<br>\nDie Damen waren sehr damit besch\u00e4ftigt, dem armen Knaben die schrecklichsten Geschichten \u00fcber Thendara zu erz\u00e4hlen...<br>\nIch bin mir bis heute nicht sicher, ob die Frauen \u00fcberhaupt wissen, wie sehr es einen Mann erschreckt, von blauen Str\u00fcmpfen, regenbogenfarbenen Haaren und R\u00fcschen an jedem Zipfel der Kleidung zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Corran lachte wissend und ich schlug vor den jungen Mann zu erl\u00f6sen in dem ich ihn an unseren Tisch bat. Corran stimmte zu... entschlossen sich auch ein wenig Vergn\u00fcgen zu g\u00f6nnen.<br>\nDom Colin trat zu uns, von ehrlicher Dankbarkeit erf\u00fcllt...<br>\nLeider konnten wir nur best\u00e4tigen, dass die Worte der Damen nicht gelogen waren. Aber unseren Mienen dabei lie\u00dfen ihn ruhiger werden und kurz darauf waren wir in ein nettes und kurzweiliges Gespr\u00e4ch vertieft... und genossen das Bier.<\/p>\n<p>Yarid kam abermals an unseren Tisch, vergewisserte sich, das es uns gut ging und ich erkundigte mich nach der Lage seiner Angelegenheiten... das Gespr\u00e4ch mit Ramon Alton, dem Bruder des Lord Alton. Er l\u00e4chelte zufrieden und berichtete, er m\u00fcsse noch beweisen, dass er es verdiene und vermutlich eine Alton zur Frau nehmen, aber die Dinge st\u00e4nden nicht schlecht.<br>\nDerweil sah ich \u00c0ine mit eben jenem Dom Ramon unterhielt.<\/p>\n<p>Irgendwann in dieser Zeit hatte Corran sich wieder entspannt und Aliciane war an unseren Tisch zur\u00fcckgekehrt. Er nickte mir zu und murmelte, dass es doch nicht so verkehrt war, der Einladung gefolgt zu sein... Trotz Hasturs, trotz Altons, die bislang angenehm unauff\u00e4llig geblieben waren.<br>\nTrotz des Ger\u00fcchtes \u00fcber Rhodris Seitensprung...<br>\nAm liebsten h\u00e4tte ich ihn in den Arm genommen daf\u00fcr... aber das ging hier und jetzt nicht. Das musste warten, bis wir einen ruhigeren und intimeren Moment hatten. Ich nahm mir fest vor die n\u00e4chste Gelegenheit zu nutzen, die sich ergeben mochte.<br>\nManchmal war ich mir so unsicher, ob ich mich auf ihn verlassen konnte... und ob dieser Unsicherheit lasse ich mich nicht minder oft dazu hinrei\u00dfen zu w\u00fcnschen er w\u00e4re ein anderer Mann... aber tief in mir wei\u00df ich, dass ich nur diesen Mann, genau so wie er ist, lieben kann.<\/p>\n<p>All diese Gedanken und das Gl\u00fcck, dass ich in diesem Moment empfand machten mich unruhig. Ich hatte schon einiges an Bier getrunken und sollte eine Weile eine Pause machen um nicht aus der Facon zu fallen. Ich entschuldigte mich deswegen, um mir einen Tee zu holen.<br>\nNiemand warf es mir vor.<br>\nZumal ich in der K\u00fcche Amelie noch einmal in Augenschein nehmen wollte... vielleicht w\u00fcrde sie mir ja verraten, wer der wahre Vater des Kindes war. Zu ihrem Schaden sollte es sicherlich nicht sein.<\/p>\n<p>Jetzt und hier verfluche ich diesen Moment. Meine Geilheit, meine Verlegenheit und meine Schw\u00e4che die mich von Corran forttrieben anstatt an seiner Seite zu sein... an jenem Platz f\u00fcr den meine Mutter und der verhasste Vater mich geboren hatten. W\u00e4re ich nur dort geblieben...<\/p>\n<p>Ich kann nicht mehr weiter schreiben. Meine Finger sind eiskalt... und nicht nur, weil auch die N\u00e4chte in den Kilghards eiskalt sind... alles was jetzt kommt ist v\u00f6llig irreal... und doch, es ist geschehen. Geschehen und wieder nicht geschehen. Es macht mir furchtbare Angst.<\/p>\n<p>(Kein Mond scheint mehr am Himmel und erh\u00e4lt die Nacht auf dem Hof von High Chapel. Nur die kleine Kerze, mit deren Licht Fionn die Seiten seines Buchs f\u00fcllt, wirft flackernde Schatten in den Raum. Er erhebt sich, reibt sich die H\u00e4nde an seinem Wams ein klein wenig warm und \u00f6ffnet die T\u00fcr zu der ihnen zugewiesenen Kammer einen Spalt. Drinnen h\u00f6rt er Menschen atmen, aber er kann sie eigentlich nicht sehen. Tief schwarz ist der Raum... doch Fionn kann sie f\u00fchlen. Er schlie\u00dft die T\u00fcr wieder vergewissert sich, dass alles in Ordnung ist... und setzt sich wieder an den Tisch... Sein Schwert steht blank gezogen neben ihm, die Matrix hat er auf ihrer H\u00fclle aus Seide gelegt... dazwischen ruht das kleine B\u00fcchlein. Er harrt aus, Schlaf k\u00f6nnte er eh nicht finden... er macht sich Sorgen und er muss weiter nachdenken... An genau dem Ort, wo das schlimmste geschehen ist, was Fionn sich vorstellen kann.)<\/p>\n<p>Punkt f\u00fcr Punkt, Strich f\u00fcr Strich. Ich werde versuchen mich an alles zu erinnern und nichts auszulassen. So schwer es f\u00e4llt... es mag wichtig sein. Zu einem gro\u00dfen Teil haben sich meine Gedanken bereits beruhigt und vor mir selbst muss ich kein Blatt vor den Mund nehmen.<\/p>\n<p>Amelie, s\u00fc\u00df und h\u00f6flich wie immer, bezeugte mir nie behauptet zu haben das Kind sei von Rhodri. Beruhigt, weil ich dadurch gleichzeitig sofort erfuhr das sie nicht log, wartete ich, bis sie mir meinen Tee gab. Derweil erw\u00e4hnte ich auch die \u00fcbrigen M\u00e4nner GreenScarps, und das ich schon daf\u00fcr sorgen w\u00fcrde, dass der Betreffende seine Pflicht nachkam... Wieder l\u00e4chelte Amelie nur und meinte, ich solle mir keine Sorgen machen.<br>\nDen hei\u00dfen Tee zwischen den Fingern, lie\u00df ich sie in Ruhe und trat alleine an die frische Luft. Menschenmengen sind etwas, dem ich gerne von Zeit zu Zeit auswich. Au\u00dferdem brauche ich den freien Himmel \u00fcber mir. In Mauern habe ich immer das Gef\u00fchl eingesperrt zu sein. Die H\u00fcgel Altons sind denen von Asturien nicht un\u00e4hnlich... ich dachte an daheim. Daran wie Stella, Laertes, Liam, Bard und Yllana jetzt friedlich in ihren Betten schliefen. Ich dachte an Fianna und Rakhaila... an Erald und die Jungs.<br>\nAn alles nur an Corran dachte ich nicht.<br>\nIch wollte meine Nerven beruhigen.<\/p>\n<p>Obwohl ich glaubte mir ein stilles Fleckchen auf dem weitl\u00e4ufigen Hof gefunden zu haben, kam kurz darauf Julianna Ardais auf mich zu. Sie war nicht aufdringlich, wir sa\u00dfen still einen Moment nebeneinander und sagten nicht viel.<br>\nIch musste daran denken, dass sie eine Leronis von Hali war. Vermutlich war mir deswegen nicht unwohl... sie hatte ihre Barrieren im Griff und suchte wohl ebenso einen Moment Ruhe vor den vielen Menschen.<\/p>\n<p>So sehr mich zuvor Sorgen umgetrieben hatten, ich war bereit sie zu vergessen... bereit mich auf den morgigen Tag zu freuen.<br>\nCorran hatte sich an den Ort seines tiefsten Schreckens gew\u00f6hnt, er grollte nicht l\u00e4nger.<br>\nYarid schien es besser zu gehen als ich vermutet hatte und auch an seinem Stand hier im Lande der Altons schien niemand ernsthaft zu s\u00e4gen...<br>\nRhodri war nicht der Vater eines Kindes... oder doch, aber eben nur von Bard und Yllana, die beide Fianna f\u00fcr ihn geboren hatte...<br>\nEs war kein Aldaran hier der mich in eine Zwickm\u00fchle brachte und unter denen von Alton waren viele, aber nicht der Vater Lorenzos, Alicianes erstem Mann... und auch nicht Finley, der alte Schweren\u00f6ter.<br>\nIch war ruhiger und zufrieden... bereit mich abermals in den Saal zu begeben und mich den Comyn zu stellen. Nur noch einen Moment, noch ein paar Z\u00fcge frische Luft...<\/p>\n<p>J\u00e4her Schmerz zerriss mir den Magen, nur Augenblicke sp\u00e4ter. Ich verlor den Halt...<br>\nWie gut das ich mich auf eine Bank gesetzt hatte... ich fiel nicht, ich kippte nur \u00e4chzend nach vorn.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte das Band nicht mehr. Jenes Band, das mich an das Herzst\u00fcck meines Lebens band.<br>\nEs war fort, zerrissen... ein einziger Augenblick und es war fort.<\/p>\n<p>Ich taumelte auf die F\u00fc\u00dfe unf\u00e4hig noch links und rechts etwas zu sehen, tat ein paar wackelige Schritte...<\/p>\n<p>Corran war fort.<\/p>\n<p>Corran... Corran... Corran...<\/p>\n<p>Tr\u00e4nen traten mir in die Augen. Ich h\u00f6rte Aliciane br\u00fcllen, ich h\u00f6rte Rhodri einen Namen rufen. Riefen sie nach mir?<br>\nOder riefen sie nach Corran?<br>\nIch wei\u00df es einfach nicht. War nicht beides das gleiche... war es nicht, bis vor wenigen Augenblicken noch beides das Gleiche gewesen.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste was ich sah waren Alicianes und Rhodris Gestalten, die aus der Dunkelheit auf mich zukamen. Ich sah sie, wie die flimmernden Lichter in der Oberwelt... nicht wie sie selbst.<br>\nIch sah sie an, ich wei\u00df nicht mehr ob irgendein Laut \u00fcber meine Lippen kam. An was ich mich noch erinnere, das waren meine Beine. Sie nahmen steif ihren Dienst auf, aber ich musste jeden Schritt befehlen... erst langsam, dann... immer schneller, bis sie schlie\u00dflich rannten und wie von selbst die Stelle fanden...<\/p>\n<p>Die Stelle...<\/p>\n<p>Es ist der Ort wo ich jetzt sitze und schreibe. Es ist genau dieser Raum, direkt vor unserer Kammer, an deren T\u00fcr unser Wappen hing und auch jetzt noch h\u00e4ngt. Nicht mein Wappen, nein, Corrans. GreenScarps... und genau darunter... genau da...<\/p>\n<p>(Fionn unterbricht den Schreibfluss f\u00fcr einen Moment. Die Worte sind kaum lesbar. Er ist viel zu erregt... aber er bei\u00dft sich auf die Lippen und setzt wieder mit dem Schreiben an... W\u00fcrde er jetzt aufh\u00f6ren, w\u00fcrde er vielleicht nie die Worte finden... und was er nicht in die Welt hinausschreien kann... er muss es wenigstens auf Papier bannen.)<\/p>\n<p>Corrans K\u00f6rper lag ausgestreckt auf dem Parkett. Regungslos... und ich wusste bereits in diesem Moment, das alles vorbei war.<br>\nIch kniete mich dennoch neben ihn, f\u00fchlte nach seinem Puls... zog die Matrix...<br>\nKein Lebenszeichen.<\/p>\n<p>Mein Mann, der vor vielleicht einer viertel Stunde noch gelacht und mit mir geflachst hatte, den ich so hei\u00df und innig daf\u00fcr hatte k\u00fcssen wollen, er war tot.<br>\nKein Puls, kein Herzschlag, kein Atemzug mehr.<br>\nNur sein Leib... nach dem die K\u00e4lte schon griff.<\/p>\n<p>Ich versuchte sein Leben zur\u00fcckzuholen, aber irgendetwas in mir sagte, dass es bereits zu sp\u00e4t war...<\/p>\n<p>Mein eigenes Herz, mein eigener Puls... sie waren noch da, ich war selbst nicht gestorben. Doch der sonst so vertraute Takt fehlte. Es war einfach nicht mehr da.<br>\nBlind vor Schmerz hockte ich neben ihm...<\/p>\n<p>H\u00e4tte ich ihn doch nur gek\u00fcsst. Dieses eine letzte Mal nur. Was interessierten mich die anderen Leute. Was waren sie schon wert... gegen das, was jetzt, tot und kalt vor mir lag?<\/p>\n<p>Blut noch rot und feucht, als w\u00e4re es lebendig, troff aus Corrans Mundwinkel... und wie zum Hohn f\u00fcr sein Leben lag seine Matrix, kalt und tot in seiner linken Hand. Ich hielt sie einen Moment in meiner Hand... aus meinen Fingern hatte er sie erhalten. Ich erinnerte mich gut daran, wie ich sie ihm aufgeschwatzt hatte... ich war sein Bewahrer, sein Verwandter, sein Freund, sein Liebster.<br>\nEin ums andere Mal hatte der eine dem anderen das Leben gerettet, es erhalten und an sich gepresst, es gesch\u00fctzt und geliebt... Doch vor diesem Moment konnte ich ihn nicht bewahren... so wenig wie er mich.<\/p>\n<p>Ich musste mich zwingen zu atmen, so wie vorher meine Beine zum Gehen zwingen musste. In mir war es kalt und tot... wie Stein.<br>\nIch hob den Kopf ein wenig. Ich h\u00f6rte Rhodri mit schmerzverzerrter Stimme fragen ob er etwas tun k\u00f6nne... ich glaube dann ging er, schnell... um Yarid zu holen.<br>\nIch wollte den Barden jetzt gar nicht sehen.<\/p>\n<p>Aliciane weinte, nein, sie weinte nicht nur, sie heulte... sie schrie ihren Schmerz hinaus, an der anderen Seite neben Corran zusammen gekauert...<br>\nSelbst vollkommen haltlos, griff ich nach ihr, dr\u00fcckte sie an mich. Ich selbst konnte nicht weinen... keine Ahnung warum. Doch Alicianes Leid purzelte \u00fcber mich herein und wurde zu einer Last, die ich nicht tragen konnte...<\/p>\n<p>Yarid stolperte herein, aufgebracht, erschrocken... Rhodri hinter sich, dessen Leid in sein Gesicht gezeichnet war. Warum konnte ich sie alle f\u00fchlen, mit jeder Faser meines Ichs... nur mich selbst nicht. Wo blieben meine Tr\u00e4nen?<br>\nIch bat Yarid mit trockener Stimme eine der Damen zu holen und sich um Aliciane zu k\u00fcmmern. Ich bat um sonst nicht, suchte mir einen Platz unweit von Corrans Leib und starrte ihn an...<br>\nKonnte es das wirklich gewesen sein? Das? Als einziges?<\/p>\n<p>Lady Elaine kam zu uns, ebenso wie Dom Ramon, gerade, als wir uns irgendwie aufgerappelt hatten und Corrans toten, geistlosen Leib auf sein Bett legten. Ramon fragte, ob ich es auch gesp\u00fcrt hatte, einen Akt grenzenloser Gewalt?<br>\nIch zuckte mit den Schultern. Ich wusste es nicht... oder doch?<br>\nF\u00fcr einen Moment schien ich mich zu erinnern. Ehe mich der Schmerz zerriss hatte ich Corran gesp\u00fcrt. Ein Bild. Corran wie er alleine da stand, die Matrix in der Hand, die Z\u00e4hne auf die Lippen gebissen. Dann war das Bild mit einem einzigen Schlag erloschen...<\/p>\n<p>Corran war tot.<br>\nIch musste der Realit\u00e4t ins Auge blicken.<br>\nSeltsamerweise war es gar nicht so schwer...<\/p>\n<p>Ich nickte Dom Ramon zu, ja, ich hatte das selbe gesp\u00fcrt, aber auch nicht mehr. Ich wusste nicht, was den Tod gebracht hatte...<br>\nAliciane, gest\u00fctzt von Domna Elaine sa\u00df auf der Kante von Corrans Lager. Ich warf einen Blick auf den Leichnahm, auf Aliciane... drehte mich um und ging hinaus. Ich konnte es nicht l\u00e4nger ertragen.<\/p>\n<p>Jetzt, mit einem gewissen, wenn auch kurzen Abstand zu dem Geschehen, ahne ich vielleicht, was los war. Zuvor habe ich so etwas nie erlebt...<br>\nAls mein Gro\u00dfvater starb, war ich nicht da... ich wei\u00df, das ich mich blind und taub f\u00fchlte, als ich seinen erschlagenen Leib fand. Ich wei\u00df das kurz darauf die H\u00fctte brannte, in der ich zur Welt gekommen und aufgewachsen war. Aber schon damals gab es blinde Flecken... Zeit die mir abhanden gekommen war.<\/p>\n<p>Doch diesmal war ich nicht allein und in den n\u00e4chsten Meilen kaum eine Menschenseele. Ich war mitten unter den Menschen, die mir etwas bedeuteten... und ihre Trauer blockte die meine ab.<br>\nMit dem Schock waren meine Barrieren verschwunden und statt selbst etwas zu f\u00fchlen, f\u00fchlte ich nur Aliciane, Rhodri... selbst Yarid und Domna Elaine...<br>\nKeine Spur meiner selbst.<\/p>\n<p>Diese kamen erst zur\u00fcck als ich mich abermals im Hof wiederfand.<br>\nHier gab es Barrieren, hinter denen ich mich fr\u00fcher schon zur\u00fcckgezogen hatte... Barrieren aus Abstand zu Menschen, Barrieren der Einsamkeit. Meine erste und einzige Sicherheit vor dem was die Menschen um mich herum f\u00fchlten.<br>\nErst Corran hatte mir seine Art der Barrieren gelehrt, hatte mich von einem halbwilden und verst\u00f6rten Tier zum Mensch werden lassen.<br>\nNiemals mehr w\u00fcrde mir Corran seine Barrieren leihen. Niemals mehr...<\/p>\n<p>Der Gedanke, diese Erinnerung, brachte den Schmerz zur\u00fcck in meinen K\u00f6rper, es zerriss mich fast in zwei H\u00e4lften so wie mein Geist bereits gerissen war... als das Band riss und mich, von nun an f\u00fcr immer von Corran trennte... und mit diesem Schmerz kamen endlich, die ersten wirklichen Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Rhodri tauchte neben mir auf, wich nicht von meiner Seite und achtete, auf das was ich tun w\u00fcrde.<br>\nMit Sicherheit bef\u00fcrchtete er eine erneute Dummheit von mir... genau an diesem Ort hatte ich vor zwei Jahren versucht Corran zu retten, wohl wissen, dass es wohl zum Scheitern verurteilt war. Aber eine hauchfeine Chance hatte bestanden und ich wollte nichts unversucht lassen... zu dumm nur, dass ich schon fast tot war, bis beherzte Menschen mich wieder in meinen K\u00f6rper holten... Damals war Corran zur\u00fcckgekommen. Ich hatte mich ob meiner Tat in Grund und Boden gesch\u00e4hmt.<\/p>\n<p>Obwohl dies High Chapel war und mich alles hier an diesen Moment errinnerte, war ich weit entfernt davon erneut eine solche Tat zu begehen. Corran war nicht in der Oberwelt verbandt. Sein Geist hatte l\u00e4ngst all diese Ebenen durchwandert und war auf ewig verschwunden. Er w\u00fcrde nicht mehr zur\u00fcck kommen.<\/p>\n<p>Rhodri fragte mich immer wieder, was wir nun tun sollte. Ob ich w\u00fcsste wer es gewesen sein k\u00f6nnte. Ich sch\u00fcttelte immer und immer wieder den Kopf, doch irgendwann \u00fcberwand ich mich.<br>\nRhodri war der erste gewesen, dem die Liebe zwischen mir und Corran nicht entgangen war. Er hatte mich des Lords L\u00e4cheln genannt, als ich noch nichts als der struppige, junge Frischling in den Soldatenreihen GreenScarps gewesen war. Er war mein Freund...<\/p>\n<p>Ich sah zu ihm auf und sch\u00fcttelte noch mal den Kopf. Meine Augen brannten und waren hei\u00df vor Tr\u00e4nen, doch vor Rhodri musste ich mich dieser nicht sch\u00e4men. Ich wusste nicht wer es gewesen war. Alton und Hastur waren M\u00f6glichkeiten mit denen mein Verstand spielte...<br>\nMeine Stimme war rau und angekratzt, als ich Rhodri diese Verd\u00e4chtigungen mitteilte.<br>\nEr nickte und seine Stirn runzelte sich. Auch er dachte dar\u00fcber nach, er redete und wog das f\u00fcr und wieder ab. Worin wir uns einig waren, war, dass wir nicht genug wussten um etwas zu riskieren...<\/p>\n<p>Wir durften nichts \u00fcberst\u00fcrzen. Auch mit den beiden Gardisten waren wir gegen die anwesenden Comyn so gut wie hilflos. Ein Aufbruch kam vor Einbruch der D\u00e4mmerung nicht in Frage... wir mussten wachsam sein und wir sollten ein wenig dar\u00fcber in Erfahrung bringen, was die Leute hier \u00fcber uns dachten.<\/p>\n<p>Ich bat mir noch einen Moment aus, um wenigstens ein St\u00fcck meine Barrieren wieder aufzurichten, ehe wir wieder hineingingen... unser Weg f\u00fchrte mich durch den Saal. Ich wollte auffangen was die Menschen dachten, f\u00fchlten... es war eine M\u00f6glichkeit ohne Worte etwas \u00fcber den Mord an Corran di Asturien zu erfahren. Aber alles was an meine Ohren und mein Innerstes klapperte war verwirrend. Nichts, was eine eindeutige Spur gewesen w\u00e4re...<\/p>\n<p>Dom Ramon und Yarid hatten uns ihres Beistandes versichert... doch als ich in unsere Kammer trat und mich erneut Corrans totem K\u00f6rper stellen musste, versp\u00fcrte ich dar\u00fcber keine Dankbarkeit. Ich musste wachsam sein... und ich nahm mein Schwert, schob es in die Scheide an meinem G\u00fcrtel. Ich w\u00fcrde es so schnell nicht mehr ablegen. Rhodri tat es mir gleich, wir handelten wie ein Mann...<\/p>\n<p>Mir wohl bewusst, das die Trauer auf meinem Gesicht stand, ging ich ihn den Saal zur\u00fcck und setzte mich in einen der Sessel, in der Ecke wo zuvor noch die Damen ihr munteres Plauderkr\u00e4nzchen gehalten hatten.<br>\nMein Blick streifte durch den Raum und suchte die Person, die die f\u00fcr den Tod meines Liebsten verantwortlich war.<\/p>\n<p>Was also bemerkte ich?<br>\nBei den meisten die einfache Unsicherheit, die sich immer einstellt, wenn jemand verstorben ist. Sie musterten mich, mit Seitenblicken und z\u00f6gerlich, aber niemand sprach zu mir. Viellleicht f\u00fcrchteten sie sich auch. Ich hatte das Schert in der Hand und lie\u00df den Knauf einige Male zu Boden fallen.<br>\nDieses klopfende Ger\u00e4usch erschreckte die Gesellschaft... und ich geno\u00df ihre Furcht.<br>\nNur f\u00fcr einen Moment, aber es war befriedigend zu bemerken, dass sie sich nicht mehr sicher waren, wie ich im n\u00e4chsten Augenblick reagieren w\u00fcrde...<\/p>\n<p>Mir wurde bewusst, dass die meisten hier, mich gar nicht kannten. Sie kannten Corran und die Geschichten, die man sich \u00fcber den Wolf Asturiens erz\u00e4hlte. Sie schienen zu bef\u00fcrchten, dass ich, obwohl deutlich kleiner und schm\u00e4chtiger als Corran, vielleicht ebenso j\u00e4hzornig und unberechenbar sein konnte.<\/p>\n<p>Die meisten warteten also, redeten leise miteinander und hielten mich im Blick. Nur an einem Tisch war es anders... an dem von Oktavien und Irmelin Hastur. Keine Sorge, kein Mitgef\u00fchl, das einzige was ich von dort empfing war k\u00fchle Gelassenheit und Unbek\u00fcmmertheit.<br>\nIch hielt sie im Blick und schauderte innerlich vor Furcht... selbst Mitgef\u00fchl schien ihnen fremd.<br>\nEin Verdacht grummelte in meinem Bauch... und wurde zu einem harten Stein.<\/p>\n<p>Yarid st\u00fcrzte in den Raum. Ich bekam nicht mit was er sagte, aber ich sah wie er nach Al\u00e2yra griff und mitten in den Saal trat. Ich war so sehr damit besch\u00e4ftigt herauszufinden was zwischen den Hastur und dem Castamir vorging, dass ich erst wirklich darauf aufmerksam wurde, als Yarid st\u00fcrzte...<br>\nEr war sogleich umringt von Menschen... und ein Augenzwinkern sp\u00e4ter schien festzustehen, dass auch er so eben gestorben war.<\/p>\n<p>Ich war nicht bei Sinnen... anders kann ich es nicht beschreiben... denn um ehrlich zu sein, es interessierte mich nicht l\u00e4nger. Wieder kratzten Trauer und Sorgen fremder Menschen an mir, aber es machte mich nur w\u00fctend. Ich wollte all diesen emotionalen Dreck andere Leute nicht. Ich wollte nur noch fort von hier. Corran an der Seite seiner Familie bestatten, Aliciane in Sicherheit bringen... ich sehnte das Tageslicht herbei, erhob mich und war schon halb auf der Treppe, als pl\u00f6tzliche Unruhe mich zur\u00fcckrief.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Saal bot sich ein sehr seltsamer Anblick. Yarid stand auf seinen F\u00fc\u00dfen, an seinem Tisch, r\u00fcckte sich den Gehrock zurecht und hob zu der Rede an, mit der er uns alle begr\u00fc\u00dft hatte... und ich traute meinen Augen nicht, aber Corran sa\u00df direkt neben mir.<\/p>\n<p>Ich glaube gern, dass dies f\u00fcr jeden Menschen erschreckend war, vielleicht auch einfach nur \u00fcberraschend, aber kann auch nur einer von ihnen nachempfinden wie dieser Moment f\u00fcr mich war?<br>\nNein, dies kann wohl nur, wer von gleicher Art wie ich ist...<br>\nDie Gef\u00fchle gingen mit mir durch. Etwas was nicht passiert, wenn man gelernt hat, sie zu kontrollieren und seit ich um mein Laran wusste hatte ich nichts anderes getan als sie zu kontrollieren gelernt. Wegen Corran...<br>\nUngl\u00e4ubige, und doch deutlich vorhandene Freude tanzte, gepaart mit tiefster Trauer, einen Walzer... und brachte mich an den Rande der Hysterie. Ich lachte laut, sehr laut...<br>\nIch bemerkte was geschah, das ich kurz vor einem Kollaps stand und zog mich, so schnell es ging zur\u00fcck, mit einem letzten Blick auf Corran noch bemerkend, das er die Welt um sich, dass er mich nicht mehr verstand.<br>\nEr sah mich gehen... und sollte er kein Spuk, kein Gespenst sein, er w\u00fcrde mich schon finden....<\/p>\n<p>Und Corran fand mich auch nach kurzer Zeit tauchte er auf, Rhodri und Aliciane mochten ebenfalls dort gewesen sein, aber f\u00fcr einen Moment sah ich nur Corran...<br>\nEr war ein wenig aufgebracht, weil ich mitten in Yarids Begr\u00fc\u00dfung aufgestanden war, weil ich uns auffallen lie\u00df und mich selbst schlecht benommen hatte. Das mochte wahr sein... und doch wieder nicht, denn wie ich aus seinen Worten schlie\u00dfen konnte, wusste er nicht was in den letzten Stunden geschehen war.<\/p>\n<p>Ich nahm ihn in die Arme, um mir selbst sicher zu sein, dass er lebendig war. Ich sp\u00fcrte Ablehnung, Verwirrung, aber deutlich auch, das er wirklich war. Er war real, lebendig und einfach nur ganz er selbst, auch wenn er blass war und ein gutes Ma\u00df ver\u00e4ngstigt. Ich h\u00e4tte heulen k\u00f6nnen vor Erleichterung.<\/p>\n<p>Corran reagierte auf unsere Erkl\u00e4rungen mit der ihm so eigenen, zu seiner Natur geh\u00f6renden Ablehnung. Es war ihm unverst\u00e4ndlich und was er mit seinen riesigen H\u00e4nden nicht zu greifen versteht, lehnt er ab... egal wie oft er schon erlebt hat, wie Laran gewirkt wird..<br>\nDoch es gab einen leichten Weg, ihm deutlich zu machen, dass wir nicht verr\u00fcckt geworden waren.<br>\nEin leichter Druck meines Geistes gegen den seinen... und ich lie\u00df ihn an den Erinnerungen der letzten Stunden teilhaben. Corran \u00e4chzte und zitterte f\u00fcr einen Moment, ich kann meine Gef\u00fchle nicht von den Gedanken trennen... dann blinzelte er kurz, als ich die Verbindung brach. Er sch\u00fcttelte den Kopf. Ersch\u00fcttert schien er, ich konnte es ihm nicht verdenken. Dennoch, er konnte sich an nichts erinnern.<\/p>\n<p>An gar nichts, was das ganze, unglaublich verkomplizierte. Denn das er nichts von der Zeit nach seinem Tod wusste, damit war zu rechnen gewesen. Aber ich hatte darauf gehofft, dass er sich erinnerte, wer oder was ihn angegriffen hatte... und in meinem Bauch hatte ich gehofft er wurde Hastur grollen... es schien mir wahrscheinlich, nach allem was wir bislang wussten... oder es waren doch Kyju und Ayanu. Konnte es sein, dass sich die dunklen Gestalten wieder an diesem Ort materialisiert hatten?<\/p>\n<p>F\u00fcr Corran und Yarid war keine Zeit vergangen. Sie glaubten der Abend habe gerade erst begonnen.<br>\nCorran wusste durch mich was geschehen war und doch, es viel ihm schwer seine und meine Erinnerungen in Einklang zu bringen.<br>\nRhodri brachte die \u00dcberlegung an, das wir schnellstm\u00f6glich abreisen sollten. Aber ich sah kein Verst\u00e4ndniss daf\u00fcr in Corrans Augen.<br>\nWie schon zuvor regte ich an, dies k\u00f6nne und m\u00fcsse bis zum Morgen warten. Mitten in der Nacht zu reisen war ein Wahnsinn, dem ich nicht nachgeben wollte. Zum Schutze Alicianes... und auch Corran schien mir zu verwirrt um sich gegebenenfalls zu verteidigen.<br>\nWorauf wir uns aber kurzerhand einigten, und was den gemischten, wenn sich auch langsam beruhigenden Gef\u00fchlen in meinem Innern entsprach... F\u00fcr die n\u00e4chste Zeit, w\u00fcrde ich nicht mehr von Corrans Seite weichen. Ich w\u00fcrde da sein... und falls er abermals angegriffen wurde, w\u00fcrde ich bei ihm sein und f\u00fcr ihn k\u00e4mpfen k\u00f6nnen.<br>\nCorran hatte seine Matrix gezogen, ehe er verstarb. Es war deutlich, was oder wer auch immer ihn angegriffen hatte, es hatte sich um Laran gehandelt... und wenn es vielleicht auch nicht zu verhindern war, dass es ein weiteres Mal geschah, so w\u00fcrde es nicht ohne jemanden geschehen, der es bezeugen konnte...<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich hier sitze und alles zu Papier bringe, was sich zugetragen hat, liegt Corran neben Aliciane in seinem Bett. Er schl\u00e4ft tief und ersch\u00f6pft. Ab und an kann ich durch die Wand sp\u00fcren, wie er zusammen zuckt. Tr\u00e4ume scheinen ihn zu martern, aber ich halte mich fern davon. Ich muss, so gut es mir m\u00f6glich ist, einen klaren Kopf bewahren.<br>\nEs geschah kein zweiter Angriff auf seinen Geist...<\/p>\n<p>Das war ein Segen, denn um ehrlich zu sein, ich war eine ganze Weile wie paralysiert. Nat\u00fcrlich dr\u00e4ngte es mich danach mehr herauszufinden, aber ich war ersch\u00f6pft und die \u00dcberlegungen, was und warum all das geschehen war...<br>\nRhodri machte mir ganz zurecht Vorw\u00fcrfe. Er f\u00fchlte sich allein gelassen, brauchte meine St\u00e4rke, suchte in mir den Mann, der das Ruder in die Hand nahm, wenn Corran es nicht konnte.<br>\nAber kein Mann ist unendlich stark. Selbst einem Berg wie Corran schwindet irgendwann die Macht sich zu verteidigen. Ein Schwert kann sinken, wenn die Arme zu m\u00fcde sind es zu halten.<br>\nVorsichtig und langsam, schilderte ich Rhodri meine Lage.<br>\nEr hatte zwar eine grobe Vorstellung von Laran, er war lange genug mit einer Leronis verheiratet, aber es h\u00e4tte vielleicht eines vern\u00fcnftigen Bildes bedurft, um es ihm wirklich deutlich zu machen.<br>\nIch sprach von Blut und Veranlagungen, aber er schien mich nur halb zu verstehen...<\/p>\n<p>Wie gesagt, wenn ich am Ende der Kraft bin, sind selbst einfache Worte schwer zu finden...<br>\nHier und jetzt kann ich sie formulieren, in dem Moment konnte ich es nicht wirklich.<br>\nPferde... es gibt Schlachtr\u00f6sser, ruhige Damenpferde, Zugtiere f\u00fcr die schwere Landarbeit. Ein jedes<br>\nist auf seine Art n\u00fctzlich. Aber eben nur dort.<br>\nIch bin gut darin Corran ihm Zaum zu halten, Rhodri den R\u00fccken zu st\u00e4rken wenn er an sich zweifelt... Das, diese Empathie ist ein gro\u00dfer Segen und ich sehe es gerne, wenn ich Menschen in kleinen und gro\u00dfen Dingen damit helfen kann. Aber um das zu k\u00f6nnen, muss man sein, was manche M\u00e4nner, weich nennen w\u00fcrden. Gerade wenn es um die gro\u00dfen Gef\u00fchle geht, ist es schwer mich im eigenen Zaum zu halten... und wenn wir jetzt, die Furcht und Angst in mir selbst zu gro\u00df wird, dann kann ich meine Gabe nicht mehr benutzen. Sie w\u00fcrde nur das Gegenteil von dem bewirken, was ich vielleicht erreichen wollte. So wie ein Ackergaul nichts nutzt, versuchte man mit ihm in ein Gefecht zu ziehen...<br>\nNun bin ich kein Tier, ich habe ein wenig mehr Verstand, und trotzdem, in manchen Situationen geht es mir wie eben jenem Ackergaul. Alles in mir schreit nach Flucht. Ich kann mich selbst nur, dank des Verstandes, dazu bringen nicht zu fliehen. Allein, und was das angeht bin ich ohne Corran allein, w\u00fcrde ich es also schaffen stehen zu bleiben. Aber der Angriff w\u00fcrde \u00fcber mich hinweg rollen, ohne das ich mich je zur Wehr setzen k\u00f6nnte. Dort zu stehen ist alle Kraft die ich aufbringen kann...<\/p>\n<p>Der Gedanke gef\u00e4llt mir so wenig wie Rhodri... aber so ist es nun einmal.<br>\nHerr des Lichts, ich wurde vom Schafhirten zum Soldaten, zum Friedensmann, zum Adligen.<br>\nEs mag mir ihm Blut liegen, doch Kraft dieses Blutes werde ich nie ein voller Krieger, gar ein Berserker sein. Ich versuche so stark zu sein, wie ich kann... aber der Schafhirte, der einfache Mann, kann so wenig aus mir verschwinden, wie es das Laran k\u00f6nnte... und manchmal ist beides ein Stein in meinem Weg.<br>\nWas gut f\u00fcr GreenScarp, f\u00fcr Corran und unsere Familie ist, kann sich ebenso schnell in eine echte Schw\u00e4che verwandeln.<\/p>\n<p>Rhodri musste mir, w\u00e4hrend wir uns in die K\u00fcche und den Dienstbotentrakt von der \u00fcbrigen Gesellschaft abgesondert hatten, einfach glauben. Ich tat mein m\u00f6glichstes, meine Gedanken zu ordnen...<\/p>\n<p>Rhodri schien mich, was immer ich ihm auch als Antwort zu gestammelt hatte, zu verstehen. Aber er wich nicht von meiner Seite und wir berieten uns mit Aliciane leise, w\u00e4hrend Corran danebensa\u00df. Erstaunlich ruhig, eigentlich denkt er eher laut und nicht viel, aber in dieser Nacht war es anders.<br>\nDer Tod l\u00e4sst einen Mann nicht unber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir gingen m\u00f6gliche T\u00e4ter durch, die sich einen Vorteil verschaffen konnten in dem sie sich einiger der G\u00e4ste entledigten... eine Gemeinsamkeit zwischen Corran und Yarid wollte mir zwar nicht einfallen, aber das F\u00fcr und Wieder zu erw\u00e4gen, war dennoch notwendig.<\/p>\n<p>Alton... Erachtete es Dom Ramon oder sein Bruder der Lord Alton wirklich f\u00fcr zweckdienlich, Yarid gegen\u00fcber erst Betulichkeit vorzugeben, nur um ihn dann hinterr\u00fccks zu ermorden?<br>\nGleichzeitig Corran zu t\u00f6ten und damit vielleicht Aliciane zu Schaden, war ein Nachdenken wert, aber ich konnte mich daf\u00fcr nicht erw\u00e4rmen. Es schien mir unrealistisch, zu weit hergeholt... und Dom Ramon war bislang nur als ehrenwerte und zu respektierender Mann aufgetreten.<\/p>\n<p>Die \u00fcberalterten und dem Wahnsinn verfallenen Chieris gingen mir nicht aus dem Kopf. Sie schoben sich immer wieder in meinem Sch\u00e4del und machten mir das Denken schwer... es war, wie ich glaubte, nur mein Kopf, der an diesem Ei herumbr\u00fctete, denn nichts sprach wirklich daf\u00fcr, abgesehen von der Kraft des Anschlages... Irgendetwas in mir glaubte aber fest daran, dass Kyju und Ayanu sich nicht allein damit begn\u00fcgt h\u00e4tten ein wenig Leid zu kosten.<\/p>\n<p>Was und wer hatte die Kraft die Zeit zu manipulieren, oder war es nicht eher eine Manipulation der K\u00f6pfe?<\/p>\n<p>Jeder Kopf konnte durch einen Alton manipuliert werden, aber gleichzeitig sicherlich nicht Leben, das einmal genommen war, wieder zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Hastur... eine lebende Matrix... mit dieser war es vielleicht m\u00f6glich, all das zu bewerkstelligen. Ger\u00fcchte, die mir nach der Wiederauferstehung Corrans und Yarids zu Geh\u00f6r gekommen waren, besagten, Oktavien w\u00e4re ein begabter Laranzu, der, ebenso wie seine Frau, lange Jahre in den T\u00fcrmen verbracht habe. Dort habe er Experimente betrieben...<br>\nHastur... blieb eine M\u00f6glichkeit, aber noch waren die Hinweise zu wage. Es brauchte handfesteres...<\/p>\n<p>Ich hatte schon einmal vor lauter Best\u00fcrzung und Furcht einen K\u00f6nig des Mordes beschuldigt... und ihm damit, auch wenn es mein eigener Gro\u00dfvater war, perfekt in die H\u00e4nde gespielt. Ich mochte nicht erneut einem Galgen ins Auge sehen. Nicht, ehe ich nicht wirklich sicher war.<\/p>\n<p>Also blieb nur abzuwarten...<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich fragte Rhodri, ob nicht Spuren zur\u00fcckgeblieben waren. Etwas, wie eine F\u00e4hrte, die man, vielleicht zur\u00fcckverfolgen konnte. Ich schlug mir vor den Kopf. Das war es doch.., endlich ein Anker und etwas, das ich tun konnte ohne irgendjemanden aufzust\u00f6ren, der sich bislang in Sicherheit wog. Etwas, das nur ich finden konnte. Denn ich wusste, Corran w\u00fcrde an seinen Sternenstein niemanden heranlassen... niemanden au\u00dfer mich.<\/p>\n<p>Ich trieb ihn aus seiner Gedankenschwere und bat ihn, mir seine Matrix f\u00fcr einen Moment zu \u00fcberlassen. Wie immer z\u00f6gerte er einen Moment, aber es lie\u00df sich leicht erkl\u00e4ren und auch in Corran schien der Gedanke gewachsen zu sein, dass man so viel wie m\u00f6glich \u00fcber den Anschlag herausbekommen sollte.<br>\nIch besorgte mir Isolierseide und kurze Zeit sp\u00e4ter hatten wir einen ersten Hinweis...<br>\nIn Corrans Matrix war noch immer die St\u00f6rung zu finden, die sein Tod hinterlassen hatte... aber in Corrans Kopf war sie nicht. Das war eine Diskrepanz, die ich nicht verachten konnte.<br>\nEine F\u00e4hrte...<br>\nIch versuchte die Spur zu halten und Witterung aufzunehmen, aber ich stie\u00df gegen eine Mauer... da war kein durchkommen f\u00fcr mich... und jemand Fremden konnte und wollte ich an Corrans Matrix nicht heranlassen. Ich traute niemandem hier mehr \u00fcber den Weg, und Corran erst recht nicht.<\/p>\n<p>Doch die Spur war da und ich sah den Hoffnungsschimmer. Es gab einen weiteren Sternenstein, der das Potential enthielt der F\u00e4hrte zu folgen. Yarids Al\u00e2yra...<br>\nIch suchte den Hausherrn High Chapels auf und stellte ihm meine Bitte ohne zu z\u00f6gern. Wie ich bemerkte, hatten sich auch viele andere begonnen die K\u00f6pfe zu zerbrechen und so tat ich es ohne viel aufsehen erregen zu wollen. Dennoch, ganz allein blieb ich mit Yarid nicht. Leandra Storn, schwer besorgt, schloss sich uns an...<\/p>\n<p>Sie war von daheim ausgeb\u00fcchst um hierher zu kommen, und ich fragte mich ein wenig, ob es m\u00f6glich war, dass zwischen Yarid und ihr mehr lief, als sie glauben machen wollten. Vielleicht war ihre Zuneigung auch nur einseitig. Konnte Yarid wirklich jemanden Lieben, der nicht Al\u00e2yra hie\u00df?<\/p>\n<p>Ich war immer noch ersch\u00f6pft aber von der F\u00e4hrte konnte und wollte ich so schnell nicht lassen und auch Yarid brannte nach Hilfe, und seit dem ersten mal, da wir gegen die dunklen Chieris gek\u00e4mpft hatten, hatte ich ihm helfen wollen. Aber seit wir uns kannten hatte es einen wichtigen Missklang zwischen mir und seiner beseelten Harfe gegeben.<br>\nIch habe kaum einen Funken musikalischen Verstandes... und Al\u00e2yra war eine etwas zickige Dame. Mein Unverstand regt sie auf und macht es mir schwierig.<br>\nDoch war es nicht so, dass Al\u00e2yra die Harfe verlassen hatte?<br>\nIch fragte Yarid, ihr Verlust hatte seinen Verstand schwer zerr\u00fcttet... und angesichts von Corrans Ableben, verstand ich heute besser als je, wie Yarid in diesen Zustand geraten war.<br>\nHoffnung schimmerte in seinem Blick, unzerbrechlicher Glaube. Al\u00e2yra, so sagte er mir, w\u00e4re \u00fcber die Jahre wieder zur\u00fcckgekehrt, nicht mit aller St\u00e4rke, doch von Zeit zu Zeit k\u00f6nne er sie sp\u00fcren...<\/p>\n<p>Das freute mich und war eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum er stabiler erschien, als damals, als unsere Wege sich trennten. Diese Harfe war etwas ganz besonderes und ich bat Yarid um die Erlaubnis, nach seiner Herrin zu suchen...<\/p>\n<p>Wir machten uns zu dritt ans Werk, Yarid, Leandra und ich.<br>\nIch vermutete die gleiche Erinnerung zu finden, wie auch in Corrans Sternenstein und gleichzeitig schlich sich die Hoffnung ein, dass es mit Al\u00e2yra vielleicht m\u00f6glich war zu sprechen. Sie hatte es schon einmal getan, auch wenn ich Schwierigkeiten hatte sie zu verstehen. Vielleicht hatte sie die Antwort...<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde mir eine deutlich ruhiger Nacht bescheren...<br>\nDoch wie sich herausstelle, war es unm\u00f6glich. W\u00e4hrend Yarid eine Melodie anstimmte und langsam in der Harfe versank, folgte ich ihm und rief den Namen seiner Sch\u00f6nen Frau... ich sp\u00fcrte sie, sie kam mir sogar entgegen, aber kaum war sie in unsere N\u00e4he gekommen, zerbrach die Verbindung. Die T\u00f6ne der Harfe verzerrten sich, ich glaubte Schmerz zu sp\u00fcren, aber ich konnte mir nicht sicher sein. Da war die Mauer, die auch Corrans Matrix beschmutzte. Ein dunkler Fleck, wie von Haftfeuer verbranntes Gestein. Die Verbindung riss...<\/p>\n<p>Es war das gleiche, sowohl bei Corran als auch bei Yarid und es war eine Spur, doch hier und jetzt, war es uns nicht m\u00f6glich weiter fortzudringen. Wir \u00fcberlegten ob nicht ein Kathalysator helfen konnte die Barriere zu \u00fcberwinden. Ich dachte an einen Musiker, der Al\u00e2yras Stimme zu deuten vermochte...<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr einen weiteren Versuch fehlte die Kraft und wir beschlossen es zu vertagen. Morgen aber, morgen w\u00fcrden wir einen weiteren Versuch starten.<\/p>\n<p>Denn die Bedrohung bleibt und ich denke, es wird keine Jagd geben, es sei denn die nach den Spuren.... der Tag blinzelt nun mattes Licht ins Fenster, w\u00e4hrend ich diese letzten Worte schreibe. Die V\u00f6gel zwitscherten schon, noch ehe die rote Sonne zwischen den H\u00fcgeln Altons emporkroch. Nun tagt es. Es wirkt alles ganz friedlich und normal und ein wenig zehre ich von diesem Gef\u00fchl, einfach um mich trotz einer von Sorgen durchzogenen und schlaflosen Nacht, zu erholen. Ich kann jeden Fetzen Kraft, der sich finden l\u00e4sst, brauchen...<\/p>\n<p>Vielleicht reisen wir ab, vielleicht wird es aber auch n\u00f6tig werden den T\u00e4ter zu ermitteln. Beides soll mir recht sein. Ich sp\u00fcre kein Verlangen unn\u00f6tige Risiken einzugehen. Corrans Leben ist mir zu kostbar... und doch, was immer auch kommt, ich werde bereit sein.<\/p>\n<p>(Fionn schlie\u00dft das B\u00fcchlein, siegelt es und verbirgt es zwischen seinem Gep\u00e4ck. Corran und Aliciane schlafen noch... er schleicht sich wieder hinaus. Es ist ein Risiko aber er braucht dringend etwas zu essen und abermals sehnt er sich nach der frischen, kalten Luft eines Herbstmorgens in den Kilghards. Er wird versuchen noch ein wenig ruhiger zu werden und sich dann den Herausforderungen des n\u00e4chsten Tages wieder zu stellen.)<\/p>\n<p>Durch die durchwachte Nacht war der n\u00e4chste Tag f\u00fcr mich irgendwie immer noch der gleiche, oder auch nicht, denn \u00fcber die dunklen und letztlich auch stillen Stunden der Nacht schien sich unter den anwesenden Comyn, einiges ver\u00e4ndert zu haben.<\/p>\n<p>Wer von ihnen fragte sich, ob er vielleicht der n\u00e4chste Tote w\u00e4re?<br>\nIch wei\u00df es nicht, aber ich hoffte, das sich die Sorgen nicht mehr allein nur den Menschen aufb\u00fcrdete denen Corran und Yarid etwas bedeuteten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst blieb f\u00fcr uns eigentlich nur abzuwarten, ob Corran sich in der Nacht entschieden hatte abzureisen. Die Chancen daf\u00fcr standen gut... und sollte er sich dazu entschlie\u00dfen, blieb mir nichts als ihm zu folgen. GreenScarp und die Sicherheit seines Lords, waren wichtiger.<br>\nIch betete es mir wie ein Mantra vor, und es half es nicht zu vergessen, derweil ich um mich herum hier und da etwas h\u00f6rte, was ein Hinweis vielleicht auch nur ein Ger\u00fccht sein konnte. Zumindest schienen sich die meisten nun ebenfalls Gedanken zu machen und sahen nicht nur ihre eigenen Interessen wie derer von Hastur.<\/p>\n<p>Mich lie\u00df es vor Zorn beben, wenn ich die \u00fcbrigen Familien dar\u00fcber reden h\u00f6rte, wie Hastur, sowohl die Tode als auch das Erwachen, f\u00fcr eine Theaterauff\u00fchrung gehalten und applaudiert hatten. Mit ihrem Mitgef\u00fchl war es also nicht weit her...<\/p>\n<p>Kaum war Corran wach und nach einem gro\u00dfen Becher Jaco wieder bei genug Verstand um ihn zu belasten, erneuerten wir geschlossen die Frage der Abreise... und irgendwie hatte ich es im Gef\u00fchl, dass wir alle ihn gerne einfach unter die Arme gegriffen h\u00e4tten und ihm auf sein Pferd geholfen.<br>\nAber er entschied anders...<br>\nEr wollte bleiben. Der Schlag gegen sein Leben hatte ihn getroffen und er wollte wissen was dahintersteckte. Es ver\u00e4ngstigte ihn, auch wenn er es nach au\u00dfen nicht sehen lie\u00df. Ich sah es, und Aliciane sicherlich auch. Corran scheute keinen Kampf... vor einigen Jahren war dies noch anders gewesen solange es sich um Laran handelte, aber auch das hatte sich scheinbar ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Dennoch ging ich sicher, dass es wirklich sein eigener Wille war. Irgendwer war schon einmal durch seine Mauern gedrungen und hatte ihn manipuliert, hatte ihn get\u00f6tet... doch ich bekam rasch und ohne Probleme Zugang zu Corrans Geist und fand dort nichts, was nicht zu ihm geh\u00f6rte.<br>\nDie dunkle Kiste in seinem Innern, die seine Gabe verbarg, war fest verschlossen.<\/p>\n<p>Als genug G\u00e4ste erwacht waren und gefr\u00fchst\u00fcckt hatten \u00fcbernahm Yarid die F\u00fchrung.<br>\nEr trommelte sie zusammen und bat einen jeden darum seine Erkenntnisse mit den anderen zu teilen... Ich gesellte mich zu ihm und wir lauschten den unterschiedlichsten Meinungen und Ideen, den Spuren, die verfolgt und verworfen worden waren.<\/p>\n<p>Ich kam relativ schnell zu dem Schluss, dass die einzige wirklich gute M\u00f6glichkeit, der Plan war, den Yarid und ich noch in der Nacht entworfen hatten. Ich wollte ihn am liebsten angehen...<\/p>\n<p>\u2026 aber es ist auch nicht verkehrt, einfache und ebenso begr\u00fcndete Verdachtsmomente auszuschlie\u00dfen, so sie sich denn derart anbieten wie das Kind von Amelie.<\/p>\n<p>Denn sie hatte dem ein oder anderen wohl anvertraut, vermutlich angestochen von den Verd\u00e4chtigungen des letzten Abends, das es ein Kind einer Nacht unter vier Monden war.<br>\nGar nicht gezeugt auf GreenScarp, das h\u00e4tte sie mir ruhig schon gestern sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ob es denn m\u00f6glich sei, das dieses Kind bereits aktiv...<br>\nMeine Stirn runzelte sich, nicht weil ich erst \u00fcberlegen musste, sondern weil ich mich fragte was f\u00fcr Menschen ich hier gegen\u00fcberstand. Hatten die anwesenden Comyn und Leronyn denn nie etwas gelernt?<br>\nIch sch\u00fcttelte den Kopf dar\u00fcber, und musste mich arg zusammen nehmen...<br>\nDas Amelie es nicht wusste war ihr nicht vorzuwerfen. Sie hatte selbst keine Ahnung. Aber solche Fragen von Turmleronyn und Comyn, die doch ach so stolz auf ihr Pinnchen Chieriblut in den Adern waren? Jasper von Dalereuth, mein Bewahrer, der mich durch die Ausbildung gef\u00fchrt hatte, h\u00e4tte sich im Grabe herumgedreht...<\/p>\n<p>Ehe dar\u00fcber noch weiter lamentiert werden konnte entschloss ich mich zu Handeln. Ein Blick auf das Kind, eine kurze \u00dcberwachung, sollten gen\u00fcgen um sich Klarheit zu verschaffen. Danach w\u00fcrde sich alles durch das aktivieren eines D\u00e4mpfers beheben lassen, dem Kind w\u00fcrde kein Leid geschehen und sollten wir danach Al\u00e2yra noch einmal untersuchen, w\u00fcrden wir sehen, ob sich die St\u00f6rung behoben hatte.<\/p>\n<p>Praktisch denken, praktisch Handeln und mit dem einfachsten beginnen...<br>\nDaran hielt ich mich fest und entschuldigte mich bei den \u00fcbrigen. Ich w\u00fcrde mich dieser Frage eben annehmen.<\/p>\n<p>Amelie war lieb und nett, so wie ich sie kannte und scheute auch nicht davor zur\u00fcck mir das Kind zu zeigen. Es dauerte allerdings, da es zur Zeit schlief und erst geholt werden musste.<br>\nEingewickelt wie es war, sah ich kaum mehr als sein Gesichtchen, aber es war von solch annehmender Sch\u00f6nheit... wirklich beeindruckend. Amelie war eine h\u00fcbsche Frau, aber dieses Kind hatte etwas \u00fcbernat\u00fcrliches. Vorsichtig zog ich eines seiner H\u00e4ndchen aus den Decken in die es gewickelt war und z\u00e4hlte laut, damit auch die, die es nicht sehen konnten mich h\u00f6rten, die Fingerchen.<br>\nEs waren sechs.<br>\nDieses Kind war sicherlich mit der entsprechenden Menge an Chierieblut geboren worden. Vielleicht h\u00e4tte ich Domna Elaine fragen sollen. Zumindest einige ihrer Kinder sollten \u00e4hnliche Merkmale aufweisen... aber ich wurde von einem dr\u00e4ngelnden Yarid unterbrochen, der unbedingt, und jetzt sofort noch einmal zu Al\u00e2yra durchsto\u00dfen wollte.<br>\nDa er mir nicht so aussah, als w\u00fcrde er sich noch l\u00e4nger gedulden, \u00fcbergab ich Amelie und das Kleinkind in die H\u00e4nde von Melissandra Acosta und \u00fcberlie\u00df es ihr, die Untersuchung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Yarid fand ich ihm Saal, er hatte bereits daf\u00fcr gesorgt, das sich Julianna Ardais als weitere Katalysatorin zu uns gesellte und ich erl\u00e4uterte ihm noch, welche Idee ich wegen meines Problems mit der Musik hatte. Yarid grinste mich an. Nat\u00fcrlich ihm als Barden war es v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, warum ich mich mit so etwas so schwer tat, aber er wusste genug von mir, um nicht weiter zu diskutieren...<br>\nMan kann nicht alles k\u00f6nnen, f\u00fcr einen Moment sch\u00e4mte ich mich zwar, doch dann dachte ich an die Diskussion nach dem Fr\u00fchst\u00fcck und richtete mich wieder auf. Die Comyn konnten noch nicht mal logisch denken...<br>\nIch grinste zur\u00fcck und wartete bis Yarid sich f\u00fcr den passenden Kandidaten entschieden hatte. Es war Geredd MacAran, der in der Nacht zuvor die Katze befragt hatte. Der einzige Zeuge bei Corrans Ermordung... aber auch sie hatte nichts gesehen, nur die Macht versp\u00fcrt.<br>\nWas immer es gewesen war, es war davon auszugehen, dass es aus einiger Entfernung geschehen war. Keine direkte Konfrontation.<br>\nSoviel dazu, aber ich schweife ab.. zur\u00fcck zu unserem Studium der Harfe und ihrer zweifach beseelten Matrix.<\/p>\n<p>Letztendlich fanden sich f\u00fcnf Menschen, die bereit waren sich dem zu widmen.<br>\nLeandra Storn als \u00dcberwacherin, Geredd MacAran, der selbst die Laute spielte, f\u00fcr Al\u00e2yras Stimme, Julianna Ardais um die Mauer zu durchbrechen und Al\u00e2yra aus ihrer Gefangenschaft zu befreien, dazu noch Varzil Storn, ein weiterer Nedestro der Familie, der mir allein schon, weil er mich an Edric erinnerte sympathisch war.<br>\nIch selbst, weil ich die zickige Dame schon kannte, zudem Yarid mir immer noch ungebrochen vertraute.... ich w\u00fcrde sie rufen.<\/p>\n<p>Wie immer wenn sich einander fremde Personen zusammenfanden, war dies mehr als nur problematisch. Jeder Bewahrer, jeder Turmkreis hat seine eigenen Arbeitsmethoden und Ansatzpunkte, es ist nicht einfach... ich hatte es selbst schon versucht und war dramatisch damit gescheitert.<\/p>\n<p>Wir versuchten, ein jeder so, wie er es eben konnte, unsere Idee in Handlungen umzusetzen.<br>\nIch rief Al\u00e2yra und wie schon am Abend zuvor hatte sich sofort als Yarid zu spielen begann das Gef\u00fchl, ihrer Pr\u00e4senz. Es war hauchzart, aber vorhanden. Sie schien sich in den Klang der Harfe einzumischen, sich selbst in die T\u00f6ne zu begeben...<br>\nIch schob all meine Kraft in den Wunsch einer Begegnung mit ihr... und sogleich verzerrten sich die T\u00f6ne. Qu\u00e4lende, falsche T\u00f6ne die selbst mit Banausen nicht entgingen.<br>\nJetzt war es an Garedd und Julianna zu \u00fcbernehmen. Ich hielt nur, so sehr es auch zu Schmerzen begann, an der Verbindung fest.<br>\nWas immer die beiden auch taten, es ist mir nicht mehr pr\u00e4sent... ich vermute eben, dass es an den unterschiedlichen Methoden liegt, die wir anwendeten und sicherlich auch an dem Krach, der zeitweilig aus Yarids Harfe drang.<\/p>\n<p>Irgendwann konnte ich den Kontakt nicht mehr halten... er zerriss mir, wie ein gespanntes Seil, das an einer Felskante abgescheuert wird. Nur gut, das es nicht weit zu Fallen war. Ich kam wieder zu mir und f\u00fchlte mich zerschlagen und ausgelaugt.<\/p>\n<p>Das Ergebnis unserer Bem\u00fchungen war best\u00fcrzend. Wir waren nicht einen Schritt weitergekommen als am Abend zuvor. Eine Barrieren aus fremder Energie blockierte den Weg zu Al\u00e2yna... und bei dem Versuch zu ihr durchzudringen hatten wir versagt.<\/p>\n<p>Ich zog mich zur\u00fcck, ich wollte wissen, was Melissandra \u00fcber das Cheriekind in Erfahrung gebracht hatte, au\u00dferdem w\u00fcrde ich in der K\u00fcche vielleicht etwas zu essen finde, dass nicht s\u00fc\u00df und klebrig war. Vorerst musste ich wiederum meine Kr\u00e4fte schonen...<br>\nCorran ging es gut, so vergewisserte ich mich und auch wenn sich noch kein Erfolg abzeichnete, er hatte noch nicht seine Sachen gepackt.<\/p>\n<p>Melissandra hatte in Erfahrung gebracht, das die Ger\u00fcchte um das Kind wohl stimmten, es stammte von einem Chieri und dementsprechend war sein Laran bereits aktiv...<br>\nGeredd erkl\u00e4rte sich bereit den D\u00e4mpfer, zu reparieren, den Yarid aus der Kammer geholt hatte, in der er all das Ger\u00fcmpel von Janis Alton hatte verschwinden und versiegeln lassen.<br>\nW\u00e4re er fertig gestellt, dann konnte das Kind ruhig weiter schlafen und zumindest von ihm w\u00fcrden keine St\u00f6rungen mehr ausgehen.<\/p>\n<p>Derweil hatten sich die beratenden Gr\u00fcppchen wieder zerstreut und die meisten gingen irgendeiner T\u00e4tigkeit nach.<br>\nSo hatte sich bei der verlogenen Hausleronis und Hebamme wohl eine Matrix gefunden.<br>\nDas eine Hausleronis auch einen Sternenstein besa\u00df sollte nicht verwundern, welche, egal wo tat das nicht? Vielleicht eine die selbst eine Lebende Matrix war, aber davon sollte es nicht viele geben.<br>\nDoch es handelte sich nicht um ihre Matrix, sondern um eine die vom Schmiedevolk stammen sollte.<\/p>\n<p>Schmiedevolk? Hier auf Altonland?<br>\nMadri w\u00fcrde seinen Stab zur\u00fcckverlangen, den er mir einst vermacht hatte, wenn ich daran auch nur einen Gedanken verschwendete. Das Schmiedevolk, wie ich aus erster Hand, eines schmiedev\u00f6lkischen Zauberers und Priesters erfahren hatte, gewann alle Macht durch Sharra.<br>\nJede ihrer Matricen wurde durch die G\u00f6ttin des Feuers belebt... und eben jene, w\u00fcrde sicherlich nicht daf\u00fcr sorgen, dass Corran starb.<br>\nSharra und Corran hatten ein ganz besonderes Verh\u00e4ltnis zueinander.<br>\nIch schmunzelte ob der Erinnerung an einen Kuss, leise vor mich hin.<\/p>\n<p>Aber ich lie\u00df die Leronyn unter denen wie ich h\u00f6rte auch Dom Ramon und Dom Oktavien waren, in Ruhe weiterarbeiten. Was auch immer sie herausfinden w\u00fcrden, wo auch immer diese Matrix wirklich herstammte... vielleicht war sie ja doch auf die ein oder andere Art der Schl\u00fcssel zu den r\u00e4tselhaften Todesf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Sie hatten ihren ersten Versuch an die Leronis und ihren Stein heranzukommen, gerade beendet und ich hatte eigentlich das Gef\u00fchl, mich genug gest\u00e4rkt zu haben, als Colin Storn durch die K\u00fcche st\u00fcrmte. Er f\u00fchrte eine Welle der Angst mit sich und trieb mich in eine Art von Panik, die mir vertraut war...<br>\n\u2026 und doch wieder nicht. Ich stand kaum zwei Schritte von dem D\u00e4mpfer entfernt, der das Kind vor sich selbst sch\u00fctzen sollte...<br>\nMeine Augen wurden zu kleinen Schlitzen, ich rang die Gef\u00fchle von Panik hinunter, inspizierte das Ger\u00e4t misstrauisch und setzte mich schlie\u00dflich daneben.<\/p>\n<p>Es war unheimlich....<\/p>\n<p>Ich versuchte es den anwesenden Telepathen verst\u00e4ndlich zu machen, aber irgendwie h\u00f6rten sie mir nicht richtig zu, oder sie begriffen einfach nicht.<br>\nDa stand ein aktiver und v\u00f6llig intakter D\u00e4mpfer auf dem Tisch und trotzdem krochen Wellen der Angst durch den Raum?<\/p>\n<p>Mellisandra h\u00f6rte mir zu, ebenso wie Rhodri und Angus MacGregor der Musikinstrumentenbauer...<br>\nZwei einfache Menschen, und nur eine einzige Leronis.<br>\nEs war l\u00e4cherlich, aber selbst Yarid nahm mich nicht ernst.<br>\nAlton und Hastur mochten keine Ahnung haben, aber sie hatten mehr Autorit\u00e4t.<br>\nSo etwas kann einen manchmal ebenso ankotzen, wie der Knoten im Magen, die Furcht, die nur f\u00fcr mich durch die W\u00e4nde zu dringen schien.<br>\nIch wiederholte meine Feststellung immer wieder, bis ich mich schlie\u00dflich nicht mehr halten konnte. Meine Barrieren schienen mit jedem Moment den ich weiter in diese Raum verbrachte, dahinzuschmelzen... und das letzte was ich wollte war zusammen zu brechen und Corran im Stich zu lassen. Ich verzog mich an die frische Luft... und prompt besserte sich mein Zustand.<\/p>\n<p>Es war so eindeutig. Dieses Haus war gef\u00e4hrlich, oder etwas darin. Vielleicht war es die Matrix, die sie gefunden hatten... nur ergab es keiner Sinn weiter an ihr herumzumanipulieren und zuzusehen, wie wie die st\u00e4rksten Telepathen bezwang.<br>\nBedachte denn niemand au\u00dfer mir, was es zu bedeuten hatte wenn die Barrieren brachen?<br>\nCorrans mussten schon in der Nacht gebrochen worden sein, und es waren Barrieren die f\u00fcr gew\u00f6hnlich sogar einem Hastur oder einem Alton standhielten.<br>\nMeine Barrieren hatten l\u00e4ngst nicht diese Qualit\u00e4t. Ich musste mit viel weniger Blockaden in meinem Kopf, aber vorallem meiner Haut, zurecht kommen.<br>\nJeder Schritt in dieses Haus hinein, w\u00fcrde mich unf\u00e4hig machen, Corran gegebenenfalls zu helfen... und sie w\u00fcrden mich vielleicht auch zu einer Marionette machen.<\/p>\n<p>Ich hatte kein Problem damit zu akzeptieren, dass die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass es mit dieser Matrix zusammenhing, auch wenn ich sie bislang nicht einmal gesehen hatte.<br>\nWomit ich ein Problem hatte ist die Dummheit meiner hier anwesenden Mitmenschen. Nat\u00fcrlich war es auch die Furcht, die mich erfasst hatte, die mich zu dieser Verweeigerungshaltung brachte, aber ich bin immer bereit den Menschen um mich herum zuzuh\u00f6ren... sie waren es nicht. Sie st\u00fcrmten voran... und hatten anschlie\u00dfend mit den Konsequenzen zu leben.<\/p>\n<p>Es war so deutlich, als Colin Storn aus dem Haus stolperte, zornig, tobend. Gestern Abend war er noch ein ganz normaler und recht sympathischer junger Mann gewesen... nichts schien davon noch \u00fcbrig. Er tobte herum, entzog dich dem Zugriff seiner Freunde... er war nicht mehr er selbst. Ich musste an \u00c1ine denken, die damals auch gewirkt hatte als w\u00e4re sie besessen.<\/p>\n<p>Bald erfuhr ich, dass die Leronis ihn ber\u00fchrt hatte. Nicht einfach nur ber\u00fchrt... sie hatte ihrer H\u00e4nde \u00fcber seine Matrix gehalten. Sie hatte ihn unter ihre Kontrolle gebracht...<\/p>\n<p>Rhodri versuchte zu verstehen was hier geschah, er war gewarnt... und ich versuchte was ich konnte von hier drau\u00dfen aus. GreenScarp warnen... auf die \u00fcbrigen Leute nutzlos einreden. Die Entscheidung nicht mehr ins Haus zur\u00fcck zu gehen war gefallen. Ich bin vielleicht nicht wichtig genug, dass man mir Glauben schenkt, aber wichtig f\u00fcr GreenScarp bin ich allemal.<br>\nIch wartete ab... vielleicht kam der Rest der Leute hier ja allein zur Besinnung.<\/p>\n<p>Sie kamen nicht zur Besinnung... und leider waren sie nicht die einzigen, die die Folgen ihres Handels zu ertragen hatten.<br>\nColin war wieder nach drinnen verschwunden und ich wartete ab was weiter geschehen w\u00fcrde.<br>\nDa niemand auf mich h\u00f6ren wollte, oder mich f\u00fcr \u00fcberempfindliches Weichei hielt, direkt ins Gesicht sagt einem ja so etwas niemand, stellte sich ein ruhiger Hohn bei mir ein.<br>\nIch wusste was ich tat...<\/p>\n<p>Colin kam abermals aus dem Haus, noch immer tobend und jeden der ihm \u00fcber den Weg lief provozierend. Er stie\u00df seine Schwester von sich wollte sogar Corran an die W\u00e4sche...<br>\nIch war es Leid, die \u00fcbrigen taten nichts, sondern faselten nur auf ihn ein, als w\u00e4re er nichts weiter als ein schlecht gelauntes Kind. Letztlich zog ich sein eigenes Schwert und schlug ihn damit nieder. Er bemerkte es nicht einmal, so rasend war er vor Zorn. Bewusstlos, ruhig, keine Belastung mehr f\u00fcr mich, keine f\u00fcr Corran.<\/p>\n<p>Leider blieb er nicht liegen, sondern stand kurze Zeit sp\u00e4ter wieder auf. Da dies ganz und gar nicht normal war, brachte ich mich vorerst einfach nur in Sicherheit. Er suchte sein Schwert, das ich Domna Elaine in die Hand gedr\u00fcckt hatte... dann lie\u00df ich ihn gehen.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen beruhigte es sich wieder, und ich bastelte abermals an meinen Barrieren. Es ist so furchtbar anstrengend zu versuchen sie aus Granit zu mei\u00dfeln.<\/p>\n<p>Kurz darauf \u00f6ffnete sich die T\u00fcr und Corran kam heraus. Meine Nachricht musste ihn endlich erreicht haben. Doch es war bereits zu sp\u00e4t. Er schwankte er beim Gehen, hielt sich die Stirn... er schwitzte stark und klagte, das seine Barrieren nicht l\u00e4nger hielten. Es war erschreckend.<br>\nCorrans Barrieren sind die Scheide eines zweischneidigen Schwertes. Er wurde verwundbar, wenn sie fielen... so erginge es jedem Laranzu, aber Corran wurde auch gef\u00e4hrlich.<br>\nIch fing ihn in meinen Armen auf und hielt ihn fest, w\u00e4hrend gleichzeitig meine Kr\u00e4fte um seinen Geist band.<br>\nIch wusste was ich tat. Ich hatte genau das schon viele Male getan. Ich musste mich mit ihm verbinden und die Urgewalt in seinem Inneren zu mir f\u00fchren. Das Gef\u00e4\u00df f\u00fcllen....<\/p>\n<p>Dies tat ich mittlerweile instinktiv, zu oft schon war es n\u00f6tig gewesen. Doch diesmal war es st\u00e4rker als ich es je erlebt hatte. Corran wimmerte und begann die Besinnung zu verlieren... das mochte uns retten, wenn er nur schnell genug bewusstlos wurde. Doch Corran war ein z\u00e4her K\u00e4mpfer.<br>\nIch schaffte es nicht ihn noch lange zu halten, wenn ich auch brach, dann w\u00fcrde die Urgewalt lostoben... und Schreckliches anrichten. Meine eigenen Barrieren taugten nichts und ich hatte nicht die Kraft, das illusorische Gef\u00e4\u00df in meinem Innern, das langsam \u00fcberquoll zu leeren.<\/p>\n<p>Kurz bevor alles zu sp\u00e4t war, bekam ich Hilfe. Leandra und Julianna (?) st\u00fcrmten herbei und gingen mir zur Hand.<br>\nGemeinsam errichteten wir eine Barriere.... und hielten sie, bis Corran in gn\u00e4dige Bewusstlosigkeit sank. Es war eine kr\u00e4ftezehrende Angelegenheit, und wir waren v\u00f6llig ersch\u00f6pft als es zu Ende war.<br>\nCorran lag da, nicht bei Sinnen, aber atmend. Vielleicht war es so besser f\u00fcr ihn... als letztes hatte ich eine junge Pr\u00e4senz gef\u00fchlt. Ein junger Mann. Der einzige auf den dies hier zutraf war Colin Storn... und es passte.<br>\nW\u00e4re er er selbst gewesen h\u00e4tte er sicherlich nicht versucht Corran anzugreifen, er war nicht dumm, nur jung und unerfahren. Ein passendes Opfer f\u00fcr den, der hier seine Scherze mit uns trieb.<\/p>\n<p>Dieses Problem musste aus dem Wege ger\u00e4umt werden, doch ich wusste leider immer noch nicht wie und Corrans Zusammenbruch, hatte mich, was meine eigenen F\u00e4higkeiten anging, wieder zur\u00fcck geworfen.<\/p>\n<p>Also f\u00fcllte ich mich einstweilen mit Honigtee ab. So s\u00fc\u00df, dass einem die Z\u00e4hne davon schmerzen mochten...<br>\nEs h\u00e4tte des letzten Kampfes nicht wirklich bedurft, aber Corrans Zusammenbruch, sein erneuter Kampf mit den Barrieren hatte es noch einmal deutlich gemacht. Was immer hier geschah, es brachte die st\u00e4rksten Telepathen zu Fall. Es spielte mit ihnen.<\/p>\n<p>Und wo Corran einer der St\u00e4rksten war, war ich zwar talentiert, aber durch die Empathie so verletzlich wie ein frisch geworfenes Rabbithorn. Ich traute mir selbst nicht \u00fcber den Weg, in schweren Zweifeln dar\u00fcber, ob ich es bemerken w\u00fcrde, wenn mich etwas Fremdes \u00fcbernehmen w\u00fcrde...<\/p>\n<p>Also wartete ich ab, die Furcht im Nacken, die sich vor allem gegen mich selbst richtete, doch die Augen wach und die Ohren offen. Was immer geschah, w\u00e4hrend ich hier ausharrte... sollte sich eine Chance ergeben, den Feind doch zu stellen, so w\u00fcrde ich zugreifen.<br>\nAber nur, wenn ich mir sicher sein konnte worum es sich handelte.<\/p>\n<p>Was geschah als n\u00e4chstes? Ich versuche es in Worte zu kleiden, aber das wenigste davon habe ich pers\u00f6nlich mitbekommen. Ich beobachtete nur, hielt mich heraus, und dokumentiere jetzt nur, was ich erz\u00e4hlt bekam... gesehen habe ich nichts davon.<\/p>\n<p>Es fand wohl einer weitere Untersuchung der Matrix statt, zu diesem Zeitpunkt war sie wohl nicht mehr in den H\u00e4nden der Leronis, wenn doch, es ist eigentlich nicht wirklich wichtig... das n\u00e4chste was ich h\u00f6rte war, das der Hastur sich der Matrix angenommen habe.<br>\nHier gab es verschiedene Meinungen, die einen behaupteten sie w\u00e4re in seinem Besitz, die n\u00e4chsten er habe sie absorbiert. Wie auch immer... der Hastur interessierte mich nur in sofern, als dass er einer der \u00fcbrigen starken Telepathen war und damit ein neues Opfer f\u00fcr meine Theorie...<\/p>\n<p>Diese erkl\u00e4rte ich schlie\u00dflich auch Yarid, der in einem verwirrten Zustand, der mir sehr bekannt vor kam, aus dem Haus trat...<br>\nIrgendwer hatte erz\u00e4hlt er habe Oktavien, der die Matrix bei sich hatte, versucht diese zu entlocken. Yarid, der eigentlich genau wissen sollte was passierte wenn man eine Matrix ber\u00fchrte hatte ihn angefasst... und besessen von der fremden Macht, hatte Oktavien ihn get\u00f6tet.<br>\nNur schien Yarid neuerdings zu den Unsterblichen zu geh\u00f6ren. Er war wieder da, hatte abermals einen Ged\u00e4chnisverlust und war, in seiner Verwirrung endlich wieder offen daf\u00fcr mir ein wenig zu lauschen.<\/p>\n<p>Ob es in diesem Moment half wei\u00df ich nicht, aber er schien sich zu entschlie\u00dfen die Matrix endlich hinter Schloss und Riegel zu bringen anstatt weiter an ihr herumzufummeln.<\/p>\n<p>Nur war die Matrix verschwunden, sie hatten sie dem Hastur abgenommen und seither wusste niemand mehr wo sie war...<\/p>\n<p>Vielleicht hatte der Hastur sie ja immer noch, ich wusste es nicht, ich war jetzt noch weniger bereit als zuvor irgendeinen Handschlag zu tun.<br>\nMit der wachsenden Furcht davor selbst von Besessenheit gepeinigt zu werden und dem Chaos das ich um mich herum erlebte, war es ein Ding der Unm\u00f6glichkeit vertrauen zu fassen.<br>\nYarid schien akzeptiert zu haben das mir nicht zu trauen war, auch wenn er sicher von seinem Freund entt\u00e4uscht war, anders aber verhielt es sich mit den \u00fcbrigen, die sich entschlossen hatten in einem Kreis nach der Matrix zu suchen...<\/p>\n<p>In einem Kreis. Alle durch ihr Laran verbunden, mit offenen Barrieren..<br>\nHatten sie immer noch nicht begriffen, dass so etwas der gr\u00f6\u00dfte Unfug war, solang wir nicht wussten womit wir es zu tun hatten?<br>\nCorran h\u00e4lt mich f\u00fcr gew\u00f6hnlich f\u00fcr ruhig und besonnen, aber mittlerweile war ich eigentlich bereit einen jeden hier am Kragen zu packen und zur Besinnung zu sch\u00fctteln. Sie machten das Problem immer gr\u00f6\u00dfer statt kleiner...<\/p>\n<p>Ich blieb bei meiner Weigerung mich ihnen anzuschlie\u00dfen. Das lie\u00df mich wie einen Feigling wirken, aber damit konnte ich besser leben, als damit, durch eine Dummheit meinen bewusstlosen Liebsten und seine schutzlose Frau in Stich zu lassen.<\/p>\n<p>Doch der Plan blieb bestehen, und aus irgendeinem mir nicht verst\u00e4ndlichen Grund wollten sie wirklich jeden Telepathen im Kreis haben. Jeden. Selbst die, die wie ich Furcht davor hatten oder ihre Gaben gar nicht kontrollieren konnten... die f\u00fcr jeden normalen Kreis schon nichts taugten, weil sie alles andere als entspannt waren.<br>\nAls selbst Ramon Alton sich dazu herab lie\u00df mit mir zu sprechen, setzte ich ihm all das, was ich zu diesem Zeitpunkt schon Dutzende Male erz\u00e4hlt hatte, abermals auseinander.<br>\nMeiner Meinung nach war niemandem zu trauen, der seine Barrieren nicht halbwegs im Griff hatte. Nein, ich muss mich korrigieren, da es vorrangig die St\u00e4rksten traf, war wirklich niemandem zu trauen. Keiner Menschenseele...<\/p>\n<p>Mir schoss dies gerade durch den Kopf, da war es auch schon zu sp\u00e4t...<br>\nDas letzte was ich noch wei\u00df ist, wie Dom Ramon nach meiner Hand greift... und eine Welle, nein, ein brennendes Feuer aus Angst, das meinen K\u00f6rper ergriff.<br>\nEs fra\u00df mich auf, ich verschwand und wei\u00df kaum noch etwas...<\/p>\n<p>Als ich wieder erwachte lag ich stand ich f\u00fcr einem Moment im gro\u00dfen Saal im n\u00e4chsten lag ich auf dem Boden vor Rhodris F\u00fc\u00dfen und wusste nicht wie mir geschehen war.<br>\nIch schien nicht mehr als ein kleiner Knoten aus brennender Angst zu sein. Mein K\u00f6rper war kalt... eiskalt... und ich war so verwirrt, als habe mir jemand \u00fcber den Kopf geschlagen.<br>\nDas n\u00e4chste was ich sah war Alicianes vor Sorge gefurchtes Gesicht. Sie half mir auf... ich erinnerte mich nicht daran in den Saal gegangen zu sein. Kein St\u00fcck, ich erinnere mich nur dort aufgewacht zu sein.<\/p>\n<p>Sorge.<br>\nWar ich auch gestorben?<br>\nDas war mein erster Gedanke, aber nichts davon sah ich in Alicianes Gesicht, ebensowenig wie in Rhodris.<br>\nSie folgten mir und wir besprachen uns drau\u00dfen vor der T\u00fcr.<br>\nRhodri erkl\u00e4rte mir, ich seie in den letzten Minuten sehr, sehr seltsam gewesen.<br>\nIch w\u00e4re streifbeinig ins Haus gegangen, habe nichts und niemanden beachtet und stumm die Situation beobachtet. Meine Miene war ohne jede Form von Gef\u00fchl gewesen... meine Stimme steinern. Ich hatte immer wieder, egal auf welche Frage in den gleichen formlosen und unnat\u00fcrlichen Worten geantwortet. Nur in meinem Blick habe es geflackert.<\/p>\n<p>Furcht kroch meinen Nacken hinauf. Ich fragte sie, ob irgendwer gesehen hatte was geschehen sei nach dem Dom Ramon mit mir gesprochen hatte... und dann purzelten die Zusammenh\u00e4nge \u00fcber mich ein.<\/p>\n<p>Dom Ramon habe die Matrix besessen, oder sie ihn. Scheinbar hatte sie ihn dazu gebracht Besitz von meinem Willen zu ergreifen. Auch f\u00fcr Rhodri ergab es jetzt einen Sinn, ich hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als er sich durch einen Angriff Dom Ramons verletzt hatte.<\/p>\n<p>Denn Dom Ramon war es, der die Matrix bei sich getragen hatte. Sie hatten sie ihm durch ein kompliziertes Unterfangen wieder abgenommen.... jetzt war sie in Sicherheit.<br>\nAliciane sagte sie w\u00fcrden sie hinter Schloss und Riegel bringen...<\/p>\n<p>Corran ging es ein wenig besser... das tr\u00f6stete ein wenig, aber dennoch, das Gef\u00fchl von einem Alton gesteuert zu werden, werde ich so schnell nicht wieder los werden. Von nun an, wird mich immer eine gewisse Furcht deswegen beschleichen. Ich wei\u00df es... w\u00e4re Corran doch nur da gewesen. Rhodri hatte hilflos dabei zugesehen, Aliciane war erst sp\u00e4ter dazugekommen.<\/p>\n<p>Ich vermisste meinen Liebsten. Er h\u00e4tte mich besch\u00fctzt, verhindert, dass, wer auch immer mit mir spielte...<br>\nEs war genau das geschehen, vor dem ich die Leute hier die ganze Zeit gewarnt hatte, und es war pures Gl\u00fcck, dass ich nicht zu schlimmerem benutzt worden bin.<\/p>\n<p>Aber dieses Gef\u00fchl, das einer Vergewaltigung sehr, sehr nahe kommt... es machte mich auch w\u00fctend genug nicht l\u00e4nger herumzusitzen. Ich wartete noch ein Weilchen, bis sich meine Sinne beruhigt und mein K\u00f6rper sich wieder wie der meine anf\u00fchlte, dann ging ich hinein.<\/p>\n<p>Um mich zu \u00fcberzeugen, dass die Matrix versiegelt wurde... und um zu sehen, wie weit die Leute sich in der Zwischenzeit geeinigt hatten.<\/p>\n<p>Doch statt sie endlich hinter Schloss und Riegel zu bringen lag das Ding auf dem Tisch... und sie stritten dar\u00fcber wie sie zu versiegeln sei und was sonst noch so zu tun sei. Ich traute meinen Ohren nicht, wirklich. Was musste noch geschehen bis sie endlich einsahen, dass man die Gefahr zu bannen hatte.<\/p>\n<p>Die einzige, die mir halbwegs bei Verstand schien, war Irmelin Hastur, und das sage ich sicherlich nicht, weil sie mir schon so sehr ans Herz gewachsen war. Aber die Frau hatte einen Kopf zwischen den Schultern wo bei den \u00fcbrigen scheinbar nur Schweineblasen voller Luft sa\u00dfen und mehr nach Comyn aussahen als Comyn darin war...<br>\nDer Bauer in mir schauderte angeekelt. Zu solchen Leuten hatte man mich einst gezwungen aufzusehen... Abk\u00f6mmlinge der G\u00f6tter... Pah!<\/p>\n<p>Sobald es nicht um Tanz, Krieg oder die neueste Mode ging waren sie \u00dcberfordert und quatschten sich lieber L\u00f6cher in den Bauch anstatt wenigstens erstmal f\u00fcr Sicherheit zu sorgen.<\/p>\n<p>Nur Irmelin hielt ihnen stand und bot ihnen die Stirn, sprach die Wahrheiten aus... und \u00fcber kurz oder lang, h\u00f6rte ich mich ihr zustimmen. Sie hatte in allem was sie sagte recht. Es galt, dieses Ding zu bannen, diesen Kristall...<\/p>\n<p>Seit Hastur ebenso wie Corran davon befallen gewesen war, war mir klar, das ich gut daran getan hatte keine Anschuldigungen gegen den Hasturprinzen fallen zu lassen. Jetzt entlastete ich sie auch aller anderen Vorw\u00fcrfe. Domna Irmelin hatte recht... es galt zu handeln. Und ich nahm in Kauf, das ich mit meinen unterst\u00fctzenden Worten Yarids Unmut auch auf mich zog...<br>\nDenn war die Matrix weggesperrt, dann w\u00e4re Al\u00e2yra vielleicht nie wieder zu ihm sprechen. Ich wusste wie sehr er sie vermisste und so war ich es auch, der ihm folgte, als er verzweifelt den Raum verlie\u00df.<\/p>\n<p>Wir redeten lange und ich war froh darum, dass er dazu noch bereit war nach allem was geschehen war... und oh Wunder, er h\u00f6rte mir zu.<\/p>\n<p>Ich bewog ihn langsam dazu, sich meiner Meinung anzuschlie\u00dfen.<br>\nAls erstes war die Matrix endg\u00fcltig zu versiegeln und wegzuschlie\u00dfen. Danach...<br>\nNun, mir war die Idee am liebsten sie einem der T\u00fcrme anzuvertrauen und die damit in kundige und erprobte H\u00e4nde zu bringen. Aber Yarid war dazu nicht wirklich bereit. Er bangte um Al\u00e2yra.<br>\nIch verstand ihn und zwang ihn zu nichts, aber als wir in den Saal zur\u00fcck gingen, wo wir bereits erwartet wurden... war er zumindest bereit allen eine Pause zu g\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Ding aus Zandrus H\u00f6llen wurde endlich weggepackt und die meisten Anwesenden akzeptierten auch den Vorschlag eine Ruhepause einzulegen. Ein Angriff war nicht zu erwarten, solange die Matrix in dem versiegelten Kasten blieb und keiner mehr ihr nahe kam... und es w\u00fcrde die erhitzten Gem\u00fcter abk\u00fchlen.<\/p>\n<p>Nach Schlaf war mir nicht zumute, das Gespr\u00e4ch mir Yarid hallte noch nach...<br>\nIch besorgte mir einen Jaco, denn ob ich wollte oder nicht ersch\u00f6pft war ich trotzdem. Ich hatte nicht mehr geschlafen seit wir gestern Morgen aufgebrochen waren, seit dem war f\u00fcr mich eine Ewigkeit vergangen. Ich war v\u00f6llig und m\u00fcde, und doch, ich fand keine Ruhe.<\/p>\n<p>W\u00fcrde ich es fertig bringen nichts zu tun als abzuwarten?<br>\nNein, nicht mehr, sp\u00e4testens seit der Alton mich gezwungen hatte etwas v\u00f6llig gegen meinen Willen zu tun, war ich dazu nicht mehr bereit. Ich w\u00fcrde helfen... aber auf meine Art und nur so, das GreenScarp unbeschadet aus der Situation herauskommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich trank einen Schluck, und spuckte die H\u00e4lfte davon gleich wieder in die B\u00fcsche. Ich mag keinen Jaco. Er mochte wachhalten und anregend sein aber ich konnte seine Bitterkeit nicht ertragen. Der Ekel kl\u00e4rte meinen Kopf weiter... meine Barrieren waren nicht das was sie sein sollten, aber die Bedrohung war einstweilen verschwunden. Fest in der Kiste, in der Kammer... Das freute mich und es war sp\u00fcrbar, wie sich die ganze Lage im Haus zu entspannen begann...<\/p>\n<p>Als wir uns schlie\u00dflich wieder versammelten hatten ein paar Leute um Melissanda und den Mann aus Ridenow, der, laut eigener Aussage irgendwann mal... vor meiner Geburt oder so, Bewahrer gewesen war, einen Vorsto\u00df in die Oberwelt gemacht.<br>\nIch hatte ihnen dabei zugesehen und es war der erste ruhige und konzentrierte Arbeitskeis, den ich gesehen hatte... nun str\u00f6mten die Beteiligten zur\u00fcck in den Raum. Alle wollten wissen was sie herausgefunden hatten. Doch Melissandra war verst\u00f6rt, stockte und wusste sich nicht recht in Worte zu fassen.<br>\nEs wurde besser als ich mich zu ihr hockte und sie ein wenig st\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Jetzt war ich dabei.<\/p>\n<p>Melissandra erz\u00e4hlte, das sie zwei T\u00fcrme und zwei Personen in der Oberwelt gesehen habe, von diesen zwei war eine eine Frau, da bestand f\u00fcr mich kein Zweifel, Yarids Al\u00e2yra... das andere war finster, dunkel, m\u00e4nnlich... N\u00e4her Worte fand Melissandra nicht.<br>\nAber sie erinnerte sich an zwei Matricen und zwei Wege in die Oberwelt du zu beiden Gestalten f\u00fchrten. Damit lie\u00df sich doch etwas anfangen.<br>\nDen einen Weg hatten einige heute schon erfahren, es war die Matrix, die immer noch unter Verschluss lag und sobald sicherlich nicht mehr gefordert war.<br>\nDie andere war Yarids Harfe.... auch nicht wirklich verwunderlich.<br>\nIch entschied f\u00fcr mich, das der eine Weg gangbar, der andere idiotisch war und das ich sicherlich nicht, um keinen Preis in die Oberwelt gehen w\u00fcrde um gegen einen Gegner zu k\u00e4mpfen den niemand einsch\u00e4tzen konnte. Das w\u00e4re Irrsinn.<br>\nDoch nun wurde \u00fcberlegt was zu tun war... und ich erinnerte mich an die Zeit im Turm. Dort hatten wir Erze gef\u00f6rdert... also die anderen, ich hatte dabei nur \u00fcberwachen d\u00fcrfen, weil ich f\u00fcr die verlangten Techniken einfach keinen Sachverstand hatte... es hatte auch andere Ger\u00e4te gegeben. Fallenmatricen, Glask\u00f6rper f\u00fcr die Herstellung von Haftfeuer. Ich hatte den Turm verlassen als gerade ein solcher Auftrag hereinkam...<br>\nIch schlug ein Gef\u00e4\u00df vor, irgendetwas in das man hinein, aber wo man verhindern konnte, es wieder herauszulassen.<br>\nEinige fanden die Idee dumm, andere dachten l\u00e4nger dar\u00fcber nach... und irgendwann formte sich aus den Ideen ein Plan der gangbar war und letztendlich das kleinstm\u00f6gliche Restrisiko enthielt.<br>\nYarids Harfe war der Weg... die Laute, die damals schon gegen die Dunkelchieri eingesetzt worden war, die Falle. Wenn Musik sie aktivierte, dann w\u00fcrde ein durchschneiden der Saiten sie verstummen lassen und zur Falle machen. Was wir noch brauchten war ein Lockmittel um die b\u00f6se Geistgestalt dazu zu verf\u00fchren dem von uns ge\u00f6ffneten Weg auch zu nehmen.<br>\nCorran kam nicht in Frage. Ich weigerte mich einfach, er war immer noch angeschlagen und nur halb auf den Beinen. Nein, Corran w\u00fcrde es nicht sein.<br>\nDom Ramon war die andere Wahl, er konnte auch die Laute spielen... aber er w\u00e4re viel besser, wenn er ungebunden war und gegebenenfalls mit seinem Laran den Bann der Gitarre noch ein wenig l\u00e4nger halten konnte.<br>\nDie n\u00e4chste Wahl fiel auf Dom Oktavien, doch der Hastur war nur durch seine Frau vertreten und sie wollte und konnte jetzt nicht entscheiden. Er sollte gefragt werden, derweil Yarid uns allen ein Abendessen anbot. Es w\u00fcrde nicht schaden sich zu St\u00e4rken.<\/p>\n<p>Henkersmahlzeit? Vielleicht...<br>\nWir hatten auch die Risiken nicht au\u00dfer acht gelassen, die nicht durch einen besonderen Schutz zu verhindern waren. F\u00fcr das eine w\u00fcrde der Lautenspieler herhalten m\u00fcssen, das andere aber w\u00fcrde Yarid tragen... ganz allein?<br>\nNein, ich w\u00fcrde ihn nicht allein lassen. Er f\u00fcrchtete sich, aber er sah es auch klar genug. Die Chance Al\u00e2yra bei dieser Aktion wieder zur\u00fcck zu bekommen bestand und ich wusste er sehnte sich nach ihr... doch was wenn der andere Geist nicht aus der Harfe weichen und ihn besetzen w\u00fcrde?<br>\nWir sahen uns an...<br>\nUnd Yarid bat mich um einen Dienst, um den ich ihn in diesem Moment wohl auch gebeten h\u00e4tte. Sollte er besessen werden so w\u00fcrde ich ihn t\u00f6ten. Schnell, kurz und schmerzlos. Es war besser als seinen eigenen Geist und seinen K\u00f6rper willenlos die schlimmsten Dinge tun zu sehen.<\/p>\n<p>Unter all den Menschen war es ein sehr intimer und auch sehr einsamer Moment, aber wir verstanden uns auch ohne gro\u00dfe Worte.<br>\nEs w\u00fcrde mir sicherlich nicht leicht fallen, aber ich w\u00fcrde es tun.<br>\nSolche Dienste verlangte man nur von einem Freund... Ich nahm ihn fest in den Arm, dr\u00fcckte ihn am mich.<\/p>\n<p>Wir konnten nur darauf hoffen, dass es nicht n\u00f6tig sein w\u00fcrde. Bis zum Abendessen blieb ich bei ihm. Corran ging es besser, er war wieder auf den F\u00fc\u00dfen.<br>\nGn\u00e4dige Avarra, rufe weder ihn noch Yarid zu dir. Lass sie mir... ich bitte dich...<br>\nIch war voller wirrer Gef\u00fchle.<\/p>\n<p>Und dann w\u00fcrde ich gest\u00f6rt. Varzil Storn rief mich zu sich und stellte mich seiner Begleiterin vor. Aleyna, eine Frau die ich zwar schon gesehen hatte, mit der ich bislang aber noch kein Wort gesprochen hatte. Sie stellte mir Fragen... sie betrafen Yarid und den Mann aus der Oberwelt.<br>\nSie hatte sehr genau zugeh\u00f6rt, dass konnte ich nicht verleugnen.<br>\nEin Mann im dunklen Mantel, das passte auf ihn.<br>\nEin Mann der alle Macht f\u00fcr sich will. Yarid sperrte schon den ganzen Tag alle Larandinge wieder zur\u00fcck in seine Kammer...<br>\nEin Mann ausgemergelt... Yarid war nicht mehr so krank wie einst, aber ja, auch nicht mehr so h\u00fcbsch wie damals, als er noch Barde auf GreenScarp gewesen war.<\/p>\n<p>Egal was sie sagte ich konnte nur nicken... und Yarids Bitte versetzten mir einen Sto\u00df in den Magen. Er war nicht weit von uns entfernt.<\/p>\n<p>Ich schickte Aleyna zu Melissandra um mit ihr noch einmal das durchzugehen was sie mir gesagt hatte... sollte es sich best\u00e4tigen, sollten sie wieder zu mir kommen.<br>\nGerade noch hatte ich mich sicher gef\u00fchlt... w\u00fcrde ich jetzt verhindern m\u00fcssen, das Yarid \u00fcberhaupt den Kreis betrat. War es ein Teil seiner selbst, den Melissandra in der Oberwelt getroffen hatte?<\/p>\n<p>Ich beschwor mich ruhig zu bleiben, bis ich eine Best\u00e4tigung dieses Verdachtes hatte. Wenn sie kam, w\u00fcrde ich handeln. Yarid hatte es mir bereits erlaubt... Ich stand nahe bei ihm und wartete.... und f\u00fchlte mich schrecklich. Manchmal ist Verantwortung nicht leicht zu schultern.<\/p>\n<p>Ich beobachtete ihn ganz genau, w\u00e4hrend ich wartete das Varzil oder Melissandra herkam und mir etwas genaueres sagte... Ich konnte nichts an ihm sp\u00fcren das unnat\u00fcrlich war. Yarid schien mir ganz er selbst zu sein. Der von schweren Schicksalsschl\u00e4ge gebeutelte Mann, der sich nach Familie und Anerkennung sehnte, der darunter litt, dass sein Band zu Al\u00e2yna, seiner Herrin gebrochen war...<\/p>\n<p>Yarid und ich sind uns in vielem sehr, sehr \u00e4hnlich. Nur habe ich in meinem Lebenslauf ab und an das Quentchen mehr Gl\u00fcck gehabt, dass ihm versagt blieb. Ich sage absichtlich Gl\u00fcck, denn mehr war es nicht... ich bin lange vor mich hingestolpert und was Yarid geschehen ist, h\u00e4tte mir ebenso geschehen k\u00f6nnen. Nur gab es f\u00fcr mich immer jemanden, der mich besch\u00fctzte. Manchmal nur aus der Ferne, ohne das ich es wusste, aber da war immer jemand...<\/p>\n<p>Yarid brauchte auch jemanden der ihn sch\u00fctzte, doch den hatte er nie gehabt. Er war, bis auf seine Al\u00e2yra... die ihm wohl jetzt noch immer das Leben rettete, immer alleine gewesen...<br>\nDas zerst\u00f6rt \u00fcber die Zeit hinweg eine Seele... mochte sie auch noch so gut sein.<\/p>\n<p>Hier stand ich jetzt, dies ging mir alles durch den Kopf, w\u00e4hrend ich mit Yarid sprach und so tat als w\u00e4re nichts. Ich wollte sein Besch\u00fctzer sein, nicht sein M\u00f6rder...<br>\nMelissandra, Varzil und Aleyna kam aus der T\u00fcr, unsere Blicke trafen uns. Ich hatte einen dicken Klo\u00df ihm Hals als ich zu ihnen trat... und mir fiel ein Stein vom Herzen, als sie gleichzeitig die K\u00f6pfe sch\u00fcttelten. Yarid war es nicht? Ich konnte mein Gl\u00fcck kaum fassen...<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich blieb ein Scheffel Misstrauen zur\u00fcck, aber das w\u00fcrde nicht gen\u00fcgen mein Vertrauen in Yarids Charakter zu brechen. Was immer hier vor unserer Ankunft geschehen war, er war kein schlechter Mensch und auch die geistige Zerr\u00fcttung von einst hatte er abgesch\u00fcttelt. Er war nicht gesund... so wenig wie ich mich je wieder gesund und ganz f\u00fchlen w\u00fcrde, w\u00fcrde Corran wirklich von mir gehen. Ein Herz, das sich einmal endg\u00fcltig gebunden hat, heilt nicht... es vernarbt nur... und bei Yarid war dies nicht m\u00f6glich. Denn Al\u00e2yra war nie wirklich tot, nie wirklich lebendig...<br>\nIch stellte es mir vor, als ein Herz, dessen Wunden immer wieder aufrissen und bluteten.<\/p>\n<p>Es wurde zum Abendessen gerufen... und es war k\u00f6stlich. Aus Amelie war eine sehr gute K\u00f6chin geworden... was ich Anilda aber verheimlichen werde.<br>\nDoch, es war trotzdem eine sehr stille Mahlzeit. Erwartungsvoll, furchtsam. Yarid hatte sich mit an unseren Tisch gesetzt, er wollte jetzt nicht allein sein und war es auch nicht. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit um das, was noch vor uns lag...<\/p>\n<p>Die Mahlzeit wurde beendet und ich ging in unsere Kammer und holte meinen Dolch...<br>\nEr war scharf, sehr scharf und ich sah die Klinge w\u00e4hrend ich sie pr\u00fcfte, so funkelnd wie sie war durch Yarids Kehle fahren...<br>\nVielleicht sollte ich beten und um Gnade und Erbarmen bitten? Ich wollte das Yarid lebte.<br>\nIch wollte das er in seiner Adoptivfamilie, jene Chance erhielt, die mir meine eigene gegeben hatte.<br>\nMeine H\u00e4nde bebten, als ich den Dolch in die Scheide zur\u00fcckschob.<\/p>\n<p>Ich sammelte mich, bis die H\u00e4nde ruhiger wurden und ich die Entschlossenheit fand, die n\u00f6tig war. Ich ahnte, wer auch immer nun von Yarids Plan h\u00f6ren w\u00fcrde... die meisten w\u00fcrden mich daf\u00fcr verabscheuen. Aber sie hatten nicht erlebt, was wir erlebt hatten.<br>\nEin Mann, egal ob er stark oder \u00e4ngstlich, beweist seinen Wert durch die Art, wie er in Augenblicken der Not reagiert. Darin, ob er an seinen Werten festh\u00e4lt, oder einbricht, sobald es schwierig wird. Ich war durch Corrans Schule gegangen. Ich wusste was ich zu tun hatte, und das es keinen Weg daran vorbei gibt.<\/p>\n<p>Ich begab mich in den Saal, der erst noch ruhig war. Oktavien Hastur kam herein...<br>\nIch war gespannt, ob seine prinzliche Arroganz bereit sein w\u00fcrde, sich soweit auf uns einzulassen, dass er uns helfen w\u00fcrde...<\/p>\n<p>Kurz nach ihm kamen die \u00fcbrigen hinzu. Ein sehr gemischter Kreis, aber zumindest in dem Willen etwas gegen dieses Oberweltwesen zu unternehmen, waren sie geeint.<br>\nAls Yarid und die Familie Alton hinzukamen, ging die Diskussion los.<br>\nEin einfacher Willensentscheid schien dem Hastur nicht zu gen\u00fcgen, er wollte weitere Zugest\u00e4ndnisse...<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, das Caleb oder Rascard sich so verhalten h\u00e4tten. Es ist eines der ungeschriebenen Gesetzte Asturiens, das der K\u00f6nig f\u00fcr sein Volk ebenso da ist, wie dieses f\u00fcr ihn. Caleb sieht sich als<br>\nW\u00e4chter seines Volkes. Er besch\u00fctzt sie mit dem Schwert und auch mit seinem Laran... das ist beides eins. Es sind die Privilegien des Adels, aber auch seine Pflichten.<\/p>\n<p>Was aber von Irmelin und Oktavien gesagt wurde, war eine andere Sprache. Sie wollten Ausgleich, sollte es zum Tode Oktaviens kommen...<br>\nBitte was? Fragen schossen mir durch den Kopf, deren Antwort ich zu finden hoffte.<\/p>\n<p>Meine erste Frage war, ob Schutz f\u00fcr Irmelin und die Kinder nicht eigentlich Valdrins Aufgabe war.<br>\nIch denke doch, das sich zu allererst die eigene Familie darum k\u00fcmmern sollte. Zudem hatte Valdrin nur ein einziges Kind... es sollte doch selbstverst\u00e4ndlich sein, das die, die in seiner Erbfolge als n\u00e4chstes kamen, auch unter seinem Schutz standen.<br>\nAls einen neidischen Mann hatte ich den K\u00f6nig in Thendara eigentlich nicht kennengelernt....<\/p>\n<p>Zweite Frage, was bedeutete Ausgleich oder Wiedergutmachung.<br>\nIrmelin verlangte Freundschaft, nach dem Yarid ihr schon recht erbost erwidert hatte, dass er keine Zahlungen leisten werde.<br>\nFreundschaft? Ich entschuldige mich f\u00fcr meine Naivit\u00e4t, aber ich glaube Freundschaft kann man sich weder kaufen noch erhandeln. Die muss man sich verdienen... zum Beispiel in dem man uneigenn\u00fctzig handelt. Dom Oktavien, uneigenn\u00fctzig.... das macht man zum Beispiel damit, in dem man einfach hilft... das manch man nicht, in dem man die Hilfe an H\u00e4ndel kn\u00fcpft.<br>\nErkaufte Freundschaft ist zumindest nichts, dem ich meine Frau und meine Kinder gerne anvertrauen w\u00fcrde...<\/p>\n<p>Mir gefiel es immer weniger, dem Hastur eine so exponierte Stelle im Kreis angeboten zu haben.<br>\nDom Ramon w\u00e4re der bessere Mann gewesen, so dachte ich in diesem Moment, und tue es bis heute. Trotz dem was er mir angetan hat, was er nicht freiwillig tat. Bei Sinnen war er ein ehrlicher und klarer Mann. Niemand der um einen Preis feilschte...<\/p>\n<p>Ich verstehe ja, das Irmelin sich Sorgen machte. Sicherlich, ihr Mann ging ein gro\u00dfes Risiko ein, aber Yarid hatte dies schon viel h\u00e4ufiger getan. Uneigenn\u00fctzig, denn er hatte weder eine Familie zu erwarten k\u00f6nnen, noch Freundschaft... doch genau die hatte er sich damit errungen.<\/p>\n<p>Letztendlich gingen sie irgendwie diesen Handel ein und Oktavien erkl\u00e4rte sich bereit, den Platz an der gef\u00e4hrlichsten Stelle im Kreis auch einzunehmen. Alastair Castamir stand bereit ihm den Dienst zu erweisen, den ich Yarid geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Kaum war dies laut ausgesprochen, wurden Aliciane und Rhodri laut und protestierten... Ich widersprach ihnen... und fand in Corran den Halt den ich brauchte. Er verstand sowohl die Notwendigkeit, als auch die Ehre und das Vertrauen das darin zum Ausdruck kam, und das ich nicht von mir weisen k\u00f6nnte.<br>\nEs h\u00e4tte mir Schande gemacht, Yarids Bitte abzulehnen...<br>\nWor\u00fcber ich nicht sprach war, wie schwer es mir fallen w\u00fcrde... aber GreenScarp konnte so einen Vorteil f\u00fcr sich verbuchen, den ich ebenso wenig verachten konnte.<br>\nIch w\u00fcrde an einer Stelle bei dem Kreis arbeiten, der mir lag und den ich beherrschte. Ich w\u00fcrde nicht gezwungen sein mit Menschen im Kreis zu sein, denen ich nicht vertraute. Ich w\u00fcrde dort sein, wo man auch handeln kann, wenn der Kreis zerbricht, gest\u00f6rt oder angegriffen wird...<\/p>\n<p>Ich war mit weniger Worten einfach genau da, wo ich sein wollte. Keine St\u00f6rung w\u00fcrde von mir ausgehen, und wenn versagt wurde, w\u00e4re es dieses Mal nicht meine Schuld. All das behielt ich vorsorglich f\u00fcr mich...<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfende Diskussion drehte sich mal wieder um die unterschiedlichen Methoden in denen Kreise arbeiten. Es ist wirklich seltsam... in Dalereuth war es allgemein normal, das die \u00dcberwacher sich au\u00dferhalb des Kreises befanden. Sie waren nicht Teil von ihm. Fianna hatte mich \u00e4hnliches gelehrt, was sie selbst in Tramontana und Hali gelehrt und ausge\u00fcbt hatte...<br>\nDas ich mich nun in den Kreis begeben und alleinig Yarid \u00fcberwachen sollte gefiel mir nicht, zumal es dadurch auch Aliciane als weitere \u00dcberwacherin hineinzog. Aber ich gab nach... ich wollte nicht ewig reden, ich wollte Handeln. Jedes weitere Wort h\u00e4tte es nur noch mehr erschwert sich zu konzentrieren...<br>\n\u2026 und es gab genug andere Dinge, die unsere Arbeit gef\u00e4hrdeten.<br>\nUnstimmigkeiten, wer den Kreis leiten sollte.<br>\nWilde Telepathie.<br>\nDer junge Storn, der seine Begabung in der Empathie gerade erst entdeckt hatte.<br>\nLeandra, deren Empathie immer wieder und wieder nicht hinter ihren Barrieren geblieben war. Irmelin \u00e4u\u00dferte sogar den Verdacht sie w\u00e4re eine Wilde...<br>\nWir mussten Irmelin mit in den Kreis nehmen um die Alton-Hastur Unvertr\u00e4glichkeit auszuschlie\u00dfen.<br>\nDutzende Dinge die noch diskutiert wurden.<\/p>\n<p>Aber ich schaltete all diese Bef\u00fcrchtungen f\u00fcr mich aus. Ich w\u00fcrde nicht ein Teil des Kreises sein. Meine Aufgabe war Yarid.<br>\nIch rechnete mit Ver\u00e4nderungen seines Wesens, seiner Pers\u00f6nlichkeit. Ich hatte darauf zu achten das die m\u00e4nnliche Seele nicht in Yarids Matrix zufasste, dass er stark genug war dem zu widerstehen... und ich vermutete, das Al\u00e2yra genauso gut Hilfe wie auch Gefahr sein konnte.<\/p>\n<p>Also ordnete ich meine Gedanken, schob mein Ich so weit es ging von mir fort... und war bereit, w\u00e4hrend auch die Unruhe um mich herum sich langsam legte.<\/p>\n<p>Ramon Alton \u00fcbernahm die Position des Bewahrers und f\u00fchrte die einzelnen Leronyn in den Kreis. Er tat dies sehr umsichtig, was ich von einem Mann, dessen Gabe eigentlich zu denen geh\u00f6rt, die ich eher als rabiat und unangenehmen empfinde, sehr bewundernswert fand. Doch trotz seines vorsichtigen Vorgehens hielt die Gruppe beim ersten Versuch nicht stand.<\/p>\n<p>Erst beim zweiten Mal gelang es alle Energien zusammen zu f\u00fchren und zu einer einzigen Kraft, gesteuert durch die starken Kr\u00e4fte des Alton zu schmieden.<br>\nIch sp\u00fcrte immer noch Furcht oder zumindest Respekt unter den Kreisteilnehmern... und es brachte mich ein wenig aus dem Konzept, denn ich konnte sie, in ihrer Mitte, in Yarids R\u00fccken sitzend, nie ganz ausschlie\u00dfen. Das st\u00f6rte mich, aber um etwas daran zu \u00e4ndern war es zu sp\u00e4t... und ich richtete all meine Gedanken und Kraft so gut es ging auf Yarid. Er begann seine Harfe zu spielen und der Weg in die Oberwelt \u00f6ffnete sich. Ich sah durch seine Augen, w\u00e4hrend meine Energie durch seinen K\u00f6rper floss...<\/p>\n<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich w\u00fcrde ich das nicht tun, aber ich wollte bereit sein, sobald sich etwas aus der Oberwelt regen w\u00fcrde, dagegen zu st\u00e4mmen... und Yarids Geist und damit seine Harfe, frei zu halten... oder wenn es Al\u00e2yra war, ihr den Boden zu bereiten sich wieder mit Yarid zu vereinen.<\/p>\n<p>Es geschah etwas... der Geist n\u00e4herte sich... er schimpfte und beschwerte sich, doch die Verlockung der lebenden Matrix am Ende unsere Falle schien zu gro\u00df, als das er Widerstand geleistet h\u00e4tte.<br>\nYarid verkrampfte sich etwas, von Al\u00e2yra war bis dahin nichts zu sp\u00fcren gewesen... Ich war bei ihm und l\u00f6ste den Krampf, den Rest \u00fcbernahm die St\u00e4rke des Kreises. Die Pr\u00e4senz des Geistes wich aus der Harfe und ich musste annehmen das er in die Laute eingedrungen war.<br>\nMein Kopf hob sich. Ich sah zu dem Castamir... dringlich...<br>\nEr musste Handeln oder der Hastur w\u00e4re verloren.<br>\nEr z\u00f6gerte. Aus Liebe zu seinem geschworenen Bruder? Ich hatte keine Ahnung...<br>\nEndlich handelte er und zerschnitt die Saiten der Laute...<\/p>\n<p>Unruhe rauschte durch den Kreis... ich hoffte Leandra und Aliciane waren auf ihren Posten bereit die Kraft noch einen Moment zu halten, bis Ramon sich sicher war, das die Gestalt gebannt war.<\/p>\n<p>Derweil...<br>\nEs war ein silbriger Schatten den ich sah, kaum mehr, das huschen einer bezaubernden aber unaufdringlichen Gestalt. Al\u00e2yra?<br>\nEs war so schnell gegangen, dass ich es fast verpasst h\u00e4tte... und ich erahnte eher, aus dem Klang der Harfe, das alles in Ordnung war.<br>\nLangsam erwachten die Leronyn aus ihrer Trance....<\/p>\n<p>Das erste was ich tat war den Dolch in seine Scheide zur\u00fcck zu stecken... das zweite, ich erhob mich und nahm die Isolierseide... Die Laute musste eingepackt werden.<br>\nWir waren etwas gl\u00fcckstaumelig und mussten doch noch vorsichtig sein... und beinahe h\u00e4tte ich mir an Al\u00e2yra doch noch mal die Finger verbrannt, als Yarid sich erhob und die Laute rasch in seiner isolierten Kammer verschloss. Dieses Chieri machte es mir seit unserer ersten Begegnung schwer... aber f\u00fcr den Anblick Yarids h\u00e4tte ich verbrannte Fingerspitzen auch in Kauf genommen.<br>\nEr war noch immer etwas verwirrt, aber die Schatten waren aus seinem Gesicht verschwunden.<\/p>\n<p>Wir hatten mehr erreicht, als zu erwarten gewesen war... mehr als zumindest ich erwartet hatte...<\/p>\n<p>Die Erleichterung die ich f\u00fchlte, spiegelte sich in allen Gesichtern der Gesellschaft wieder. Es war ein flaumiger Teppich auf dem ich mich wiederfand und es wurde darauf kein wirkliches Fest... aber eine nette Zusammenkunft.<\/p>\n<p>Yarid wurde unter der schon genannten Pr\u00e4misse, die Ehe mit einer Alton, Herr von High Chapel.<br>\nEr wird zudem noch durch die harte Schule Lady Elaines und ihrer Erziehung zu einem Edelmann gehen m\u00fcssen...<br>\nIch stichelte ihn \u00e4hnlich an, wie am Tage zuvor die Damen den jungen Colin. Das Bier und die allgemeine Zufriedenheit, taten ihren Anteil dazu. All das was jetzt vor ihm lag, hatte ich auch erleiden m\u00fcssen... allerdings weilte ich da schon in Thendara... und hatte nicht die Ruhe es ihn einem Hinterzimmer unter den Augen nur einer Frau zu lernen.<br>\nAber er wird es schon meistern, da bin ich zuversichtlich... und Mitleid habe ich diesbez\u00fcglich nicht, es bringt einen nicht um, sich anst\u00e4ndig zu benehmen.<\/p>\n<p>Irgendwer, ich hoffe das wird die Dom\u00e4ne Alton \u00fcbernehmen, sollte sich noch um die Artefakte in Yarids Kammer k\u00fcmmern... was auch immer Janis dort gebunkert hat, es sollte zumindest in die H\u00e4nde eines Turmes, noch besser gleich in den Schutz der Rhue Fead gebracht werden... einmal dort kann auch kein Turm damit mehr Unheil verursachen, und ich glaube, selbst wenn diese Dinge Macht bedeuten. Sie ist unberechenbar...<\/p>\n<p>Wir sind wieder sicher auf GreenScarp angekommen.<br>\nCorran hat sich k\u00f6rperlich g\u00e4nzlich erholt und drillt zu seiner geistigen Entspannung die Frischlinge. Jeder hat so seine eigenen Arten mit den Anspannungen umzugehen. Woher er gerade heute die Kraft nimmt wei\u00df ich nicht.<br>\nIch f\u00fchle mich auf angenehme Art m\u00fcde, aber nicht tatkr\u00e4ftig, eher satt und zufrieden.<br>\nAliciane und Fianna sitzen in der Halle und n\u00e4hen neue Kleider, ich kann nur vermuten, dass Domna Elaine ihnen irgendetwas in den Kopf gesetzt hat. Rakhaila ist bei ihnen...<br>\nWir haben kaum miteinander gesprochen...<\/p>\n<p>(Die T\u00fcrklinge klappert, Fionn schlie\u00dft sein Tagebuch und blickt mit einem L\u00e4cheln zur T\u00fcr... Stella lugt hinein und grinst zur\u00fcck. Sie hat seine Augen, aber so blondes Haar wie eine vollbl\u00fctige di Asturien... Fionn erhebt sich und ist kurz darauf sehr besch\u00e4ftigt den Plaudereien seiner Tochter zu folgen... und Dutzende von Fragen zu beantworten, ohne davon ein Loch im Bauch zu bekommen. Das M\u00e4dchen lacht.)<\/p>\n<p>The End<\/p>\n<h3><a name=\"ein\"><\/a>Ein Kater der Auszog um Einzuziehen<\/h3>\n<p>Darf ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Garfield, ich bin ein stattlicher Roter Kater der bisher meist durch die W\u00e4lder streifte und das Leben geno\u00df.<\/p>\n<p>Die Tage und gerade die N\u00e4chte begannen k\u00fchler zu werden und so beschlo\u00df ich mir<br>\nlangsam ein Domizil f\u00fcr den Winter zu suchen und kam an einer 2 Beiner Behausung<br>\nvorbei, bei der schon der Komposthaufen ein viel versprechendes Quartier anzeigte.<br>\nVorsichtig die Luken inspizier und in die Gro\u00dfe H\u00f6hle schl\u00fcpf. Schon \u00f6fter bezog<br>\nich Quartier bei 2 Beinern und wusste wie ich sie am besten herumbekam, extra<br>\nsauberes Fell, gro\u00dfe Augen machen und stapfen und schnurren was das Zeug h\u00e4lt.<br>\nSollte sich ein 2 Beiner bei meinem Anblick b\u00fccken und die Ohren Kraulen hab ich<br>\nschon halb gewonnen, am besten war es zuerst ein Weibchen zu finden, die haben<br>\nin den Quartieren wohl das sagen. Krault sie mich \u201egewonnen\u201c wird sie laut und holt<br>\neinen Stock mit Borsten, dann besser nix wie weg. Hier fand ich meiner Nase folgend<br>\nein Weibchen mit hellem Kopffell und von ihr ging so eine angenehme Ruhe aus.<br>\nSie kam auf mich zu, legte den Kopf etwas schr\u00e4g und schaute mir tief in die Augen,<br>\nmeine Chance, schnell begann ich mit den Vorderpfoten zu stapfen und schnurrte was<br>\ndas Zwerchfell hergab und schon kam langsam ihre schmale Pfote auf meinen Kopf zu.<br>\nHach kann die gut kraulen, die Pfote etwas mit den Kopf anstupsen und um die Beine<br>\nstreifen, das m\u00f6gen manche 2 Beiner und man kann abchecken ob sie nicht doch noch<br>\nversuchen einen weg zu kicken, aber nichts dergleichen geschah, nein besser noch, sie<br>\nmachte ein Zeichen, von dem ich wusste, dass es \u201ebleib hier sitzen\u201c bedeutet und ging<br>\nzu der H\u00f6hle aus der herrlicher Duft str\u00f6mte und kam mit einer Pf\u00fctze Milch zur\u00fcck.<br>\nJeah! jetzt laut maunzen und h\u00fcpfen bis die Pf\u00fctze vor meiner Nase ist und schlabbern<br>\nals w\u00e4r ich halb verhungert. Freu\u2026ich hab wohl ein zu Hause.<br>\nNachdem ich die Pf\u00fctze blitzblank von Boden leckte (wichtig\u2026nie was \u00fcberlassen, sonnst<br>\nwerden die Pf\u00fctzen kleiner) stromerte ich etwas in dem Raum umher und sah noch ein paar<br>\nandere Weibchen sehr besch\u00e4ftigt durch die Luke der Duft-H\u00f6hle des Quartiers, selbst blieb<br>\nich erst mal in der H\u00f6hle mit den Holzhimmeln von denen manchmal Leckerlies fallen und rollte<br>\nmich unter so einem Holzhimmel zusammen.<br>\nL\u00e4ngst hatte ich gelernt niemals direkt in die Duft-H\u00f6hlen zu spazieren, da griff schon das netteste Weibchen zum Borstenstock.<\/p>\n<p>Eine Weile d\u00f6ste ich gl\u00fccklich vor mich hin, als ich pl\u00f6tzlich lautes stapfen und rumpeln h\u00f6rte, 2 Beiner M\u00e4nnchen, jetzt hie\u00df es aufpassen. Die haben harte Hinterpfoten und treten oftmals nur zu gerne nach einem. Sie r\u00fcckten an den kleineren Holzhimmeln und setzten sich darauf, jetzt hei\u00dft es abwarten ob aus der Dufth\u00f6hle Futter f\u00fcr die M\u00e4nnchen gebracht wird. Jaaaa\u2026ich rieche Speck, jetzt kurz warten bis sie zu fressen anfangen und dann vorsichtig unter dem Himmel hervorkriech und in Sicherheitsabstand gut sichtbar posieren.<br>\nKopf hoch, Schwanz hoch, wedeln, Blick auf den Speck richten und ein lautes \u201ebrrMAUNZ\u201c<br>\nKurze stille, dann Laute welche ich als positive Laute kenne und schwups, schon fiel ein St\u00fcckchen Speck von dem Himmel in meine Richtung. Spring, fang, fress und noch eins von dem anderen 2 Beiner, juchuuu die hab ich also auch.<br>\nJetzt wird es Zeit den Rest der gro\u00dfen H\u00f6hle zu inspizieren, immer an der Wand lang und m\u00f6glichst in Deckung bleiben, ah ein breiter eckiger Holzstamm der nach oben f\u00fchrt.<br>\nDie gro\u00dfe H\u00f6hle des Quartiers mit vielen Holzhimmeln\u2026sch\u00f6n\u2026oh in der Ecke weiche Felsen, den kleineren davon mal ausprobier, h\u00fcpf, kratz kratz, dreh\u2026kringel\u2026fein.<br>\nSchritte!...unter den Felsen kriech\u2026ein 2 Beiner\u2026der l\u00e4uft unruhig hin und her\u2026 kommt n\u00e4her und setz sich auf den gr\u00f6\u00dferen weichen Fels. Von diesem 2 Beiner empfange ich ein seltsames Gef\u00fchlsgewirr aus Unruhe, Freude aber auch ein qu\u00e4ntchen Trauer, der verwirrt mich und da bleib ich lieber in Deckung. Dann d\u00f6sen wir halt mal wieder.<\/p>\n<p>Lange habe ich geschlafen und die letzten 2 Tage habe ich diese wirklich gro\u00dfe<br>\n2 Beiner H\u00f6hle innen wie au\u00dfen wo es noch Tierh\u00f6hlen mit M\u00e4usen gab ausgiebig inspiziert.<br>\nDem hellen Weibchen aus der Duft-H\u00f6hle Morgens in der N\u00e4he des Komposthaufen<br>\neine danke Maus drapiert und anschlie\u00dfend vor der Duft-H\u00f6hle postiert. Dort lag in der Ecke regelm\u00e4\u00dfig eine Milchpf\u00fctze und ich bekam Leckerlies von den 2 Bein Weibchen und kraulen konnten die alle sehr gut, aber das helle Weibchen war meine Favoritin.<br>\nSeit 2 Tagen weile ich nun schon hier und alle 2 Beiner waren nett zu mir, nur den mit<br>\ndem Gef\u00fchlschaos blieb ich lieber fern, nicht weil ich Gefahr ahnte, aber er war anders<br>\nals die anderen hier und auch wenn er so einsam schien merkte ich, dass er hier der Chef 2 Beiner war.<br>\nHeute war etwas anders, die 2 Beiner rannten hin und her, rauf und runter und die Duft-H\u00f6hle verstr\u00f6mte Ger\u00fcche die einem dauerhaft das Wasser in die Backen trieb und pl\u00f6tzlich kamen immer mehr 2 Beiner. Der Chef 2 Beiner war aufgeregt, ein hauch \u00c4ngstlichkeit aber auch viel Freude umgab ihn jetzt.<br>\nDie gro\u00dfe Halle oben f\u00fcllte sich immer mehr, viele M\u00e4nnchen aber noch mehr Weibchen fanden sich ein und es schien sehr harmonisch. Vorsichtig an der Wand<br>\nlang zu den Weibchen, welche es sich auf den weichen Felsen gem\u00fctlich machten schleich, leicht in die Ecke quetsch und mal laut schnurr, immer den Ausweg unter den Felsen in der N\u00e4he im Augwinkel.<br>\nschnurr, schNURR, SCHNURR\u2026Pfote\u2026vorsicht\u2026kraul..noch ne Pfote auch kraul\u2026h\u00fcpf \u2026ui..noch mehr Pfoten\u2026Schnurr, stapf, schnurr\u2026hier bleib ich ne Weile.<br>\nDie Weibchen plapperten angeregt und ein junges M\u00e4nchen hatten sie auch in beschlag<br>\ngenommen, dieser war aber sichtlich irritiert und wirkte teils verst\u00f6rt und strahlte die<br>\nEmotion \u201eIch will hier fliehen\u201c aus was er auch kurz darauf tat.<br>\nEs war \u00fcberhaupt ein illusterer Haufen und es waren auch die unterschiedlichsten Emotionen im Raum. Hie und da Sch\u00fcchternheit, dort dann die Ausstrahlung eines Alpha-Weibchens.<br>\nAn einem Tisch waren sehr angenehme Stimmungen, ein gro\u00dfes st\u00e4mmiges M\u00e4nnchen dem man das Alpha-Tier sofort abnahm, aber sein Rudel aus 2 M\u00e4nnchen und wohl seinem Weibchen entnahm man nur Verbundenheit und Liebe.<br>\nDann kam Unruhe im Raum auf als 2 M\u00e4nnchen und ein Weibchen die gro\u00dfe H\u00f6hle betraten.<br>\nEine Welle von Erstaunen und Unterw\u00fcrfigkeit schwappte durch den Raum, wird wohl ein oder gar der Rudelf\u00fchrer sein. Das blaue M\u00e4nnchen strotzte nur so vor Arroganz und das rote Weibchen an seiner Seite war sich ihrer auch sehr sicher. hach\u2026 die haben lange Federn an ihrem Kopf stecken\u2026ach da juckts mich in den Pfoten, wenn ich die so wippen sehe\u2026 langsam schlich ich in Ihre Richtung, aber halt\u2026von dem zweiten M\u00e4nnchen in schwarz geht was ganz seltsames aus\u2026meine Nackenhaare str\u00e4uben sich\u2026das M\u00e4nnchen ist nicht gut\u2026<br>\nPlan\u00e4nderung und ab unter den Holzhimmel bei dem gro\u00dfen Alpha-M\u00e4nnchen, dessen Blick mir zeigte, dass auch er die neu Ank\u00f6mmlinge nicht koscher findet.<br>\nAlle 2 Beiner standen pl\u00f6tzlich da und blickten auf die Neuen, welche Optisch hier so gar nicht ins Gesamtbild passten und erst als der Blaue in einem seltsamen Tonbild was sagte, beruhigte sich die Menge und setzte sich wieder. Die gro\u00dfteils vorherrschende Harmonie von eben noch hat sehr gelitten und die Stimmen wurden leiser und verloren etwas von der Fr\u00f6hlichkeit zuvor, ausgenommen die Weibchenrunde, welche ihre Augen fest auf das rote Weibchen hefteten gerieten fast in Euphorie. Die rote ist dann wohl auch so eine Art Alpha-Weibchen wie es schien.<\/p>\n<p>Ach, wenn ich grad in der N\u00e4he von dem eckigen Holzstamm nach unten steh, folge ich mal dem Geklapper aus der Duft-H\u00f6hle, vielleicht f\u00e4llt ja was von einem Himmel\u2026stapf...schleich.<br>\nBei meiner Pf\u00fctze fand ich feinste Knochen mit noch etwas Fleisch dran\u2026leeeecker\u2026<br>\ndie Duft-H\u00f6hlen Bewohner huschten flink hin und her aber alle wussten wohl sehr gut sich einander geschickt auszuweichen und ich blieb lieber ruhig in meiner Ecke und<br>\nbeschr\u00e4nkte mich auf wohlgen\u00e4hrtes lieb gucken. \u2026Laaangweilig\u2026doch wieder hoch.<br>\nEs haben sich wieder Gr\u00fcppchen gebildet und ich gesellte mich zu einem Blonden M\u00e4nnchen und einem gro\u00dfen schlanken Weibchen, dem es lauschte. Das M\u00e4nnchen<br>\nh\u00f6rte aufmerksam zu und das Weibschen sprach mit einer etwas geknickten Nuance in der Stimme so als wenn es etwas bedr\u00fcckt w\u00e4re aber auch etwas vorwurfsvolles hatte und um Zustimmung des M\u00e4nnchens bettelte.<br>\nDer H\u00f6hlen-Chef hielt noch eine kurze Ansprache, bei der alle kurz ruhig wurden um<br>\nkurz darauf wieder munter weiter zu plappern.<br>\nSeltsam, seit das schwarze M\u00e4nnchen mit dem 3 Eckigen Kopfdeckel auftauchte wurde<br>\nes mir immer wieder schummrig und komisch im Kopf.<br>\nLangsam schlich ich wieder zu dem Holzstamm nach unten und da stand auch das gro\u00dfe Alpha-M\u00e4nnchen\u2026komisch\u2026irgendwie ist der grad anders\u2026er ging und ich folgte ihm\u2026oh\u2026gut\u2026 er geht zu der kleinen H\u00f6hle in der ich gestern ein M\u00e4uschen kratzen h\u00f6rte\u2026was war das\u2026kaum das ich mit Ihm durch die \u00d6ffnung huschte passierte etwas was ich so noch nie gef\u00fchlt hatte. Es f\u00fchlte sich an als w\u00e4re gerade ein<br>\nBlitz neben mir eingeschlagen\u2026eine Welle von Panik und Schmerz traf mich und wirklich jedes Haar meines Fells stellte sich auf\u2026hilfe!\u2026Angst\u2026Wut\u2026Panik f\u00fcllten den Raum und das gro\u00dfe M\u00e4nnchen krampfte und viel urpl\u00f6tzlich wie ein Baum der l\u00e4nge nach hin\u2026ein kurzes zucken\u2026stille.<br>\nDoof guck\u2026nichts mehr\u2026.als w\u00e4re der Raum pl\u00f6tzlich eisig und gef\u00fchlskalt.<br>\nDas M\u00e4nnchen lag regungslos da\u2026schn\u00fcffel\u2026oh\u2026 ich rieche Blut\u2026ranschleich\u2026<br>\nes hat sich die Lippen aufgebissen und ich sah das Blut aus dem Mundwinkel rinnen,<br>\nob ich mal dran lecken soll? justament st\u00fcrmte sein Weibchen in die H\u00f6hle, Ensetzen<br>\nund Sorge trafen mich und noch mehr 2 Beiner kamen rein und ich kroch schnell aus<br>\nmeinem Versteck und floh vor diesem Ort in dem irgendwas ganz seltsames vor sich gegangen war. Merken\u2026M\u00e4uschen egal\u2026 diese H\u00f6hle in Zukunft meiden!<br>\nIn der ganzen Haupth\u00f6hle schwang pl\u00f6ztlich ein Mischmasch aus Angst, Trauer und Verwirrung und alle wirkten aufgescheucht, au\u00dfer das Blaue M\u00e4nnchen mit seinem Anhang schien verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig Unbeteiligt.<\/p>\n<p>Da war es wider\u2026dieses aufkeimende Blitzgef\u00fchl..ich lugte unter einem Holzhimmel<br>\nhervor und sah den H\u00f6hlen-Chef und dachte mir nur\u2026nein\u2026nix wie weg, der hat die gleiche<br>\nAura wie der Gro\u00dfe bevor er fiel! und er fiel auch\u2026husch und wech\u2026<br>\nDie 2 Beiner waren nun noch aufgescheuchter, somit war es besser mich etwas nach<br>\ndrau\u00dfen zu trollen und ein Belohnungs-M\u00e4uschen f\u00fcr meine Duft-H\u00f6hlen Fee fangen.<br>\nDer Abend war schon fortgeschritten und es wurde wieder ruhiger, die 2 Beiner haben<br>\nsich in kleinen Gruppen zusammengeh\u00e4ufelt, Gefl\u00fcster hier, lautes reden dort, die<br>\nweiche Felsecke war verwaist und ich wollte mir ein Nickerchen g\u00f6nnen.<br>\nMit einem wachsamen Auge d\u00f6ste ich nun etwas, da kam ein 2 Beiner langsam auf<br>\nmich zu, ich f\u00fchlte mich gekrault obwohl er noch gar nicht nah genug war\u2026seltsam.<br>\nEs sollte noch seltsamer werden, er setzte sich vorsichtig zu mir und schaute mir tief<br>\nin die Augen, ein schmunzeln umspielte seine Lippen und ich h\u00f6rte wie er mich nach<br>\nmeinem Befinden fragte.<br>\nMOOOMENT! Ich H\u00d6RTE was er sagte ohne dass sich sein Maul bewegte und vor allem ich<br>\nVERSTAND was er sagte, jetzt aber! Andererseits war es so angenehm\u2026<br>\nich wollte nicht fliehen, ich wollte mich in diesem angenehmen Gef\u00fchl w\u00e4lzen, welches<br>\nvon Ihm ausging. Langsam schob er mir eines meiner Lieblingsleckerlies hin und in<br>\nmeinem Kopf h\u00f6rte ich ihn sagen, er habe extra gefragt was ich am liebsten mag.<br>\nWas f\u00fcr ein 2 Beiner, kann ich den behalten?<br>\nEr schaute mir wieder fest in die Augen und dann h\u00f6rte ich ihn wieder<br>\n\u201esag mal, darf ich dich etwas fragen?\u201c<br>\nHm\u2026warum nicht, dachte ich und schwups schon wieder seine Stimme in meinem<br>\nKopf, so als h\u00e4tte er meinen Gedanken geh\u00f6rt\u2026huch<br>\n\u201eIch habe geh\u00f6rt, dass Du in der Kammer warst als Dom Corran umfiel, was kannst<br>\nDu mir erz\u00e4hlen was Du dort gesehen hast, war noch jemand in der Kammer?\u201c<br>\nKammer..ah Du meinst wohl die H\u00f6hle wo der gro\u00dfe 2 Beiner umfiel\u2026da war es nicht<br>\nsch\u00f6n\u2026ich wollte doch nur nach dem M\u00e4uschen sehen, aber kaum war ich in der<br>\nKaameer da stellte es mir jedes noch so kleine H\u00e4rchen auf und es brizzelte mich<br>\n\u00fcberall und ich f\u00fchlte schreckliche Angst und Panik und der Gro\u00dfe 2 Beiner viel um<br>\nwie ein Baum, aber es war sonnst niemand da und ich verkroch mich in einer dunklen<br>\nEcke in der Hoffnung bald hier raus zu kommen, was mir auch gelang als das Weibchen<br>\ndes 2 Beiners kam\u201c<br>\nDer 2 Beiner h\u00f6rte mir aufmerksam zu und ich h\u00f6rte wie er bed\u00e4chtig einige meiner<br>\nWorte wiederholte, so als ob sie wichtig w\u00e4ren und legte mir noch ein paar Leckerlies<br>\nhin und verabschiedete sich mit leisen und dankenden Worten f\u00fcr dieses \u201eGespr\u00e4ch\u201c<br>\nund lie\u00df mich etwas verdattert zur\u00fcck. Hap\u2026happ\u2026lecker\u2026ich bin m\u00fcde aber so richtig m\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcde\u2026.<\/p>\n<p>Ich muss laaaange geschlafen haben, ich wurde wach durch lautes Reden am anderen Ende der H\u00f6hle aber verstand kein Wort von den 2 Beinern, ich hatte einen seltsamen<br>\nTraum, ich h\u00e4tte mit einem 2 Beiner geredet ohne das wir beide das Maul aufmachten<br>\nsondern uns nur im Kopf h\u00f6rten und dabei ansahen\u2026seltsam\u2026hm\u2026hier riechts nach<br>\nmeinen Lieblingsleckerlies, genau da wo er sie mir im Traum hinlegte\u2026jetzt schauderte<br>\nes mich etwas und ich beschlo\u00df zur Futter-H\u00f6hle zu gehen und mich nicht mehr von dort weg zu bewegen, denn dort ist bisher noch nichts seltsames geschehen.<br>\nAuf dem Weg dorthin erblickte ich den Gro\u00dfen 2 Beiner der mit seinem Weibchen und<br>\nBegleitern sprach, wie kann das sein, ich wei\u00df wie der Tod riecht..jetzt aber hurtig hier weg.<\/p>\n<p>Der Tag schritt voran und ich blieb in meiner Pf\u00fctzenecke und schenkte dem regen Treiben keine gro\u00dfe Beachtung mehr, ich halt mich aus allem raus und will auch nichts seltsames mehr erleben. Insgeheim hoffte ich dass diese 2 Beiner, welche bei meiner Ankunft noch nicht da waren wieder weiterziehen,<br>\ndenn es war so sch\u00f6n ruhig hier.<br>\nEs dauerte dann auch nicht mehr all zu lange, nach ein paar Tagen waren fast alle fort<br>\nund die wenigen die noch geblieben waren fielen nicht weiter auf, au\u00dfer den zus\u00e4tzlichen Pfoten die mich kraulten.<br>\nDer H\u00f6len-Chef hatte sich ver\u00e4ndert, er strahlte \u00fcber das ganze Gesicht und ich empfand in seiner N\u00e4he keine Spur der Trauer mehr und schaute mich nicht mehr mit \u00dcberraschung an sondern kraulte mich auch ab und an.<br>\nTja, wer kann einem stolzen Roten Kater schon wiederstehen, somit betrachtete ich mich von diesen 2 Beinern adoptiert, bis mich im Fr\u00fchjahr die Wildnis und die M\u00e4dels rufen, vielleicht kehre ich im Herbst wieder hierher zur\u00fcck..wer wei\u00df\u2026<\/p>\n<h3><a name=\"per\"><\/a>Perspektivenwandel<\/h3>\n<p>Juliannas Geschichte<\/p>\n<p>Eine Luftwagenfahrt. Hali stellte uns f\u00fcr die Reise tats\u00e4chlich einen Luftwagen zur Verf\u00fcgung. Es war ja so schon eine tolle Sache mit Mel und \u00c1ine unterwegs zu sein, aber bei dieser Reisem\u00f6glichkeit wurde mir schon flau im Magen vor Aufregung.<\/p>\n<p>Ich hatte den Turm seit einiger Zeit nicht mehr verlassen und freute mich nun sehr darauf, mit meinen beiden Freundinnin nach High Chapel zu reisen und meinen Cousin Yarid endlich kennen zu lernen. Eine hoffentlich vern\u00fcgsame Abwechslung der t\u00e4glichen Laran-Arbeit.<br>\nAls Anw\u00e4rterin auf einen h\u00f6heren Posten \u00fcbernahm ich mittlerweile alle m\u00f6glichen T\u00e4tigkeiten, aber bis zum endg\u00fcltigen Ende meiner Ausbildung wollte ich auch so viel lernen wie nur m\u00f6glich. Zwar hatte ich auch andere Dinge im Kopf, aber mit 17 sollte man wissen wo die Priorit\u00e4ten im Leben liegen. Und auf Wunsch meiner Familie lagen sie zur Zeit nicht bei Mann und Kind. Und nach diesem Ausflug werden sie da so schnell wohl auch nicht hin wechseln.<\/p>\n<p>Wir kamen am Abend an, f\u00fcr \u00c1ine war das Ganze nicht leicht. Sie ist auf High Chapel aufgewachsen und hat dort lange unter dem Einfluss der beiden dunklen Chierie gelebt. Ich kann immer noch kaum glauben, dass es sie geben soll und begegnen m\u00f6chte ich Ihnen niemals. Jetzt erst Recht nicht mehr.<\/p>\n<p>Der Coridom, der uns begr\u00fc\u00dfte, war ein ruhiger, junger Mann der uns hinauf zu Yarid begleitete. Einige Leute waren schon dort und mir fiel ein junger Mann mit sehr lockigem Haar auf. Kannte ich ihn nicht irgendwo her? Und Tante Elaine. Wir hatten uns lange nicht gesehen und ich bef\u00fcrchtete schon, dass meine Umgangsformen im Turm etwas Schaden genommen hatten.<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit kam der krausk\u00f6pfige Mann auf mich zu: \u201eJulianna?\u201c. Es ist doch tats\u00e4chlich Colin Storn. Ohne ihn w\u00e4re ich im ersten Jahr meine Ausbildung wohl Nachts vor den Relais eingeschlafen. Wir haben uns stundenlang unterhalten und hier war ich nun froh ein bekanntes, j\u00fcngeres Gesicht zu sehen. Ich h\u00e4tte Gavin und\/oder Edric Storn an seiner Stelle erwartet, aber die Jagdgesellschaft war wohl nicht wichtig genug. Dennoch war ein Mann anwesend, der eine gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit Edric Storn hatte. Wie ich sp\u00e4ter herausfand, handelte es sich hierbei um Dom Raimon Alton y Syrtis, den Bruder Lord Altons. Gut f\u00fcr \u00c1ine, denn so konnte sie gleich herausfinden auf welcher rechtlichen Grundlage Yarid dieses Gut als sein Eigentum benennt. Denn Yannis Alton hatte nur ein leibliches Kind \u2013 \u00c1ine. Leider ist sie nur nedestro, dennoch sollte das wohl mehr wert sein als eine Adoption?<\/p>\n<p>Und dann begann ich meinen gr\u00f6\u00dften gesellschaftlichen Fauxpax \u2013 ich legte meine Gugel ab. Im Raum war es ausgesprochen warm und ich hatte nicht bedacht, dass ich vor dem Empfang eigentlich noch die Bluse wechseln wollte. So bekam Elaine meine Reisebluse zu sehen, inklusive meines Nackens und eines Teils meiner Schultern. Peinlich, peinlich da sie nat\u00fcrlich darauf hinweisen musste und dabei doch etwas aufgebracht war. Merde. Ab sofort achtete ich peinlich genau darauf, immer passend gekleidet zu sein. Nicht das Elaine meiner Mutter noch eine unvollst\u00e4ndige Erziehung vorwirft\u2026<\/p>\n<p>Der Abend pl\u00e4tscherte so vor sich hin und ich \u00fcberlegte gerade, mich zu Bett zu begeben \u2013 kurz: Ich langweilte mich f\u00fcrchterlich. Also ging ich an die frische Luft um den Himmel zu betrachten \u2013 und lief Dom Raimon, Dom Oktavien und Dom Mikhail in die Arme. Da eine Frau sich nicht allein im dunklen aufhalten sollte (wenn es hochrangige Adlige mitbekommen), bat ich um die Erlaubnis mich dazu zu gesellen.<\/p>\n<p>Dom Raimon und Dom Oktavien f\u00fchrten ein Gespr\u00e4ch, bei dem meine Anwesenheit sicherlich nicht von N\u00f6ten gewesen w\u00e4re. Und dabei stellte sich mir die Frage, was ein Hastur von Hastur auf einem kleinen Landgut in den Kilghards verloren hatte. Er benahm sich ganz nach h\u00f6fischer Etikette, geradezu affektiert. Da waren mir Dom Raimons klare, ruhige Art und Dom Mikhails normale Worte doch wesentlich angenehmer. Und w\u00e4hrend ich da so dastand, l\u00e4chelte und versuchte \u201enormal\u201c zu wirken (als wenn ich allt\u00e4glich in einer solch illusteren Runde stehen w\u00fcrde) sprach mich Dom Oktavien an. Innerlich suchte ich nach dem Loch, dass sich im Erdboden auftun w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Leider gab mein Laran das nicht her und so sah ich mich gezwungen zu antworten. \u201eUnd nun erz\u00e4hlt doch einmal, Damisela.\u201c Ja, was sollte ich denn erz\u00e4hlen? Ich stellte mich erst einmal vor (vermutlich wieder ein Fauxpax) und versuchte mich in Smalltalk.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt \u2013 als mein gro\u00dfer Retter, betrat Fionn das Au\u00dfengel\u00e4nde und setzte sich ein St\u00fcck entfernt von uns hin. Ich entschuldigte mich mit den Worten, Fionn begr\u00fc\u00dfen zu wollen und setzte mich neben ihn. Gott seid Dank wollte auch er nicht viel reden und so sa\u00dfen wir einfach zusammen und schwiegen. Und ich habe selten einen Menschen getroffen, mit dem es angenehmer war zu schweigen.<\/p>\n<p>Dann passierte es \u2013 durch Fionn schien ein Ruck zu gehen, er atmete tief ein und st\u00fcrmte davon. Er murmelte etwas, dass ich nicht verstehen konnte und erst als ich wieder im gro\u00dfen Saall angekommen war, begann sein Verhalten Sinn zu machen. Corran die Asturien war tot! Im Haus von Yarid Ruyven.<\/p>\n<p>Nachdem ich zahlreiche Ger\u00fcchte \u00fcber Corran und Yarid geh\u00f6rt hatte, wollte ich sofort abreisen. Das war ein Politikum in das ich nicht hinein gezogen werden wollte. Doch bevor ich richtig realisiert hatte was geschehen war, lag Yarid tot am Boden. Dann blieb meine Welt scheinbar stehen, denn pl\u00f6tzlich stand Yarid an dem Platz, an welchem er seine Begr\u00fc\u00dfungsrede gehalten hatte. Auch Corran sa\u00df wieder an seinem Platz. Das war der Moment, in dem ich mich fragte ob nicht alles nur ein Albtraum war\u2026<\/p>\n<p>Nach einigem Geschrei wurde den beiden wohl klar, dass etwas so gar nicht in Ordnung war. Ich war jedenfalls \u00fcber alle Ma\u00dfen geschockt. So etwas gab es doch nicht.<br>\nW\u00e4hrend alle anderen versuchten Yarid und Corran klar zu machen, was soeben geschehen war, ging ich an die frische Luft. Nach kurzer Zeit stie\u00df Yarid zu mir und war doch etwas irritiert, dass ihn eine Fremde beim Vornamen ansprach und sich nach seinem Befinden erkundigte. Mir wurde klar, dass ich ihn erneut \u00fcber unsere Verwandtschaft aufkl\u00e4ren musste. L\u00e4stig, l\u00e4stig. Vielleicht hatten die anderen Recht und das Haus war tats\u00e4chlich verflucht. Wir sollten hier zeitnah abreisen, ich hatte keine Lust hier umzukommen.<\/p>\n<p>Nachdem mir drau\u00dfen langsam zu kalt wurde, beschlossen \u00c1ine und ich und mal in der K\u00fcche umzuh\u00f6ren ob so etwas schon h\u00e4ufiger vorgekommen ist. Kann doch nicht sein, dass ein Spuk in diesem Haus niemandem aufgefallen ist. Wir unterhielten uns mit der K\u00f6chin, Amelie. Sie trug ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Schmuckst\u00fcck um den Hals und wenn ich das richtig sehen konnte war der Anh\u00e4nger aus reinstem Kupfer. Eine K\u00f6chin mit einem kupfernen Anh\u00e4nger!? Ich fragte vorsichtig danach, doch sie l\u00e4chelte nur geheimnisvoll und wich meinen Fragen aus.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter gr\u00fcbelte ich bei einer Zigarette so vor mich hin und entschloss mich, der Sache auf den Grund gehen zu wollen. Wieder in der K\u00fcche, traf ich Dom Raimon bei Amelie und gemeinsam fanden wir heraus, dass eine Matrix in dem kupfernen Anh\u00e4nger versteckt war. Und das Amelies Kind das Ergebnis einer Nacht unter vier Monden war\u2026<br>\nMein Gef\u00fchl sagte mir, dass an dieser Frau mehr dran war als es schien und ich fragte, ob ich sie auf Laran \u00fcberpr\u00fcfen durfte.<br>\nAmelie war geschockt, dass ich in Erw\u00e4gung zog sie k\u00f6nne \u201ezaubern\u201c. Ich war mir ja selbst nicht ganz sicher, ob ich nicht meine Befugnisse \u00fcberschritt, deshalb ging ich ganz langsam vor um abzuwarten ob mir Dom Raimon einen Wink gab, dass ich zu weit ging. Er tat es nicht und deshalb waren wir kurze Zeit sp\u00e4ter in meinem Schlafgemach.<\/p>\n<p>Wenn Elaine mitbekommt, dass ich mich von einem Mann \u00fcberwachen lie\u00df, w\u00fcrde ich mir noch eine Standpauke anh\u00f6ren m\u00fcssen. Ich bat Dom Raimon um Verschwiegenheit, doch er l\u00e4chelte nur und antwortete, dass er schon mit seiner Schwester umzugehen wisse. Ich h\u00e4tte mir vor den Kopf schlagen k\u00f6nnen. Die Verwandtschaft hatte ich doch gerade glatt vergessen\u2026 Scheinbar war dies der Ausflug der gesellschaftlichen Peinlichkeiten.<\/p>\n<p>Nun ja, nach einer etwas langwierigen Sitzung stellte sich heraus, dass Amelie tats\u00e4chlich Laran besa\u00df. Und das der Vater des Kindes ein Chieri war. Das erkl\u00e4rte einiges, ein Chieri w\u00fcrde sich vermutlich niemals mit einer v\u00f6llig kopfblinden Person einlassen.<\/p>\n<p>Amelie war \u2013 gelinde gesagt \u2013 schockiert. Es war gut versteckt gewesen, aber langsam und behutsam hatte ich die Gabe wecken k\u00f6nnen. Es schien, als ob sie eine weniger gute Telepathin w\u00e4re, aber es war wohl gen\u00fcgend Empathie vorhanden um sich erstmal unwohl zu f\u00fchlen.<br>\nMelisandra nahm sich ihrer an, in solchen Dingen ist sie einfach bewundernswert und ich muss immer noch einiges lernen.<\/p>\n<p>Nach der Sitzung war ich derart ersch\u00f6pft, dass ich zu Bett ging und trotz der komischen Vorf\u00e4lle einfach wunderbar schlafen konnte.<\/p>\n<h3><a name=\"und\"><\/a>Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Rabbithorn\u2026<\/h3>\n<p><em>Corrans Erinnerungen an den Plot.<\/em><\/p>\n<p>Die Einladung zur Jagd war am Morgen eingetroffen. Es waren nur wenig Worte n\u00f6tig um den Inhalt zusammen zu fassen: Yarid Ruyven lud zu einer Jagd auf High Chapel.<br>\nDa die letzten Tage regnerisch und eint\u00f6nig waren, war die Hoffnung innerhalb meines Haushaltes gro\u00df, dass ich die Einladung annehme und allen eine Abwechslung verschaffe. Ich sah es deutlich an ihren Gesichtern: Aliciane betrachtete mich mit gespannter Erwartung. Das gleiche las ich auch aus Fionns Z\u00fcgen. Er war noch immer ein Freund von Yarid, er vertraute ihm. Ich verstand den Grund nicht, aber ich akzeptierte es wie immer ohne Vorbehalt, aber mit einem Zwicken in den Eingeweiden. Warum\u2026 warum konnte ich nicht gleich nein sagen?<\/p>\n<p>Ich hatte allen Grund dazu. Zu schlecht waren die Erinnerungen. Dieser Mann hatte mich in diese unselige Allianz mit Hastur von Carcosa hineingetrieben. Aufgrund seiner Machenschaften waren mein Land und mein K\u00f6nig in einen Krieg geraten, den wir mit Sicherheit nicht h\u00e4tten f\u00fchren m\u00fcssen, w\u00e4re er nicht gewesen. Ich nahm es ihm \u00fcbel. Sehr, sehr \u00fcbel. Ich w\u00fcrde ihm nie wieder ohne Zweifel und \u00c4rger begegnen. Die Wunden sa\u00dfen tief und ich war kein Mann, der leicht vergibt. Mein Vertrauen muss man sich verdienen, ich verschenke es nicht.<\/p>\n<p>Doch zuerst musste ich mir erst einmal klar werden, ob ich reagieren w\u00fcrde und vor allem wie. GreenScarp wurde auch mir eng, jetzt noch mehr als zuvor schon. Es schien mir, als w\u00fcrden sie mich alle voller Spannung und Zuversicht ansehen, in der Hoffnung, dass ich gleich eine Entscheidung pr\u00e4sentieren w\u00fcrde. Ich musste raus hier. Rhodri kam gerade rech und ich murmelte ein paar Befehle. Er reagierte wie immer, stellte keine Fragen und tat nur was ich verlangte. Sp\u00e4ter wird er sich vor Fionn, Fianna und meiner Frau verantworten m\u00fcssen, aber das st\u00f6rt ihn nicht. Am Ende bin ich es doch, der daf\u00fcr den R\u00fccken gerade halten musste. Doch ich wollte erst einmal fort und die Zeit nutzen, um nachzudenken.<\/p>\n<p>Wenn ich der Einladung folgte, musste ich auf alle Eventualit\u00e4ten vorbereitet sein. Yarid hatte bisher immer nur \u00c4rger gemacht. Vorfreude empfand ich keine. Nicht einmal Gelassenheit. Ich hatte es im Blut, dass er was ausbr\u00fctete. Es mochte vielleicht keine weltbewegende Sache sein, aber er hatte mit Sicherheit einen Grund pl\u00f6tzlich so eine Einladung auszusprechen. Und wenn ich ihn richtig verstanden hatte, dann war das auch keine pers\u00f6nliche Einladung gewesen. Uns w\u00fcrden noch eine Menge anderer Menschen auf High Chapel erwarten. Menschen, die ich nicht kannte, die ich nicht einzusch\u00e4tzen vermochte und die wer wei\u00df was planten.<\/p>\n<p>Vielleicht landeten wir inmitten eines Komplotts! Vielleicht hatte sich der alte Alton \u00fcberlegt, dass er das Gut doch lieber selbst bewirtschaften w\u00fcrde. Und man w\u00fcrde von mir erwarten, dass ich mich auf eine Seite schlug. Ich konnte es bereits vor mir sehen, wie ich drauf und dran war offenen Auges in ein Messer zu laufen.<\/p>\n<p>Was also sollte das? Warum GreenScarp? Was konnte er von uns wollen? Und warum?<br>\nDas waren die Gedanken, die ich mir machte und die mich blind machten f\u00fcr die W\u00fcnsche meiner Familie. Aliciane wollte hinaus in die Welt, wieder einmal etwas anderes sehen als nur die Eint\u00f6nigkeit unseres Zuhauses. Fionn war voller Neugier\u2026<\/p>\n<p>Fionn mochte annehmen, dass es Aliciane gewesen war, die mich \u00fcberredet hatte. Doch mehr als einen Gru\u00df zur Nacht und einen fl\u00fcchtigen Kuss auf die Wange hatte sie am Abend nicht von mir bekommen. Ich hatte f\u00fcr mich selbst entschieden. Eine einsame Entscheidung, aber bald schon machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Meine Frau, meine beiden Friedensm\u00e4nnern, Fionn und Rhodri, und ich.<\/p>\n<p>Ich wollte auf alle Eventualit\u00e4ten vorbereitet sein, rief mir das seltsame Gut in Erinnerung, das Yarid nun sein Eigen nannte und \u00fcberdachte noch einmal die Umst\u00e4nde, die zu unserem letzten Besuch dort gef\u00fchrt hatten. Mit Frohsinn, geschweige denn mit Vorfreude erf\u00fcllten mich all diese Gedanken nicht.<\/p>\n<p>Der Regen der letzten Tage hatte nachgelassen. Nun war es kalt und windig und schon weit nach Sonnenuntergang, als wir schlie\u00dflich auf Altonland und letztlich auf High Chapel ankamen. Unwirtlich erschien mir der Anblick der kalten Mauern. Aus den Fenstern str\u00f6mte warmes Licht und versprach W\u00e4rme und Freundlichkeit, aber ich wollte mich nicht t\u00e4uschen und schon gar nicht einlullen lassen. Wer konnte schon ahnen, was in der Zwischenzeit geschehen war? Was w\u00fcrde uns erwarten?<\/p>\n<p>Immer wieder musste ich das Grummeln in meinem Bauch bes\u00e4nftigen. Ich musste eine gut gelaunte Mine aufrecht erhalten, wollte ich nicht immer wieder vorwurfsvolle Blicke von Fionn ernten.<\/p>\n<p>Wir stiegen ab, f\u00fchrten die Pferde in den Stall und \u00fcbergaben sie den Knechten. Jemand wollte uns das Gep\u00e4ck abnehmen, aber ich wiegelte ab und schulterte die Kiepe selbst. Langsam zog ich die Riemen an, kontrollierte den Sitz meiner Waffen und stapfte voran.<\/p>\n<p>Aliciane war hinter mir, Fionn und Rhodri folgten dichtauf. Die T\u00fcr zum Haus stand sperrangelweit offen und es dauerte nicht lange, als eine schmale Gestalt erschien. Der Coridom.<br>\n\u201eCorran di Asturien von GreenScarp\u201c, sagte ich knapp.<\/p>\n<p>\u201eIhr werdet bereits erwartet, vai dom\u201c, kam die Antwort und eine Geste lud uns ein, ihm zu folgen.<\/p>\n<p>Ich warf einen Blick \u00fcber die Schulter, nickte und ging dem Mann nach. Er f\u00fchrte uns durch einen kurzen Korridor, vorbei an wartenden M\u00e4gden und Knechten. Meine Nase lie\u00df mich vermuten, dass wir gleich die K\u00fcche erreichen w\u00fcrden und so war es. Ich sah weder nach links noch nach rechts, die Augen lediglich auf den R\u00fccken des Coridoms geheftet und wartete, bis sich T\u00fcren f\u00fcr uns \u00f6ffneten.<br>\nIch erinnerte mich noch gut an die engen Flure und Treppenh\u00e4user von High Chapel. Einzig an der Dekoration der W\u00e4nde und Ecken hatte sich einiges ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Nirgends lag Staub, keine Spur mehr von seltsamen Gegenst\u00e4nden, deren Wert einzig der Sammler bestimmen konnte. Alles wirkte sauber und ordentlich. Selbst unser Zimmer schien einigerma\u00dfen gem\u00fctlich. Es war warm, die Betten frisch bezogen, ein Licht brannte. Alles machte einen guten Eindruck.<br>\nVorsichtig, Corran, dachte ich bei mir. Bleib vorsichtig.<\/p>\n<p>\u201eEs war keine gute Idee.\u201c Trotzdem legte ich mein Schwert ab, bevor ich das Zimmer verlie\u00df. Es war als w\u00fcrde die Zeit langsamer verlaufen, w\u00e4hrend wir zum anderen Ende des Hauses gingen. Dort f\u00fchrte eine weitere Treppe hinauf in den Saal, aus dem ich bereits Stimmen und das leise Spielen einer Fl\u00f6te wahrnahm.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcnschte, wir w\u00e4ren nicht hergekommen.\u201c<br>\nReichlich sp\u00e4t. Und genau diesen Vorwurf entnahm ich auch aus den Gesichtern meiner Familie. Sie lie\u00dfen mir keine Wahl. Fionns Lippen waren schmal geworden und mit knappen Worten erinnerte er mich daran, dass ich mir das h\u00e4tte fr\u00fcher \u00fcberlegen sollen. Es gab kein Zur\u00fcck.<br>\nMeine Beine waren schwer, jeder Schritt kostete \u00dcberwindung. Aber ich erklomm jede einzelne Stufe, als w\u00fcrde mich am Ende ein Schatz erwarten. Es war alles andere als das.<\/p>\n<p>Der Saal war hell erleuchtet, Kerzen brannten, saubere Decken lagen auf den Tischen, allerlei Tand schm\u00fcckte den Raum und wie der Rest des Hauses auch, machte alles einen sehr geordneten Eindruck.<br>\nWir traten ein und die Blicke aller wandten sich uns zu. Ich war derlei schon gewohnt, dennoch musste ich mich zwingen den R\u00fccken gerade zu halten.<br>\nAbsch\u00e4tzende Blicke waren es, denn ich hatte mich, im Gegensatz zum Rest der Familie, nicht unbedingt in meine feinsten Kleider geh\u00fcllt. Der Mantel war alt, wenn auch von Aliciane mit sch\u00f6nen Stickereien verziert, die Tunika bequem und die Stiefel alt und ausgetreten. Aber nun gut... w\u00fcrde es nicht gelten als die Verschrobenheit eines alten Mannes? Wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Yarid kam mit schnellen Schritten auf uns zu und begr\u00fc\u00dfte uns. Ich rang mir ein L\u00e4cheln ab, war freundlich und \u00fcbersah seine Hast und Eile, das Stolpern \u00fcber zu viele Worte und Titel. Er begr\u00fc\u00dfte Fionn und freute sich wirklich ihn zu sehen.<br>\nEin Ellbogen in meiner Seite erinnerte mich an das Gastgeschenk.<br>\n\"Ein Pferd unserer Zucht, f\u00fcr Euch, Yarid.\"<br>\nIch weigerte mich ihm den Dom zuzugestehen. Ich war weit entfernt von Standesd\u00fcnklen, aber ich wollte ihn nicht auf einer Stufe mit mir sehen.<\/p>\n<p>Dennoch war er hocherfreut, wu\u00dfte gar nicht recht, was er dazu sagen sollte. Am liebsten w\u00e4re er sofort hinunter gegangen, um einen Blick darauf zu werfen, aber Fionn wies ihn freundlich darauf hin, dass morgen auch noch Zeit genug daf\u00fcr sei.<br>\n\"Ihr habt ja recht. Nat\u00fcrlich\", erwiderte er. \"Bitte, setzt euch doch!\" Er wies uns einen Tisch zu, nahezu mitten im Raum. Ich r\u00fcckte meiner Frau den Stuhl zurecht und setzte mich. Schon wurde Fionn von einigen Damen angesprochen. Ich l\u00e4chelte, aber nur kurz, denn sie nahmen ihn scheinbar aus einem bestimmten Grund in Beschlag. Ich schaute immer wieder hin\u00fcber, ohne ein Wort zu verstehen. Aber nun gut... er w\u00fcrde es uns berichten.<\/p>\n<p>Ich schaute mich im Saal um, aber ich kannte nur wenige Gesichter. Bis eine Dame mir geradewegs in die Augen blickte. Kurz nur, aber ich nickte h\u00f6flich und l\u00e4chelte leicht. Die Domna Elaine Ardais. Ich wurde ein wenig rot, erinnerte ich mich doch an einen Faux-pas, den ich nur zu gern vergessen h\u00e4tte.<br>\nAliciane sah mich fragend an, aber ich zuckte nur die Schultern und murmelte: \"Mir hat mal ihre Suppe nicht geschmeckt. Sehr peinlich.\"<br>\nAliciane seufzte nur und sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p>Fionn kam alsbald zur\u00fcck und berichtete von der jungen \u00c1ine Alton und der mi\u00dflichen Lage, dass sie, als leibliche Tochter von Yannis Alton, doch die eigentliche Erbin des Gutes sei.<br>\nWiederum zuckte ich nur mit den Schultern und warnte: \"Wir lassen uns in nichts hineinziehen. Wir haben mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun und ich will nicht schon wieder, dass Yarid uns Schwierigkeiten macht.\"<br>\nFionn gefiel es nicht, zumindest hatte ich den Eindruck, aber er f\u00fcgte sich.<br>\nDamit war die Angelegenheit f\u00fcr mich erledigt.<\/p>\n<p>Was sich nicht so schnell erledigte, war die Ankunft zweier doch sehr illustrer G\u00e4ste. Ein Raunen ging durch den Saal und ich wandte den Kopf.<br>\n\"Nicht das auch noch...\"<br>\nJa, ich hatte es laut gesagt. Doch gleich darauf stand ich auf, meine Manieren nicht vergessend.<br>\nHastur von Hastur. Oder zumindest einer seiner Verwandten. Ich glaubte mich an das Gesicht erinnern zu k\u00f6nnen. War er der gewesen, der bei meiner Bittstellung vor vielen Jahren hinter dem K\u00f6nig gestanden hatte?<br>\nEin Mann aus der zweiten Reihe.<br>\nOctavien Hastur und seine Frau Irmelin.<br>\nKaum hatte ich mich erhoben, als der halbe Saal pl\u00f6tzlich auf den Beinen stand. Selbst die Frauen!<br>\nIch sch\u00fcttelte den Kopf. Hochgeborene, stolze und edle Frauen. Sie kratzbuckelten vor dem Hastur.<br>\nNur eine nicht. Stolz sah ich zur Seite. Aliciane hatte nur am\u00fcsiert eine Braue gehoben, war aber selbst auf ihrem Stuhl sitzen geblieben.<br>\nSo wie es sich geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Huldvoll... anders l\u00e4\u00dft es sich nicht beschreiben, entlie\u00df uns der Hastur nach ein paar schw\u00fclstigen Worten. Aber ich h\u00f6rte sie schon gar nicht mehr, war doch mein Blick auf einem anderen vertrauten Angesicht h\u00e4ngen geblieben. Castamir... der Friedensmann des Hastur.<br>\nIch ballte die F\u00e4uste. Nein, von mir w\u00fcrde nicht einmal ein Castamir im Hause eines anderen etwas zu bef\u00fcrchten haben. Aber ich mahnte mich innerlich zur Vorsicht.<\/p>\n<p>Getr\u00e4nke wurden gereicht, alle nahmen wieder Platz und wir unterhielten uns untereinander. Ich f\u00fchlte mich nicht wohl, vor allem weil die Hasturs direkt neben unserem Tisch sa\u00dfen.<br>\nUnd es dauerte nicht einmal lange, da kamen sie her\u00fcber.<br>\n\"Dom Corran von GreenScarp!\"<br>\nOctavien reichte mir seine Hand. Ich stand auf, ergriff sie und legte ein erfreutes L\u00e4cheln auf. H\u00e4tte man mir Geld gegeben, ich h\u00e4tte kein besseres Schauspiel abliefern k\u00f6nnen.<br>\n\"Es ist mir eine Freude Euch endlich kennenzulernen.\"<br>\nUnd er sch\u00fcttelte meine Hand und sch\u00fcttelte sie. Er lie\u00df sie nicht mehr los und f\u00fcllte die Stille mir schw\u00fclstigen Worten, die mir normalerweise die Zornesr\u00f6te ins Gesicht getrieben h\u00e4tten.<br>\nAber ich nahm mich zusammen und reagierte auf seine Beleidigungen mit einer Noncholance, die ich mir selbst gar nicht zugetraut hatte.<br>\n\"Meine Frau Irmelin und mein Friedensmann, Jerome Castamir.\"<br>\nIch nickte beiden knapp zu und hauchte der Dame einen Kuss auf die Hand, bevor ich Aliciane vorstellte. Sie reckte das Kinn und stand stolz da, eine geborene Aldaran.<br>\nSt\u00fchle wurden ger\u00fcckt und ohne zu fragen gesellten sie sich an unseren Tisch. \"Es ist traurig, dass wir hier einander nicht vom Gastgeber vorgestellt werden\", mockierte sich Octavien.<br>\n\"Er hat viel zu tun\", wiegelte ich ab.<br>\n\"Nun ja, mag sein. Aber so sind sie eben. Die Sitten im Hinterland. Apropos... ich war noch nie auf GreenScarp. Ist es wirklich so sch\u00f6n dort, wie man h\u00f6rt?\"<\/p>\n<p>Hinterland. Ich schlo\u00df f\u00fcr einen Moment die Augen. Wof\u00fcr hielt er sich?<br>\n\"Es ist ruhig\", erwiderte ich.<br>\n\"Jaja, ganz anders als bei uns in Thendara.\"<br>\nEr versuchte mich zu packen mit seiner weltm\u00e4nnischen Art, zu beeindrucken und als klein dastehen zu lassen. Doch das lie\u00df ich ihm nicht durchgehen. Ich lie\u00df durchblicken, dass auch unsere Wege uns schon des \u00f6fteren nach Thendara gef\u00fchrt hatten. Ich berichtete von dem gro\u00dfen Stadthaus der di Asturiens, an prominenter Lage, nicht weit von der Oper und konnte sogar auf das ein oder andere St\u00fcck reagieren, das dort noch immer auf dem Spielplan stand.<br>\n\"Robay Harryl... einer unserer treuesten Vasallen.\"<br>\nDamit waren sie einen Moment zur Ruhe gebracht. Doch nicht lange und die Sticheleien gingen von vorne los. Doch auf keine musste ich noch eine Antwort finden.<br>\nAliciane hatte auf alles eine Erwiderung und sie lenkte so geschickt vom Thema ab, dass ich vor Verbl\u00fcffung nur Staunen konnte. Hasturs ging es \u00e4hnlich.<br>\nUnter dem Tisch griff ich nach ihrer Hand und dr\u00fcckte sie leicht. Ich war dankbar.<br>\n<em><br>\nBitte versucht wenigstend ein wenig Staatsm\u00e4nnischkeit an den Tag zu legen.<\/em><br>\nNur zu gut erinnerte ich mich an Arielles Brief und ihre Bitte, aber es fiel mir immer schwerer. Jedesmal wenn ich den Kopf hob und den Hastur ansah, grummelte mein Magen und ich h\u00e4tte ihm am liebsten einen Satz Ohrfeigen verpasst.<br>\nDoch dann h\u00f6rte er von unseren Pferden und er spitzte die Ohren. \"Besser als die Zucht auf Armida?\" fragte er zweifelnd.<br>\nIch wand mich ein wenig. \"Vielleicht nicht besser, aber mindestens genauso gut. Ihr versteht, dass ich als Gast auf dem Land der Altons nat\u00fcrlich nicht daran denken werde, ihre Pferde schlecht zu machen.\"<br>\n\"Ich m\u00f6chte unbedingt einmal einen Blick darauf werfen.\"<br>\n\"Gerne zeige ich euch morgen unsere Tiere, die wir mitgebracht haben.\"<br>\n\"Ja! Unbedingt.\"<br>\nUnd damit war das meiste an Konversation bereits gestorben, was sich auftreiben lie\u00df. Ich suchte auch nicht weiter danach. Sollten sie mich als schweigsamen, m\u00fcrrischen Hinterw\u00e4ldler in Erinnerung behalten, es war mir gleich.<\/p>\n<p>Sie hielten es auch nicht mehr allzu lang bei uns aus. Obwohl es mir wie Stunden erschienen war...<br>\nKaum waren sie fort, als Rhodri mich fragend ansah. \"St\u00fchle?\"<br>\n\"Weg mit ihnen.\"<br>\nWir r\u00e4umten sie fort, damit Octavien und Irmelin auch ja nicht mehr in die Versuchung kamen, nach ihrer R\u00fcckkehr wieder bei uns Platz nehmen zu m\u00fcssen. Damit war das Problem erledigt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter am Abend, nachdem ich Luft geschnappt und noch ein paarmal mit meiner Frau die Runde im Saal gemacht hatte, erl\u00f6sten wir noch Colin Storn von seinem Elend. Die Damen hatten ihn in Beschlag genommen und er\u00f6rterten in seiner Gegenwart die neusten modischen Entwicklungen aus Thendara.<br>\n\"Meinst du, wir sollten ihn zu uns bitten?\" fragte Fionn.<br>\nIch nickte und er ging, um ihn an unseren Tisch einzuladen.<br>\n\"Danke! Danke, Dom Corran! Noch einen Moment l\u00e4nger und sie h\u00e4tten mir Strumpfhosen angezogen, um mich nach der neuesten Mode zu kleiden!\"<br>\nIch lachte, zum ersten Mal an diesem Abend v\u00f6llig befreit und gel\u00f6st. Ich hatte das Gef\u00fchl, als w\u00fcrde sich meine Stimmung lockern und ich hatte nicht mehr diesen festen Knoten im Bauch.<br>\nMeine Vorsicht lie\u00df nach. Und das... wie ich kurz darauf feststellte, sollte ein gro\u00dfer Fehler gewesen sein.<\/p>\n<p>All das, was sich bis zu diesem Zeitpunkt zugetragen hat, habe ich vergessen.<br>\nDie Erinnerung an meine Gef\u00fchle, meine Worte und meine Taten habe ich allein aus Fionns Geist.<br>\nSo eng wie wir beiden miteinander verbunden sind, wei\u00df ein jeder von uns immer und \u00fcberall, was der andere f\u00fchlt und denkt. Die Verbindung zwischen uns rei\u00dft nie ab.<\/p>\n<p>Nur allein aufgrund dieser Verbindung konnte ich all diese Zeilen schreiben. Denn ich selbst habe sie vergessen. F\u00fcr mich war all das nie passiert.<\/p>\n<p>W\u00e4re Fionn nicht gewesen, so h\u00e4tte ich nur Yarids Worte im Ohr, wie er mit seiner Begr\u00fc\u00dfungsrede begann, sie nie zu Ende brachte und s\u00e4he noch die Hasturs vor mir, wie sie laut Bravo riefen und applaudierten.<\/p>\n<p>Denn das war es, was ich noch wu\u00dfte.<br>\nMeine Frau, pl\u00f6tzlich mit rot verquollenen Augen und verheultem Gesicht, warf sich mir an den Hals.<br>\n\"Corran!!!!\" schrie sie und krallte ihre Finger in meinen Mantel. Ich war gelinde gesagt schockiert, suchte nach Fionn in der Menge. Er starrte mich entgeistert an, das Gesicht ebenso vor Qual und Schrecken verzerrt.<br>\n\"Was ist denn los?\"<br>\nIch wu\u00dfte nicht mehr ein noch aus, Aliciane heulend an meiner Brust, Rhodri v\u00f6llig verst\u00f6rt, Fionn, der sich abwandte und nach drau\u00dfen rannte.<br>\n\"Bei Zandrus Eiern! Was ist denn los mit euch?\" fuhr ich sie an.<br>\n\"Du warst tot, Corran.\" Rhodri war der einzige, der einigerma\u00dfen klar beisammen schien.<br>\n\"Was? Du spinnst ja.\"<br>\nIch klopfte mir auf die Brust. \"Mir geht es gut!\"<br>\n\"Ja jetzt.\" Aliciane sah zu mir auf. \"Du warst tot. Deine H\u00e4nde waren kalt, dein Herz schlug nicht mehr.\"<\/p>\n<p>\"Was ein grandioses Schauspiel! Wirklich!\" Octavien schien immer noch begeistert, doch bevor er \u00fcberhaupt auf den Gedanken kommen konnte, wandte ich mich ab und folgte Fionn. Aliciane und Rhodri dichtauf.<br>\nIch fand Fionn im Hof, schwer atmend und immer noch au\u00dfer sich.<br>\n\"Was ist los mit dir?\" Ich sah zu Aliciane. \"Mit euch allen?\"<br>\n\"Corran, h\u00f6r doch endlich zu! Du warst tot!\"<br>\n\"Ach, h\u00f6rt auf! Ich lebe, ich f\u00fchle mich hervorragend.\"<br>\n\"Ja, jetzt!\"<br>\nAliciane fiel mir ein weiteres Mal um den Hals, aber meine Augen hefteten sich auf Fionn. Er nickte, als w\u00fcrde er die Wahrheit nur best\u00e4tigen wollen.<br>\nIch konnte es kaum glauben, doch kaum war Aliciane aufgestanden, als Fionns Geist auf meinen traf. Ich sah, was er gesehen hatte. F\u00fchlte, was er gef\u00fchlt hatte.<br>\nUnd ich brach zusammen. Schwer lie\u00df ich mich auf einen Mauervorsprung fallen, beugte den Kopf nach vorn und atmete schwer.<br>\n\"Ich wei\u00df nichts davon. Nichts.\" Ich sah auf. \"Aber ich lebe.\"<br>\nUnd dann war es Fionn, der sich an mich klammerte. Und ich mich an ihn.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plotausschreibung Leider ist die Plotausschreibung verschollen. Yarid Ruyven lud als Herr von High Chapel zu einer Jagd bei sich ein. Oktober Con 2010 - Berichte Hier findet ihr die Berichte der Cons, die die im Forum gepostet wurden. Von H\u00e4usern und T\u00f6chtern Briefe und Gedanken von Elaine Alton-Ardais Ausz\u00fcge aus dem Tagebuch von Fionn di <a href=\"https:\/\/www.darkover-con.de\/?page_id=1297\" class=\"more-link\">...weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> \"2010 &#8211; Herbst\"<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"parent":1222,"menu_order":18,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1297","page","type-page","status-publish","h-entry","hentry","h-as-page"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1297"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2542,"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1297\/revisions\/2542"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.darkover-con.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}