{"id":1801,"date":"2016-03-21T13:00:59","date_gmt":"2016-03-21T12:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.darkover-con.de\/?page_id=1801"},"modified":"2019-04-22T16:25:54","modified_gmt":"2019-04-22T15:25:54","slug":"berichte-oktober-2015","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.darkover-con.de\/?page_id=1801","title":{"rendered":"2015 &#8211; Herbst"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plot zur Oktober Con 2015<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr ist es nun bereits her, seit die Leute aus Tramontana dem gebeutelten Hestral zu Hilfe gekommen waren. Das Leben nach der Katastrophe dort hat sich inzwischen wieder ziemlich normalisiert. Die Kreise sind bis zu einem gewissen Grad zusammengewachsen, die Kreisarbeit hat ihre \u00fcblichen Pfade wieder gefunden, der Unterricht l\u00e4uft, die Ausbildung der neuen (und nicht ganz so neuen) Sch\u00fcler schreitet voran.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leandra ist um diese Jahreszeit ein wenig wehm\u00fctig. Sie vermisst ihre Familie, ihren Kreis in Tramontana. Wielange w\u00fcrden ihre Leute wohl noch hierbleiben m\u00fcssen? Nat\u00fcrlich, es ist eine grossartige Aufgabe, den anderen aus Hestral zu helfen... Aber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seufzend blickt sie von den Unterlagen auf, die sie f\u00fcr die n\u00e4chste Unterrichtsstunde vorbereitet. Wenigstens g\u00e4be es demn\u00e4chst ein kleines Aufatmen. Auch wenn es auf eine etwas seltsame Art und Weise zustande gekommen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die D\u00f6rfler in der N\u00e4he waren nach dem grossen Ungl\u00fcck in Hestral irgendwie verunsichert gewesen. Aber inzwischen kamen die Menschen langsam wieder, wenn sie Hilfe brauchten und die T\u00fcrmler hatten erst k\u00fcrzlich nach den sturzflutartigen Regenf\u00e4llen und darauffolgenden Erdrutschen und Schlammlawinen den Leuten im Dorf geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei hatten sie unter anderem die schwangere junge Frau des Dorfvorstehers gerettet...<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und eben jener war neulich vor der T\u00fcr gestanden, und hatte doch tats\u00e4chlich Hestral zu den Feierlichkeiten des in wenigen Tagen stattfindenden Erntefestes eingeladen! Ein wenig unsicher war er irgendwie schon gewesen, aber es war ihm wohl ein Bed\u00fcrfnis seine Dankbarkeit auf diese Art auszudr\u00fccken und er war nicht m\u00fcde geworden, immer wieder zu betonen, wie Willkommen ihm und nat\u00fcrlich auch dem ganzen Dorf die Laranzuin w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leandra wusste noch nicht so recht, was sie davon halten sollte, da\u00df Fredric diese Einladung tats\u00e4chlich angenommen hatte. Gestern beim Fr\u00fchst\u00fcck hatte er verk\u00fcndet, da\u00df er es eine her-vor-ra-gen-de Idee f\u00e4nde, wenn die Turmbewohner tats\u00e4chlich zu diesem Fest gingen, Pr\u00e4senz zeigten und... ''da\u00df wir auch nur normale Menschen sind... zumindest irgendwie''<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nunja, die jungen Sch\u00fcler waren davon eher zu begeistern als beispielsweise Leandra selbst.<br>Aber nat\u00fcrlich w\u00fcrde auch sie mitkommen...<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwer musste ja schlie\u00dflich aufpassen, da\u00df niemand Unsinn anstellte...<\/p>\n\n\n<h2><span style=\"color: #993300;\">Oktober Con 2015 - Berichte<br \/><\/span><\/h2>\n<p>Hier findet ihr die Berichte der Cons, die im Forum gepostet wurden.<\/p>\n<p><a href=\"#dia\">Dios Diary<\/a><br \/><a href=\"#aus\">Aus dem Tagebuch eines Bewahrers<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3><a name=\"dia\"><\/a>Dios Diary<\/h3>\n<p>Tagebuch<br \/>von Diotima Elinor Alton y Ardais, \u00e4lteste Tochter von Lord Alton<br \/>29. Tag des 10. Monats, Turm zu Hestral<\/p>\n<p>Er hatte die Einladung tats\u00e4chlich angenommen. Fredrik war einfach\u2026 irre. Rodrigo hatte getobt und das zu recht. Das Verh\u00e4ltnis der Dorfbewohner zum Turm war mehr als zwiesp\u00e4ltig und es war unklar, ob diese Einladung positiv auszulegen war.<\/p>\n<p>Dio hatte endlich die Anwartschaft auf einen h\u00f6heren Posten inne und arbeitete hart um voran zu kommen. Unendlich langweilige Stunden in den Relais und in den Matrixkammern waren diesem Titel vorangegangen. Wenigstens durfte sie mittlerweile \u00fcberwachen und somit auch h\u00e4ufiger mal hilfesuchenden Dorfbewohnern aushelfen. Deswegen wusste sie durchaus, dass nicht alle Dorfbewohner dem Turm positiv gegen\u00fcberstanden.<br \/>Nun ja, was soll's. Mitgehangen, mitgefangen. Es konnte ja auch ein lustiger Abend werden.<\/p>\n<p>Am Abend gingen sie gemeinsam ins Dorf, auch wenn Rodrigo vorher darauf bestand die Schotten dicht zu machen. Es war tats\u00e4chlich lustiger Abend mit wirklich leckerem Essen, Wein und sp\u00e4ter dann auch Musik. Rodrigo und Dio hatten vorsichtshalber die Instrumente mitgenommen und das hat sich als gute Entscheidung herausgestellt. Die Schankmaiden guckten manchmal etwas seltsam auf den Bewahrer mit der Laute, aber sein Status hielt alle von bl\u00f6den Kommentaren ab \u2013 Aldones sei Dank, denn sonst h\u00e4tte es vermutlich Kehrt Marsch zum Turm gehei\u00dfen.<\/p>\n<p>Anders als erwartet verlief der Abend ereignislos und auch wenn die anschlie\u00dfende Nacht kurz war \u2013 es war ein sch\u00f6ner Abend. Nur der Traum von der Stimme-fressenden-Wollmaus, der war wirklich unn\u00f6tig. Emilias Wollm\u00e4use waren ihr so schon nicht geheuer.<br \/>Als Dio am n\u00e4chsten Morgen in die K\u00fcche kam, hatte ihr Bewahrer den gr\u00f6\u00dften Kater von allen \u2013 das wunderte sie, denn sonst trank er nie so viel. Und da er auch zum Schluss noch die T\u00f6ne getroffen hatte, h\u00e4tte sie seinen Pegel f\u00fcr wesentlich geringer gehalten \u2013 aber gut, wer wei\u00df, was er den Rest der Nacht noch getan hatte.<br \/>Sie bem\u00fchte sich, sein wirklich leidendes Gest\u00f6hne zu \u00fcberh\u00f6ren und sich auf ihre Tagesaufgaben zu konzentrieren. Rodrigo hatte einen Ruhetag verk\u00fcndet (f\u00fcr wen wohl!?) und so h\u00e4tte sie das neue St\u00fcck in Ruhe \u00fcben k\u00f6nnen. Handarbeiten lagen ihr nicht wirklich, sie war eine Alton und auf Armida gro\u00df geworden. W\u00e4re das Wetter besser, h\u00e4tte sie einen Ritt unternommen. Der Vorteil der Gegend um Hestral waren die Berge \u2013 diese h\u00e4tten ihr in Hali doch sehr gefehlt. Das w\u00fcrde sie jedoch niemals offen zugeben.<\/p>\n<p>Fredrik scheuchte aus Lust und Laune wieder Leute durch die Gegend und Emilia war auf der Suche nach Wollm\u00e4usen. Suche?<\/p>\n<p>Sie war auf dem Weg auf Ihr Zimmer, um sich vor den Wollm\u00e4usen in Sicherheit zu bringen, als sie von herrenlosen Gliedma\u00dfen in der K\u00fcche h\u00f6rte. Hatte sich der K\u00fcchenbursche einen Streich erlaubt? Scheinbar nicht und es wurde diskutiert, was nun zu tun sei. Es tauchten merkw\u00fcrdige Sachen auf und verschwanden dann wieder.<\/p>\n<p>Also doch ein Laran-Streich. Sie war m\u00fcde und abgeschlagen, die Anstrengung der letzten Wochen kam durch die unerwartete Ruhe stark hervor. Normalerweise s\u00e4\u00dfe sie jetzt schon in den Relais. Dazu kam, dass Dio abgelenkt und in Gedanken war, die kurze Nacht hatte ihr nicht gut getan. Leistungsf\u00e4higkeit war so wichtig. Dennoch fehlten wohl schon wieder irgendwo Gliedma\u00dfen und es wurde Blut gefunden. Was war das heute nur f\u00fcr ein Tag?<\/p>\n<p>Damit die Diskussionen ein Ende fanden und sie m\u00f6glichst bald bei ihrer Gitarre w\u00e4re, schlug Dio die Einrichtung einer Matrixfalle vor. Damit w\u00e4re dem Strolch, der solche fiesen Streiche spielte, fix ein Ende gesetzt. Der Vorschlag wurde angenommen und so ging sie ruhig und gefasst Rodrigos B\u00fcro und setzte sich. Nach kurzer Zeit forderte die Laran-Arbeit so viel Konzentration, dass keine anderen Gedanken mehr m\u00f6glich waren. Donata machte die Hauptarbeit und Dio unterst\u00fctzte. Eine sch\u00f6ne Falle, die sie da bauten. Nichts und niemand w\u00fcrde da durchkommen.<\/p>\n<p>Als sie den Finger hineinlegen wollten, war dieser aus dem Geschirrtuch verschwunden. Was sollte das nur? Wer steckte dahinter? Sie war genervt und ersch\u00f6pft, die kurze Nacht machte sich erneut bemerkbar. Dennoch blieben sie zusammen in Rodrigos B\u00fcro und beratschlagten, was weiter zu tun w\u00e4re. Ein Besuch in der Oberwelt wurde f\u00fcr notwendig erachtet und so machten sich Cassandra und Rodrigo auf den Weg. Nicht lange danach waren die beiden wieder in ihren K\u00f6rpern und st\u00fcrzten aufgel\u00f6st aus dem Raum\u2026 Das letzte Mal hatte sie Rodrigo im Fr\u00fchjahr so fertig erlebt- was war nur passiert?<\/p>\n<p>Cassandra spurtete zu den Relais um mit der Familie zu sprechen, Rodrigo k\u00fcmmerte sich um Mallina, die Blut gegessen hatte. Wer isst denn bittesch\u00f6n Blut?<\/p>\n<p>Irgendwas war da oben vorgefallen, aber keiner der beiden konnte eine klare Erl\u00e4uterung liefern.<\/p>\n<p>Rodrigo entschied, das Sch\u00fcsselchen mit dem Blut in die Matrixfalle zu legen. Das sollte kleiner klauen k\u00f6nnen. Zusammen mit Donata \u00f6ffnete und verschloss Dio die Falle. Der Tag war turbulenter als geplant und deswegen ging sie lieber gleich etwas essen. Statt Schlaf bot sich Meditation an, gleichsam entlastend und entspannend.<br \/>Sie lief durch die K\u00fcche, um dann einen sonnigen Platz im Herbstlaub zu finden. Die H\u00fchner liefen \u00fcber den Hof und die eine Henne hatte 10 K\u00fcken \u2013 nein, es waren nur noch 8. Wo waren die zwei wohl hin?<\/p>\n<p>Dio schob die negativen Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf den Sonnenschein und auf andere sch\u00f6ne Dinge. Positives Denken im Hier und Jetzt, dass war es, was sie brauchte. Die Zeit verging und als sie die Augen wieder aufmachte, kamen Cassandra, Rodrigo, Elaine, Donata und Leandra um die Ecke und\u2026 schauten Sie sehr, sehr seltsam an. Und dann ihren Bauch. Was war da los? Dieser Tag hatte es in sich\u2026<\/p>\n<p>Sie tuschelten, guckten und schlie\u00dflich konnte sich Cassandra loseisen. Besser noch, sie wurde als Alton vorgeschickt. Das konnte ja heiter werden. Sie nahm Dio am Arm und die beiden Frauen gingen ein paar Schritte.<br \/>\u201eUnd, gibt es etwas, dass du mir erz\u00e4hlen m\u00f6chtest?\u201c, fragte Cassandra freundlich. Es war noch seltsamer als Dio erwartet h\u00e4tte \u2013was in Zandrus Namen hatte sie angestellt? \u201eNein!\u201c, antwortete Dio und fragte vorsichtig: \u201eWarum?\u201c. Cassandra druckste herum und wurde rot. Cassandra! Sie fragte dann ganz vorsichtig, ob sich in letzter Zeit eventuell eine Liebschaft entwickelt h\u00e4tte. Dio lachte innerlich laut auf und versuchte, ruhig zu bleiben. \u201eNein, wieso fragst du?\u201c. Cassandra antwortete nicht direkt \u201eUnd gestern Abend bist du auch allein ins Bett gegangen?\u201c.<\/p>\n<p>Dio war wirklich schockiert. Was sollte das alles? Sie hatte in Ihrem Zimmer im Turm geschlafen und auch das allein. Im Traum sah sie Wollm\u00e4use und\u2026 noch mehr M\u00e4use. \u201eJa Cassandra, soweit ich mich erinnere schon. Was ist denn los?\u201c, fragte Dio nun endlich direkt. Ihre Cousine nahm die Einladung dankbar an, f\u00fchrte sie zur Gruppe zur\u00fcck und verk\u00fcndete, Dio w\u00e4r sich nicht sicher und Sie habe nichts weiter in Erfahrung bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Rodrigo stand bei den Frauen und war ob des Geschnatters und Drum Rumredens sichtlich \u00fcberlastet. \u201eOkay, dann \u00fcbernehme ich das eben. Dio, bist du schwanger?\u201c.<\/p>\n<p>Es war ein Moment, in dem die Zeit stehen blieb und in ihrem Bauch Chaos herrschte. Schwanger? Von wem denn? Sie war die \u00e4lteste Tochter von Lord Alton und wenn auch nicht erbberechtigt, so doch zumindest eine sehr gute Partie. Sie lie\u00dfe sich niemals mit einem x-beliebigen Landstreicher ein. Und sie w\u00fcsste eine Empf\u00e4ngnis durchaus zu verhindern, selbst wenn sie schwach werden sollte. Rodrigo wusste das alles, was sollte diese offene Frage?<\/p>\n<p>\u201eNein, das bin ich nicht. Seht nach, wenn ihr wollt.\u201c. Herausfordernd sah sie in die Runde. Man entschloss sich kurzerhand dazu, alle anwesenden Frauen (in Rodrigos Abwesenheit) zu \u00fcberwachen und auf eine Schwangerschaft hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. \u00dcberraschenderweise trug Keine Leben in sich \u2013 nun ja, zumindest in Babyform. Leandra hatte wohl doch was mit dem Stallburschen.<\/p>\n<p>Nach der Sitzung ging sie in die K\u00fcche und informierte ihren Bewahrer pflichtschuldigst, dass sie erwiesenerma\u00dfen nicht guter Hoffnung w\u00e4re. Sah sie Erleichterung auf seinem Gesicht oder t\u00e4uschte das? Dieser Tag war wirklich seltsam, st\u00e4ndig war irgendwas los. Dinge verschwanden, Blut tauchte auf und war wieder weg, Fredrik hatte lilafarbenen Schaum erfunden und ehe sie sich versah, war sie erneut mit Rodrigo und vielen anderen in seinem B\u00fcro.<\/p>\n<p>Cas\u2018 und Rodrigo hatten bei ihrem ersten Besuch in der Oberwelt ein Pr\u00e4senz ausgemacht und wollte diese n\u00e4her erkunden. Damit nicht alle gut ausgebildeten und erfahrenen Kr\u00e4fte abwesend w\u00e4ren, sollte Dio Cas\u2018 und Rodrigo in die Oberwelt begleiten. Sie waren schon einmal unsanft herausgeschleudert worden und vereint wollten sie nun dagegen angehen. Dass die Wahl auf sie fiel, machte sie stolz.<br \/>Leandra \u00fcberwachte und Rodrigo bildete den Kreis. Gemeinsam betraten sie die Oberwelt\u2026 doch was war das? Die gr\u00e4uliche Ebene war nebelig. Normalerweise konnte man weit sehen, heute war alles verwirbelt, in vielen Graut\u00f6nen. Langsam gingen die drei n\u00e4her, versuchten dem Nebel seine Geheimnisse zu entrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich waren sie wieder da. Unsanft wurden sie aus der Oberwelt hinab, zur\u00fcck in ihre K\u00f6rper geschleudert \u2013 alle drei mit gruseligen Gedanken und Tr\u00e4nen in den Augen. Rodrigo fasste sich als erster und teilte mit, dass dort oben eine Pr\u00e4senz w\u00e4re, die sie zur\u00fcck gesto\u00dfen habe und sie ganz offensichtlich mit schockierenden Schreckbildern vertreiben wollte.<\/p>\n<p>Man beratschlagte und stellte fest, dass man wohl nur mit positiven Gedanken dagegen ank\u00e4me. Rodrigo schlug vor, dass jeder sich ein Bild vornahm, dass f\u00fcr die betreffende Person wirklich wichtig, durch und durch positiv und voller Liebe war. Damit sie nicht so angreifbar w\u00e4ren, sollte jeder der drei allein den Weg in die Oberwelt finden.<\/p>\n<p>Gesagt, getan. Donata sollte Cassandra \u00fcberwachen, Emilia k\u00fcmmerte sich um Rodrigo und Leandra w\u00fcrde Dio \u00fcberwachen. Langsam ging Cassandra vor, danach Rodrigo und dann Dio\u2026<\/p>\n<p>Doch nein, neben Dio erschien Leandra \u2013 was war da passiert? (OT: Viele bunte Kugeln\u2026)<\/p>\n<p>Rodrigo sah Dio an und teilte ihr leicht s\u00e4uerlich mit, dass sie mit Leandra eine Verbindung hergestellt hatte, um leichter in die Oberwelt zu gelangen. Da Dio keinerlei Erfahrung mit der Leitung der Energien in der Oberwelt hatte, \u00fcbernahm er die Kontrolle und verband die vier entgegen der Planung doch zu einem starken Kreis.<\/p>\n<p>Sofort war die Pr\u00e4senz sp\u00fcrbar und die dunkeln, grausigen Bilder drangen auf die vier ein. Rodrigo schrie im Geiste, dass sie ihre vorbereiteten Positiv-Bilder anwenden sollten. Dio geriet in leichte Panik \u2013 so war das nicht geplant. Wenn Sie nun\u2026 in dem Moment \u00fcberrollte sie die Schreckwelle von Tod und Verderben und sie griff instinktiv zu. Sie holte ein Bild von Rodrigo aus ihrem Ged\u00e4chtnis, wie er versunken \u00fcber seiner Gitarre sitzt und alte Weisen aus den Hellers spielt. Dio sah ihm dabei zu und er bemerkte sie nicht. Das Gef\u00fchl von Tod, Trauer und Verderben lie\u00df nach, die Gef\u00fchle des Bildes \u00fcbernahmen nun. In diesem Moment fiel ihr ein, dass vermutlich alle Kreismitglieder sehen konnten, was sie sah und abrupt setzte sie dem Bild ein Ende.<\/p>\n<p>Sie sah Cas\u2018 im Kreise ihrer Lieben und tanzende B\u00e4ume, die durch Rodrigos Gedanken schwirrten. Tanzende B\u00e4ume? Was hatte er heute nur, erst singende Blumen und jetzt tanzende B\u00e4ume? Naja, es half zumindest. Die grausigen Bilder verschwanden.<br \/>Nachdem Tod und Verderben nun ein Ende gefunden hatten, gingen sie langsam vorw\u00e4rts. Cassandra sp\u00fcrte eine Hand und fasste diese instinktiv. Nach einigem Suchen im grauen Nebel war es klar \u2013 jemand brauchte ihre Hilfe. Doch wer? Cassandra verlor den Kontakt und die vier machten sich auf den R\u00fcckweg.<\/p>\n<p>Rodrigo beendete die Verbindung zu Cas\u2018 zuerst, dann zu Leandra und\u2026 es funktionierte nicht. Sie waren alle drei unten und irgendwie immer noch \u2013 verbunden. Oder auch nicht. Cassandra fragte \u201eRodrigo?\u201c und alle drei antworteten gleichzeitig mit \u201eJa?\u201c. Sie sahen sich schockiert an und es war, als w\u00fcrden sie in einen Spiegel blicken. Es gab keine Unterschiede mehr, es war eher ein Gef\u00fchl von Zerflie\u00dfen und Symbiose. Problematischerweise gab es auch keine eigenen, oder abgeschirmte Gedanken mehr \u2013 alles, was zurzeit gedacht wurde, lag offen. Dio nahm den Arm hoch und sah ihre Hand an. Oder war es doch Leandra's? Nachdem Donata mit unnachahmlicher Gelassenheit eine Diagnose gestellt hatte, wurde nach Fredrik geschickt.<\/p>\n<p>Dio fragte sich, ob der Bewahrer wohl in der Lage sein w\u00fcrde, die drei aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Fredrik kam, sah und beschloss, dass er helfen k\u00f6nne. Er schickte alle aus dem Raum und begann dann vorsichtig, die feste Verbindung der drei zu erforschen. Er fand ein festes, blau funkelndes Band, dass die drei fest umschlugen hatte und alle Herzen und K\u00f6pfe miteinander verband. Wo kam das nur her? (OT: Eigentlich war es ein Band aus bunten Kugeln...)<\/p>\n<p>Wie es Fredriks unnachahmliche Art war, sortierte er die vorhandenen Str\u00e4nge um sie dann St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck voneinander zu l\u00f6sen. Er band Leandra los und dann auch Rodrigo \u2013 doch als er Dio\u2019s \u201eB\u00e4nder\u201c zur\u00fcckrollen wollte, machten sich die blauen Linien selbstst\u00e4ndig und umschlagen seinen Kopf und sein Herz.<br \/>Dio war kurz f\u00fcr sich selbst gewesen und war gerade wieder dabei gewesen, sich selbst zu erkennen, als sie sp\u00fcrte, wie sich ihre Pr\u00e4senz erweiterte. Die Verbindung mit Fredrik war tief, weitreichend und doch ganz anders als mit Rodrigo und Leandra.<br \/>Sie sp\u00fcrte seine innere Unruhe, die Angst und Verzweiflung die er verschlossen hielt und die unsortierten, aber klaren Zust\u00e4nde in seinem Bewusstsein. Da sie fest miteinander verbunden waren, bekam Fredrik ihre Einsicht nat\u00fcrlich mit. Das war jedoch nicht schlimm, denn vermutlich erhielt er ebenfalls tiefe Einblicke in Dios Gef\u00fchlswelt.<\/p>\n<p>Rodrigo sprang ein und zusammen mit Leandra konnte er Dio und Frederik wieder trennen. Statt sich traumatisiert in einer Ecke zu verkriechen, stand Frederik auf, ging in sein Labor und fing an aufzur\u00e4umen. Sein unaufger\u00e4umtes Chaos verwandelte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit in ein gut sortiertes, \u00fcbersichtlich gestaltetes Labor.<\/p>\n<p>Emilia stand da und sah ihm staunend beim Aufr\u00e4umen zu. Dio stand hinter und konnte so die volle Pracht ihrer Ohren sehen. Es waren wirklich sch\u00f6ne Ohren, sehr sch\u00f6ne Ohren. So wundervolle Ohren hatte sie noch nie gesehen. Die Rundung, die Form und erst die Farbe\u2026.<br \/>Sie musste sie einfach anfassen.<br \/>Als sie Emilias rechts Ohr ber\u00fchrte, quiekte diese erschrocken auf. Sie scheuchte Dio davon, die nach der ganzen Laranarbeit erstmal etwas Essen und Ruhe n\u00f6tig hatte.<\/p>\n<p>Im Erdgeschoss gab es wieder eine seltsame Erscheinung, irgendein Portrait von einer Dame in Rot, dass keiner kannte. Dio war das ziemlich egal, sie war wirklich richtig ausgelaugt und am Ende. Sie a\u00df Unmengen und fing dann an zu meditieren \u2013 denn Schlaf w\u00fcrde sie an diesem Tag wohl so schnell nicht bekommen. Sie war wie im Delirium, alle Gef\u00fchle durcheinander und es war nicht mehr klar zu erkennen, welcher Teil wirklich zu ihr geh\u00f6rte und welcher \u00dcberrest zu Leandra, Rodrigo oder Fredrik.<br \/>Sie ging durch das ganze Haus und irgendwann fand sie den Weg zu ihrer Gitarre. Sie zupfte daran herum und fand wieder ein wenig zu sich selbst.<\/p>\n<p>Von oben erklang ein lauter Schrei und Dio war wieder soweit fit, dass sie nachsehen ging. Das Problem war diesmal gar nicht klein und verschwand auch nicht einfach so. Mallina lag, in Spinnenseide eingeh\u00fcllt, in ihrem Bett und schlief. \u00dcberall waren kleine und gr\u00f6\u00dfere Spinnen zu sehen und Dios erster Gedanke war, dass Am\u00e8lie zum Gl\u00fcck gerade nicht da war. Spinnen waren so gar nicht ihr Ding.<\/p>\n<p>Zusammen mit Fredrik und Emilia (die immer noch tolle Ohren hatte, die nicht angefasst werden durften) fingen sie an, die Spinnen einzeln und in m\u00fchseliger Kleinstarbeit, aus dem Netz zu pulen und sicher zu verwahren. Anders war an Mallina ja wohl kein Rankommen.<br \/>Es dauerte eine gef\u00fchlte Ewigkeit, vor allem weil die Spinnen gar nicht so leicht davon zu \u00fcberzeugen waren, ihr kuscheliges Nest zu verlassen.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit betrat Rodrigo den Raum und auch wenn Dio ihm den R\u00fccken zugewandt hatte, konnte sie seine Anwesenheit doch sofort sp\u00fcren. Er machte sich sofort Sorgen um Mallina, auch wenn die laut und zufrieden schnarchte. Er versuchte, telepathisch durch das Spinnennetz zu dringen und gerade als er dachte, dass er durch sei, wurde er selbst vom Schlaf \u00fcberrascht. Im Stehen, wohlbemerkt.<\/p>\n<p>Als Rodrigos K\u00f6rper auf dem Boden aufschlug, h\u00e4tte Dio am liebsten panisch aufgeschrien. Doch ihre Erziehung griff und sie bewahrte Ruhe und Haltung. So hatte es ihr Kinderm\u00e4dchen immer ausgedr\u00fcckt: Ruhe und Haltung in jeder Situation \u2013 das macht eine Comynara aus. Sie war die erstgeborene Tochter von Lord Alton und w\u00fcrde jetzt nicht ausrasten. Sie versuchte ruhig zu bleiben und trat einen Schritt zur\u00fcck. Hier im Turm gab es kompetente Leute, die sie ihren Job machen lassen sollte, wenn Rodrigo wieder aufwachen sollte.<br \/>Lautes Schreien brachte gar nichts.<\/p>\n<p>Irgendwer rannte in die K\u00fcche um Riechsalz zu holen. Stattdessen wurde jedoch eine Dosis voll Knoblauch nach oben gereicht und Rodrigo war schnell wieder putzmunter. Knoblauch war ihm einfach total verhasst, vor allem in Reinform.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Einen Rodrigo beim Wachwerden unterst\u00fctzten, versuchten Dio, Fredrik und Emilia die restlichen Spinnen zu entfernen um auf manuelle Weise an Mallina zu gelangen. Mit Laran wollte es keiner mehr probieren, nicht nach Rodrigos schmerzhafter Erfahrung. Nach einer gef\u00fchlte Ewigkeit hatten sie endlich Erfolg \u2013 die letzte Spinne war entfernt und das klebrige Netz wurde ebenfalls entsorgt.<\/p>\n<p>Als Mallina erwachte und sich umsah, stellte sich heraus, dass sie sich an nichts erinnerte. Keine Spinnen, keine schlechten Gedanken \u2013 einfach nur friedvoller Schlaf. Diese innere Ruhe hielt nicht lange an, dann kaum, dass sie das Bad betreten hatte, schrie sie erschrocken auf.<\/p>\n<p>Eine Hand versuchte, von der anderen Seite durch den Spiegel zu greifen. Ein kleine, blutige Hand, eindeutig lebendig. Cassandra kam hinzu und versuchte, die Hand zu greifen (ja, allen war bewusst, dass ein Spiegel eigentlich kein Tor in die Oberwelt darstellte und man nichts darin greifen konnte. Probieren sollte man es dennoch) \u2013 und hatte Erfolg. Man sah eindeutig die blutigen Abdr\u00fccke auf ihrer Hand.<br \/>Vorsichtig trugen die Anwesenden den Spiegel in Rodrigos B\u00fcro, um von dort aus erneut Kontakt zu der Pr\u00e4senz aufnehmen zu k\u00f6nnen. Mittlerweile war klar, dass es sich um ein niederes Lebewesen, handelte. Denn alle abtrennten K\u00f6rperteile, die gefunden wurden, waren aus einer pilz\u00e4hnlichen Struktur.<\/p>\n<p>Da Cassandra eindeutig die beste Verbindung zu dem Wesen hatte, ging sie bei der Suche voran. Im grauen Nebel der Oberwelt wurde klar, dass ein Wesen dringend Hilfe ben\u00f6tigte und gefunden werden wollte. Doch bevor die Suche begann, wurde erstmal etwas gegessen. Anscheinend war Dio den ganzen Tag nur am Essen und sie sp\u00fcrte bereits, dass die lange und intensive Laranarbeit, gepaart mit der Sorge um ihre Turmkollegen, an ihr zerrte. Sie wollte eigentlich nur noch ins Bett\u2026 oder vielleicht Musik machen. Musik, das w\u00e4re eine gute L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Auf dem Weg nach unten, begegnete ihr im Flur ein kleiner Schmetterling. Er leuchtete in allen Farben und setzte sich zutraulich auf Dios Hand. Er signalisierte eindeutig, dass es Zeit w\u00e4re, ihm zu folgen. Da sie wirklich nichts mehr zu verlieren hatten, folgen ihm ein Gr\u00fcppchen aus Rodrigo, Mallina, Emilia, Leandra und Mikhail.<br \/>Am Ende eines langen und verwunschenen Pfades fanden sie eine Ecke, in welcher ein kleiner Pilz wuchs. Ein Pilz?<br \/>Emilia fing relativ kleinlaut an zu erz\u00e4hlen, dass sie auf Fredriks Gehei\u00df hin, dort sein letztes Experiment vergaben habe. Nachdem Cassandra versuchte Kontakt aufzunehmen, stellte sich schnell heraus, dass hier die gesuchte Pr\u00e4senz\u2026 wuchs. Emilia erkl\u00e4rte, dass Fredrik mit psychoaktiven Substanzen experimentiert h\u00e4tte und der Pilz w\u00e4re da versehentlich reingefallen. Damit die Tiere ihn nicht aus Versehen fra\u00dfen, vergrub sie alles in der hinterletzten Ecke.<\/p>\n<p>Nun hatte sich jedoch eindeutig Leben entwickelt, dass sich Cassandra zugeh\u00f6rig f\u00fchlte. Die beiden hatten ganz klar einen Draht zueinander - fast schon liebevoll. Die Gruppe begann, einen Schleier um die Stelle zu erschaffen um die Wuchsstelle so nachhaltig zu sch\u00fctzen. Nur wer den Ort kannte, sollte ihn ohne Probleme finden. Der Pilz wollte nicht l\u00e4nger alleine sein und so versprach Cassandra, regelm\u00e4\u00dfig vorbei zu kommen. (\"Mama kommt wieder\").<br \/>Nachdem diese merkw\u00fcrdige Sitzung beendet war, konnte Dio gar nicht schnell genug zur\u00fcck ins Haus kommen. Sie ging flinken Schrittes, doch Rodrigo und Emilia holten sie ein. \u201eAch Dio, was ich dich noch fragen wollte\u201c, begann Rodrigo. Dio rutschte das Herz in die R\u00f6cke. \u201ewas war das eigentlich vorhin im Kreis?\u201c.<br \/>Dio tat unbeteiligt und fragte \u201eWas genau meinst du?\u201c. Schlie\u00dflich hatte sie heute viel Kreisarbeit geleistet. \u201eNaja, dein Positiv-Bild.\u201c, sagte Rodrigo. \u201eAch das, \u201c antwortete Dio, \u201egestern Abend war es so nett, was Besseres fiel mir auf die Schnelle nicht ein\u201c.<br \/>Und damit lie\u00df es Rodrigo auch gut sein \u2013 Gott sei Dank.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die drei zur\u00fcck zum Haus gingen, bewunderte Dio erneut Emilias Ohren. Die waren wirklich sch\u00f6n! Ob diese Sch\u00f6nheit erblich war?<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Hause rief die K\u00fcche bald zum Essen und bevor endlich alle sich ihre B\u00e4uche vollschlagen konnten, brachte Rodrigo noch einen Toast aus. Er teilte mit, dass Mallina und Emilia nun \u00dcberwacherinnen w\u00e4ren und das sowohl Leandra als auch Dio die Ausbildung zur Technikerin begonnen haben.<\/p>\n<p>Sie platzte fast vor Stolz, schlie\u00dflich machte sich die ganze Arbeit bezahlt. Alles klatschte und jubelte und dann begann das Essen.<\/p>\n<p>Der Abend endete mit Wein und Musik, so wie es sein sollte\u2026<\/p>\n<hr \/>\n<h3><a name=\"aus\"><\/a>Aus dem Tagebuch eines Bewahrers<\/h3>\n<p>Tagebuch<br \/>von Rodrigo von Hestral (Rodrigo Elhalyn, 1. Bewahrer)<br \/>30. Tag des 10. Monats, Turm zu Hestral<\/p>\n<p>Kopfschmerzen \u2013 unertr\u00e4gliche Kopfschmerzen!<br \/>Allm\u00e4hlich drang die Erinnerung an den gestrigen Abend durch den Nebel der Kopfschmerzen. Der Dorfvorsteher, der uns zusammen mit seiner hochschwangeren Frau auf dem Fest willkommen hie\u00df, die Scheu der Dorfbewohner, das gute Essen, die netten Schankmaiden, der gute Wein \u2026<br \/>Es war ein gelungener Abend und ich verga\u00df allm\u00e4hlich meinen Groll gegen Fredrik, der schlie\u00dflich ganz klar seine Kompetenzen als zweiter Bewahrer \u00fcberschritten hat, als er diese Einladung im Namen des Turms zu Hestral annahm. Doch es war zu sp\u00e4t, kein Schmied in Zandrus Schmied kann ein zerbrochenes Ei flicken und so mussten wir der von Fredrik so voreilig angenommenen Einladung nachkommen. Schlie\u00dflich erholte sich das Verh\u00e4ltnis zu den Dorfbewohnern gerade m\u00fchsam von den Folgen der schrecklichen Katastrophe des vorigen Jahres, die viele Turmbewohner das Leben kostete und einen Teil unseres Turms zum Einsturz brachte. So gesehen ist diese Einladung ein Gl\u00fccksfall, aber es widerstrebte mir zutiefst, den Turm w\u00e4hrend unserer Abwesenheit ungesch\u00fctzt zu wissen. Daher hatten wir alle Vorkehrungen getroffen, um den Turm w\u00e4hrend unserer Abwesenheit zu sichern. Mallina und Emilia hatten den Anrufbeantworter eingeschaltet, Cassandra hatte das Ganze \u00fcberpr\u00fcft, damit der Ansagetext auch wirklich keinen Hinweis auf unsere Abwesenheit lieferte, Donata hatte zus\u00e4tzlich zu unserem Schutzschirm gegen s\u00e4mtliche Metalle an allen Zug\u00e4ngen Fallenmatrices aktiviert und ich selbst hatte in der Oberwelt einen Schutzwall um Hestral errichtet. Ich war sicher, dass diese Vorkehrungen gen\u00fcgen w\u00fcrden, dass niemand zwischen dem Wall um die Welt und dem Meer den Eindruck gewinnen k\u00f6nnte, dass der Turm unbesetzt sei.<br \/>So konnte ich das Fest dann tats\u00e4chlich genie\u00dfen. Wir hatten schlie\u00dflich lange genug keinen Grund zum Feiern.<br \/>Ich habe nur verschwommene Erinnerungen an den R\u00fcckweg zum Turm, oder waren es Tr\u00e4ume? Die Blumen am Wegrand machten uns Vorhaltungen, dass wir nicht so viel h\u00e4tten trinken sollen und Cassandra wollte schnell zur\u00fcck, um nach Hause zu telefonieren. Es schien sehr dringend zu sein, obwohl sie mir nicht erkl\u00e4ren konnte, warum.<\/p>\n<p>Und dann diese Kopfschmerzen. So viel Wein war es doch nun wirklich nicht. Mika hat viel mehr geistige Getr\u00e4nke in den seltsamsten Farben getrunken (obwohl er das heute beim Fr\u00fchst\u00fcck vehement abgestritten hat).<br \/>Obendrein haben mich seltsame Tr\u00e4ume geplagt. Ob die auch dem Wein geschuldet sind? Blumen wiegten sich im Takt der Musik und sangen seltsame Lieder zu denen Wollm\u00e4use tanzten. Gut, dass es nur Tr\u00e4ume waren!<\/p>\n<p>Beim Fr\u00fchst\u00fcck schien ich der Einzige zu sein, der unter derartigen Kopfschmerzen litt. Ich brachte kaum einen Bissen hinunter. Der Bewahrer muss ja stets mit gutem Beispiel vorangehen, aber bei diesen Kopfschmerzen, die Zandru mir direkt aus seiner k\u00e4ltesten H\u00f6lle geschickt haben muss, war mir die W\u00fcrde des Bewahrers zugegeben ziemlich gleichg\u00fcltig. Ich war der erste (und auch der Einzige), der auf Leandras Frage, ob irgendwer Kopfschmerzen habe und ein Mittel dagegen ben\u00f6tige, die Hand hob. Alle anderen redeten wild durcheinander und ich musste sie mehrmals zur Ruhe ermahnen. Aber es n\u00fctzte alles nichts. Da mein Kopf zu sehr schmerzte, um den einem Bewahrer geb\u00fchrenden Respekt einzufordern, setzte ich mich in eine ruhige Ecke unseres Speisesaals. Schlie\u00dflich erbarmte Leandra sich und holte mir ein Kopfschmerzmittel, noch bevor sie ihr eigenes Fr\u00fchst\u00fcck beendet hatte.<br \/>Doch nur, um mich gleich wieder mit Problemen zu konfrontieren. Eine unserer Wollm\u00e4use war ausgebrochen und hockte zwischen Leandras Kr\u00e4utern. Ich f\u00fchlte mich unangenehm an meinen Traum mit den tanzenden Wollm\u00e4usen erinnert. Dabei hatte mir Emilia bereits versichert, dass sie das Gehege bereits an diesem Morgen untersucht habe und alles in bester Ordnung sei.<br \/>Auch Fredrik benahm sich \u00e4u\u00dferst seltsam. Das heisst \u2013 noch seltsamer als sonst, soweit ich das durch den Nebel meiner Kopfschmerzen beurteilen konnte. Ist er sonst eher in sich gekehrt und wirkt stets abwesend, so betrachtete er heute Morgen Emilia mit besonderer Aufmerksamkeit und forderte sie zweimal auf, mit Leandra den Platz zu tauschen. Seltsam! Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Vermutlich h\u00e4tte es nicht viel genutzt, Fredrik direkt danach zu fragen, daher unterlie\u00df ich diese Frage.<\/p>\n<p>Langsam lichtete sich der Nebel in meinem Kopf, das Kopfschmerzmittel begann zu wirken. Auf Leandras Medizin ist eben Verla\u00df. Ich schaudere noch jetzt bei dem Gedanken, dass Mallina mir allen Ernstes ein Kopfschmerzmittel anbieten wollte, dessen Rezeptur sie gestern Abend von der Kr\u00e4uterfrau im Dorf geh\u00f6rt hat \u2013 der Hauptbestandteil war Katzenpisse. Ich muss ein Auge auf Mallinas Experimentierfreudigkeit haben! Diese Leichtgl\u00e4ubigkeit gegen\u00fcber der Kr\u00e4uterfrau erstaunt und beunruhigt mich.<br \/>Cassandra berichtete mir, dass sie ihre Familie noch nicht \u00fcber die Relais erreichen konnte. Sie schien sehr beunruhigt zu sein. Also war zumindest dieser Teil der Erinnerungen an die letzte Nacht keine Ausgeburt meines schmerzenden Sch\u00e4dels.<br \/>Einige der Novizen, aber auch einige Mitglieder der Turmkreise waren zum Herbstfest zu ihren Familien gereist. Daher sollte der Unterricht f\u00fcr ein paar Tage unterbrochen werden und die Kreisarbeit auf das Notwendigste beschr\u00e4nkt bleiben. Endlich eine Gelegenheit, eines unserer gr\u00f6\u00dften Probleme in Angriff zu nehmen \u2013 die Arbeit mit dem Matrixgitter der 7. Stufe mit einem zu kleinen Kreis. Doch zun\u00e4chst musste ich mich anderen Dingen widmen. Ich wollte mit Emilia \u00fcber einen Zwischenbericht des Wollmausprojektes reden. Au\u00dferdem sollten sie und Mallina den Tag nutzen um endlich die Gebrauchsanweisung f\u00fcr unsere automatische Relaisantwort zu verfassen, damit diese auch von anderen bedient werden konnte. Doch zuerst wollte ich mit Raja sprechen. Sie war bisher Hausleronis gewesen und erst vor wenigen Tagen zu uns gekommen. Nach der ersten \u00dcberpr\u00fcfung konnte ich mir vorstellen, dass sie die Heilerinnen und bei der Ausbildung der Novizen unterst\u00fctzen k\u00f6nnte. Um zu entscheiden, ob wir sie als \u00dcberwacherin in einen Kreis einbinden k\u00f6nnten oder sogar eine weitere Ausbildung zur Mechanikerin in Frage k\u00e4me, war eine weiter reichende Pr\u00fcfung erforderlich.<br \/>Doch bevor ich mich auch nur entschieden hatte, wo ich anfangen wollte, kam Leandra zu mir und bat mich \u00e4u\u00dferst eindringlich, ihr sofort zu folgen. Es war offensichtlich, dass sie im Speisesaal nicht mehr dazu sagen wollte, also musste ich wohl oder \u00fcbel meinen immer noch schmerzenden Sch\u00e4del ausblenden und ihr folgen. Sie schlug den Weg zu den Quartieren der Novizinnen ein, was mich doch ein wenig erstaunte. Mehr noch entsetzte mich allerdings, was sie mir unterwegs berichtete: Im Badezimmer von Mallina und Elaine waren die Abdr\u00fccke blutiger H\u00e4nde am Duschvorhang gefunden worden! Nun war auch offensichtlich, warum sie mir nicht vor den Ohren aller Novizen davon berichten wollte.<br \/>Mallina wartete vor der T\u00fcr auf uns. Sie wirkte erstaunlich gefa\u00dft angesichts des seltsamen Fundes. Leandra bedachte mich f\u00fcr meine Frage, ob es vielleicht eine ganz nat\u00fcrliche Ursache f\u00fcr das Blut im Bad g\u00e4be - immerhin handelte es sich um das Bad zweier erwachsener Damen - lediglich mit einem emp\u00f6rten Blick. Wir folgten Mallina ins Bad und sahen \u2013 NICHTS! Zumindest kein Blut. Das Bad war so sauber wie ein Bad sein sollte. Mallina und Leandra versicherten mir, dass die blutigen Abdr\u00fccke ganz deutlich auf dem Vorhang zu sehen gewesen waren. Da sie es beide gesehen hatten, gab es auch keinen Grund, die Existenz der Abdr\u00fccke anzuzweifeln. Mallina beschrieb sie als etwas gr\u00f6\u00dfer als ihre eigenen H\u00e4nde, mit 5 Fingern. Es hatte auf sie den Eindruck gemacht, dass die blutigen H\u00e4nde am Vorhang entlang nach unten geglitten waren \u2026 und sie versicherte mir, dass es wirklich Blut gewesen sei \u2013 es h\u00e4tte definitiv nach Blut geschmeckt.<br \/>Ich war entsetzt! Sie hatte das Blut doch tats\u00e4chlich probiert!<\/p>\n<p>Die blutigen Handabdr\u00fccke waren verschwunden, wir konnten also nichts mehr tun. Doch w\u00e4hrend wir noch vor der T\u00fcr standen und \u00fcberlegten, ob es noch irgendeine M\u00f6glichkeit gab, der Sache nachzugehen h\u00f6rten wir einen Schrei aus Richtung des Labors.<br \/>Mitten im Raum stand Emilia und starrte entsetzt auf den Tisch. Dort sa\u00df eine ihrer Wollm\u00e4use und knabberte an einem abgetrennten Finger! Bei den Ingredienzien, mit denen Fredrik offensichtlich gerade gearbeitet hatte lag ein weiterer Finger \u2013 von Fredrik selbst keine Spur! Emilia sagte, sie habe mit Fredrik gemeinsam im Labor gearbeitet und dieses kurz verlassen. Als sie zur\u00fcckkam war Fredrik verschwunden und auf dem Tisch lagen die Finger. Ein kurzer Blick gen\u00fcgte um festzustellen, dass diese Finger auf keinen Fall von der gleichen Person stammen konnten. Doch von wem stammten diese Finger? Gemeinsam \u00fcberlegten wir, ob alle Turmbewohner an diesem Morgen beim Fr\u00fchst\u00fcck gewesen waren. Ich hatte das Fr\u00fchst\u00fcck ja nur durch den Nebel der Kopfschmerzen wahrgenommen, doch Leandra war sicher, dass niemand gefehlt hatte. Von wem stammten also diese Finger? Ich trug Emilia auf ihre Wollmaus wieder einzusperren und ging gemeinsam mit Leandra zur\u00fcck in mein B\u00fcro, um die Finger in Ruhe eingehender zu untersuchen.<br \/>Ich schloss die Augen, konzentrierte mich auf meine Matrix und begann die Strukturen im Gewebe des Fingers zu erkunden und auf etwas Bekanntes \u00fcberpr\u00fcfen, doch mein Geist fand statt der Strukturen nur Leere. Ein Ruf des Erstaunens von Leandra brachte mich zur\u00fcck und als ich die Augen \u00f6ffnete sah ich, dass das Tuch auf dem die Finger gelegen hatten leer war. Nichts deutete mehr auf ihre Existenz hin, nicht einmal Blutspuren waren auf dem Tuch zur\u00fcckgeblieben. Da auch Leandra die Augen geschlossen hatte Wir konnten es uns beide nicht erkl\u00e4ren, was geschehen war. Au\u00dfer uns war niemand im Raum gewesen, der die Finger h\u00e4tte entfernen k\u00f6nnen, das h\u00e4tten wir gesp\u00fcrt. Am seltsamsten war jedoch die Leere, die ich anstelle der Struktur gesp\u00fcrt hatte. Die Finger schienen also tats\u00e4chlich k\u00f6rperlich verschwunden zu sein \u2013 ebenso, wie sie vorher definitiv k\u00f6rperlich vorhanden waren.<br \/>Mittlerweile hatte ich Hunger. Beim Fr\u00fchst\u00fcck hatte ich ja nur wenige Bissen hinuntergebracht und das war vor einer halben Ewigkeit gewesen. Auf dem Weg nach unten schaute wir nochmal im Labor vorbei und fanden Fredrik, in seine Experimente vertieft. Er hatte von all der Aufregung nichts mitbekommen. Nach allem, was gerade geschehen war, war ich froh, ihn unversehrt zu sehen. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, ihn an die dringend ben\u00f6tigten Grundzutaten f\u00fcr die Brandbek\u00e4mpfungschemikalien zu erinnern. Er tat mein Anliegen damit ab, dass er gerade mit \u00e4u\u00dferst wichtigen Experimenten besch\u00e4ftigt sei. Typisch Fredrik! Ich hoffe wirklich, dass er sich bald wieder auf das Wesentliche besinnt!<br \/>Doch erstmal etwas essen! Gerade als ich nach einer Scheibe Brot griff entdeckte ich den Finger im Brotkorb. Ich wollte die anwesenden Novizen nicht noch mehr beunruhigen, also lehnte ich mich \u00fcber den Brotkorb und bat, Leandra zu mir zu holen. Immerhin hatte sie mir bereits bei der Untersuchung der ersten Finger assistiert. Leandra war sehr pragmatisch und erkl\u00e4rte f\u00fcr alle h\u00f6rbar, dass wir uns mit einem Sandwich in mein B\u00fcro zur\u00fcckziehen w\u00fcrden. Sie wickelte zwei Scheiben Brot mit dem Finger dazwischen in ein Tuch und wir verlie\u00dfen den Fr\u00fchst\u00fccksraum.<br \/>In meinem B\u00fcro wollten wir den Finger untersuchen, doch diesmal mit offenen Augen \u2013 mit dem Ergebnis, dass der Finger einfach vor unseren Augen verschwand!<br \/>Wir konnten uns einfach keinen Reim darauf machen. Um der Ger\u00fcchtek\u00fcche zuvorzukommen entschied ich, alle Turmbewohner \u00fcber die seltsamen Vorkommnisse zu unterrichten. Mindestens zwei der Novizinnen hatten die Blutspuren und die Finger gesehen, so war es nur eine Frage der Zeit bis es sich \u00fcberall verbreiten w\u00fcrde. Dem wollte ich lieber zuvorkommen.<br \/>Da einige immer noch \u00fcber den Resten des Fr\u00fchst\u00fccks sa\u00dfen (war wirklich nur so wenig Zeit vergangen? Mir kam es schon wie eine Ewigkeit vor!) rief ich alle im Fr\u00fchst\u00fccksraum zusammen. Sie nahmen die Neuigkeiten erstaunlich gefasst auf.<br \/>Auch Cassandra war im Fr\u00fchst\u00fccksraum und ich fragte, ob sie ihre Familie inzwischen erreicht h\u00e4tte. Sie erz\u00e4hlte mir, dass sie den Kontakt zu ihrer Schwester herstellen konnte und diese mit ihrer Tochter reden wolle. Cassandra schien immer noch sehr besorgt. Irgendwie machte das alles keinen richtigen Sinn f\u00fcr mich, doch ich hatte keine Gelegenheit nachzufragen, denn anscheinend war nun in einem anderen Bad Blut gefunden worden. Ich eilte nach oben, doch wieder war das Blut verschwunden, bevor ich es zu Gesicht bekam. Stattdessen fand ich Leandra, die Dyan, einen unserer Diener heilte, der sich beim Brotschneiden den Finger abgeschnitten hatte. Aber wenigstens verschwand dieser nicht, sondern verwuchs anstandslos wieder mit der Hand.<\/p>\n<p>Schon wieder wurde unten nach mir gerufen. Diesmal waren es zwei Skorpionameisen, die direkt vor unserer Eingangst\u00fcr entdeckt worden waren. Als ich hinaustrat waren es weit mehr als nur zwei. Die Novizen starrten die Tiere an und wussten offensichtlich nicht, ob sie etwas unternehmen sollten und wenn ja was. Sie m\u00fcssen einfach selbstst\u00e4ndiger werden. Ich kann mich schlie\u00dflich nicht um alles selbst k\u00fcmmern.<br \/>Normalerweise leben Skorpionameisen in den Bergw\u00e4ldern. Ungew\u00f6hnlich, dass sie sich in die N\u00e4he menschlicher Behausungen trauen. Doch meine Gedanken waren immer noch bei den abgetrennten Fingern, da mochte ich mir keine Gedanken \u00fcber Ver\u00e4nderungen im Verhalten von Skorpionameisen machen. Also forderte ich Mika auf, die geeignete Schutzausr\u00fcstung anzulegen und die Tiere einzufangen. Vielleicht konnte Fredrik sie im Labor untersuchen.<\/p>\n<p>Als ich den Turm wieder betrat sah erz\u00e4hlte mir Mallina \u2013 oder war es Emilia? \u2013 dass Octavian, einer der Diener, eines von Fredriks Experimenten auf der Hand habe. Ich erinnerte mich, ihn kurz zuvor in der Eingangshalle gesehen zu haben, als er in Richtung der Dienstbotenquartiere davongeeilte, aber ich hatte nun wirklich keine Zeit, mich auch noch darum zu k\u00fcmmern, dass Fredrik die Diener f\u00fcr seine Experimente einspannte. Inzwischen war ein weiterer Finger gefunden worden \u2013 wieder im Brotkorb \u2013 und wir hatten immer noch keinen Hinweis darauf, wem die Finger geh\u00f6rten, woher sie kamen und wohin sie wieder verschwanden. Wir mussten sicherstellen, dass dieser Finger nicht wieder verschwand, bevor wir ihn eingehend untersuchen konnten.<br \/>Von Dio kam der Vorschlag, den Finger in eine Matrix-Falle zu legen, damit er nicht wieder verschwinden k\u00f6nne. Simple aber gute L\u00f6sung! Ich schreibe es den immer noch unterschwellig vorhandenen Kopfschmerzen und dem Tohuwabohu des Tages zu, dass ich nicht selbst darauf kam! Dio ist wirklich ehrgeizig und talentiert. Mit der richtigen F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung wird sicher eine gute Technikerin werden.<br \/>Auf dem Weg in mein B\u00fcro erfuhr ich, dass als Mika, angetan mit der entsprechenden Schutzausr\u00fcstung (die er aus unerfindlichen Gr\u00fcnden wohl nicht griffbereit hatte) die Skorpionameisen einfangen wollte, diese wieder verschwunden waren. Mit diesen Tierchen ist nicht zu spa\u00dfen, also ermahnte ich alle zur entsprechenden Vorsicht.<br \/>Die Matrixfalle sollte in meinem B\u00fcro errichtet werden. Ich beauftragte Donata, unsere Expertin f\u00fcr Matrixgitter mit dem Bau, Dio sollte sie unterst\u00fctzen. Dio. Immerhin war es ihre Idee gewesen und so konnte sie gleich zeigen, was in ihr steckte. Doch als die Matrixfalle fertig und aktiviert war mussten wir feststellen, dass der Finger wieder verschwunden war. Uns blieb wieder einmal keine Spur, der wir nachgehen konnten, um eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese seltsamen Ereignisse zu finden.<br \/>Zwischenzeitlich waren die Skorpionameisen wieder entdeckt worden und diesmal hatte Mika es geschafft, einige der Tiere einzufangen, andere hatte er kurzerhand totgetreten um sie unsch\u00e4dlich zu machen. Elaine hatte den Beh\u00e4lter zum Labor gebracht, doch bevor sie ihn Fredrik \u00fcbergeben konnte, war eines der Tiere entwischt und hatte Elaine in die Hand gestochen. Halb ohnm\u00e4chtig vor Schmerz war sie vor der T\u00fcr zusammengebrochen, wo wir sie \u2013 angelockt vom Geschrei der anderen Novizen \u2013 fanden. Leandra versicherte ihr, dass der Bi\u00df einer einzigen Skorpionameise nicht schlimmer war als der einer Biene und machte ihr einen Kr\u00e4uterverband um den Schmerz zu lindern.<br \/>Ich bat Leandra und Mallina, mich in mein B\u00fcro zu begleiten. Es war vielleicht eine aberwitzige Idee, ein winziger Hoffnungsschimmer, doch mir war die Idee gekommen, Mallina auf fremde Strukturen zu untersuchen. Sie hatte schlie\u00dflich das am Vorhang gefundene Blut probiert und auf Echtheit \u00fcberpr\u00fcft. Ihr K\u00f6rper hatte das Blut aufgenommen, es mussten doch noch Spuren davon vorhanden sein, die uns eine Richtung f\u00fcr die weitere Suche liefern konnten!<br \/>Leandra, die als \u00dcberwacherin die pers\u00f6nlichen Strukturen aller Turmbewohner ja bestens kennt , f\u00fchrte die Untersuchung durch, konnte jedoch keine fremden Strukturen erkennen. Es schien, als sei das Blut nicht nur vom Vorhang sondern ebenso wie die Finger vollst\u00e4ndig verschwunden.<br \/>Irgendwer \u00fcbergab mir eine Phiole mit dem Gift der Skorpionameisen. Anscheinend hatte Fredrik tats\u00e4chlich mal das getan, was ich ihm aufgetragen hatte, anstatt wild herumzuexperimentieren. Ich verstaute die Phiole in meiner G\u00fcrteltasche und wandte mich wieder den dringlicheren Problemen zu.<br \/>Nachdem wir in der stofflichen Welt keine Spur zu den mysteri\u00f6sen Fingern und dem Blut mehr hatten, entschied ich, in der Oberwelt nach einem Anhaltspunkt zu suchen. Cassandra sollte mich begleiten und Leandra w\u00fcrde uns \u00fcberwachen. Wir setzten uns bequem auf das Sofa in meinem B\u00fcro und ich verband mich mit der durch jahrelange Kreisarbeit erworbene Routine mit Cassandra. Gemeinsam betraten wir die graue Ebene. Uns umgab dichter Nebel, doch je st\u00e4rker ich mich bem\u00fchte ihn zu durchdringen, desto dichter schien er zu werden. Obwohl ich ein unterschwelliges Gef\u00fchl von Panik versp\u00fcrte, versuchte ich, den Nebel zu durchdringen. Cassandra war die ganze Zeit als starke Pr\u00e4senz neben mir gewesen, doch nun sp\u00fcrte ich, wie sie ins Wanken geriet. Ich sah Personen an einem Tisch speisen und wie vergiftet von den St\u00fchlen fallen, dann wechselte das Bild und ich sah Fredrik in seinem Labor. Er experimentierte mit dem Gift der Skorpionameisen. Mir wurde schlagartig klar, dass er mir nur einen Teil des Giftes ausgeh\u00e4ndigt hatte und nun eigenm\u00e4chtig mit dem anderen Teil experimentierte. Doch irgendetwas lief schief (typisch Fredrik!). Das Labor f\u00fcllte sich mit dichtem Qualm. Fredrik brach \u00fcber dem Tisch zusammen. Emilia, die ihm assistiert hatte, versuchte noch, sich zur T\u00fcr zu retten. Doch bevor sie diese erreichte brach auch sie besinnungslos zusammen. Ich musste ihnen helfen. Es waren schon zu viele Menschen in Hestral gestorben, weil ich die richtige Vorschau als zu unrealistisch angesehen hatte.<br \/>Ich wurde sehr unsanft zur\u00fcck in meinen K\u00f6rper geschleudert. Das erste was ich wahrnahm war Cassandras von Entsetzen gezeichnetes Gesicht. Kein Wunder, schlie\u00dflich hatten wir beide die gleichen Bilder gesehen. Auch Leandra war schreckensbleich, da sie versucht hatte, unsere k\u00f6rperliche Panikreaktion abzufangen. Doch in diesem Moment war mir alles egal. Ich rappelte mich vom Sofa auf und st\u00fcrmte ins Labor, wobei ich die verriegelte T\u00fcr einfach aufbrach (OT \u2013 ich habe den Zettel mit dem Schloss und der Aufschrift \u201eZu\u201c am Boden in der Hektik v\u00f6llig \u00fcbersehen! Wer rechnet auch mit sowas!)<br \/>Das Labor war leer! Weder Fredrik noch Emilia waren hier und auch kein Qualm! Ich rannte die Treppe hinunter und br\u00fcllte nach Fredrik. Nach kurzem Suchen fand ich ihn im unteren Treppenhaus \u2013 wohlbehalten und nachdem er erfahren hatte, was vorgefallen war auch \u00e4u\u00dferst w\u00fctend dar\u00fcber, dass ich es gewagt hatte, \u201eseine\u201c Labort\u00fcr aufzubrechen. Ich wollte ihm als Unterbewahrer keine Szene vor versammelter Mannschaft machen \u2013der Aufruhr im Treppenhaus hatte schon mehr Zuschauer angelockt, als mir lieb war. In meinem B\u00fcro stellte ich ihn wegen des restlichen Skorpionameisengiftes zur Rede, doch er weigerte sich standhaft zuzugeben, dass er einen Teil f\u00fcr Experimente zur\u00fcckbehalten hatte. Stattdessen ereiferte er sich, dass sich aus diesen kleinen Tieren einfach nicht mehr Gift gewinnen lie\u00dfe und warf mir sogar vor, diesbez\u00fcglich v\u00f6llig unrealistisch zu sein. Er wurde ziemlich laut. (Nna ja, zugegeben, ich auch) Schlie\u00dflich verlie\u00df er wutschnaubend mein B\u00fcro mit der Anmerkung, er habe Wichtigeres zu tun \u2026 Dar\u00fcber wird noch zu reden sein, sobald sich die Situation wieder ein wenig beruhigt hat und wir die Ursache der seltsamen Vorkommnisse gefunden haben!<\/p>\n<p>Wie immer nach einem Besuch in der Oberwelt hatte ich unb\u00e4ndigen Hunger. Nachdem ich mir in der K\u00fcche etwas zu Essen geholt hatte, dachte ich \u00fcber das nach, was ich in der Oberwelt gesehen hatte. Die Bilder von Fredrik und Emilia waren offensichtlich meine eigenen \u00c4ngste, w\u00e4hrend ich die Bilder der beim Essen vergifteten Personen vermutlich aus Cassandras Geist empfangen hatte. Vermutlich handelte es sich um ihre Familie, denn eine der Frauen am Tisch hatte gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit ihr, sicher ihre Schwester, von der sie immer erz\u00e4hlte. Cassandra kam zu mir um meine Erlaubnis f\u00fcr ihre Abreise einzuholen. W\u00e4hrend meiner Auseinandersetzung mit Fredrik hatte sie erneut versucht, den Kontakt aufzubauen, doch sie konnte ihre Schwester nicht erreichen und wollte so schnell wie m\u00f6glich abreisen um sich vor Ort zu \u00fcberzeugen, was geschehen war. Sie hatte bereits nach einem Luftwagen geschickt. Ich konnte gut nachf\u00fchlen, was sie empfand. Im Gegensatz zu mir, der durch die Elhalyn-Gabe st\u00e4ndig alle m\u00f6glichen Zukunftsvisionen empfing, hatte sie keinerlei Erfahrung mit der tats\u00e4chlichen Vorausschau und den m\u00f6glichen Entwicklungen in der Zukunft. Und selbst f\u00fcr mich bergen diese Visionen immer noch mehr Verwirrung und Unsicherheit als mir lieb ist. Trotzdem versuchte ich sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Falls das, was sie gesehen hatte, tats\u00e4chlich in diesem Moment auf Armida geschah, k\u00e4me sie selbst mit einem Luftwagen zu sp\u00e4t, um helfen zu k\u00f6nnen. Doch die Vision, die meine eigene Panik hervorgerufen hatte, hatte sich als unbegr\u00fcndet herausgestellt, wie der wutschnaubende Fredrik uns allen so eindrucksvoll bewiesen hatte. Ich versuchte Cassandra davon zu \u00fcberzeugen, dass ihre Vision ebenso wenig real sei wie meine eigene (und hoffte inst\u00e4ndig, dass ich damit richtig lag).<br \/>Ich ging mit Cassandra hinaus in den kleinen Innenhof. Sie war ja schon den ganzen Tag wegen ihrer Familie beunruhigt, und die Erlebnisse in der Oberwelt trugen nun nicht gerade dazu bei, sie zu beruhigen. Daher bat ich sie, mir noch einmal genau ihre Bef\u00fcrchtungen und Vermutungen zu schildern. Sie berichtete, dass sie schon beim Aufwachen das Gef\u00fchl gehabt habe, dass etwas nicht in Ordnung sei und dass jemand aus ihrer Familie schwanger sei \u2013 eigentlich doch eher ein Grund zur Freude. Dennoch hatte sie ein ungutes Gef\u00fchl und vermutete, dies habe ihrer Familie bzw. vermutlich mit ihrer Nichte zu tun. Beim kurzen Kontakt \u00fcber die Relais hatte ihre Schwester Cassandra auch versprochen, mit ihrer Tochter zu reden um in Erfahrung zu bringen, ob dies wirklich die Ursache f\u00fcr Cassandras Unruhe sei. Nachdem sie einige Zeit dar\u00fcber nachgedacht hatte, meinte Cassandra, sie sei sich nicht sicher, ob die vermutete Schwangerschaft wirklich ihre Familie betraf oder eventuell auch etwas mit dem Turm zu tun haben k\u00f6nnte \u2013 die Turmgemeinschaft ist ja auch eine Art Familie.<br \/>Zwischenzeitlich waren Elaine, Donata und Emilia zu uns gesto\u00dfen. Wenn sich Cassandras \u00c4ngste nun wirklich auf ihre Familie bezogen \u2013 oder eher noch auf die Familie ihrer Schwester \u2026 Cassandras Schwester ist eine Alton, zu dieser Familie geh\u00f6ren auch Elaine und Dio \u2026 Wenn die vermutete Schwangerschaft nun sowohl die Dom\u00e4ne Alton als auch unseren Turm betraf \u2026 Es war doch recht unwahrscheinlich, dass es Elaine betreffen k\u00f6nnte, aber Dio? Sie h\u00e4tte es \u2013 wenn es so w\u00e4re - mir als ihrem Bewahrer sagen m\u00fcssen, damit sie von den Arbeiten befreit w\u00fcrde, die dem Kind schaden konnten. H\u00f6chste Zeit, die Angelegenheit zu kl\u00e4ren. Auch wenn ich ihr Bewahrer bin verbot es mir der Anstand, sie direkt zu fragen, also bat ich Cassandra, das zu \u00fcbernehmen. Cassandra f\u00fchrte Dio ein wenig von uns anderen weg, um unter vier Augen reden zu k\u00f6nnen, schien aber ein wenig herumzudrucksen. Kurz danach kamen die zwei zu uns zur\u00fcck und Cassandra sagte, sie habe nichts herausfinden k\u00f6nnen. Auch die andren Damen waren keine gro\u00dfe Hilfe, also beschloss ich kurzerhand, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.<br \/>Wir entfernten uns ein paar Schritte von den anderen, blieben aber in Sichtweite. Die Situation war schon prek\u00e4r genug! Ich wollte die Sache daher diplomatisch angehen und fragte Dio, ob es etwas g\u00e4be, was ich als ihr Bewahrer wissen sollte.<br \/>\u201eJetzt f\u00e4ngst Du auch noch so an\u201c \u2013 Dio schien ein wenig entnervt.<br \/>\u201eIch meine, etwas, was deine Arbeit im Kreis beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\u201eNein \u2013 was wollt ihr eigentlich alle von mir?\u201c<br \/>So langsam war auch ich mit meiner Geduld (und der Diplomatie) am Ende, daher fragte ich sie geradeheraus:<br \/>\u201eDio, bist du schwanger?\u201c<br \/>Was auch immer sie erwartet hatte \u2013 das war es nicht. Sie war v\u00f6llig perplex, hatte sich aber schnell wieder im Griff und antwortete mir in ihrer gewohnten (leicht schnippischen) Art:<br \/>\u201eNein, bin ich nicht. Ihr k\u00f6nnt ja nachschauen!\u201c<br \/>Nun, das wollte ich nun eher nicht, aber aufgrund der Ahnungen, die Cassandra den ganzen Tag hatte, machte es durchaus Sinn, alle weiblichen Turmbewohner auf eine m\u00f6gliche Schwangerschaft zu untersuchen. Der Anstand verbot es mir, dabei anwesend zu sein, also \u00fcberlie\u00df ich das den Damen und gesellte mich zu den anderen in die K\u00fcche. Ich fragte Mika, ob er Fredrik die Skorpionameisen gebracht habe und erfuhr, dass die Biester verschwunden waren, bevor Mika eine Chance hatte, sie zu fangen.<br \/>Kurz darauf kam Dio um mir zu berichten, dass sie nicht schwanger sei. Irgendwie hatte ich es mir bei ihr auch nicht vorstellen k\u00f6nnen. Sie war in ihren Studien viel zu ehrgeizig, um diesbez\u00fcglich unvorsichtig zu sein. Auch bei den anderen Damen best\u00e4tigte sich keine Schwangerschaft. Nur bei Leandra lag es wohl im Bereich des M\u00f6glichen, aber als geschulte \u00dcberwacherin kann sie diesbez\u00fcglich gut auf sich selbst aufpassen.<\/p>\n<p>Ich war gerade mit Cassandra auf dem Weg vom der K\u00fcche zur\u00fcck zu meinem B\u00fcro als sie das seltsame Portal im Treppenhaus. Dort, wo bisher eine ganz normale T\u00fcr zu einem Novizen-Schlafraum war, befand sich nun ein gro\u00dfes h\u00f6lzernes Portal. Es f\u00fchlte sich massiv an, lie\u00df sich jedoch nicht \u00f6ffnen. Ich bat Cassandra es zu untersuchen, da ich mich \u2013 obwohl ich ja etwas gegessen hatte \u2013 durch die Laranarbeit immer noch ziemlich ausgelaugt f\u00fchlte. Doch w\u00e4hrend Cassandra das seltsame Portal untersuchte, verschwand auch dieses wieder \u2013 zur\u00fcck blieb nur die gewohnte T\u00fcr, die \u2013 wie wir uns versicherten \u2013 auch wie immer zu den Novizen-Schlafr\u00e4umen f\u00fchrte.<br \/>Dann versammelten wir uns wieder in meinem B\u00fcro um zu beraten, wie wir die Geschehnisse aufkl\u00e4ren k\u00f6nnten. Cassandra und ich schilderten den anderen, was in der Oberwelt geschehen war und Cassandra berichtete, wie sie vergeblich versucht hatte, ihre Familie \u00fcber die Relais zu erreichen. Leandra fragte sie, ob sie irgendetwas anderes au\u00dferhalb des Turms wahrgenommen habe. Ja, sie hatte zwei Personen wahrgenommen, vermutlich Reisende, oben auf der Pass-Stra\u00dfe, denen sie weiter keine Bedeutung beigemessen hatte, au\u00dferdem war da eine Pr\u00e4senz, die sich anscheinend in dem dichten Nebel, der uns auf allen Seiten umgab zu verstecken schien.<br \/>Wir entschieden uns zu einem weiteren Besuch in der Oberwelt, um diese Pr\u00e4senz, was auch immer sie sein mochte, n\u00e4her zu untersuchen. Cassandra hatte die Pr\u00e4senz gesp\u00fcrt und wusste somit am besten, wonach wir suchten, aber Donata hatte eben erst viel Kraft aufgewendet, um die Matrixfalle zu bauen und zu aktivieren. Au\u00dferdem war es mir wichtig, einige erfahrene Leute im Turm zu wissen, nur f\u00fcr den unwahrscheinlichen Fall, dass irgendetwas geh\u00f6rig schief gehen sollte. Heute schien alles m\u00f6glich zu sein. Daher entschied ich, dass Cassandra und Dio mich begleiten sollten. Um der Panik, die uns vorhin \u00fcberw\u00e4ltigt hatte vorzubeugen, sch\u00e4rfte ich allen ein, sich ein positives Bild bereitzuhalten, um im Notfall der Panik entgegensteuern zu k\u00f6nnen.<br \/>Der \u00dcbergang in die Oberwelt gelang wie immer scheinbar m\u00fchelos und dennoch war es nicht wie immer. Um uns herum herrschte wieder dichter Nebel. Wir versuchten, ihn zu durchdringen und wieder sp\u00fcrte ich die Panik in mir aufsteigen. Bei allen Ermahnungen an die anderen, positive Bilder bereitzuhalten, hatte ich v\u00f6llig vers\u00e4umt, mir selbst etwas zurechtzulegen. Auf die Schnelle fielen mir nur B\u00e4ume ein, die sich im Takt der Musik wiegen und ihre Kronen wie im Tanz neigen. Ob das wohl eine Nachwirkung des Traumes mit den tanzenden Blumen war? Offensichtlich waren unsere positiven Bilder nicht stark genug, denn ich sp\u00fcrte die anderen an meiner Seite schwanken und eh ich es verhindern konnte, wurden wir alle wieder in unsere K\u00f6rper zur\u00fcckgeschleudert. Oder hatte Leandra unsere Panik gesp\u00fcrt und uns zur\u00fcckgeholt um Schlimmeres zu verhindern?<br \/>W\u00e4hrend wir \u00fcber die S\u00fc\u00dfigkeiten herfielen, die uns Mallina gebracht hatte, besprachen wir kurz unsere Erlebnisse, doch uns allen war klar, dass wir schnell handeln mussten. Diesmal hatte Cassandra Gr\u00e4ber gesehen und dies gemahnte uns zur Eile. Daher beschlossen wir uns mit den S\u00fc\u00dfigkeiten bestm\u00f6glich zu st\u00e4rken und es nach einer kurzen Pause direkt noch einmal zu versuchen.<\/p>\n<p>Doch gerade als wir es uns in den Sesseln bequem gemacht hatten und uns die mit Schokolade \u00fcberzogenen Fr\u00fcchte schmecken lie\u00dfen, h\u00f6rten wir einen neuen Alarmschrei aus dem Treppenhaus. Wieder Blut. Diesmal am Fenster. Ich wei\u00df nicht genau, wer es entdeckt hatte, vermute aber, dass es eine der Novizinnen war, die in der K\u00fcche weitere S\u00fc\u00dfigkeiten f\u00fcr uns holen wollten, denn sie waren sie alle bereits im Treppenhaus, als wir dazukamen. Mallina war schon auf das Fensterbrett geklettert, um das Blut genauer zu untersuchen (ich hoffte inst\u00e4ndig, dass sie nicht wieder probiert hatte). Irgendjemand machte den Vorschlag, ein wenig davon in einem Gef\u00e4\u00df aufzufangen und in die von Donata und Dio gebaute und aktivierte Matrixfalle zu stecken. Es gelang Mallina tats\u00e4chlich, bevor das Blut wieder verschwand. W\u00e4hrend wir uns noch ein wenig ausruhten um f\u00fcr den n\u00e4chsten Besuch in der Oberwelt wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen, \u00fcberlegten wir, was weiter zu tun sei. Das Blut in der Matrixfalle konnte nun nicht mehr verschwinden, also war das nicht ganz so eilig. Die seltsame Pr\u00e4senz, die Cassandra entdeckt hatte und die sich in der Oberwelt vor uns im Nebel verborgen hatte, machte uns weit mehr Sorgen. Beim ersten Versuch, uns dieser Pr\u00e4senz zu n\u00e4hern, hatte uns diese mit Panik zur\u00fcckgeschlagen; und da wir alle miteinander verbunden waren, hatten wir auch die dreifache Panik gesp\u00fcrt. Um dies beim zweiten Besuch zu vermeiden, entschied ich, dass wir diesmal zwar gleichzeitig aber nicht als miteinander verbundener Kreis in die Oberwelt gehen w\u00fcrden. Um ganz sicher zu gehen, sollte auch jeder von uns separat \u00fcberwacht werden. Leandra w\u00fcrde Dio, die von uns dreien am unerfahrensten war, \u00fcberwachen. Donata w\u00fcrde Cassandra \u00fcberwachen. Ich lie\u00df nach Raja schicken, aber sie war auf die Schnelle nicht auffindbar, also w\u00fcrde Emilia mich \u00fcberwachen.<br \/>Wie gewohnt gelangte ich in die \u00dcberwelt und erblickte Cassandra neben mir. Kurz darauf war auch Dio bei uns, doch zu meiner \u00dcberraschung erblickte ich Leandra neben ihr und zwischen den beiden spannte sich ein schimmerndes Band. Anscheinend hatte Dio ein wenig \u00fcbereifrig ihre \u00dcberwacherin mit in die Oberwelt gezogen. Nun, daran war nichts mehr zu \u00e4ndern. Die ganze Sache war zu wichtig und wir alle sowieso schon zu ersch\u00f6pft, um jetzt abzubrechen, die Verbindung aufzul\u00f6sen und dann einen neuen Versuch zu unternehmen. Also stellte ich entgegen dem urspr\u00fcnglichen Plan nun doch eine Verbindung zu Dio, Leandra und Cassandra her und gemeinsam n\u00e4herten wir uns wieder der Stelle, an der der Nebel am dichtesten war. Und wieder sp\u00fcrten wir die Panik in uns aufsteigen. Ich sp\u00fcrte die Verbindung wanken und signalisierte den anderen, dass sie an ihre positiven Bilder denken sollten. Kurz nahm ich die Bilder der anderen wahr \u2013 oder waren es meine eigenen? Zumindest sah ich mich selbst. Seltsam, doch es gab nun wirklich Wichtigeres zu tun, als sich dar\u00fcber zu wundern. Die Verbindung stabilisierte sich wieder und wir konnten weiter der Nebelwand n\u00e4hern. Wir sp\u00fcrten die Pr\u00e4senz und versuchten einen Kontakt zu ihr aufzubauen, doch so sehr wir es auch versuchten, es wollte uns einfach nicht gelingen. Je mehr wir uns ihr n\u00e4herten, desto dichter wurde der Nebel und die Pr\u00e4senz schien sich zu verbergen. Schlie\u00dflich mussten wir einsehen, dass wir auf diese Weise auch nicht weiterkommen w\u00fcrden und verlie\u00dfen die graue Ebene wieder. Ich l\u00f6ste den Kreis auf, doch irgendwas war anders als sonst. Das Band zwischen Dio und Leandra schien immer noch zu bestehen. Als Test sprach ich sie einzeln an \u2013 und sie antworteten mir gemeinsam. Es war, als h\u00e4tten wir eine Person in zwei K\u00f6rpern vor uns. Ich hatte keine Ahnung, wie sie das fertiggebracht hatten! Die beiden konnten die Verbindung alleine nicht l\u00f6sen, also verband ich mich mit ihnen und begann das Band zwischen ihnen Faser f\u00fcr Faser zu l\u00f6sen. Vielleicht war ich ein wenig zu vorsichtig, aber da ich nicht genau wu\u00dfte, wie das Band zustande gekommen war, wollte ich es auch nicht einfach unvorsichtig trennen. Wer wei\u00df, welchen Schaden das zur Folge haben k\u00f6nnte. W\u00e4hrend ich mit den einzelnen Fasern besch\u00e4ftig war sp\u00fcrte ich pl\u00f6tzlich, dass die gerade gel\u00f6sten Enden nach mir griffen und mich ebenfalls in die Verbindung hineinzogen. Sosehr ich mich auch anstrengte, es waren schon so viele lose Enden, dass ich ihnen nicht entkommen konnte. Meine Wahrnehmung ver\u00e4nderte sich. Ich sah Dio an, die gleichzeitig Leandra war und auch mein Gesicht hatte. Ich sp\u00fcrte die Verwirrung der beiden anderen \u2013 oder war es meine eigene? Ich konnte nicht mehr klar trennen, wo mein eigenes Ich aufh\u00f6rte und was die Pers\u00f6nlichkeiten von Dio und Leandra waren. Cassandra sagte meinen Namen \u2013 oder hatte sie Leandra oder Dio gesagt? Ich wusste jedenfalls, dass ich gemeint war und antwortete ihr. Gleichzeitig sah und h\u00f6rte ich, dass auch Dio und Leandra antworteten. Cassandra wirkte verwirrt \u2013 oder lag das nur daran, dass ich sie aus drei verschiedenen Perspektiven sah? Sie fragte mich\/uns, was geschehen sei und ich\/wir antworteten, dass ich\/wir keine Ahnung h\u00e4tten, wie es geschehen sei und dass wir in einer dreifachen Verbindung seien, aus der wir uns selbst nicht l\u00f6sen konnten. Die Sache war in h\u00f6chstem Ma\u00dfe unangenehm und obendrein sp\u00fcrte ich auch das dringende Bed\u00fcrfnis, den Abort aufzusuchen. Oder kam das von einer der anderen? Ich\/wir h\u00f6rten, wie Donata vorschlug, Fredrik zu holen, um diese Dreifachverbindung zu l\u00f6sen. In mir\/uns stieg Panik auf. Im Grunde ist Fredrik ja bei dem was er tut sehr gewissenhaft, aber ich\/wir hatten doch einige Bedenken, ob er hier w\u00fcrde weiterhelfen k\u00f6nnen. Seit wir im Fr\u00fchjahr gemeinsam einen Tag in der Oberwelt gefangen waren und Fredrik auf dem R\u00fcckweg auch noch zur\u00fcckgelassen wurde, geht er jeder Kreisarbeit aus dem Wege.<br \/>Doch meine\/unsere Bedenken waren unbegr\u00fcndet. Ich\/wir sp\u00fcrten Fredriks starke Pr\u00e4senz und er begann die Verbindungen zu l\u00f6sen. Er ging konzentriert vor und es gelang ihm besser als mir, sich von den losen Enden fernzuhalten. Es dauerte nicht lange bis sich meine Wahrnehmung normalisierte und ich mich allein in meinem Geist und meinem K\u00f6rper wiederfand. Ich blickte zu Leandra und entnahm ihrem erleichterten Blick, dass auch sie aus der Verbindung befreit war. Nur Dio schien immer noch nicht wieder sie selbst zu sein und auch Fredrik wirkte seltsam (d.h. seltsamer als sonst). Eine kurze \u00dcberpr\u00fcfung gen\u00fcgte um festzustellen, dass auch Fredrik den losen Enden nicht ganz hatte entgehen k\u00f6nnen, so dass nun eine Verbindung zwischen ihm und Dio bestand. Um nicht noch einmal hineingezogen zu werden, bat ich Leandra, auf die losen Enden zu achten und trennte zwar vorsichtig, aber diesmal recht schnell das Band zwischen Dio und Fredrik. Ich schaute in die Runde um mich zu vergewissern, dass nun wirklich alles wieder so war, wie es sein sollte. Wir waren alle ziemlich ersch\u00f6pft aber ansonsten war alles wieder in Ordnung.<br \/>Fredrik erhob sich und verlie\u00df mit den Worten \u201eIch geh mein Labor aufr\u00e4umen\u201c mein B\u00fcro. Ich war wie vor den Kopf geschlagen \u2013 von allem seltsamen Verhalten, dass ich von Fredrik in dem Jahr, in dem wir zusammenarbeiten erlebt habe, war das nun wirklich das sonderbarste! Was war geschehen?<\/p>\n<p>Fredrik scheint ja immer ein gewisses Chaos um sich herum zu ben\u00f6tigen (und findet sich darin im Gegensatz zu uns anderen auch immer zurecht). Es erschien uns allen so merkw\u00fcrdig und unwahrscheinlich, dass gerade er nun das Labor aufr\u00e4umen wollte. Daher folgten wir ihm und fanden im Labor nicht nur den Ordnung schaffenden Fredrik, sondern auch einen abgetrennten Arm \u2013 oder wurde er uns von irgendwem dorthin gebracht? Ich wu\u00dfte wirklich nicht, wo der nun wieder herkam. Doch immerhin verschwand er im Gegensatz zu den Fingern nicht gleich wieder sondern gab mir die Gelegenheit, ihn wenigstens ansatzweise zu untersuchen. Ich begann also die Strukturen des Gewebes zu erkunden und stellte sehr schnell fest, dass es sich nicht um menschliche Zellstrukturen handelte. Dem \u00e4u\u00dferen Anschein hatte ich einen eindeutig menschlichen Arm vor mir, doch die Strukturen wirkten pflanzlich, mehr wie ein Pilz denn Fleisch. Sehr seltsam. Doch bevor ich mich eingehender damit besch\u00e4ftigen konnte oder auch nur eine Spur des Ursprungs entdecken konnte, war auch der Arm wieder verschwunden. Au\u00dfer einer unerkl\u00e4rlichen Pilzstruktur hatten wir also keine weiteren Hinweise.<br \/>Ich war mir zwar nicht sicher, von wem w\u00e4hrend der Dreifach-Verbindung das Bed\u00fcrfnis, den Abort aufzusuchen ausgegangen war, doch bevor wir weitere Schritte zur Untersuchung der seltsamen Ereignisse unternahmen, sollte zumindest ich diesen Ort aufsuchen. Als ich wieder zur T\u00fcr heraustrat traf ich Dio und Leandra \u2026 Wir schauten uns einigerma\u00dfen verbl\u00fcfft an - war es Zufall oder doch eine Nachwirkung der Verbindung?<br \/>Kaum war ich wieder im Haus wurde mir berichtet, dass im unteren Flur auf einer T\u00fcr das Bild einer Frau erschienen war \u2013 mal war es eine junge Frau in einer Bewahrer-Robe, die eine Strohgarbe und Blumen im Arm trug, mal war es ein Totensch\u00e4del, der eine Sense im Arm hielt. Was sollte das nun wieder? Wenn sich das Bild nicht ver\u00e4ndert h\u00e4tte, h\u00e4tte ich es vielleicht f\u00fcr einen schlechten Scherz der Novizen gehalten. Aber eine Frau in einer Bewahrer-Robe? Das war definitiv ein Trugbild (auch wenn ihre Z\u00fcge einige \u00c4hnlichkeit mit Leandra aufwiesen). Und der Totensch\u00e4del mit der Sense? Doch mir blieb nicht viel Zeit, \u00fcber das Bild nachzudenken. Den Novizen war aufgefallen, dass sie Mallina l\u00e4ngere Zeit nicht mehr gesehen hatten. Beunruhigt durch die seltsamen Ereignisse hatten sie sich auf die Suche gemacht und Elaine hatte Mallina schlie\u00dflich gefunden \u2013 schlafend im Bett. Allerdings war das ganze Bett von einem dichten Spinnengewebe umgeben in dem unz\u00e4hlige Spinnen sa\u00dfen. Mallina schien friedlich zu schlafen \u2013 oder war sie wom\u00f6glich vom Spinnengift bet\u00e4ubt? Elaine versuchte mit einen Kleiderb\u00fcgel das Spinnennetz zu \u00f6ffnen um zu Mallina zu gelangen, aber die Bewegungen am Netz lockten nur die Spinnen an. Mika hatte seine Schutzkleidung wieder angelegt und sammelte die Spinnen in einen von Elaine bereitgehaltenen Krug. Trotz des hektischen Treibens im Raum lag Mallina unbeweglich und anscheinend tief schlafend da. Das konnte kein normaler Schlaf sein! Cassandra sagte mir, Mallina schlafe, aber ich war zutiefst beunruhigt und wollte mich selbst davon \u00fcberzeugen, dass ihr wirklich nichts fehlte. Ich n\u00e4herte mich dem Spinnengewebe und wollte mit meinen mentalen Fingern hindurchgreifen.<br \/>Ich sp\u00fcrte den Nebel und dann wurde alles schwarz um mich. Ich nahm nur noch undeutlich wahr, wie ich auf dem Boden aufschlug.<\/p>\n<p>Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Sofa in meinem B\u00fcro und hatte einen unertr\u00e4glichen Gestank in der Nase. Mich \u00fcberkam ein W\u00fcrgereiz und ich reflexartig stie\u00df ich den Beh\u00e4lter mit Knoblauch von mir, den Emilia mir unter die Nase hielt. Ich bin \u00fcberzeugt, dass sie es gut gemeint hatte und ich will auch nicht undankbar erscheinen, aber der N\u00e4chste, der mir statt Riechsalz Knoblauch unter die Nase h\u00e4lt, wird zu mindestens 4 Zehntagen Relaisdienst verdonnert!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plot zur Oktober Con 2015 Ein Jahr ist es nun bereits her, seit die Leute aus Tramontana dem gebeutelten Hestral zu Hilfe gekommen waren. Das Leben nach der Katastrophe dort hat sich inzwischen wieder ziemlich normalisiert. 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